Was kann man gegen Schüchternheit/Unsicherheit tun?

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3 Antworten

Ich bin auch schüchtern und habe ein großes Problem damit. Ich fühle mich, wie du vielleicht auch, in einer Zwangsjacke der Anpassung, um nicht unangenehm aufzufallen. Mich beschäftigt dauernd der Gedanke, wie ich wohl gerade nach außen hin wirke. Das ist bei mir so, seit ich denken kann. Über die Jahre hinweg - ich bin inzwischen 17 - habe ich mich in Bezug auf Selbstsicherheit ein Stück in die richtige Richtung "gebessert", bin aber immer noch sehr unsicher.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der effektivste Weg tatsächlich der unangenehmste ist: Man muss sich seinen Ängsten stellen, dieser Schritt ist leider nicht unumgänglich auf dem Weg zur Selbstsicherheit. Du musst dir aktiv Situationen suchen, die dir unangenehm sind, und dich bewusst in sie hineinbegeben. Das Problem, warum Schüchternheit so schwer zu überwinden ist, liegt genau darin: Es ist wahnsinnig unangenehm, sich seinen Ängsten zu stellen. Betrachte es wie eine Therapie, die du machst, um beispielsweise eine Spinnenphobie wegzubekommen.

Versuche es schrittweise, dann geht es leichter. Beginne mit einer Situation, die dir nur leicht unangenehm ist, halte dich immer wieder bewusst in dieser auf, und wenn sie dir nicht mehr unangenehm ist, geh zur nächst-schwierigeren Situation über. Beispielsweise könntest du damit anfangen, auf einmal extravagante Stiefel in die Schule (oder zur Arbeit) anzuziehen oder auf einmal Lippenstift zu benutzen. Je öfter du das machst, desto weniger schlimm wird dieses "Was denken die anderen nur gerade über mich"-Gefühl. Dann steigerst du dich, indem du dich bewusst mal in einer Gruppensituation alleine hinstellst, während die anderen alle in Grüppchen zusammenstehen. Als nächstes fragst du fremde Leute auf der Straße nach dem Weg. Oder du begibst dich bewusst in eine neue Gruppe hinein, indem du beispielsweise in einen Sportverein eintrittst oder Ähnliches.

Ich mache das auch immer noch, ich begebe mich bewusst in Situationen, in denen mein Puls steigt. Natürlich keine echten Gefahren, sondern - wie oben beschrieben - wahrgenommene soziale Gefahren. Jedes mal, wenn ich etwas geschafft habe, lobe ich mich selbst. Beispielsweise äußere ich im Unterricht bewusst meine Position zu einem (politischen) Thema, obwohl ich weiß, dass sie aneckt. Ich bin zu Jugendorganisationen gegangen, in dem Bewusstsein, dass die Leute dort entweder älter sind oder zumindest tolle soziale Kompetenzen haben und sehr selbstbewusst sind. Mir ist es heute noch schrecklich unangenehm, beispielsweise muss ich heute erstmals fremde Leute auf der Straße ansprechen. Mir ist das wahnsinnig unangenehm und mein Herz klopft wie verrückt, aber ich mache mir bewusst:

1. Ich kann auf längere Sicht hin nur profitieren, wenn ich mich meinen Ängsten stelle.

2. (ganz wichtig!) Ich akzeptiere mich so, wie ich bin, d.h. ich akzeptiere auch meine Schüchternheit als einen Teil von mir.

Der zweite Punkt klingt ziemlich widersprüchlich zu meinem Ziel, ich will genau dieses Merkmal von mir ja loswerden. Aber das ist das andere große Problem, wegen dem die meisten schüchternen Menschen ihre Schüchternheit nicht überwinden können: Zusätzlich dazu, dass sie sich selbst für ihre vermeintlichen Fehler und Mängel fertig machen, machen sie sich auch noch dadurch runter, indem sie sich für ihre Schüchternheit schelten. Dadurch erreichen sie aber das genaue Gegenteil: Sie sinken immer noch weiter in sich zusammen. Statt also das nächste mal, wenn du aus einer Situation kommst, in der du wegen deiner Schüchternheit deiner Meinung nach "versagt" hast, mit dir zu schimpfen, warum du es nicht besser geschafft hast, nimmst du dich selbst in den Arm und sagst dir, dass du sehr mutig bist, dass du es versucht hast, und dass es noch viele Gelegenheiten gibt, die du nutzen kannst. Je eher du deine Schüchternheit als einen Teil von dir selbst akzeptierst und sie nicht mehr als großen Makel ansiehst, desto leichter fällt es dir, dich in Situationen zu begeben, in denen du weißt, dass du schüchtern sein wirst.

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Ich war mal genau wie du, doch dann sagte ich mir, dass ich einfach Geilste bin. Das hört sich vielleicht erst einmal schwachsinnig an, doch wenn du erst einmal anfängst selbst daran zu glauben, dann glauben es noch mit der Zeit die anderen. Heute denke ich mir, dass ich nichts zu verlieren habe, wenn ich auf Leute zugehe, im Gegenteil, ich könnte sogar noch etwas dazu gewinnen. Spaß beiseite, hör auf zu denken und mach den Mund auf. Eigentlich sollte man sich immer vorher Gedanken machen über das was man sagt, doch in deinem Fall wirst du dadurch nur verunsichert. Bis zu meinen 18ten Lebensjahr habe ich es nicht auf die Kette bekommen ein Mädchen anzusprechen, also ging ich auf das erst beste Mädchen zu, welches ich hübsch fand, bei mir auf der Schule und begann das tiefgründigste Gespräch meines Lebens. Es handelte sich hierbei um eine Rockstar-Dose, falls der Energy-Drink dir etwas sagt. Sie hatte solch eine Dose in der Hand und nach einem "Hey", folgte eine Frage die jedes Mädchen natürlich hören möchte.. "Schmeckt das Zeug?", daraufhin lachte sie und gab mir einen Schluck zum probieren. Diese Geschichte ist so dämlich, dass ich sie mir nicht einmal erfinden kann, da sie wahr ist. Dadurch fiel es mir aber leichter im Laufe der Zeit mit dem weiblichen Geschlecht Worte auszutauschen, denn ich habe gemerkt, dass sie doch nicht bissig sind wie ich einst dachte. Damit möchte ich dir sagen, dass du erst wissen kannst ob deine Bedenken richtig sind, wenn du es zumindestens einmal versucht hast.

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Wenn du dich nicht traust ig eine Person anzusprechen,dann reiß dich zsm und machs trotzdem.

Kann dir doch egal sein,was er/sie über dich denkt

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