Was machen Landwirte?

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7 Antworten

Einerseits finde ich es sehr gut interessierst Du Dich dafür andererseits erschrecke ich auch immer wieder wie klein das Wissen über Herstellung von Lebensmitteln in der heutigen Zeit ist (das bezieht sich nicht nur auf Dich :)

Die verschiedenen Bezeichnungen/Begriffe beim Nutzvieh

  • Das Jungtier wird bis zur Geschlechtsreife (idR mit 1jährig) "Kalb" genannt- ein männliches Jungtier auch "Stier(en)kalb"- ein nur mit Milch & Heu aufgezogenes Jungtier ist zudem bis zu 150kg ein "Milchkalb"
  • Ein noch nicht geschlechtsreifes Jungtier mit über 300kg wird als "Jungrind"- erst wenn geschlechtsreif & über 300kg als "Rind"- und ein weibliches Rind wird bis zur ersten Kalbung (=Geburt eines Kalbes) als "Färse" bezeichnet
  • Mit der ersten Kalbung wird das weibliche Jungtier zur "Kuh"
  • Mit der Geschlechtsreife wird das männliche Jungtier zum "Stier" oder "Bulle"- und kastriertes (männliches) Nutzvieh jeglichen Alters ist ein "Ochse"
  • Bei den Rassen wird unterschieden zwischen- Milchrassen mit optimaler Milchleistung (im Extremfall die sogenannten Hochleistungskühe")- Fleisch-/Mastrasse mit möglichst hohem und qualitativ gutem Fleischertrag- und Zweinutzungsrasse gleichermassen für Milch und Fleisch (beides nicht im Extrembereich :)

Die Rinderzucht (Rind im Sinne von Hausrind, Nutzvieh - nicht nur Jungtiere)

1. Die Besamung der Färse / Kuh (idR erfolgt dies heute künstlich; das ist ein eigener Beruf = Beamungstechniker; wird sie von einem Bullen gedeckt heisst das "Natursprung") - sie ist dann ca 9 Monate + 9 Tage (285 Tage) trächtig

2. Aufzucht des Kalbes

  • Bleibt das Kalb nach der Geburt bei seiner Mutter nennt man es "Mutterkuh-Haltung". Die Fütterung besteht vorwiegend aus Muttermilch, später auch aus Gras und Heu - hier werden vorwiegend Fleischrinderrassen eingesetzt (und gezielt auf eine gute Fleischleistung und -qualität gezüchtet. Tiere produzieren bei Fütterung auf Raufutterbasis ein erstklassiges, zartes und helles Gourmetfleisch) - http://mutterkuh.ch/de/fleisch-aus-mutterkuhhaltung/mutterkuhhaltung-ist/
  • Kälber haben nach der Geburt keinerlei Antikörper - stattdessen erhalten die Kälber die wichtigen Antikörper ausschließlich durch die Milchfütterung nach der Geburt (passiver Immunschutz in den ersten 3 Wochen)- bei der Erstversorgung mit "Kolostrum" oder "Biestmilch" (erste Milch die von der weiblichen Brustdrüse produziert wird)- Erst ab der vierten Woche sind die Immunkräfte durch die verabreichten Antikörper so weit gestärkt, dass das Tier über ein eigenes stabiles Immunsystem verfügt.

Die übliche landwirtschaftliche Praxis besteht darin, die Kälber an ihrem ersten oder zweiten Lebenstag von ihren Müttern zu trennen, damit diese normal gemolken werden können. Die Kälber werden anschließend meistens zweimal täglich mit frischer Kuhmilch gefüttert, die sie aus Nuckeleimern trinken. Dieses Verfahren ist altbewährt, verhindert aber, dass sich eine natürliche Beziehung zwischen Mutter und Kalb entwickeln kann

Hier findest Du viele detailliere Infos zur Kälberzucht - https://shop.fibl.org/fileadmin/documents/shop/1575-muttergebundene-kaelberaufzucht.pdf

  • Bei der Kalbfleischproduktion wird es mit wenigen Wochen oder Monaten geschlachtet.

3. Fleischproduktion

In der Fleischproduktion ... wird im Wesentlichen zwischen Kälbermast, Färsen- und Jungkuhmast, Ochsenmast und Jungbullenmast unterschieden. Die Jungbullenmast ist die bedeutendste Produktionsmethode in Deutschland. Jungbullen werden üblicherweise 18 bis 24 Monate gemästet. Nach der Geburt verbleiben sie für kurze Zeit bei der Mutter, werden dann von ihr getrennt und anschließend mit Vollmilch oder Milchaustauscher aufgezogen. Die heute üblichen Milchaustauscher bestehen aus Milchpulver und anderen Zusätzen, wie etwa Vitaminen und Enzymen ...

https://de.wikipedia.org/wiki/Rinderproduktion

4. Milchproduktion (Milchviehhaltung, -wirtschaft)

Die Milchabgabe, auch Laktation genannt, beginnt mit der Geburt des ersten Kalbes der Kuh. Die Milchleistung steigt nach der Geburt an, erreicht nach 4-6 Wochen ihr Maximumund fällt danach ab - um die Milchleistung zu erhalten wird sie nach der ersten Ovulation wieder belegt (besamt).Am Ende der Trächtigkeit wird sie "trockengestellt" (idR 8 Wochen, damit sich die Milchdrüsen des Euters regenieren kann). Die jährliche Milchleistung wird daher meistens als 305-Tage-Leistung ("Standardlaktation") ausgedrückt.

Ohne Melken keine Milchwirtschaft :) - eine Melkmaschine ist heute Standard, sie kann allerdings sehr einfach sein, d.h. der Landwirt setzt sie von Hand bei jeder Kuh an bis hin zum automatischen Melkroboter (auch Melker (in grossen Betrieben) ist ein eigener Beruf)
http://www.hof-hinterburg.ch/unser-hof/milchviehhaltung-1/der-melkroboter/

ein weiterer Punkt ist die Milchlagerung und -verarbeitung- wird die Milch unverarbeitet (also roh) an einen Milchprodukte-Hersteller geliefert?
- wird zumindest ein Teil der Rohmilch direkt an Endkunden (Hofladen, Milchautomat vermarketet?
- stellt der Landwirt Milchprodukte selbst her und verkauft diese zB imHofladen, an einem Wochenmarkt oder an einen Lebensmittelhändler - https://www.landwirtschaft.ch/wissen/tiere/rindviehhaltung/milch/milchprodukte/

Ich hoffe, dieser lange Exkurs ist ok :) - die Tätigkeiten des Landwirts sind also sehr vielseitig und betreffen

  • Gesundheit des Viehs (Besamung, Trächtigkeit, Fütterung, Pflege bei Krankheiten)
  • Fütterung - WAS nur Milch, Raufutter (frisches Gras, Grünfutter oder Heu), Saftfutter(Rüben, Knollen, Trester) - oder auch Zusatzstoffe, Kraftfutter- WO ausschliesslich Stall, auch Weide, Alpsömmerung ...- WIE von Hand, teil- oder vollautomatisiert...
  • Futterbau und Futterkonservierung; wie zB Mähen von Gras, allenfalls auch Heuen dazu oder Pflanzen/Ernten von Saftfutter
  • Gebäude und Anlagen - natürlich Reinigung des Stalls und dessen Unterhalt (Stallarbeiten) - auch diese erfolgt je nach Betrieb manuell oder mit technischer Unterstützung
  • Maschinen und Geräte und deren Unterhalt - Je grösser ein landwirtschaftlicher Betrieb ist, desto höher ist in der Regel die Automatisierung (zB bei Tieren - Fütterungsanlagen, Melkmaschinen, Mistroboter - aber auch im Getreide-, Obst- & Gemüseanbau)
  • und die Tätigkeiten im Zusammenhang mit der Milchproduktion/-verarbeitung (siehe oben)

Der landwirtschaftlich Betrieb braucht auch eine gewisse Grösse (an Nutztieren und/oder Nutzfläche) für ein ausreichendes Einkommen, ist es zu gering wird der Landwirt daneben noch einen anderen Beruf ausüben (müssen) um ein Zusatzeinkommen zu erhalten.

Infos (viele Links) bettreffend Ausbildung - http://www.landwirtschaftskammer.de/Bildung/tierwirt/index.htm

Ich hoffe, ich konnte Dir damit einen kleinen Einblick geben und die Vielseitigkeit und Bedeutung landwirtschaflticher Berufe näher bringen :)

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Die Tiere versorgen (füttern, tränken, auf die Weide treiben und umtreiben von Weide zu Weide), Futter herstellen (Heu machen, Mais anbauen, Weiden pflegen), Kühe überwachen, wann sie bereit sind für die Besamung durch den Tierarzt, vorher den gewünschten Bullen aussuchen, Kälber aufziehen, etc.

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Die meisten Landwirte betreiben eine Mischung aus Landwirtschaft und Viehzucht. Das heißt sie haben Felder, die sie bestellen, also Pflügen, Eggen, Saatgut aussäen, gegebenenfalls düngen und/oder mit Pestiziden behandeln und ernten.

Die Tiere müssen versorgt werden, sie brauchen Weiden auf die sie gehen können, Ställe, die ausgemistet werden müssen, Futter dass ihnen gegeben werden muss. Hat man bestimmte Ziele in der Zucht muss man die Männchen von den Weibchen getrennt halten.

Zusätzlich brauchen die Tiere medizinische Versorgung, Termine mit den Tierärzten müssen ausgemacht werden, Medikamente und Schulckimpfungen müssen den Tieren verabreicht werden (meist im Futter), man muss sie auf Gesundheit, Verletzungen und Wohlbefinden kontrollieren.

Je nachdem was für Tiere man hält, muss man sich täglich um ihre Erzeugnisse kümmern, sprich Eier von Hühnern sammeln oder kühe melken.

Bei einigen Tierarten, wie Rindern, muss man bei Geburten helfen.

Je nachdem was man mit den Tieren noch vor hat, muss man sie zu Schlachtern bringen, oder man hat eine geeignete Schlachteinrichtung am Hof.

...hab ich was vergessen?

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Kommentar von laura136
22.08.2016, 13:52

Nein, eigentlich nicht. Und Danke, es hat mir geholfen:)

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Wenn du schon einen Züchter im Dorf hast, dann geh zu ihm hin und frage ihm Löcher in den Bauch. Oder frag mal, ob du als Praktikantin mal dort zuschauen/helfen darfst?

Unsere Bauern hier geben meist Auskünfte, wirken auf Außenstehende manchmal recht brummig.

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Hey Laura,

wenn der Landwirt bei Euch im Dorf wohnt.....warum gehst du nicht einfach mal hin und fragst ihn.

Ist sicher ganz interessant.

Lg

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Besuch ihn doch einmal morgens so um 5:30 , oder eher, und frag, ob du seinen Tagesablauf begleiten darfst.


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