Was ist wenn der beschädigte kein Gerichtsverfahren will wird dann die Anzeige fallen gelassen?

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7 Antworten

Man muss unterscheiden zwischen sogenannten Antragsdelikten und den Offizialdelikten. Bei Offizialdelikten ist es so, dass die Staatsanwaltschaft ermitteln muss, wenn sie von einer solchen Straftat erfährt. Ist ein ausreichender Tatverdacht vorhanden (und wird das Verfahren nicht anderweitig eingestellt), so ist die Staatsanwaltschaft außerdem verpflichtet, Anklage zu erheben.

Weder der Geschädigte noch sonst irgendwer hat dabei das Recht, die Staatsanwaltschaft dazu zu bringen, dass die Sache eingestellt wird. Das ist ganz allein Sache der Staatsanwaltschaft.

Anders ist es bei den Antragsdelikten. Hier gibt es noch einmal eine Unterscheidung: Absolute Antragsdelikte werden tatsächlich nur dann verfolgt, wenn ein Strafantrag des Verletzten vorliegt. Daneben gibt es aber auch Antragsdelikte, die in der Regel nur auf Antrag verfolgt werden, bei ausreichend öffentlichem Interesse aber auch ohne einen solchen Antrag verfolgt werden dürfen.

"Auf Antrag verfolgt" bedeutet, dass der Verletzte der Straftat einen Strafantrag stellen muss. Der Strafantrag ist mehr als eine bloße Anzeige. Er bringt zum Ausdruck, dass der Verletzte an der strafrechtlichen Verfolgung der Straftat interessiert ist. Nur volljährige Personen können selbst einen Strafantrag stellen. Für Minderjährige und sonst nicht voll geschäftsfähige Personen muss der gesetzliche Vertreter den Strafantrag stellen.

Ohne einen Strafantrag (und ohne öffentliches Interesse) ist die Staatsanwaltschaft daran gehindert, Anklage zu erheben. Der fehlende Strafantrag ist ein Strafverfolgungshindernis. Stellt der Verletzte keinen Strafantrag oder zieht er seinen Strafantrag zurück, so muss die Staatsanwaltschaft das Verfahren einstellen.

Die Antwort auf deine Frage ist also: Liegt ein Antragsdelikt vor, so kommt es nicht zu einer Anklage, wenn der Verletzte seinen Strafantrag zurückzieht oder ihn gar nicht erst stellt. Handelt es sich dagegen um ein Offizialdelikt, so hat der Geschädigte keinen Einfluss darauf, ob Anklage erhoben wird oder ob das Verfahren eingestellt wird.

Zum Schluss einige Beispiele für Antragsdelikte:

  • Hausfriedensbruch, § 123 StGB
  • Beleidigung, Verleumdung, üble Nachrede, §§ 185 ff. StGB
  • Haus- und Familiendiebstahl, § 247 StGB
  • einfache vorsätzliche Körperverletzung und fahrlässige Körperverletzung, §§ 223, 229, 230 StGB (außer bei öffentlichem Interesse)
  • Sachbeschädigung, § 303 StGB

Das kommt auf die Tat an. Bei schwereren Vergehen wirst Du eine Anzeige nicht zurückziehen können.

Wenn es die Polizei mitbekommt kann der beschädigte nichts mehr zurückziehen, es wandert zum Staatsanwalt und der entscheidet dann ob es schlimm ist oder die Anzeige fallen gelassen wird.

Wenn die Tat von "öffentlichen Interesse" ist, wird sie auch gegen Deinen Willen verfolgt. Ja Du hast auch bei Bedarf als Zeuge auszusagen.

Beim "kleinen" Sachen ist das möglich.

Wenn du deinem Gegner paar auf die Nuss gibst, ihm die Nase brichst, er dich anzeigt aber dann die Anzeige zurückzieht, dann ist alles im Lot.

Wenn du ihm dagegen die Schädeldecke zertrümmerst, er mehrere Wochen im Koma liegt....., kann er von sich aus die Anzeige nicht abwenden.

Wo kein Kläger, da keine Klage.

LG

Nein, das entscheidet die Staatsanwaltschaft 

BESTIAUXPOMPA 19.01.2017, 21:39

Und wie lange dauert es 

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