Wie kann ich als Kita-Erzieherin solchem radikalen Gedankengut vorbeugen, ohne mit den muslimischen Eltern in Konflikt zu kommen?

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13 Antworten

Hallo!

Es nützt rein gar nichts, wenn Du den Kindern irgendwelche Moralpredigten hälst. Mit 2-6 Jahren verstehen sie weder von der eigenen Religion noch vom Grundgesetz etwas. Sie sind also in einem Alter, in dem sie noch nicht (oder in nur sehr eingeschränkter Form) fähig sind, ihre Einstellungen zu hinterfragen. Sie nehmen einfach alles auf, was sie hören und erleben und orientieren ihre Moral in erster Linie an Strafe und Gehorsam, an der Autorität des Erziehers oder der Eltern (Siehe "Stufenmodell der moralischen Entwicklung" nach Lawrence Kohlberg).

Du kannst also allenfalls einen Blick darauf werfen, dass es in Deinem Kindergarten möglichst wenig Separierungen nach Religion/Migrationshintergrund gibt, also dass die Kinder in möglichst bunten Gruppen zusammen spielen. Somit können sich schon frühzeitig deutsch-türkische bzw. deutsch-arabische Freundschaften bilden, was späteren Separierungen, späteren Parallelgesellschaftsbildungen vorbeugt. Als Erzieher kann man ja eingreifen, indem man die Kinder z.B. auffordert, in einer anderen Ecke zu spielen oder bei einem Bastelangebot oder Sportangebot bewusst bunte Gruppen bildet. Das A und O der interkulturellen Pädagogik ist die gegenseitige Vermittlung, der offene Umgang zwischen Angehörigen verschiedener Kulturkreise.

Wenn Dir auffällt, dass ein muslimischer Junge irgendwelche patriarchalischen Einstellungen zeigt, also z.B. dass er sich partout weigert, mit Mädchen zu spielen, neben Mädchen zu sitzen und dies auf Nachfrage auch mit dem Geschlecht begründet, oder sich weigert, etwas sauber zu machen, mit der Begründung, es sei Frauenarbeit, oder Frauen prinzipiell nicht in die Augen schaut (ich arbeite zur Zeit in einer Grundschule, etwas derartiges habe ich bei einem Jungen aus der 1 Klasse einmal erlebt) - dann solltest Du natürlich mit ihm darüber sprechen. Du kannst natürlich mit ihm schimpfen, wegen seinem respektlosen Verhalten. Vor allem solltest Du ihm aber eine für ihn transparente und verständliche Begründung liefern, warum seine Sichtweise falsch ist. Du musst Dir immer vor Augen halten, dass es nur ein kleines Kind ist, dass eine solche Haltung nicht von ihm kommt, sondern er es von Zuhause so mitbekommt und dann ohne zu hinterfragen übernimmt. Solche Fälle sind aber sehr sehr selten, sollte es dazu jedoch kommen, dann bietet es sich natürlich an, auch mal die Eltern darauf anzusprechen. Natürlich in angemessener und diplomatischer Form, nicht direkt den Vorwurf an den Kopf werfen.

Viel mehr kannst Du als Erzieherin im Kindergarten nicht machen. Das ist schlichtweg nicht Dein Bier. Für solche Aufgaben sind dann eher Lehrer, Sozialarbeiter, Erzieher in der Jugendhilfe etc. zuständig. Auch möchte ich betonen, dass nicht die Religion das Problem ist, sondern die Auslegung! Ein solches patriarchalisches Verhalten, wie im Video zu sehen, hat in erster Linie kulturelle Ursachen, es sind sozio-kulturelle Normen, die dann aber natürlich mit der Religion, mit dem angeblichen Willen Gottes, legitimiert werden. Insofern plädiere ich auch immer für einen offenen und respektvollen Umgang mit dem Islam. Je islamfeindlicher die Gesellschaft wird, umso mehr isolieren sich Muslime und umso stärker fällt der Effekt der Parallelgesellschaft mit all ihren antiwestlichen Haltungen aus.

LG



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Agentpony 29.11.2015, 18:47

Auch möchte ich betonen, dass nicht die Religion das Problem ist, sondern die Auslegung

Sorry, aber das kann man so nicht stehen lassen. Zweifellos ist die Praxis in erster Linie bestimmt durch allerlei mitgebrachte Tradition, religiöses Halbwissen und logische Fehlschlüsse.

Trotzdem liefert die Religion völlig unmissverständlich ein Verbot der "Fraternisiereung/Assimiliation", des beiderseitigen Anpassens, sowie die Grundlagen der strikten Ungleichbehandlung der Geschlechter und Nichtmuslime. Alles vielfach in den Primärquellen nachzulesen, mit "Auslegung" kann man da nur im Detail was umdrehen.

Es ist nicht zulässig, das einfach zu Verleugnen.

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uyduran 29.11.2015, 22:11
@Agentpony

"Trotzdem liefert die Religion völlig unmissverständlich ein Verbot der Fraternisiereung/Assimiliation, des beiderseitigen Anpassens, sowie die Grundlagen der strikten Ungleichbehandlung der Geschlechter und Nichtmuslime."

Zunächst würde mich interessieren, wie Du zu dieser Ansicht kommst. Bist Du Islamwissenschaftler o.ä.? Hast Du den Koran selber gelesen und Dich ausführlich mit der islamischen Geschichte und Theologie befasst? Oder bildest Du Dir Deine Sichtweise auf Basis von Sekundärquellen? Deine These, eine Assimilation sowie die Gleichbehandlung der Geschlechter und Nichtmuslime seien vom Islam partout untrennbar, halte ich für einseitig. Es mag sein, dass solche Inhalte aus Koran und Sunnah hervorgehen. Dies legitimiert einen jedoch nicht zu sagen, diese Inhalte seien partout untrennbar vom Islam. Erstens gilt es zu beachten, dass der Koran kein einheitlicher, glatter Text ist, sondern zu einzelnen Themen durchaus unterschiedliche und gelegentlich sogar widersprüchliche Aussagen macht. Absolut gesetzte Behauptungen zum Koran sind also immer mit Vorsicht zu genießen. Zweitens gibt es 14 sogenannte Lesungen des Korans, also Rezitationsweisen des gesamten Textes, die sich in der Aussprache und bestimmten Wortformen unterscheiden - dadurch ergibt sich eine breite Vielfalt der Interpretationen. Drittens ist die Sunnah eine Zusammenstellung von mündlichen Überlieferungen von Dritten, die erst hunderte von Jahren nach dem Tod Mohammeds aufgeschrieben wurden. Kein Wunder also, dass sie von vielen Muslimen sehr kritisch bewertet und ob ihres Wahrheitsgehaltes angezweifelt werden. Und viertens machen wörtliche Inhalte der Schriften nur einen Teil von dem aus, was sich als "Islam" bezeichnen lässt. "Islam" ist in erster Linie das, was Muslime daraus machen. Ednan Aslan, Islamwissenschaftler aus Wien, sagte einmal: "Der Islam ist, wie die Muslime sind. Der Koran ist zwar ein abgeschlossenes Buch, aber unser Verständnis der heiligen Schrift ist ein ununterbrochener Prozess. Eine Religion ist deshalb nie fertig, weil die Menschen ständig an ihr arbeiten." Leider ist es schwierig, die archaischen Strukturen aufzuweichen, die Rechtslehre zu reformieren und die theologischen Fakultäten in Ländern wie Saudi-Arabien und dem Iran, wo sich die einflussreichen Islamgelehrten befinden, zu erneuern. Die Konservativen wehren sich aus Angst vor einer Entmythologisierung und Säkularisierung des Islam sowie dem Verlust eigener politischer Macht vehement gegen jegliche Reformationsversuche.

"mit 'Auslegung' kann man da nur im Detail was umdrehen."

Falsch. Die Auslegung ist der ausschlaggebende Punkt. Vergleiche doch bitte einmal Aleviten mit Wahhabiten - du wirst riesige Unterschiede finden, obwohl beide Religionsgemeinschaften an Allah glauben und sich auf den Koran berufen. Das Einzige, was sie unterscheidet, ist ihre Auslegung. Daran sieht man, welch eklatanten Einfluss die Auslegung auf die Praxis hat, also auf das, was "den Islam" letztlich ausmacht.

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Vollste Zustimmung, besonders an uyduran und Iamiam.

Vielleicht noch eine Idee, aus meiner eigenen Erfahrung (nicht Kita, sondern privat), als Tipp.

Vielleicht hilft es (subtil, nicht missionierend) allgemein das Mädchen- und Frauenbild wenigstens etwas zurecht zurücken, indem man immer wieder starke Mädchen und starke Frauen ins Spiel bringt.

Es geht ja wie richtig in den anderen Antworten angedeutet, nicht um konkretes Verhalten (Fehlverhalten muss natürlich sofort und zeitnah sanktioniert werden), sondern um das generelle Geschlechterbild, das unterbewusst in dieser Zeit prägend geformt wird.

Ich bin nicht der Meinung, daß das andere später ausbügeln sollen. Weil die Prägung natürlich mit zunehmendem Alter fester wird, und es damit immer mehr Aufwand erfordert, einmal geprägtes wieder zu entkräften.

Jede Minute die Du in diesem Alter daran arbeitest, erspart Deinen Nachfolgern Stunden an Arbeit. Und wenn sie erst mal junge Erwachsene sind, geht so gut wie gar nichts mehr. Insofern ist es gut inverstierte Zeit und Mühe.

So, nun was konkretes:

Meine eigenen Kinder (Junge und Mädchen) fanden z.B.  Pipi Langstrumpf immer faszinierend, weil sie so stark war, und sich auch gegen Jungs und Erwachsene rebellisch durchsetzen konnte. Außerdem war sie einfach schrill. Ohne Eltern, usw.
Damit war sie anders.
Das verstehen und lieben auch die Kleineren (naja, vielleicht nicht die ganz Kleinen, aber die feuen sich am Pferd).
Man kann vorlesen, nachspielen, Villa Kunterbunt bauen, auf Pferden reiten, usw. Hundert Möglichkeiten sowas einzubauen.

Sie gibt ein hervorragendes Vorbild für Mädchen: stark, unabhängig, rebellisch und das gleichzeitig völlig abseits der Norm. Damit wird gleichzeitig Toleranz gegenüber anderen gefördert. Pipi finden übrigens alle toll - unabhängig vom kulturellen Hintergrund oder Religion (und ja, ich persönlich denke, daß es fast das Selbe ist. Das soll man nicht wegdiskutieren)

Später fanden meine Kinder Momo toll. Auch wieder eine Außenseiterin, die alleine gegen die bösen Zeitdiebe kämpft. Sehr tiefsinnig, und sehr viele Werte stecken darin. Die Kinder müssen natürlich schon 1-2 Jahre älter sein, und verstehen natürlich die Philosphie dahinter nicht bewusst, aber darum geht es ja nicht. Sie nehmen sie unterbewusst wahr.

Nur so als Anregung, die Gedanken die mir spontan in den Kopf kamen...

Viel Glück, und Danke für die Mühe mit unseren Kindern.

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Ja, aber was kann ich dagegen tun ? Ich habe die 2-6 jährigen Kids, und soll mich "neutral" verhalten, gemäß Arbeitsvertrag.

Neutralität verlangt ja nicht, Kinder nicht auf ein Fehlverhalten anzusprechen     wenn es angebracht ist. Wenn das Fehlverhalten religiös bedingt ist, musst Du das auch thematisieren dürfen. Die Toleranz geht eben so weit wie es mit unseren gesellschaftlichen Werten vereinbar ist. Ihr wollt doch die Grundlagen schaffen für lebenstüchtige und tolerante Menschen, die in unserer Gesellschaft klar kommen.

Natürlich sollte man auch Rollenbilder und ein starkes Mädchenbild vermitteln dürfen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass mit Neutralität gemeint ist, diese Themen auszuklammern und tot zu schweigen.

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Ich bin nicht der Meinung, dass es unkorrektes Verhalten Deinerseits wäre, Dich auf das Grundgesetz zu beziehen.

Gerade islamische Länder, gewähren bis heute, weder Christen, Juden noch Andersgläubigen irgendein Recht auf Religionsfreiheit...wir sind deshalb hierzulande am Ende der "Forderungskette" seitens Muslimen angelangt...denn die müssen erstmal nachziehen bevor sie fordern.

Eine Meinung zum Islam zu haben ist auch nicht strafbar, sollte aber vielleicht am Arbeitsplatz nicht zum Ausdruck kommen, besonders wenn kritisch. Ich sehe den Islam auch kritisch und sehe ihn keineswegs als friedlich an, weder den Koran, noch was durch die Koranfolger/Gläubigen daraus "gestrickt" wird.

Lass Dich hier nicht von dem was ich als "Politideologie" sehe unter Druck setzen, vertrete Deine Meinung indem Du schlicht und ergreifend, bei präkären Fragen, an die Einrichtungsleitung verweist und darauf hinweist, dass bei uns das Grundgesetz über jedweder Religion steht.

Wem das nicht gefällt muss in ein islamisches Land seiner Wahl auswandern...niemand wird hier gefangen gehalten, die Herrschaften sind nach Deutschland eingewandert und wussten vorher, dass hier kein islamisches Land ist.

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Nachtrag zu oben:

mir kam da noch was listig-lustiges (komisch, musste lange darüber nachdenken):

Annika ist ja bei Pipi immer der Gegenpol: verschüchtert, ängstlich, sich immer an Regeln haltend usw.

Laß sie doch mal Rollenspiele / Schauspiel usw. machen. Und Lose ziehen, wer was spielt. Bin gespannt, wie Jungs sich fühlen, wenn sie mal Annika spielen müssen (grins - in Mädchenkleidern).

(und in TakaTukaLand gibt es genügend Rollen, mit den vielen Piraten macht es bestimmt Spaß. Da kann man gleich noch ein bisschen kulturelle Vielfalt reinbringen...)

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realistischerweise ist bei der Mutter(bitte keine Namen nennen!) "der Zug abgefahren".

Was bleibt, ist (neben dem, was uyduran vorschlägt) dem Kind immer wieder  Beispiele für das gleichberechtigte Leben hier zu geben und zB auf Kindesniveau die Frage zu thematisieren, was in anderen Gesellschaften mit Mädchen gemacht wird bzw was sich Jungen herausnehmen (am besten, wenn konkretes Verhalten Anlass gibt) und was BEI UNS nicht geduldet wird.

Nimm dazu (immer wieder!) Beispiele aus nicht arabisch-muslimische Ländern, sondern zB Indien (wo es genauso schlimm ist, aber nicht Islam-bedingt -es gibt genügend weitere Beispiele), das entemotionalisiert ein wenig die Familie, wenn das Mädchen zuhause drüber redet und keiner kann Dir einen Strick daraus drehen..

Du trittst damit in Konkurrenz zur häuslichen Ideologie, die Du nicht gewinnen kannst, aber meiner Erfahrung nach (aus dem christlich-religiösen Bereich zB) werden später doch einige der von Dir gelegten Pflastersteine zu Stolpersteinen.

Mehr kannst Du m.E. nicht tun.

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Iamiam 29.11.2015, 19:07

noch was dazu:

Aber der Islam ist friedlich, niemand wird zu etwas gezwungen---------häää ?

Das ist wie mit dem Christentum auch: Schöne Lehre, aber im konkreten Kontext einer historischen Situation setzen sich die egoistischen, zeitgebundenen, traditionellen Auffassungen durch:

Vom Sachsenmord Karls des Großen über  Kreuzzüge, Sektenmorden (Hussiten, Waldenser), Eroberung des Inkareiches, überhaupt indianischer und afrikanischer Gebiete, Sklaverei usw usw: alles wurde damals als christlich gerechtfertigt, solange das in den christlich dominierten Gesellschaften nötig war.

Heute hat die Religion der freien(sozialen???) Marktwirtschaft diese Rechtfertigungsrolle übernommen (bzw die abstrakte Freihreit im Allgemeinen)

Der Egoismus findet immer seine Rechtfertigungen und Religion eignet sich hervorragend dazu! Nicht darauf hereinzufallen: das ist die Herausforderung unserer Zeit!

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sarahj 29.11.2015, 22:26
@Iamiam

Iamiam,
Du hast natürlich völlig Recht in Deiner Verurteilung der christlichen Kriminalitätsgeschichte. Allerdings darf man das Christentum heute keineswegs mit dem der damaligen Zeit in einen Topf werfen. Insofern halte ich es für kontraproduktiv, wenn immer wieder mit den alten Geschichten argumentiert und relativiert wird.
Viele kennen die Hintergründe nicht, und setzen die westeuropäische Gesellschaft mit dem Christentum gleich.

Wenn ich es mal etwas vereinfachend auf den Punkt bringen will:
In Europa hat sich seit dem Beginn der Aufklärung die Bevölkerung von der Kirche befreit, und wir haben hier inzwischen eine unchristliche Gesellschaft.
Es war de facto ein jahrhundertelanger Befreiungskrieg, der zu dem Machtverlust der Kirche und einer Selbstbestimmung des Volkes führte. Natürlich gab es immer wieder Rückschläge und der Prozess lief nicht ohne Gewalt, aber am Ende wurden, ausgehend von der franz. Revolution, "die Pfaffen entmachtet".
Und das war gut so, von da an ging es bergauf mit der Zivilisation. Wir würden heute noch in einer Welt vergleichbar mit Saudi Arabien leben, hätte der Prozess damals nicht begonnen.
Es ist unbestritten, daß immer noch genügend Macht, Korruption und Geld in den Händen der Pfaffen geblieben ist. Und, weil ihnen ihre Schäfchen immer noch Geld du-weisst-schon-wo reinstecken, sind sie auch nie ganz verschwunden und üben im Hintergrund ihren Einfluss aus.
Aber ihre Stellung ist weit entfernt von der des Mittelalters.
Dies war ein Umsturz, der halb Europa über hunderte Jahre in Kriege verwickelte, denn die Kirche kontrollierte Könige und Kaiser und kämpfte Stellvertreterkriege.
Es wird hier zwar von manchen dummen Politikern vom "christlichen Abendland" gesprochen, aber das zeigt nur, wie wenig sie verstanden haben. Keiner sagt öffentlich die Wahrheit, weil sie ein "C" in ihrem Parteinamen haben (was eigentlich peinlich genug ist).
Die Wahrheit ist:

Die Werte unserer Gesellschaft, unser "gesamtgesellschaftliches Bewusstsein" ist sekular, humanistisch, teils atheistisch aber keinesfalls christlich.
Wir sind hier das "humanistisch, ent-christianisierte Abendland".
Die Kirchen sind weitgehend aus der Tagespolitik verschwunden, es gelten keine Bibelgesetze, sie ist (bis auf einen Alibirest) aus der Schule verbannt, und selbst christlich soziale Eintrichtungen werden zu über 90% staatlich finanziert.

Die Kirche war schon immer schlau, hat sich neuen Strömungen angepasst, und hinterher so getan, als wäre sie schon immer dafür gewesen. Das war bei Sklaverei so, die letzten 30 Jahre bei Homosexualität, und wird in Kürze bei Verhütung passieren.
Sie laufen immer hinterher - niemals vorraus. Man verschweigt die schlechten Stellen in der Bibel, und erwähnt die passenden. Natürlich passt "liebe Deinen Nächsten" zur goldenen Regel, oder zum Kant'schen Imperativ. Aber wann hat die Kirche in ihrer 2000 Jährigen Geschichte diesen gelebt? Nur in den letzten 3-400 Jahren.
Nun zum Islam.
Wir kommen aktuell in eine Situation, bei der viele Menschen die diese Historie nicht in ihrem "gesellschaftlichen Bewusstsein" haben, auf eine befreite Gesellschaft stoßen, die ein vollkommen anderes Wertesystem hat.
Ich kann mich nicht in den einzelnen versetzen (wie könnte ich), ich kann mir aber gut vorstellen, daß es für viele ein Schock ist.
Ich weiß nicht, wie diese Konfrontation ausgeht; es könnte sein, daß wir viele unserer Errungenschaften verlieren, und aus falsch verstandener Rücksicht selbst zurück treten, anstatt zu fordern, daß unser Wertesystem angenommen wird.
Werte lassen sich, wie man hier in der Kita sieht, nicht einfach auswendig lernen. Man muss es verinnerlichen. Und dazu muss die Erziehung im Kindesalter beginnen.
Und sie muss von außen kommen: wir können nicht erwarten, daß sie von den Eltern kommt.
Sicher gibt es Ausnahmen und sehr liberale Muslime. Sicher gibt es Nachrichtensprecher im Fernsehen, Informatiker im Betrieb, und Unternehmer mit "Migrationshintergrund".
Fakt aber, daß es eine Mehrheit gibt, die Koran und Hadithe im Zweifel über das Grundgesetz stellen. Die sich bei Religionskritik beleidigt fühlen, und "den Proheten verteidigen" würden, auch mit Gewalt. Die die "Ehre" verteidigen, wenn die Tochter nicht macht, was Vater und Bruder wollen.
Man wird verdächtigt, aus der rechten Ecke zu kommen, wenn man das anspricht, aber das ist genau das Problem: wenn Fakten und Probleme nicht mehr ausgesprochen, ignoriert werden, kann man sie nicht angehen.
Solange, bis sie einem über den Kopf wachsen, und nicht kontrollierbar werden.
Warum schreibe ich das:
Auch wenn man wie ich selbst ein Kritiker der Kirche ist, darf man sich nicht instrumentalisieren lassen. Ohne es zu merken unterstützt man fundamentale Muslime, indem man mit alten Zöpfe relativiert. Weil sie damit eine Ausrede haben "ihr habt doch auch...".
Wir haben nicht!
Wir müssen uns nicht für die christlichen Greultaten verantworten!
Unsere Väter haben selbst gegen die Kirche gekämpft.

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Iamiam 30.11.2015, 00:43
@sarahj

@Sarah: Ich kenne viele Muslime, die sich hier gut integriert haben. Wenn wir aber ständig diese Leute mit dem Stigma Muslim versehen (und es ist in diesem Sinne ein Stigma, zumindest aus Sicht der deutschen Bevölkerung), treiben sie wir in die Position einer ausgestoßenen Minderheit, die sich hinter ihren Rattenfängern zusammenschließt.

Mein Ansatz ist, nicht die Religion für alle Missetaten verantwortlich zu machen, sondern zu zeigen, dass sich zu allen Zeiten und auch in unserer christlichen Kultur immer wieder diese Rattenfänger der Religion bedient haben, um ihre Ziele politisch durchzusetzen. Und das passiert momentan eben mit den Muslimen. Wobei der von dir erwähnte Kulturschock das durchaus stark fördert.

Also: ich greife weder den Islam an noch explizit das Christentum (obwohl ich dem nicht mehr angehöre), sondern die Rattenfänger, die sich des Glaubens und der Vorurteile bedienen, um die Menschen für sich zu instrumentalisieren. Und das passiert auf Seiten der christlichen Europäer genauso (nicht nur Pegida, auch in weiten Kreisen der CSU und auch ALLER anderen Parteien) wie auf Seiten der Moslems. NUR DESHALB versuche ich ständig, auf christlicher Seite zu etwas mehr Selbstkritik und Bescheidenheit zu mahnen.

Nur wenn man im Glauben nicht die URSACHE, sondern nur ein verstärkendes/rechtfertigendes Element für die traditionellen Vorstellungen und ihre Verfechter erkennt, kann man einen klaren Blick für die wirklichen Probleme entwickeln.

Wir hatten im deutschen Herbst ebenfalls eine Phase, in der viele das Grundgesetz nicht anerkannten: legal- illegal- scheiißegal war der Slogan damals. Aufgrund der Vorarbeit des Antikommunismus konnte der Staat diese Strömung relativ leicht überwinden. Wir stehen heute vor einer wesentlich schwereren Aufgabe, weil wir eben  -s.o.- die Muslime massenhaft in die Parallelgesellschaft abgedrängt haben.

Sie da wieder rauszuholen, wird eine Herkulesarbeit werden!

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sarahj 30.11.2015, 16:51
@Iamiam

liebe(r) iamam,

Ich denke wir wollen im Grunde auf das selbe Ziel hinaus, haben aber unterschiedliche Vorstellungen, wie man dort hin kommt.

Natürlich gibt es viele integrierte Muslime, keine Frage. Tatsache (und ich habe da sehr gute Infos) ist aber, daß das eben nur eine Spitze des Eisbergs ist. Die der intellektuellen, gebildeten, und meist ebenso sekularen und somit (entschuldige den Ausdruck, der nicht wertend sein soll) weniger intensiv gläubigen.

Meines Erachtens kann eine Integration nur dann wirklich stattfinden, wenn sich die Frage der Religion gar nicht mehr stellt. Macht man sich irgendwo Gedanken, ob jemand jüdisch, katholisch, evangelisch, Atheist oder sonstwas ist, im Verein, in der Stadt, im Beruf, in der Schule, Uni etc. ?
Nein. Damit tritt der Mensch in den Vordergtund - nicht seine Religion.

Leider tun sich die Muslime, die z.B. auf strenge Kleidervorschriften bestehen, damit sebst einen Bärendienst. Sie verhindern damit aktiv, in der Masse unterzugehen. Genau das ist aber Integration: in der Masse untergehen.

Den Fehler kann man jetzt bei den Anderen suchen (das ist Dein Ansatz) und fordern daß sie halt damit klar kommen.
Aber damit hofft man auf die Realisierung einer unrealistischen Vision.

Menschen sind so nicht. Sie haben den Wunsch (tief in der Psychologie verankert) in der Masse unterzugehen.
Niemand will auffallen.

Es ist leider so.

Es ist aber nicht unser Fehler im Besonderen, sondern eine menschliche Eigenschaft. Der Versuch den Menschen so zu ändern (in so kurzer zeit) ist zum Scheitern verurteilt.
Es geht sicher im Lauf von 4-6 Generationen, aber nicht innerhalb von 20-40 Jahren.

Den Fehler immer wieder bei sich selbst zu sehen ist Teil des Problems.

Als Beleg für meine These will ich mal die unglaublich viel bessere Integration asiatischer Menschen anbringen:

die Kinder asiatischer Einwanderer (man muss auch hier ehrlich sein: sofern nicht Muslim), haben im Mittel viel schneller Deutsch gelernt, haben bessere Noten, häufiger Abitur, studieren öfter, haben weniger Konflikte und ein viel höheres Durchschnittseinkommen später.
Der Abiturdurchschnitt liegt deutlich über dem der nicht Immigrantenkinder. (siehe Studien zu Tailändischen, Vietnamesischen, Indischen etc. Einwanderern)
Und das alles, obwohl sie als Asiaten rein äusserlich viel auffälliger sind. An den anderen kann es also nicht alleine liegen.

Umgekehrt sieht alles viel schlechter bei Muslimen aus. Sie bleiben unter sich, heiraten nicht quer, vermischen sich nicht in den Rest der Gesellschaft, sind seltener in Vereinen, hindern ihre Kinder am Kontakt, sprechen daher auch schlechter deutsch usw.
Ich spreche von der Mehrheit. Nicht von Einzelfällen. Daher nicht von einzelnen Personen, sondern von der statistischen großen Masse.

Ob das jetzt Kultur oder Religion ist? Religion ist Kultur.
Interessant wöre ein Vergleich zwischen christlichen Syrern und muslimischen Syrern. Ich kann das nicht beurteilen, solange ich keine Statistik dazu gesehen habe. Man müsste das mal untersuchen.

Also kann es nicht an der Gesellschaft alleine liegen.

Und daher denke ich, Muslime müssen sich viel mehr anpassen, sorry - das ist ohne irgend einen idiologischen Hintergedanke. Sondern rein praktisch gedacht.

Und es geht nicht um Vorwürfe und gegenseitige Beschuldigungen. Wenn es ein Problem mit Religion gibt, muss man dran gehen und ihn irgendwie lösen. Einfach alles wegzudiskutieren macht am Ende alles nur viel schlimmer.

Und ehrlich gesagt: ich kenne sehr viele, sehr gut ausgebildete und intellektuelle Muslime - soviel dazu. Und die sind alle meiner Meinung. Tatsächlich haben sie diese Meinung in mir sogar in Diskussionen mitgeformt. Es gibt viele Muslime die selbst große Angst haben, und fordern würden, die Moscheen mehr zu kontrollieren, ja -tatsächlich das Kopftuch zu verbieten usw. um eine Integration quasi zu erzwingen.

Sie haben nämlich auch Angst um ihre Kinder und ich kenne ein Paar, deren Tochter auf dem besten Weg ist, in den Fundamentalismus abzugleiten.

Übrigens bin ich doch der Meinung, daß wir nicht mehr Glauben brauchen, um unsere Probleme zu lösen, sondern weniger; zumindest weniger öffentlich präsenten Glaubens.

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Es ist absolut inakzeptabel, dass unser Grundgesetz von Teilen der Bevölkerung nicht als Maßstab anerkannt wird. Da gibt es Null-Toleranz.

Hier gilt es dringend, einzugreifen. Ohne nun zu wissen, was da konkret sinnvoll wäre.

Ein Anfang wäre vielleicht, dass man die Lehrer in den Koranschulen reglementiert.

Eine Parallelgesellschaft, die sich nicht als Teil unseres Rechtssystems versteht, kann nicht hingenommen werden.

Das ist aber gar nicht allein ein Problem mit muslimischen Mitbürgern. Auch im rechten Lager, bei sogenannten Rockern und ähnlichen Gruppierungen sind ähnliche Defizite zu erkennen.

Niemand steht über dem Recht. Kein Imam, kein Mohammed und kein Allah.

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Mit Unterschrift des Betreuungsvertrags erkennen Eltern die Regeln der Kita an.
Gerne nochmal kopieren und erläutern.

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Iamiam 29.11.2015, 14:41

und Du glaubst wirklich, das hilft weiter? Bist Du Jurist und glaubst daran, dass die Welt durch geschriebene Gesetze und Verträge gemacht wird?

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sozialtusi 29.11.2015, 15:36

Nein, aber so sichere ich mich ab, falls ich mal Menschen der Einrichtung verweisen muss.

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Die Kinder in der KiTa sind so klein, dass man sicher nicht mit dem Grundgesetz argumentieren kann. Kinder in dem Alter lernen gegenseitigen Respekt durch das respektvolle Miteinanderumgehen, Das schließt auch ein, dass man den Kindern und Eltern respektvoll begegnet. Das GG verbietet Diskrminierung aufgrund der Religion oder Herkunft, stimmt da also mit Ihrem Neutralitätsgebot als Erzieherin überein. Das Elternrecht ist auch im GG verankert. 

Grundsätzlich bleibt Ihnen also vor allem die Möglichkeit, mit gutem Beispiel voranzugehen. Das hinterläßt bei Kindern und Eltern einen bleibenderen positiven Eindruck als der Hinweis auf das Grundgesetz.

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Du kannst gar nichts dagegen machen. Wenn du gegen radikales Gedankengut erziehst, wirst du mit muslimischen Eltern in Konflikt kommen.

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Hallo, gibt es die Möglichkeit das mit den Kollegen zu besprechen? LG Klaus

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ambesten mache nicht das was du grade machst.

ich würde an deiner stelle die mulmig mit offenen armen empfangen, denn sie wollen das Gegenteil hören von ich bin deutsche und ihr seid mulslim 

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es hat sich hier auch eine christlich-fundamentalistische Parallelgesellschaft herausgebildet, es ist darum  sinnvoll alle zu betrachten, das EU- Parlament hat schon 2007? davor gewarnt & dazu aufgerufen kein kreationistisches Weltbild in Schulen zu verbreiten.. 

versch. Bekenntnisschulen halten sich nicht daran, genau wie die extremen Moslems verteufeln  die Evangelikalen  Emanzipation und Evolutionslehre, Pornografie, Homosexualität und zusätzlich  den Islam. Vermitteln ein rückständiges Frauenbild :( Sie knechten ihre Kinder ebenfalls und mißhandeln die unheimlich grausam , google dazu u. a. zu den Christen der 12 Stämme..

zu wie soll ich mich verhalten , wenn Du bemerkst ein Kind egal ob mit oder ohne Religionszugehörigkeit wird mißhandelt, geschlagen leite das weiter .. Polizei und Jugendamt sind dann Ansprechpartner.

In der Gruppe achte auf Gerechtigkeit , leider wird das nicht immer gemacht, weil manche Erzieher eine pers. Vorliebe für  Mädchen oder Jungs haben entsteht schon Ungerechtigkeit.. 

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