Was kann man alles zur Industrialisierung in Deutschland sagen?

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Kommentar von Farbton2
22.02.2016, 17:21

ganz allgemein, wer war betroffen, ws wurde unternommen, wie kam es zu stande...sowas eben

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Die Industrialisierung in Deutschland setze erst später ein als in England. Zu Beginn haben die Leute in Deutschland, wie auch in England Textilien hergestellt. Da die Produktionskosten in England durch die Maschinen billiger waren als in Deutschland, wo alles noch Handarbeit war, konnte die englische Ware günstiger verkauft werden.

Somit kauften alle die englischen Textilien, die nachweisbar qualitativ nicht schlechter war. Die dt. Bürger versuchten das durch Einfuhrverbote, Qualitätssiegel für geprüfte Handarbeit zu verhindern und unterstellten den Maschinenprodukten Qualitätsmängel.

Der Widerstand nahm an Bitterkeit zu, sodass verzweifelte Spinner und Weber sogar mit Attentaten drohten. Das Ganze führte dazu, dass Heim-/ Handarbeit zu einem Luxusartikel wurde und viele Heimarbeiter, Weber, sowie das ländliche Nebengewerbe brotlos wurde.

Für die Verspätung der Industrialisierung gibt es viele Gründe:

Zum Einen gab es in Deutschland Zollschranken und Ein- und Ausfuhrverbote, was Im- und Export unmöglich machte, zudem gab es noch die Ständegesellschaft und es herrschte Absolutismus in Deutschland. Außerdem mangelte es Deutschland an finanziellen Mitteln, da reiche Bürger ihr Geld lieber in fest verzinslichen Staatsanleihen anlegen wollten oder Grundstücke erwarben. Zudem fehlte es an schlauen Köpfen, da es einen Mangel an qualifizierten Lehrern gab. Ein weiteres Hemmnis war der fehlende Rohstoff in Deutschland, also zum Beispiel, dass es keine Baumwolle gab. 

Außerdem fehlte es an ausgebildeten und risikofreudigen Arbeitskräften und es gab eine Tradition zwischen den Handwerksmeistern, und zwar die Preis- und Mengenabsprache untereinander, dies verhinderte nämlich den Streit untereinander. Erst Anfang 1820 und in den Jahren danach gingen junge Männer nach England, um sich dort nützliche Produktionstipps und technische Fähigkeiten abschauen zu können. Das Kaufen von englischen Maschinen war außerdem sehr kostenintensiv, da man zusätzlich zur Maschine, auch noch einen Fachmann mieten musste, da es in Deutschland keine Ingenieure gab(Faktor Arbeit).

Außerdem gab es in Deutschland keine Baumwolle, und auch ein Import wäre teurer als in England gewesen. Durch diesen Standortnachteil setzte die Mechanisierung erst später ein. Der industrielle Rückstand wurde erst zur Zeit der schwerindustriellen Phase, also ab 1840 aufgeholt, da  das Kohlevorkommen im Ruhrgebiet, Saarland und Schlesien eine solide Rohstoffbasis bildete.(Faktor Boden)

Das Bankwesen bildete sich in Deutschland erst zur Zeit der zweiten Industrialisierungsphase aus. Weder die Besitzer großen Vermögens, noch die wenigen Bankhäuser, wollten in Industrieunternehmen investieren. Später zur Anfangszeit der Eisenbahn und zur Gründung der Schienen kamen dann aber auch diesen Leuten die Investitionen profitabel vor und gaben darum gerne ihr Geld dafür aus und  legten somit auch den Grundstock für die Finanzierung weiterer Projekte, wie z.B. Bergbau, Stahl.( Faktor Kapital).

Zudem fehlte eine politische, rechtliche und wirtschaftliche Infrastruktur: kein einheitliches Deutschland und Wirtschafsgebiet, Zollschranken und Binnenzölle und weitere Handelsbeschränkungen, kein ausgebautes Straßensystem, man brauchte Genehmigungen von Behörden zum Warentransport, uneinheitliche Maße für Gewichte und Längen, unterschiedliche Münzen (Währung), zu unterschiedliche Vorschriften/ Gesetze, fehlende Rechtssicherheit.

Es gab auch noch den deutschen Zollverein: viele unterschiedliche (Wirtschafts-) Interessen der kl. dt. Staaten verhinderten Überwindung der ökonomischen Zersplitterung, Zollgrenzen wurden zwischen Bayern und BW bereits 1828 aufgehoben, politisch einflussreiches Preußen konnte 1834 zur Teilnahme am Zollverein gewonnen werden da sie sowieso den Warenverkehr im eigenen Land freigeben wollten, Güteraustausch nahm erheblich zu, wichtige Hansestädte Hamburg und Bremen schlossen sich erst 1888 dem Zollverein an. Der Zollverein reichte zwar noch nicht für eine industrielle Revolution aus, aber er war ein Meilenstein  auf dem Weg zu mehr Handel und einer arbeitsteiligen Wirtschaft auf der Basis der Massenproduktion. Er war also ein wichtiger Schritt, um den Vorschritt Englands langsam wieder aufzuholen.

In der schwerindustriellen Phase gab es  vier wichtige Branchen der Schwerindustrie, die die Führungsrolle der Industrialisierung übernahmen, und zwar den Steinkohlenbergbau, die Eisen- und Stahlindustrie, den Maschinenbau und die Eisenbahnen. Diese vier Bereiche waren alle nötig und passten perfekt zusammen, zum Beispiel zur Produktion und Funktion der Lokomotive, oder zur Förderung und Transport von Kohle . Gemeinsam bildeten sie somit einen schwerindustriellen Komplex, der sehr wichtig war, denn er steigerte ständig die Qualität der hergestellten Produkte bei gleichzeitig sinkenden Preisen und entwickelte starke Ausbreitungseffekte. Zum Ende der 1840er- Jahre flossen 20% aller Nettoinvestitionen der deutschen Wirtschaft in den Bau und Betrieb der Eisenbahnen. 

Das Eisenbahnnetz entwickelte sich sehr schnell weiter, was unter anderem an den Besitzern der konkurrierenden Eisenbahnstrecken lag, welche drei verschiedene waren: Staat, staatliche Verwaltung und Privatbesitzer. Die süddeutschen Fürsten wollten möglichst viele Kilometer Bahnstrecke im eigenen Staatsgebiet haben, und wollten auch, dass diese benutzt werden.

In den 1860er- Jahren war Deutschland einer der weltweit größten Exporteure für alle für den Eisenbahnbau notwendigen Produkte.

Mitte der 1850er- Jahre vermehrten und vergrößerten sich die Standorte der Industrieproduktionen. Die Nähe zu Metropolen mit Verbindungen zum Ausland beflügelten den  Maschinenbau. Sie konnten als Zentrum der Innovation angesehen werden.

Um England allerdings endgültig zu überholen, musste es Deutschland gelingen Gewerberegionen zu verbinden, Energiequellen zu erschließen und Eisen und Stahl als Werkstoff zu verbessern. Viele wichtige Betriebe und Anlagen waren zu kostspielig für eine Person allein, und so  verteilte die Aktiengesellschaft die Finanzierung der Großprojekte auf mehrere Personen, Banken und Staaten, welche somit  Eigentümer von Großbetrieben, Eisenbahnlinien oder Hafenanlagen etc. wurden. All  diese Aktienbesitzer teilten das Interesse an Gewinn. Die Investitionen rentierten sich wie gehofft schon bald, durch hohe Dividenden und deutliche Kurssteigerungen. Durch diese Aktiengesellschaften entstand eine Verwaltungsstruktur: Bestimmung der Mitglieder des Aufsichtsrates(Überwachung der Verwendung des Kapitals und Einsetzen mehrerer Fabrikmanager)durch die Eigentümer. Diese Fabrikmanager trafen unternehmerische Entscheidungen des Tagesgeschäftes und traten gegenüber den Arbeitern als wichtige Handlungsträger auf.

Der Staat schuf einen stabilen, zuverlässigen Rechtsrahmen; legte Industrienormen fest; stellte Gewerbeaufsicht um die Herstellung minderwertiger Produkte zu verhindern. Private Initiativen und die Vermögenszuwächse beschleunigten den Wandel jedoch schneller als staatliche Verordnungen.  Die Industrielle Revolution war also seit den 1840er- Jahren durch die entstandene Eigendynamik nach Deutschland gekommen.

Danach folgte dann noch die Phase der Hochindustrialisierung, wo es sowohl einen Boom, als auch eine Krise gab.

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Es werden mehr Arbeitsplätze geschaffen (heutzutage, aber durch Maschinen ersetzt)

Handwerker verlieren ihre Anerkennung der Bürger, da alles im Akord in Fabriken hergestellt wird.

Produkte werden preiswerter durch Massenanfertigungen, aber die Umwelt leidet darunter

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