Was kam am US-Rap so gut in Afrika an?

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1 Antwort

Interessante Frage! Es lässt sich auf jeden Fall sagen, dass
sich Hip-Hop, durch die starke Popularität der amerikanischen Musik, bereits in
den 80’s in Afrika etablieren konnte. Anfangs beeinflusste der Hip-Hop Amerikas den afrikanischen Hip-Hop noch maßgeblich, woraus allerdings schon früh eigene Stil-Richtungen resultierten. Musiker orientierten sich schon da an den einheimischen Einflüssen, begannen damit, durch Interpretation von Lyrik und Prosa, diese durch Rezitation, mit Hilfe der Sprache darzustellen. Zudem bedienten sie sich der „Oral History“, indem sie als Zeitzeugen agierten und ihre Sichtweise aus verschiedenen Blickwinkeln reflektierten. Personen aus verschiedenen Milieus gelang es so, ihr Leben, ihre Lebenswelt, für die Nachwelt in Form von Sprache zu bewahren. Afrikanischer Hip-Hop bewegt sich vor allem im Conscious-Rap, also im sozialkritischen Spektrum, wohingegen im amerikanischen Hip-Hop auch oft Nonsense verbreitet wird. Natürlich entstanden in den Regionen Afrikas auch unterschiedliche Sub-Richtungen des Hip-Hops.

Zum Beispiel gibt es den tansanischen Bongo Flava, welcher
zuerst durch die Kinder der Reichen ins Land kam, indem sie im Ausland studierten oder ihre LPs oder auch CDs aus dem Ausland bezogen. Ein tansanisches Fernsehen gab es zu dieser Zeit noch nicht, sondern ausschließlich einen Radiosender, welcher sich weigerte, Bongo Flava zu spielen. Hip-Hop wurde so also anfänglich in den Discos der Hotels oder auf Partys gespielt, wodurch dieser populärer wurde. Als wichtigster Einfluss des Bongo Flava gilt vermutlich Tupac Shakur, welcher z.B.  den afrikanischen Rapper Mr. II. maßgeblich beeinflussen konnte. Mr. II. gilt als derjenige Musiker, der mit seiner eigenen Musik Erfolg verbuchen konnte und auf Swahili, der am weitesten verbreiteten Verkehrssprache, rappte. Schon vorher, in den frühen 90’s, coverte Saleh J. bekannte amerikanische Rapsongs wie „Ice Ice Baby“ von Vanilla Ice oder auch „O.P.P.“ von der Crew Naughty By Nature auf Swahili und repräsentierte die Jugend der schwarzen Mittel- und Oberschicht Tansanias. Bongo Flava Rapper möchten dazu beitragen, dass Tansania mittels ihres Lyricism international besser wahrgenommen wird. Die Musik, die anfangs als aufsässig abgestempelt wurde, wird heute von Personen aus allen Schichten gehört und von vielen Radiosendern sogar ausschließlich gespielt. Doch nicht nur wegen dem Textinhalt repräsentiert Bongo Flava einen eignen Musikstil, welcher sich anfangs am amerikanischen Rap orientierte, sondern wird heute vor allem durch ostafrikanische Musikeinflüsse geprägt. Interessant ist auch, dass Bongo eine Slang-Bezeichnung für die 4,36 Millionen-Einwohner-Stadt Dar es Salaam darstellt. Auch in Dar es
Salaam gibt es unterschiedliche Hip-Hop Stile, welche sich maßgeblich
voneinander unterscheiden.

Weiterhin gibt es beispielsweise den, vor allem in Ghana verbreiteten Stil Hiplife, welcher sich in den 90’s aus der traditionellen Tanz-
und Musikrichtung Highlife und dem Hip-Hop aus den USA zusammensetzte. In den Städten Ghanas, insbesondere der Hauptstadt Accra, gibt es eine florierende, aber auch konkurrenzbetonte Szene. Zwar stehen auch die Musiker des Bongo Flava in starker Konkurrenz zueinander, allerdings wird die Musik dort anders wahrgenommen, als in Ghana, wo sie eher als „Störelement“ empfunden wird, die die Jugend verdirbt. Des Weiteren steht Hiplife in starker Kritik, da durch das Konkurrenzdenken oftmals nur schnell und billig produziert wird, weswegen die ansässige Szene gespalten ist. Als Pionier gilt der Musiker Reggie Rockstone, welcher im Jahr 1997 sein Debüt-Album veröffentlichte.

Des Weiteren ist der populäre südafrikanische Hip-Hop eine
weitere Hip-Hop Richtung Afrikas, welcher schon früh Erfolg verbuchen konnte. Als Pioniere gelten Gruppen wie Black Noise oder Prophets of da City, welche allerdings durch die Apartheidsregierung verboten wurden und erst nach Ende der Apartheid und Rassentrennung durch den demokratischen Regierungswechsel Mandelas in den Jahren 1993/1994 legalisiert wurden, wodurch sie auch im Radio gespielt werden durfte. Zurzeit ist die Gruppe Die Antwoord aus Kapstadt die wohl bekannteste Gruppe des Hip-Hops.

Hip-Hop wurde schon früh, wie beispielsweise durch einen der
einflussreichsten, international bekanntesten und auch erfolgreichsten
französischen Rapper MC Solaar, auch im Senegal bekannt. Auch durch die Gruppe Positive Black Soul, welche von MC Solaar entdeckt wurde, konnten erste internationale Erfolge verbuchen, wodurch sich Senerap weiterhin verbreitete und heute zu den wichtigsten Vertretern afrikanischer Hip-Hop Musik zählt. Die Band sagt, dass sie sowohl von den afrikanischen Einflüssen als auch durch Künstler wie IAM, A Tribe Called Quest, Gang Starr, Boogie Down Productions, inbesondere KRS-One und MC Solaar beeinflusst wurden. Szene konzentriert sich vor allem in der senegalesischen Hauptstadt Dakar. Ein Problem ist vor allem, dass sich die meisten Künstler kein professionelles Equipment leisten können, wodurch sie ihr hohes kreatives Potenzial nicht ausreichend ausnutzen können. Auch der Senerap zeichnet sich dadurch aus, dass auch hier sozialkritische und auch politische Themen aufgegriffen wurden, wodurch Gangsta-Rap nie wirklich ein Bestandteil der dortigen Hip-Hop Szene sein konnte. Gerappt wird vor allem Französisch, Englisch und auch Wolof, der Sprache, die im Senegal von den meisten Einheimischen gesprochen wird (ca. 80%). Generell kann man sagen, dass im Senegal afrikanischer Hip-Hop erst so richtig entstanden ist. Positive Black
Soul als auch deren Schöpfer MC Solaar mischten den Hip-Hop mit traditionellen Klängen, wie etwa dem weit verbreiteten Mbalax.

Zu Beginn der 90’s verbreitete sich Hip-Hop dann über den
gesamten afrikanischen Kontinent und regional entstanden sehr unterschiedliche Formen der Musik, wie eben schon erwähnt. Die privaten Fernseh- und Radiosender trugen zur Verbreitung dieses Genres maßgeblich bei, denn anfangs galt Hip-Hop noch als Phänomen afrikanischer Großstädte und deren Jugend, verbreite sich dann jedoch schon bald im gesamten Kontinent, was vor allem auch daran liegt, dass dort ansässige Hip-Hop Musiker damit begannen, Hip-Hop mit afrikanischer Musiktradition und Instrument in ihrer Musik zu integrieren.

Wichtig ist, dass es sich bei meinem Text nur um eine kurz
und knappe Schilderung afrikanischer Hip-Hop Musik handelt, denn es ist zu
beachten, dass es noch weitaus mehr Richtungen gibt, jede Region seine eigenenVertreter und Sub-Genres aufweist. Weiterhin lässt sich sagen, dass
afrikanischer Hip-Hop bereits früh entstanden ist, dessen Popularität
allerdings bis heute nicht derer amerikanischer Interpreten entspricht.
Bekannte Gruppen wie Pee Froiss oder Black Mboolo, zwei der bekanntesten
Vertreter des Seneraps, verkaufen nach Schätzungen ca. 20.000 Platten, und auch sie können sich kein teures Equipment verkaufen. Laut deren bemerkenswerter Aussage verkaufen sie ihre Musik, welche auf Tape erhältlich ist, aus Prestigegründen, da es unmöglich sei, im Senegal, viel Geld mit Musik zu verdienen. Diese Aussage lässt sich meiner Meinung nach auf den gesamten afrikanischen Kontinent ausweiten. Weiterhin ist es wichtig zu erwähnen, dass afrikanischer Hip-Hop sicherlich nicht nur von Rap aus den USA, sondern auch aus Frankreich oder den Niederlanden profitieren konnte. Es lässt sich zudem sagen, dass afrikanischer Hip-Hop heutzutage vom meist übrigen Hip-Hop abspaltet, da er in jeglicher Hinsicht anders aufgebaut ist. Diese Aussage lässt sich natürlich nicht pauschalisieren, da auch in Afrika Interpreten existieren, die sich an westlichen Ländern orientieren. Die Mehrheit des Genres geht allerdings in eine andere Richtung.

Mit freundlichen Grüßen,

Gedankenriss

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