Was kann der Mensch durch klassisches konditionieren lernen?

6 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Huiii, ganz einfach: Bei Verhalten, dass der Erwartung entspricht, einen leckeren, kleinen Snack geben, sollte das Verhalten aber falsch sein, gibt es so tolle Elektroschocker.

Ok, so natürlich nicht, aber ähnlich! Auch der Mensch, der nichts weiter als ein Tier ist, lernt durch positive und negative Belohnung / Verstärkung.

Ich bemerke gerade, du fragst vielmehr "WAS kann der Mensch durch Konditionierung lernen..." Soll man jetzt alles mögliche auflisten???

vielleicht nicht unbedingt alles, aber einige beispiele wären gut ;)

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@mipasu

Beispiele negativer Art:

  • Ängste aller Art, ob vor Menschen, Tieren, Gegenständen, Orten, u.s.w
  • Schmerzen und andere körperliche Symptome, die krankhaft gedeutet werden, vor allem den Verdauungstrakt betreffend, also Magen, Darm, aber auch den Kreislauf betreffend

Beispiele positiver Art:

  • Eifer nach Erfolg
  • Selbstwertgefühl
  • Ordentlichkeit
  • eben alles, was eine Person gesellschaftlich gut integriert, so dass sie akzeptiert und respektiert wird, also sozial nicht aneckt
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@mipasu

Letzendlich ist, bis auf instinktives Verhalten, aber selbst das wird beeinflusst, alles konditioniert.

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die ganz klassische konditionierung passiert durch die eltern. denk mal an deine kindheit und so sätzen wie "das darf man nicht, das soll man nicht" usw. verhaltensmuster sind konditionierungen. da gibt es mannigfaltige!

Das hast du dir jetzt eben einfach so ausgedacht?

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@Isegrimm

Die klassische Konditionierung ist ein genau beschriebenes wissenschaftliches Paradigma, das mit deinen Beispielen nichts oder wenig zu tun hat. Das, was du beschreibst, hat eher etwas mit dem Lernen am Erfolg, dem zweiten großen Paradigma des Lernens, dem operanten Konditionieren zu tun.

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@Isegrimm

Dann gibt dem Fragesteller doch ein paar Beispiele, wenn du es genauer zu unterscheiden weißt. Ich gebe zu, ich weiss keinen Unterschied zwischen den Arten der Konditionierung. Deshalb scheinst du hier die einzige Person zu sein, die korrekte Beispiele zu nennen vermag.

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@Toraka

z.B. in der Werbung. Du siehst etwas Angenehmes (das ist der unbedingte Reiz, er löst auf jeden Fal [unconditioned, das heisst ohne vorangegangenes Lernen] eine Reaktion aus, die unbedingte Reaktion (eine angeborene Reaktion) aus, z.B. Lächeln, ein angenehmes Gefühl, eine Erregung. Wenn dieser unbedingte Reiz wiederholt und gleichzeitig mit etwas anderem dargeboten wird, das zuvor keine Reaktion auslöst (der neutrale Reiz), z.B. eine Kaffeepackung oder eine Kanne Kaffee, dann führt die Gleichzeitigkeit der beiden Reize irgendwann einmal dazu, dass der vormals nichts auslösende Reiz schon alleine die Reaktion auslöst. Der neutrale Reiz (unconditioned Stimulus) wird zum bedingten Reiz (dem conditioned stimulus). Die Reaktion (Freude, Wohlfühlen, Lächeln, Erregung) erfolgt dann auch bei ausschließlicher Präsentation des bedingten Reizes. Du siehst z.B. in einem Regal die Packung Kaffee, und weil du dich in dem Moment wohlfühlst, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass du sie kaufst. Motorsägen, die Monat für Monat neben tollen halbnackten Models in einem Kalender zu sehen sind, übertragen ihre Wirkung auf das Logo der Säge und wenn du vor der Frage stehst, ob und welche Motorsäge du kaufen sollst, wird es wahrscheinlicher, dass du aufgrund der angenehmen Assoziation diese Marke kaufst.

Lernen am Erfolg ist etwas ganz anderes. Ein Organismus zeigt eine spontane Reaktion, z.B. eine Taube pickt auf ein blaues Dreieck. Tauben machen sowas ständig. Wenn sich dann auf dem blauen Dreieck zufällig ein Korn befindet, wird das Picken auf blaue Dreiecke verstärkt und kommt nach einigen Durchgängen häufiger vor. Das umgekehrte geschieht bei unangehmen Folgen. Ein zufällig geäußertes Verhalten, das von einer negativen Konsequenz gefolgt wird, tritt zukünftig seltener auf.

Die meisten Situationen, in denen etwas gelernt wird (und das bedeutet in diesem Zusammenhang nicht 'Einsicht' sondern Erhöhen der Auftretenswahrscheinlichkeit eines bestimmten Verhaltens), lassen sich mehr oder weniger auf diese beiden Grundparadigmen des Lernens zurückführen. Meist sind die Verhältnisse aber komplizierter und im Alltag treten komplizierte Kombinationen von mehreren Konditionierungsarten auf. Ein ursprünglich neutraker Reiz, der durch klassische Konditionierung zu einem bedingten Reiz geworden ist, kann in die Rolle eines unbedingten Reizes schlüpfen. Geld, ein für ein Kind bedeutungsloser neutraler Reiz, kann, wenn es immer zeitgleich mit annehmen Dingen präsentiert wird, zu einem konditionierten Reiz werden, der Wohlgefühl auslöst, das mit einer realen Triebbefriedigung assoziiert ist. Dieser Konditionierte, ursprünglich neutrale Reiz, kann bei Formen der operanten Konditionierung (Lernen am Erfolg) die Rolle der Belohnung übernehmen. Wenn also Menschen etwas für Geld tun, dann liegt da schon eine Kombination mehrere Konditionierungen vor. Viel später als die beiden Haupt- bzw. Grundparadigmen des Lernens Klassische Konditionierung und Operante Konditionierung (Lernen am Erfolg) wurde eine für den Menschen bedeutsame dritte Form des Lernens eingeführt, das soziale Lernen. Menschen lernen sehr viel und effektiv von Vorbildern (Eltern, Geschwistern und Peers). Der Lernende hat dabei eine aktivere Rolle als beim klassischen oder operanten Konditionieren. Man kann sich aber vorstellen, dass sich das Lernen am Modell in viele verschachtelt und nacheinander auftretende Konditionierungen klassischer und operanter Art zerlegen liesse.

Die Mechanismen der klassischen Konditionierung treten vor allem im Zusammenhang mit Affekten, Ängsten oder anderen Emotionen auf. Bei Gleichzeitigkeit von Reizen mit angstauslösenden Situationen können diese dann irgendwann die Angst selber auslösen. Das stimmt überein mit der Beobachtung, dass Ängste und Phobien dazu neigen, sich auszubreiten. Verlernen einer Angst oder Phobie kann sehr wirkungsvoll durch umgekehrte klassische Konditionierung erfolgen (z.B. durch systematische Desensibilisierung, bei der vormals unangenehme Reaktionen auslösende konditionierte Reize immer wieder gleichzeitig mit angenehme Reaktionen auslösenden Reizen zusammen dargeboten werden).

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@Isegrimm

Sehr schön beschrieben. Das ist so verständlich und auch interessant (Werbung), dass sich der Fragesteller sogar selber noch ein paar Beispiele daraus erdenken kann. Leider würde eine positive Bewertung des Beitrages an die falsche Person gehen, da der Text einer anderen Antwort untergeordnet steht und nicht separat.

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Eine ganze Menge. Man kann einen Menschen genau wie den Pawlowschen Hund durch den Klang einer Glocke sabbern lassen.

Auch diverse Reaktionen beim Autofahren werden konditioniert. Das Kupplungspedal erneut betätigen wenn was nicht stimmt (Gang klemmt) oder aus Schreck schon mal das Kupplungpedal treten und den rechten Fuß heben und Bremsbereit machen wird auch auf dauer "ankonditioniert".

Auch beim PC werden viele Dinge konditioniert. Viele User klicken aus Reflex Fehlermeldungen weg, auch wenn man denen beim Support befielt das nicht zu tun und vorzulesen können viele User nicht anders und klicken die Meldung sofort weg, sind gar nicht in der Lage die Fehlermeldung vorzulesen!

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