Was macht der evolutionäre Humanismus so anders?

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Was macht der Evolutionäre Humanismus anders, überhaupt warum ist der Humanismus grundsätzlich so anders?

Atheismus - egal ob er jetzt "militant" seine Meinung sagt und Dialog ablehnt oder versucht es den Gläubigen schonend beizubringen und akzeptiert zu werden - ist erstmal nur eine Definition dessen was jemand nicht ist: Er / sie glaubt nicht an Götter.

Das kann man noch steigern, als Naturalist geht man davon aus, das in der Natur alles "mit rechten Dingen zugeht", es also z.B. keine Gespenster gibt und das Homöopathie keine über ein Placebo hinaus gehende Wirkung hat.

Das alles ist aber noch keine Weltanschauung, nichts, was einem - wenn man das will - eine Richtung oder Anleitung gibt.

Will man eine Weltanschauung haben der man angehört, einen Begriff finden für das was man so denkt und sich da einer Gruppe zugehörig fühlen, dann kann das der Evolutionäre Humanismus sein.

So richtig neu ist die Idee nicht, geht ja auch Julian Huxley und die anderen Atheisten in der UN zurück. Neu und modern ist - im vergleich z.B. mit einem religiös begründeten Humanismus, das man den Mensch in den Mittelpunkt stellt. Es wird versucht den Menschen und seine Mitlebewesen wissenschaftlich zu verstehen und davon ausgehend - im Wissen, daß man Fehler macht und auch mal seine Meinung anpassen muß - die Situation in der wir leben zu verbessern.

So wie der Mensch ein Produkt der Evolution ist, verändert sich auch die Sicht auf den Menschen mit unserem Wissen und verbessert sich die Welt Schritt für Schritt... evolutionär.

Basis ist eine naturalistische Sicht auf die Welt. Zitat Michael Schmidt-Salomon aus "Hoffnung Mensch": "Während traditionelle Weltanschauungen nur solche empirischen Befunde gelten ließen, die den jeweiligen Vorstellungen entsprachen, lässt der evolutionäre Humanismus nur solche Vorstellungen gelten, die empirischen Befunden entsprechen." Damit ist der Rahmen abgesteckt. Dogmen werden hinterfragt. Überprüfbare Erkenntnisse sind gefragt.

Empathie und Ethik werden aus dem Blickwinkel der Evolution erläutert. Religion bzw. religiöser Glaube spielt keine Rolle. Die Erkenntnisfähigkeit des evolutionären Humanismus stößt an Grenzen, wenn es um Bewusstsein geht. Dieses emergente Phänomen kann auch der evolutionäre Humanismus nicht erklären. Schmidt-Salomon, dessen o.g. Buch ich zum Thema empfehle, vermittelt Hoffnung in einem Maße, wie es der Rahmen des evolutionären Humanismus zulässt.

Woher ich das weiß:Hobby – Hobby-Rezensent

Im Zuge der Aufklärung hat sich das allgemeine Weltbild von einem theozentrischen (Gott im Mittelpunkt des Denkens) zu einem anthropozentrischen (Mensch im Mittelpunkt des Denkens) gewandelt. Daher kommt im Wesentlichen auch der heutige Humanismus.

Der evolutionäre Humanismus bezieht dabei auch die Entwicklung der Menschen und ihres Umfelds mit ein, so wird vor allem vernunftbasierte Ethik über die religiös-moralischen Dogmen gestellt, aber auch die (evolutionäre) Entwicklung sozialer Normen und veränderliche, moralische Standards berücksichtigt.

Die Ansprüche an menschliche Moralvorstellung sind also evtl. weniger "hoch" bzw. werden nicht als unumstößliche, dogmatisierte Idealbilder angeboten, sondern unterliegen ständiger Veränderung.

Bis jetzt hab ich noch nie gehört, dass sich ein EH "im namen des Humanismus" in die Luft gesprengt hat.

Wie gesagt gibt es dabei kein "Richtig" oder "Falsch" Denken, daher gibt es auch keinen Grund seine Weltanschauung bis in den Tod zu verteidigen oder anderen seine Denkweise aufzuzwingen.

@thetee99,

Wie gesagt gibt es dabei kein "Richtig" oder "Falsch" Denken,

Und was ist mir den 10 "Angeboten" des EH?

MfG Dhalwim numero zwo!

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@Dhalwim2

Dazu heißt es im Buch von Schmidt-Salomon:

Diese zehn „Angebote“ wurden von keinem Gott erlassen und auch nicht in Stein gemeißelt. Keine „dunkle Wolke“ sollte uns auf der Suche nach angemessenen Leitlinien für unser Leben erschrecken, denn Furcht ist selten ein guter Ratgeber. Jedem Einzelnen ist es überlassen, diese Angebote angstfrei und rational zu überprüfen, sie anzunehmen, zu modifizieren oder gänzlich zu verwerfen.

Es sind wie schon beschrieben "Angebote", keine dogmatisierten "Gebote" und wohl eher als eine Art Persiflage an die 10 Gebote zu verstehen.

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@thetee99

@thetee99,

Es sind wie schon beschrieben "Angebote", keine dogmatisierten "Gebote" und wohl eher als eine Art Persiflage an die 10 Gebote zu verstehen.

Oh. Ok. Danke. ^^

MfG Dhalwim numero zwo!

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Ich bevorzuge die Ethik von der "Ehrfurcht vor dem Leben", wie sie Albert Schweitzer in seinem gleichnamigen Buch (Beck Verlag) beschrieben und äußerst überzeugend vorgelebt hat. Mit dem Mund sind ja sehr viele Leute für ein von einer sehr guten Ethik bestimmtes Leben, beim glaubhaften/überzeugenden Umsetzen von sehr guter Ethik in Handlungen hapert es aber dann doch manchmal, leider !!!!!!

Bei der Ehrfurcht vor dem Leben nach den Schweitzerschen Überlegungen stehen mehr die subjektiven Empfindungen der Menschen und Tiere im Vordergrund als evolutionäre Überlegungen, also zum Beispiel die Verhinderung von unnötigem Leiden oder die Ermutigung zu einem sinnvollen und von sehr schönen Gefühlen erfüllten Leben.

Ich persönlich finde diesen ethischen Standpunkt überzeugender, als evolutionäre Überlegungen in den Vordergrund zu stellen - was aber natürlich nicht heißt, dass man evolutionäre Überlegungen nicht ausgiebig nutzen soll, um die Ziele der Ehrfurcht vor dem Leben noch besser durchzusetzen !!

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