Was ist wichtig für einen Nachruf?

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Zuerst ist es nötig, einen Zeitpunkt des geachten Nachrufes festzusetzen, weil ein Nachruf die politischen Verhältnisse in seiner Abfassungszeit berücksichtigen wird. In der Zeit bald nach Caesars Ermordung an den Iden des März (15. März 44 v. Chr.) gab es Unsicherheit über die zukünftige politische Entwicklung und Spannungen zwischen Caesaranhängern und Gegnern Caesars, die (wie die Caesarmörder) die Republik wiederherstellen wollten.

Zum Schreiben des Nachrufes ist es gut, besonders wichtige Tatsachen in Caesars Leben zu kennen.

Jemand, der auf die res publica (im Sinn von Republik) stolz ist, wird Caesars Politik in wichtigen Fragen ablehnen. Zu überlegen ist, ob es eine persönliche Freundschaft oder eine persönliche Feindschaft zu Caesar gegeben hat.

Ein Nachruf auf jemand ist eine Gesamtwürdigung einer Person. Der Nachruf könnte entweder ausführlich oder mit einem kurzen Hinweis Ämter erwähnen, die Gaius Iulius Caesar ausübte (sie Ämterlaufbahn bis hoch zum Konsulat [Caesar war 5-mal Konsul], außerdem Pontifex maximus [ein Oberpriester] und Statthalter [Propraetor in Hispania Ulterior; Proconsul in Gallien und Illyrien).

Der Nachruf könnte den Ehrgeiz Caesars hervorheben. Ein Hinweis auf Konsulatsjahr 59 v. Chr., als er (mit Gnaeus Pompeius Magnus und Marcus Licinius Crassus verbündet) sich auf umstrittene Weise durchsetzte und Obstruktionsversuche der Optimaten nicht beachtete, ist naheliegend.

Unter Caesars Leistungen könnten die im gallischen Krieg mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit Anerkennung erhalten, weil durch die Siege und Eroberungen Roms Herrschaftsbereich gewaltig ausgedehnt wurde.

Der Nachruf könnte Caesar die Schuld am Bürgerkrieg gegeben oder zumindest einen Hauptteil der Verantwortung anlasten (die Frage ist davon abhängig, welche politische Einstellung genau festgesetzt wird und wie offen und freimütig Äußerungen dieser Art in der politischen Lage des überlegten Zeitpunktes möglich sind, ohne schlimme Folgen befürchten zu müssen; vgl z. B. die Rache an Caesarmöärdern und Proskriptionen durch das Triumvirat von Antonius, Oktavian und Lepidus).

Caesars Erklärung, den Bürgerkrieg zur Wahrung seiner Würde/Ehre/Rangstellung (dignitas) geführt zu haben, könnte kritisiert werden.

Caesar, Commentarii de Bello Civili 1, 9, 2: sibi semper primam fuisse dignitatem vitaque potiorem. “Für ihn sei die Ehre immer das Höchste und lieber als das Leben gewesen.”

Eine gewisse Milde (clementia) mit Begnadigung von Gegnern im Bürgerkrieg könnte Billigung erhalten und dem grausamen Vorgehen Sullas entgegenstellt werden. Allerdings kann die überlegene Machtstellung dabei Unbehagen auslösen.

Der Alleinherrschaft und Dikatur Caesars kann der Nachruf nicht zustimmen. Eine Frage mit Spielraum ist, wie deutlich eine Ermordung mit Freude begrtüßt und gelobt wird.

Interessant ist ist ein Vergleich, den ein Autor der frühen Kaiserzeit an eine Bemerkung des Geschichtsschreibers Titus Livius (mit Zuneigung zur Tradition der römischen Republik, aber auch dem Prinzipat des Augustus zustimmend) anknüpft, und in dem Caesar wie die Naturgewalt eines Wirbelstirms erscheint:

Lucius annaeus Seneca, Naturales quaestiones 5, 18, 4: Quod de Caesare maiori vulgo dictatum est et a Tito Livio positum, in incerto esse utrum illum magis nasci an non nasci rei publicae profuerit, dici etiam de ventis potest. “Was über den älteren Caesar allgemein häufig gesagt und von Titus Livius geschrieben worden ist, es sei ungewiß, ob es für den Staat besser gewesen wäre, daß jener geboren oder nicht geboren wurde, kann auch von Winden gesagt werden.“

Ein Nachruf könnte den Ausspruch beachten: De mortuis nil nisi bene. „Über Tote/Gestorbene nichts außer auf gute Weise“. Weil sich ein Toter nicht selbst verteigen kann, sollte auf faire Weise geurteilt werden (Hinweise auf schlechtes Verhalten sind zulässig, aber nicht haßerfüllte völlige Verdrehungen und Verleumdungen).

Anregungen für eine Nachruf, der herausragende Fähigkeiten und glänzende Eigenschaften erwähnt, die aber für verwerfliche Ziele eingesetzt wurden, bietet Marcus Tullius Cicero am Ende seiner zweiten philippischen Rede,wo er seinem Gegner Marcus Antoius vorhält, es nicht mit Caesar aufnehemn zu können (Cicero, Orationes Philippicae 2, 116):

Fuit in illo ingenium, ratio, memoria, litterae, cura, cogitatio, diligentia; res bello gesserat, quamvis rei publicae calamitosas, at tamen magnas; multos annos regnare meditatus, magno labore, magnis periculis quod cogitarat effecerat; muneribus, monumentis, congiariis, epulis multitudinem impentam delenierat; suos praemiis, adversarios clementiae specie devinxerat. Quid multa? Attulerat iam liberae civitati partim metu partim patientia consuetudinem serviendi.

„Er besaß Genie/Geist/Begabung, Verstand, ein gutes Gedächtnis, Bildung, Fürsorge, Scharfsinn und Umsicht. Die Taten, die er im Krieg vollbracht hatte, waren zwar für den Staat unheilbringend, jedoch bedeutend. Nachdem er viele Jahre darauf hingedacht hatte, zu herrschen, hatte er mit großer Anstrengung und großen Gefahren durchgeführt, woran er gedacht hatte. Durch Spiele, Bauten, Spenden und Festessen hatte er die unwissende Menge geködert. Seine Anhänger hatte er durch Belohnungen, seine Gegner durch den Anschein der Milde gefesselt. Was soll ich viele Worte sagen? Er hatte schon eine freie Bürgerschaft teils durch Einschüchterung, teils durch Nachgiebigkeit zur Gewöhnung an die Knechtschaft herangeführt.“

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