Was meint Edmund Husserl mit dem Widerstreit zwischen Wahrnehmung und İmaginationsbildung?

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1 Antwort

Ich hatte versucht, den Widerstreit zwischen imaginiertem Sujet und Bildobjekt anhand einer Plastik „Aufsteigende Kranische“ zu erläutern. Maeger macht das anhand eines gerahmten Portraitbemäldes, das in einem Rahmen gefasst ist. Trifft das Gemälde die Person, das Sujet gut, erst recht wenn ich sie kenne, sehe ich durch das Bild hindurch über das Bildobjekt hinaus eine lebendige Imagination dieser Person, dieses Sujets. Dennoch kann ich den Rahmen nicht ganz ausblenden, andere Merkmale des Bildobjekts, wie die „eingefrorene“ Pose, eine Kleidung, die die Person nur selten trägt, alles erinnert mich im Widerstreit zur lebendigen Imagination des Sujets daran, dass es „nur ein Bild“ ist. Sind die Pinselstriche wie bei Vincent van Gogh recht kräftig, steht auch diese Malweise in Widerstreit zur lebendigen Imagination des Sujets. Man kann auch nicht ganz wegblenden, dass die Darstellung nur zweidimensional ist, auf Papier oder Leinwand, denn das bleibt schon im Bewusstsein, dass ich ein zweidimensionales Gemälde vor mir habe. Auch das widersteht einer lebendigen Imagination des Sujets. So verweist ein gerahmtes Portrait zwar auf ein Sujet und meine lebendige Imagination davon, doch widerstehen viele Aspekte der physischen Gegebenheiten, als physischem Bildding.

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Kommentar von berkersheim
17.02.2016, 22:46

Du solltest bei Husserl immer seine unterschiedlichen Ebenen im Hinterkopf haben, in die er beim Betrachten eines Bildes unterteilt. Erinnere Dich, da sind drei notwendige Momente des Bildbewusstseins zu unterscheiden (hier im Beispiel Bismark):


1) Das physische Bild, das Ding, aus Marmor usw. So die Bismarkstatue, Fotos von Bismark, Ölbilder von Bismark, Grafiken von Bismark, Merkmale des physischen Bildes können der Rahmen sein, die Dimension, die Darstellungstechnik (Malweise),

2) Das repräsentierende oder abbildende Objekt (Bildobjekt), die jeweiligen Darstellungen von Bismarkt, z.B. nur als Öl-Brustbild, als Ganzkörperstatue, als Situationsphotografie – alle sind nur Momentwiedergaben der Person Bismarks, den man in den Abbildungen aber immer wieder als Bismark erkennt.

3) das repräsentierte oder abgebildete ObjektBildsujet - Bismark selbst, der, weil tot für niemanden mehr als Wahrnehmungsbewusstsein erfahrbar ist.

Die Verbindung zwischen dem Bildsujet und dem Bildobjekt wird vom Betrachter durch die Imagination hergestellt. Diese Imagination aber ruft ja lebendige Vorstellungen des Sujets ins Gedächtnis, denen Merkmale des physischen Bildes widerstreiten können.

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Kommentar von Happiness88
17.02.2016, 23:14

Wow! Besser hätte man das wirklich nicht erläutern können. Besten Dank! 👍🏼👍🏼👍🏼

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