Was kann eurer Meinung nach Kunst theologisch vermitteln?

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5 Antworten

Versuch: Nehmen wir mal an, es gäbe einen Gott. Nehmen wir mal an, es gäbe jenseits dieser Welt, die wir mit unserem Verstand noch erfassen können, noch eine weitere (verborgene, größere und hoffentlich schönere) Welt. Wie  könnten wir, da sie ja jenseits dieser Welt verborgen ist, darüber reden?

Die menschliche Sprache besitzt Begriffe - und Kommunikation baut darauf auf, dass wir davon ausgehen, dass wir unter Begriffen Ähnliches verstehen. Wenn ich z. B. von "Freiheit" rede, gehe ich davon aus, dass Du unter Freiheit etwas ähnliches (sicherlich nicht das Gleiche) verstehst. Evtl. können wir vorher uns verständigen, was wir unter Freiheit verstehen und so unsere Vorstellung davon ähnlicher machen und uns dann (hoffentlich) besser austauschen und verstehen.

Wie aber kann das funktionieren, wenn man über etwas redet, das jenseits dieser Welt ist? Wir wissen ja so gut wie nichts von diesem Jenseits, bzw. von diesem (gedachten) Gott. Wir haben aber Wünsche oder Ängste, Träume oder Alpträume, Ahnungen oder minimale Erfahrungen mit "dem Heiligen". Einiges davon lässt sich vielleicht in Worte fassen - doch Worte sind nicht genug. Wer vom Heiligen etwas vermitteln will, will wohl eher eine "Symphonie komponieren", eine "Meisterstatue erschaffen" oder ein "Bild schöner als die Mona Lisa malen" - das wäre Gott eher angemessen.

Wer vom Heiligen ergriffen ist, dem reichen "trockene Worte" nicht. Auch die (uns Menschen mögliche) Kunst reicht nicht. Aber die Kunst kann mehr als Worte. Und so ist die Kunst die bessere Wahl, um auf die Begegnung mit dem Heiligen zu reagieren. Wir Menschen haben nichts besseres als die Kunst.

Hier wichtig: Ich rede vom "Ergiffen-Sein" und von einer "angemessenen Reaktion auf die Begegnung mit dem Heiligen". Ich rede nicht davon, dass jemand eine theologische Lehre (etwa wie ein Lehrer) anderen Menschen (etwa Schülern) vermitteln (beibringen) will. Eine Theorie von (einem) Gott, die sich niederschreiben und lehren, also in Worte fassen ließe, wäre (einem) Gott immer unangemessen (Karl Barth: Über Gott kann man nicht "reden").

Natürlich kann ein Religionslehrer (ich war einer) z. B. Bilder in seinem Unterricht einsetzen und dann mit seinen Schülern darüber "reden". Das Bild an sich enthält ja ein "Echo" vom Heiligen. Aber sobald wir dieses Echo in Worte fassen, ist nur noch ein ganz ganz schwaches Echo. Das Bild enthält viel, viel mehr als wir je in Worte fassen könnten. Wenn Du also mit "vermitteln" meinst, dass Du ein "Programm", eine Theorie, ein (philosophisches) System, etwas, was man in Worte fassen kann, "lehren" willst, ist dies eigentlich nicht mehr "theologisch" (in dem Sinn, dass wir angemessen (!) von Gott reden). Wenn Du mit "vermitteln" aber meinst: Wir erleben (!) gemeinsam ein Kunstwerk und das darin enthaltene (nicht in Worte zu fassende) Echo, wenn Du als Lehrer also ein Kunstwerk mitbringst, um "Gott (ohne Worte) erlebbar zu machen", dann ist das das wenige, was man als Lehrer tun kann.

Anders gesagt: Kunst macht Gott (zwar schwach aber immer noch) besser erlebbar als Worte. "Theologisch vermitteln" passt zu (nicht ausreichenden) "Worten". Kunst passt zu "erleben". Also: Kunst kann besser vermitteln. Aber was sie vermittelt, kann man nicht in Worte fassen. In diesem Sinne ist Deine Frage also nicht beantwortbar.

... ...das war ein (mittelmäßiger) Versuch... ... .... ich hoffe..., es kann jemand besser...

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Kommentar von Metaprox
15.06.2016, 14:35

Erst einmal vielen Dank für Ihren Beitrag, hat mit sehr geholfen. Meiner Meinung nach ist Kunst unabdingbar für die Übermittlung von Narichten, denn sie bildet eine Brücke der Überlieferung. Sie lässt den Menschen, zumindest Die die dafür offen sind, (in diesem Fall) die Religion greifbar machen. Das hat natürlich auch Schattenseiten, denn dies kann auch ausgenutzt werden um Menschen zu Manipulieren oder ihnen ein "falsches" Bild zugeben. Sowie in deinem Versuch, etwas unwirkliches (nicht erfassbares) zu beschreiben durch Texte oder Kunst aller Art, wird dem Betrachter ein Bild "eingebrannt", obwohl niemand über genaue Angaben verfügt.   

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Hallo Metaprox,

das wäre das Thema der religiösen Kunst.

Von einem religiösen Kunstwerk (Literatur, Plastik, Bild, Musik, ... was auch immer) kann ich dann sprechen, wenn es eine religiöse Aussage macht.

Beispiel: In verschiedenen Gemälden über die Verkündigung des Engels Gabriel sieht man einen Vorhand oder eine Wolke oder die Farbe Grün (unterschiedlich). Mit diesen Symbolen soll die theologische Aussage gemacht werden, dass hier der Heilige Geist wirksam ist.

Beispiel: Ikonen. Durch die fast stereotype Darstellung mit bestimmten Mustern, Farben, Formen und Beschriftungen soll bei Bildern von Jesus dargestellt werden, dass es sich um den Sohn Gottes handelt.

Religiöse Kunst ist übrigens unabhängig vom Motiv. Eine Marienbild oder -statue ist nicht unbedingt religiöse Kunst, wenn in der Darstellung keine theologische Aussage zu erkennen ist.

Umgekehrt kann ein profanes Bild durchaus religiöse Kunst sein, wenn sich durch die Art der Darstellung eine Aussage machen lässt, dass hier Schöpfung duch Gott dargestellt werden soll.

Es gibt ein Bild von Hitler, das die Partei nicht veröffentlichen wollte, auf dem Hitler zwar realistisch dargestellt war, aber aus dessen Augen Angst sprach. Selbst das könnte man als religiöse Kunst betrachten: Ein Diktator muss Angst haben.

Und schließlich: Kunst kommt von Können. Dazu gehört dann auch eine meisterliche Darstellung.

Kurz: Eine gut gemalte Rübe ist eher religiöse Kunst als eine schlecht gemalte Madonna (Zitat von Prof. Msg. Hürtgen/Bonn).


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Kommentar von chris2912
16.06.2016, 10:39

Machen wir ein paar Proben aufs Exempel...

Nehmen wir eine krakelige Strichzeichnung eines Kindes, den "kläglichen" und unbeholfenen Versuch, einen Engel zu zeichnen. Es ist kaum etwas zu erkennen, die Zeichnung technisch gesehen wirklich "schlecht". Auch die üblichen (soll ich Symbole oder Zeichen sagen?) sind nicht dabei (keine Flügel, keine leuchtenden Gesichter, keine wallenden Gewänder - oder sonstiger Schwachsinn, der üblicherweise Engel kennzeichnet)  Das Kind sagt "Das ist ein Engel" und deutet auf sein Werk. ... ... die Mutter weint viele viele Tränen des Glücks....

Kunst? Können?

Oder nehmen wir den "Angelus Novus" von Paul Klee, hier z. B:

https://de.wikipedia.org/wiki/Angelus_Novus

Schön? Übliche Zeichen dabei? (Na gut, Flügel vll. im Ansatz) hohe Kunstfertigkeit? Kunst? Können?

Nehmen wir eine perfekte Ikone, die alle "Regeln der Kunst" berücksichtigt, z. B. solche

https://de.wikipedia.org/wiki/Ikone

Wie sterbens-langweilig und nichts-sagend können diese doch sein (vor allem für Leute die keine Ahnung von Ikonen haben). Hohe Kunstfertigkeit? (Ja) Alle Regeln eingehalten? (Ja) Die "notwendigen Zeichen" dabei? (Ja) Die vorgeschriebene Farben verwendet? (Ja). Und doch: nichtssagend.

Kann ein Bild, dass mit viel "Kunstfertigkeit" gemalt wurde, wenn es aber niemanden mehr "berührt" noch "Kunst" sein? Ein Bild, das niemand gerne ansieht, eine Symphonie, die niemand mehr hören will, eine Statue, die nicht mehr zum Staunen verleitet, ein Buch dass niemand mehr liest? Zeichen, die keinen Zugang zum "Heiligen" mehr eröffnen. Gestorbene "Kunst".

Gibt es daneben Werke, die auf immer und ewig berühren?

Rodins Skulptur "Der Kuss", Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie d-Moll, Goethes "Faust", van Goghs "Sternennacht", der krakelige Engel eines kleinen Kindes...

Es sind wirklich Fragen...

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Bei der Kunst geht es im Allgemeinen um die Erweiterung des Geistes. Kunst, welche theologische Ansätze vermittelt, ist demnach eigentlich keine Kunst mehr.

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Alles. Kunst ist ein Instrument, um theoretisch-philosophische Zusammenhänge und Anschauungen anhand von konkreten Lebenssituationen in das praktische Leben zu übertragen. Damit werden dem "normale Menschen" die Weltanschauungen bzw. unterschiedliche Lebensmodelle verständlich gemacht und nahegebracht.

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Kommentar von Mignon4
14.06.2016, 18:21

@ Metaprox

Ersteimal ist Kunst für mich eine ausdrucksform in Bereichen wie
Musik,Literatur,Malerei....und Kunst kann meiner Meinung nach so gut wie alles vermittel, jedoch frage ich mich speziell was es theologisch vermittel kann

 "Nathan der Weise" ist eine religiöse Botschaft von Lessing.

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Kunst kann das Selbe vermitteln wie ein Text man muss sich nur auskennen

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Kommentar von Metaprox
14.06.2016, 18:09

Ersteimal ist Kunst für mich eine ausdrucksform in Bereichen wie Musik,Literatur,Malerei....und Kunst kann meiner Meinung nach so gut wie alles vermittel, jedoch frage ich mich speziell was es theologisch vermittel kann.

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