Was mache ich zuerst Patent anmelden oder Patenanwalt zurate ziehen?

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2 Antworten

Hallo,

eine ähnliche Frage wurde schon mal von einfachgenial am 28.11.2009 beantwortet:

Hallo liebe Erfinderinnen und Erfinder,

Sie haben etwas Tolles erfunden und möchten nun schnell ein Patent ? .... das ist alles leider erheblich komplexer, als das „eine“ Antwort hier ausreichend wäre. Leider haben die meisten in diesem Sektor fast keine Erfahrung, daher gibt’s immer nur Teilweisheiten, aber das sind nur Stücke in einem großen Puzzle was beim Zusammenbau durchaus zum Erfolg führen kann, wenn man alle Teile hat und weiß wie das Ergebnis im Anschluss aussehen sollte.

Die Formel: Patent = Erfolg, ist leider eine der größten Illusionen in diesem Land, zumindest für den normalen Einzelerfinder.

Die aktuellen Informationen über die gewerblichen Schutzrechte und die anfallenden Gebühren bekommst Du über die Merkblätter des DPMA:

dpma.de/service/formulare_merkblaetter/index.html - Die Gebühren beim DPMA sind oftmals weniger das Problem, sondern dass die meisten Erfinder wohl nicht in der Lage sind die Anmeldung selbst durchzuführen. Für diesen Fall benötigst Du einen Patent-/ Fachanwalt der für die Anmeldung eines Patents in Deutschland zwischen(+/-) 1950€ und 2700€ verlangt. Dieses ist abhängig vom Patentanwalt, dem Fachgebiet und dem Umfang der Tätigkeit und der gewählten Strategie bei der Anmeldung des Schutzrechts. Hier gibt es verschiedene Methoden und Strategien zur Anmeldung. - So sollte man beispielsweise auch einen Schutz in den Nationen beantragen, in denen entsprechende Absatzmärkte, Konkurrenten oder Hersteller sind, um das Monopol zu stärken und die Märkte abzusichern. Dafür kommen verschiedene nationale Schutzrechte und/ oder Kollektivanmeldungen in Frage, jedoch sind damit auch sehr, sehr hohe Kosten verbunden. Hier sollte man primär den "überlegten Weg" der kleinen Schritte gehen, abhängig zur realen Markteinschätzung und dem vorhandenen Budget für das Vorhaben.

Darüber hinaus können von der Anmeldung bis zur Eintragung eines Patents auch einmal 2 bis 4 Jahre ins Land ziehen. Man muss sich daher etwas intensiver mit der Thematik beschäftigen, oder man bezahlt viel, viel Lehrgeld als Erfinder.

Die meisten deutschen Einzelerfinder rennen oftmals dumm in ihr Verderben, da sie sich nur aufs Schutzrecht konzentrieren und denken, damit wäre alles im Sack. Leider ist diese Annahme völlig falsch. Von rund 60.000 jährlichen Schutzrechtanmeldungen beim DPMA schaffen es in der Regel nicht mehr als 3 bis 4 % im Anschluss wirtschaftlich gewinnbringend vermarktet zu werden, somit landen locker 96% der Ideen als "innovative Karteileiche" im Keller des Patentamts, die für nichts gut waren und nur Geld und Nerven gekostet haben.

Daher gibt es nur einen Tipp:

Du musst Dich ausführlich mit der Gesamtthematik(Der Weg von der Idee zur wirtschftlich gewinnbringenden Vermarktung) auseinander setzen, alles andere ist zum Scheitern verurteilt.

Das bedeutet, die folgenden Bereiche müssen verstanden, berücksichtigt und zeit-/ kostenseitig fest eingeplant sein:

Realisierbarkeit
Strategie
Planung
Prototyp
Finanzierung
Produktion
Vermarktung
Marketing und PR
Schutzrecht
Berücksichtigung von Prioritäten bei den Schutzrechten und Meilensteinen bei der Projektplanung etc.

Ganz klar möchte ich hiermit heraus stellen: Ohne Monopol an der Erfindung, z.B. in Form eines Schutzrechts geht es in der Regel nicht, jedoch "nur" mit einem Schutzrecht geht es schon gar nicht.

Einen guten Einstieg in die Thematik bietet Dir der folgende Link: http://www.erfindermarkt.de/forum/showthread.php?t=7 - Den Thread dort solltest Du zuerst lesen und verstehen.

Besuche einfach mal das-erfinderforum(.)de, dort bekommst Du unzählige Infos und Tipps, die Dir sehr weiterhelfen werden. Hier kannst Du lesen was andere Erfinder erlebt haben, oder auch was man besser nicht machen sollte. Nach einem Besuch des genannten Forums und dem ersten Grundverständnis zur Thematik macht es auch Sinn an einer der kostenlosen Beratungen für Gewerbliche Schutzrechte teilzunehmen. Diese finden kostenlos und in regelmäßigen Abständen bei den IHKs und Handwerkskammern statt. Wichtig ist: Hier geht es grundsätzlich um die "Gewerblichen Schutzrechte". Diese sind in der Regel unabmkömmlich bei der Schaffung eines Monopols, aber sie sind nur "ein" Baustein und nur "eine" Etappe auf dem langen Weg zum "möglichen" Erfolg. Der Aufwand ein Schutzrecht zu bekommen, ist oftmals mit Abstand die kleinste Hürde.

Mit freundlichen Erfindergrüßen,

TMP

Hallo,

die Antwort ist ganz klar: zuerst zum Patentanwalt!

Warum? Wenn eine Patentanmeldung eingereicht ist kann man sie nur noch in sehr eingeschränkten Umfang ändern. Z.B. muss jede Änderung aus der ursprünglichen Fassung der eingereichten Unterlagen hervorgehen, um zulässig zu sein, etwas hinzufügen geht gar nicht. Und dann muss es auch an der richtigen Stelle stehe, z.B. nicht in der Zusammenfassung. Hinterher, also nach Einreichung einer Anmeldung, sind solche Fehler nicht mehr zu korrigieren und eine Patenterteilung kann daran scheitern. Dann hat man nichts, nur Geld ausgegeben.

Bei Fragen einfach melden (Email: intellectual_property@web.de)

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