Was kann ich aktiv gegen das Ritzen unternehmen ohne Therapeuten/Arzt?

10 Antworten

Hallo meinneuesleben,

zunächst einmal möchte ich Dir einige Tipps geben was Du gegen das Ritzen unternehmen könntest.

Versuche doch erst einmal zu ergründen, was in Dir den Drang erzeugt, Dich selbst zu verletzen. Was geht in Deinem Kopf vor, wenn Du Dich wieder einmal ritzen möchtest? Gibt es etwas in Deinem Leben, z. B. in Verbindung mit Deiner Familie oder Deinen Freunden, was Dir Kummer bereitet? Auch wenn es nicht so einfach ist, Dir die Gründe für Dein selbstverletzendes Verhalten einzugestehen, kann es dennoch ein erster Schritt sein, um damit aufzuhören.

Sprich mit einem Erwachsenen, der in der Lage ist, mitfühlend zuzuhören und Dein Problem ernst nimmt. Allein schon über das Problem zu reden, kann eine gewisse Erleichterung bringen. Solltest Du ein persönliches Gespräch zu schwierig finden, könntest Du es auch mit einem Brief oder über das Telefon versuchen. Dich jemandem anzuvertrauen ist ein wichtiger Schritt in Richtung Besserung. Es kann auch hilfreich sein, Dein Selbstbewusstsein zu stärken. Schreib doch einmal die Punkte auf, die Du an Dir gut findest und öffne somit Deine Augen für Deine guten Seiten.

Wie Du am Anfang ja schreibst, hat das Ritzen nach dem Tod Deines Vaters angefangen.Offenbar konntest Du dieses schmerzvolle Erlebnis bisher noch nicht so richtig verarbeiten. Es wäre sicher sehr hilfreich, wenn Du dazu möglichst bald professionelle Unterstützung bekommen würdest! So etwas Schreckliches wie den Tod eines Elternteils, kann man nicht so einfach wegstecken.

Da ich selbst vor wenigen Jahren sowohl meine beiden Elternteile als auch meine Schwester durch den Tod verloren habe, kann ich Deine Empfindungen einigermaßen nachvollziehen. Ich weiß daher, dass der Schmerz nach dem Verlust eines geliebten Menschen sehr groß sein kann und man braucht unter Umständen sehr viel Zeit, um diesen Schmerz verarbeiten zu können. Mir hat jemand einmal erklärt, dass jeder auf eine andere Weise trauert und es auch kein Zeitmaß für die Trauer gibt. Das hat mir schon sehr geholfen. Ich finde es auch immer sehr hilfreich, wenn man mit jemandem über seine Gefühle sprechen kann, der vielleicht Ähnliches erlebt hat und sich am besten in meine Lage hineinversetzen kann. Da es allerdings manchmal sehr schwerfallen kann, über seine Gefühle zu sprechen, fand ich den Tipp sehr hilfreich, einmal all das aufzuschreiben, was einen bewegt und es dann später wieder zu lesen.

Mir hilft auch ungemein die Hoffnung, die die Bibel im Hinblick auf die Verstorbenen gibt. Da ich mich viel mit der Bibel beschäftige, hat es mich sehr getröstet, das zu lesen, was Jesus einmal über die Toten sagte: " Denn so, wie der Vater die Toten auferweckt und sie lebendig macht, so macht auch der Sohn die lebendig, welche er will. Wundert euch nicht darüber, denn die Stunde kommt, in der alle, die in den Gedächtnisgrüften sind, seine Stimme hören   und herauskommen werden, ..." (Johannes, Kapitel 5, Verse 21, 28 u. 29a). Diese Verheißung beschreibt, dass Millionen von Verstorbenen wieder auf der Erde leben werden, und zwar unter besseren Verhältnissen als heute. Wir werden sie so sehen, wie wir sie gekannt haben und können sie dann endlich wieder in unsere Arme schließen! Ist das nicht großartig? Diese Hoffnung lässt mich immer wieder aufleben, besonders dann, wenn alles um mich herum grau und trüb aussieht. Ich danke Gott oft dafür, dass er uns diese schönen Verheißungen gegeben hat und ich bin felsenfest davon überzeugt, dass er sie auch erfüllen wird.

Vielleicht könnte Dir ebenso wie mir die Hoffnung der Auferstehung helfen, mit der Trauer besser umgehen zu können. Dann mag auch das mit dem Ritzen aufhören. Ich sehe mit großer Erwartung der Zeit entgegen, in der niemand mehr den Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen ertragen muss. Ich wünsche Dir alles Gute!

LG Philipp

Hallo MeinNeuesLeben...

Der Nickname ist ja schon fast Program... Ich habe unter vielen Antwort gesehen, dass Du empörte Kommentare schreibst. Bevor Du mir einen druntersetzt: warte mal einen Tag. Dann lies noch mal und dann kannst Du schreiben...

Zunächst: Die Ablehnung durch Ärzte und Therapeuten macht mich skeptisch. Die Realität hat immer mehrere Gesichter - aber hier geht es um Dich und Deine Sicht auf die Dinge. Deshalb kann ich Dir von außen nur raten: möglicherweise hat jemand Anderes Dein Anliegen nicht verstanden. Vielleicht hast Du etwas nicht explizit erzählt, nicht direkt gefragt oder etwas ganz geradlinig ausgesprochen. Das musst Du. 

Dann noch etwas zur Education: Es gibt einen Unterschied zwischen Psychiatern, Psychologen und Psychotherapeuten. Psychiater sind Ärzte und gehen davon aus, dass Erkrankungen aufgrund organischer Dysfunktion zustande kommen. Psychologen sind Absolventen eines Bachelors und Masters in Psychologie. Psychotherapeuten haben im Anschluss nach dem Studium eine weitere Ausbildung gemacht und dürfen auf Kassenzulassung therapieren. Du brauchst einen Psychotherapeuten. Die Wartezeiten sind lang. Je nachdem wo Du wohnst zwischen 1-6 Monaten. Psychotherapeuten spezialisieren sich auf bestimmte Störungsbilder. Das heißt: sie stellen fest, mit welchen Krankheitsbildern sie gut arbeiten können und mit welchen nicht (manche gehen einem auch zu nahe). Deshalb ist es gut möglich, dass Du weitergeschickt wirst.

Bei einer Therapie geht es nicht darum, wie viele Stellen man probiert und besucht hat, sondern wie lange man einen (!) Therapieweg gegangen ist. Auch wenn es zwei Monate der Klinik waren - es fehlt eine weiterführende Behandlung. Du musst das dort begonnene weiternehmen und auch einen Alltag bewerkstelligen können.

Hast Du einen Hausarzt bzw. Kinderarzt? Mach einen Termin, sprich mit ihm darüber. Im Zweifel schreibst Du Dir VORHER in KLAREN SÄTZEN auf, was Du sagst. Keine Leidensgeschichte. Du hast bei ihm 5 Minuten um zu erzählen, was passiert ist. Ggf. gibt es nachfragen und dann kann er Dir helfen, die richtige Stelle zu wählen. Du musst jedoch aufhören, Antworten, Weiterleitungen und Sonstiges als Abweisungen zu werten.

Ich habe hier schon gute Antworten gelesen. Ich versuche dem lediglich etwas hinzuzufügen.

Die Wahl eines Therapeuten ist nicht immer einfach. Es muss von beiden Seiten aus passen. Ihr müsst menschlich gut miteinander zurecht kommen und der Therapeut muss sich mit dem jeweiligen Störungen auskennen. Solange das gewährleistet ist, ist es im Prinzip nicht so wichtig ob es ein Psychiater oder Psychologe ist. Ich persönlich sehe bei dir starken therapeutischen Handlungsbedarf.

Welche Skills kennst du denn bzw. hast du schon ausprobiert? Es gibt hunderte verschiedene und auf jede Person passen welche. Auf dem Gebiet Selbstverletzung und Skills bin ich ziemlich erfahren. Sowohl durch jahrelange Therapie, als auch durch mein Psychologiestudium. Ich würde mich wirklich freuen, wenn ich dir helfen könnte. Du darfst mir gerne eine private Nachricht schreiben und ich seh' was ich tun kann.

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