Was macht es mit einem Kind, wenn die Mutter Asperger-Autistin ist?

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5 Antworten

Hat besagte Therapeutin überhaupt eine Zusatzausbildung im Bereich Autismus?

Wenn nicht, kann sie bei dem Thema auch gar nicht weiter kommen.

Was es mit dem Jungen macht, weiß ich nicht.
Schließlich gibt es da genauso Unterschiede wie bei anderen Mutter-Kind-Konstellationen ohne ASS.

"Ihren Autismus nachahmen" finde ich schon sehr befremdlich diese Aussage.
Um nachzuahmen müssten die Spiegelneuronen entsprechend funktionieren, was bei Autisten nicht so ist, wie bei sog. Neurotypischen (NT).

Ich würde der Therapeutin empfehlen, nur von Dingen zu sprechen, von denen sie definitiv Ahnung hat.
Der Bereich Autismusspektrumstörung gehört meiner Ansicht nach definitiv nicht dazu.

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Kommentar von Wellmom
16.11.2016, 22:58

Ich will dir da keinesfalls widersprechen, aber die Therapeutin scheint wohl davon auszugehen, dass die Spiegelneuronen ganz hervorragend funktionieren. Allerdings ausschließlich auf die Mutter bezogen. Und DA hakt es bei mir aus, weil "normale" Kinder sich (so wie ich das bisher kenne) nie und nimmer und unter gar keinen Umständen ausschließlich an der Mutter orientieren würden.

Andererseits hab ich auch noch nie derart ritualisierte und strukturierte Tagesabläufe gesehen wie in der betreffenden Familie... Aber ich hab auch noch bei keiner anderen Familie so gesehen, dass die Unterschiede der einzelnen Mitglieder so kritiklos hingenommen und berücksichtigt werden.

Bin immer noch eher ratlos...

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Autismus ich hochgradig erblich:

http://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/kinder-jugend-psychiatrie/erkrankungen/autismus-spektrum-stoerung-ass/ursachen/

Vermutlich ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Gene und
Umweltfaktoren für die Erkrankung verantwortlich. Aktuell wird die
Heritabilität von Autismus Spektrum Störungen auf ca. 70-80% geschätzt.

Dass er das Asperger-Syndrom geerbt hat, dürfte damit deutlich wahrscheinlicher sein, als dass er seine Mutter so extrem nachahmt. Schließlich hat ein Kind noch andere Vorbilder, z.B. Freunde, Familie, Mitschüler und Lehrer.

In den gängigen Autisten-Foren schreiben einige autistische Mütter, auch mit "normalen" Kindern. Ihre Kinder zeigen (angeblich) keinerlei Anzeichen von Autismus, obwohl ihre Mutter Autistin ist.

Dass die Therapeutin sich dermaßen gegen Fakten sperrt, dürfte zwei Gründe haben:

  1. Sie kennt sich nicht aus. Autismus kann nur ein Psychiater mit Zusatzausbildung feststellen. Als Therapeutin ist sie damit schlichtweg überfordert.
  2. Sie fürchtet um ihr Einkommen. An einem erworbenen Trauma kann man mehr herum therapieren, als an einem angeborenen Asperger-Syndrom.

Deshalb mein Rat: Erspart dem Kind die falsche Therapie. Sonst redet sie ihm noch Traumata ein, die er niemals erlebt hat. Wartet auf den Diagnosetermin.

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Die Mutter sagte, der Wortlaut war "Das MACHT ja was mit einem Kind, wenn die Mutter eine schwerwiegende Krankheit hat" 

Das stimmt!


Weiterhin wurde ihr wohl unterstellt, das Kind durch ihr "So-sein" so beeinflusst zu haben, dass es jetzt ihren Autismus nachahmen würde, die Eltern seien ja die wichtigsten Vorbilder...

Auch damit hat die Therapeutin nicht unrecht. Ich hatte das selbst schon "erlebt". Ein junger Mann der eine Zwangsstörung entwickelte weil er diese Verhaltensweisen als Kind von seinem Vater erlernte. Er war ein Papa Kind und die Mutter (völlig gesund) hatte keinen Einfluss. Heißt, er lernt das Verhalten, das wiederum manifestiert und verselbstständigt sich mit der Zeit.

Es bleibt fraglich ob er eine Autismusspektrumstörung hat, das müsste entsprechend von einem Facharzt der darauf spezialisiert ist, abgeklärt werden oder aber, er spiegelt das Verhalten seiner Mutter und lebt autistische Verhaltenszüge weil er es nicht anders kennt. Beides ist möglich, die Diagnose Asperger genauso wie anerlernte Verhaltensweisen.

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Kommentar von Wellmom
19.11.2016, 23:50

Hmmm, ja, so gesehen...
Stimmt schon, wenn ich so nachdenke...
Eine Cousine meiner Mutter leidet seit über 20 Jahren unter dem, was heute "Multiple Sklerose" heißt.
Eins ihrer Kinder ist mit 16 nachts an Herzstillstand gestorben. Eins ist Messie geworden. Eins Krankenpfleger.

Ich mag da gar nicht so viel mehr dazu sagen - nur noch: der Junge, den ich meine, kopiert oder spiegelt - wenn er es denn tut - nicht so, dass es von außen ersichtlich wäre.
Er hat mit der Mutter - von außen gesehen - nix gemeinsam. Und doch scheint die Mutter zu erahnen, was hinter dem Verhalten ihres Kindes steckt. Und steckt selbst zurück, um es ihrem Kind leichter zu machen.
Ich seh den Grund, wieso das eine Behinderung ist, immer noch nicht... Aber ich habe ja auch einen spirituellen Hintergrund und gelte für die Mehrheit eh als suspekt... ;-)

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Ich kann deine Wut auf die aktuell behandelnde Therapeutin nur zu gut verstehen.

Im Wort "aktuell" liegt auch die mögliche Lösung. Es gibt immer die Möglichkeit, eine Zweitmeinung einzuholen.

Besteht in deinen Augen diese Möglichkeit? Also nicht, was die von der Krankenkasse vorgegebenen betrifft, sondern eher vom Einverständnis der Mutter und des Kindes her?

Das wäre mal ein Ansatz, den man verfolgen könnte.

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Kommentar von Wellmom
16.11.2016, 23:02

Zweitmeinung bei einer Praxis, die vom Autismus-Zentrum empfohlen wurde, wird verfolgt. Der Junge steht auf der Warteliste.
Die Warterei nervt mich mehr als die Betroffenen... seufz...

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Also es fällt mir wirklich schwer zu antworten, so nimmt mich das Geschilderte mit.

Es gibt so viele bescheuerte Vorurteile über Autismus, selbst unter "Experten". Die Erzählung bestärkt mein Mißtrauen gegenüber Psychotherapeuten. Psychotherapeuten haben als "Experten" viel zu viel Macht und viel zu wenig wissenschaftliche Basis.

Mal zur Aufklärung: Mittlerweile weiß man, dass meist Autismus von einer gestörten Darmflora verursacht wird. Bakterien, die dort eigentlich nicht leben sollten, sind in einer Zahl vorhanden, dass ihre Ausscheidungen (m.E. Gifte) das Gehirn schädigen.

Deswegen wird Autisten mittlerweile eine laktose- und glutenfreie Ernährung empfohlen. Manchen geht es spürbar besser damit, wenn auch nicht allen. (Man kann die Schäden halt i.d.R. nicht mehr rückgängig machen.)

Die Darmflora wird bei der Geburt übertragen und beim Stillen werden noch wichtige Bakterien und Nährstoffe für die Darmflora mitgegeben. (Deswegen haben Kaiserschnittbabys ein höheres Risiko für bestimmte Krankheiten.) Die Mutter kann halt leider keine bessere Darmflora mitgeben, als sie selbst hat.

Apserger bei Frauen äußert sich anders und weniger klischeehaft (Big Bang Theorie...) als bei Männern, bleibt deswegen meist auch undiagnostiziert. Sie sind meist sehr mütterlich.
Außerdem können Menschen mit Asperger oft besser als der Durchschnitt sowohl mit Tieren als auch mit kleinen Kindern umgehen. Sie reagieren viel besser auf nonverbale Signale.

Ich sage dir mal was: Die Therapeutin reagiert nur so heftig und vorwürflich, weil es jetzt offensichtich ist, dass sie zu doof war, die richtige Diagnose bei dem Jungen zu stellen. Defensive Aggressivität müsste man das eigentlich in ihrem eigenen Jargon nennen.

Ärzte und Therapeuten sind die unfairsten Menschen, wenn man ihnen ihre Fehler aufzeigt, da spreche ich aus Erfahrung.

Ich würde jedem, der den Verdacht hat, irgendetwas mit Autismus zu haben, raten, sich oder sein Kind besser gar nicht diagnostizieren zu lassen. Die Ernährung umzustellen kann man selbst probieren und darüber hinaus kann man das nicht ursächlich behandeln. Man ist dann nur den bescheuerten Vorurteilen von "Experten" und jedermann in der Welt ausgeliefert.

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Kommentar von kiniro
16.11.2016, 22:32

Ich hätte gerne eine Quelle zu "Autismus kommt durch gestörte Darmflora".

Wem eine der genannten "Diät" hilft, der hatte vielleicht autismusÄHNLICHE Symptome, aber mitnicht keine richtig Autismusspektrumstörung.

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Kommentar von Wellmom
16.11.2016, 22:33

Den Begriff "defensive Aggressivität" kannte ich bisher noch nicht, der fühlt sich für mich aber durchaus passend an...
Soweit ich weiß, bewilligen Krankenkassen keine Psychotherapien für Autisten, weil Autismus ja nicht heilbar ist - die Chance, von Fachleuten angeleitete Kompensation zu erlernen, interessiert die KK wohl nicht, und durch die autismusbedingten Auffälligkeiten "provozierte" Traumata therapieren zu lassen, scheint auch zu den "No-gos" der Kassen zu gehören... Kann schon sein, dass die Therapeutin um eine Einkommensquelle, vielleicht auch um ihren Ruf bangt...

Das Hauptproblem dieser Familie ist meines Erachtens, dass die einzige Bezugsperson, die nachvollziehen kann, was der Junge braucht, für verrückt erklärt wird.
Dass sie versteht, was ihr Sohn braucht, wird ausgeschlossen.

Mit den Darmflora-Ansätzen kenne ich mich bisher nicht aus, ich danke für den Tip und werde mich da mal kundig machen!

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