Was kostet die "künstliche" Nahrung für eine PEG-Sonde pro Tag und wie können wir den Mord an meinem Großvater verhindern?

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Hallo Pluton,

Was die Sondenkost kostet ist abhängig davon welche dein Opa bekommen würde. Ggf ist es auch möglich normales Essen zu pürieren, das Wissen alleine bringt dich aber momentan aber sowieso nicht weiter, da er ja keine PEG hat und die Ärzte das nicht legen wollen.

Ohne Anwalt werdet ihr da aber schwer etwas erreichen können.

Generell ist die Lage aber ziemlich schwierig.

Liebe Grüße und alles Gute für euch

Heute hat der Richter seine Entscheidung getroffen. Es ist selten einen so vernünftigen Richter zu begegnen. Zusätzlich zu unserer Stellungnahme/Erklärung, hat er z.b. noch die Pflegekräfte aus dem Heim befragt usw. Die konnen dann alles explizit bestätigen, vorallem auch dass er auf keinen Fall verhungern wollte und dass man ihn nicht einfach sterben lassen soll.

Der Richter hat dann zu Gunsten meines Großvaters entschieden, sodass er vermutlich morgen die PEG-Sonde bekommen wird.

Und wie auf Befehl, war mein Großvater heute so klar und munter wie seit langem nicht mehr.

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@Pluton89

Es freut mich, dass dein Opa heute einen guten Tag hatte! Und auch, dass ihr so einen verständnisvollen Richter hattet.

Ich hoffe, dass ihm die PEG- Anlage nicht zu sehr zusetzt!

Ich wünsche dir und deiner Familie viel Kraft weiterhin!

Liebe Grüße 

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Lieber Pluton89,

die liebende Sorge um Euren Großvater  ist sehr beeindrucken.

Die Kritik an Ärzten, die ihre Routine abspulen – ohne sich
für intensive Gespräche mit Euch Zeit zu nehmen, ist auch gut nachvollziehbar.

Aufgrund meiner Erfahrungen mit meiner Mutter möchte ich Dir
raten,  Kontakt mit Gesprächsgruppen pflegender Angehöriger aufzunehmen.

Meine Mutter hat auch diesen furchtbar schweren Weg des Altersumbaus durchleben müssen und nach einer Zeit des Aufbäumens gegen das, was "Demenz" genannt wird, ihr Schicksal angenommen.

Sie lebte bis zu ihrem friedlichen Tod in ihrer Wohnung, wo sie von einer Pflegekraft und mir acht Jahre betreut wurde. Einmal am Tag kam noch ein ambulanter Pflegedienst zum Einsatz.

Meine Mutter ist vor zwei Jahren gestorben.

Heute bin ich  glücklich darüber, dass ich die letzten Jahre mit ihr  – im wahrsten Sinn – hautnah zusammenleben konnte,  wenn auch nur drei Tage in der Woche.

Nur wenn wir viel, viel Muße  für unsere Angehörigen mit der sog. Demenz haben, können wir erleben, dass sich zwar  Fenster nach Außen schließen,  aber dass sich die nach Innen öffnen.  Diese Erfahrung war und   ist für
mein Leben wie für mein eigenes Sterben von existentieller Bedeutung.

Deshalb kann ich nur raten,  es irgendwie möglich zu machen, dass Dein Großvater  in seiner Familie bleiben kann – mit liebevoller Begleitung durch Euch, oder dass,   -bei der Unterbringung in einer Einrichtung - die tägliche Gegenwart der nächsten Angehörigen gewährleistet ist.

Das hat aber wohl nur dann einen Sinn, wenn die Familienangehörigen sich selber mitverändern wollen. Leider wird diese gewaltige Herausforderung in einem Umfeld  medizinisch geprägten  „Faktendenken“ oft gar nicht wahrgenommen.

Dein Großvater ist – so verstehe ich Deine Ausführungen – Dein Nächster, dessen  Wohlergehen Dir und Deiner Familie zutiefst am Herzen liegt. Drum  braucht er als Nächster vor allem Deine Nähe, die Nähe seiner Familie.

Aus der Nähe zu Deinem Großvater müsstest Du dann – so denke
ich – auch die Frage einer perkutanen endoskopischen Gastrostomie (PEG)  neu bedenken. Deinem Großvater,  dem die äußeren Zusammenhänge seines  Lebens  nicht mehr deutbar sind, muss das Legen  der Sonde wie Folter erleben.

Fast immer gibt es auch andere Wege. Aber sie kosten sehr viel Zeit. Hingegen – Ist die Sonde erst einmal gelegt -  erfolgt die Ernährung rein mechanisch als ein fremdgesteuerter Prozess.

Willst Du das wirklich?

Ich wünsche Dir, dass Du mit Deine Familie in tiefer Verbundenheit mit Deinem Großvater in Liebe seinen letzten Lebensabschnitt begleitest.

Noch eine Ergänzung zur Frage der Schluckprobleme:

In ihrem letzten Lebensjahr verschärften sich auch bei meiner Mutter die Schluckprobleme.

Beim Eingeben des Essens mussten wir uns sehr viel Zeit
nehmen, den Schluckvorgang genau beobachten.

Trotzdem verschluckte meine Mutter sich oft, was hin und wieder mit quälendem Husten verbunden war.

Wir bekamen sehr kompetente, hilfreiche Unterstützung von einer Logopädin.  Die  vielfältigen therapeutischen Anregungen und Anweisungen, die wir bei jeder Mahlzeit beachten mussten, ermöglichten meiner Mutter wieder ein  nahezu normales Schlucken.

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Es gibt zahlreiche Studien, die besagen, das jemand mit Demenz und Schluckstörungen nicht von einer PEG profitiert. Sehr viele dieser Menschen bekommen massive Übelkeit, Erbrechen die Nahrung, dabei gelangt diese oft in die Lungen und das Ergebnis ist eine Lungenembolie. Von daher handeln die Ärzte sogar richtig, in dem sie keine PEG legen.

Wenn euch das nicht passt, dann könnt ihr euch gerne eine andere Klinik suchen, die trotzdem eine PEG legen wird.

Aber es tut mir leid, das sich das medizinische Personal nicht die Zeit genommen hat, euch das ganze in Ruhe zu erklären.

Das hat uns tatsächlich keiner erklärt, es würde aber auch nichts ändern. Es geht ausschließlich um den Willen und Glauben meines Großvaters. (das wir ihn am liebsten noch ewig um uns hätten ist klar, hat aber mit dem Thema nichts zu tun) Er hat den Krieg mit erlebt, musste mit 16 Jahren alleine, getrennt von seiner Familie über 500km als Heimatvertriebener fliehen und hat Hunger und Leid am eigenen Leib erfahren. Seine größten Ängste waren immer dass man ihn verhungern oder einfach so sterben lassen würde. Das hat er auch die letzten Jahre immer wieder gesagt. Dazu kommt noch sein tiefer katholischer Glaube. Gott schenkt das Leben und NUR Gott nimmt es. Etwas wie die Ernährung einstellen o.ä. ist das absolute Gegenteil von dem was er wollte.

Aber das scheinen manche hier echt nicht zu kapieren.

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