Was ist so toll an der Demokratie?

30 Antworten

In Diktaturen sind die Menschen einem Herrscher (Monarchie) oder einer herrschenden Gruppe (Aristokratie) unterworfen. Die Beherrschten haben sich ihre Herrscher nicht ausgesucht, weshalb etliche, gewöhnlich sogar die Mehrheit, nicht mit ihrer Position einverstanden sind.

Um ihre (Herrschafts-)Position abzusichern bauen die Souveräne ein genügend starkes Militär auf und schon hat man ein auf repressiver Gewalt beruhendes System. Das ist schon mal eine Verschwendung von Ressourcen.

Die Bevölkerungsmehrheit innerhalb eines solchen Systems bringt sich nicht freiwillig in den Staat ein. Sie igelt sich stattdessen in ihrem privaten Umfeld ein, was eine weitere Verschwendung von Ressourcen ist.

In der Antike wurden solche Systeme "erfunden" und funktionierten auch hinreichend gut. Das dürfte aber vor allem an der mangelnden Bildung des Großteils der Bevölkerung gelegen haben, die sich garnicht hätten selbst regieren können.

Das änderte sich in Griechenland mit der durch seine bis heute berühmten Philosophen verbreiteten Allgemeinbildung. Erstmals hat Athen seinen König aus der Stadt gejagt und eine Demokratie eingeführt. Von den anderen Griechen wurde das Experiment nur kurze Zeit belächelt, denn Athen wurde zur erfolgreichsten aller griechischen Städte.

Man darf aber auch nicht verschweigen, daß Athen zweimal an Monarchien scheiterte: zuerst an Makedonien, dann an Sparta. Das muß man aber auch unter dem Blickwinkel sehen, daß Athen kein geschlossenes System war. Athener Innovationen fanden regelmäßig ihren Weg zu anderen griechischen (Stadt-)staaten. Außerdem ist eine Demokratie unter militärischen Bedingungen unterlegen und beide, Makedonien und Sparta bereiteten sich gezielt auf einen Krieg vor und führten den dann auch.

Das gleiche gilt aber auch für Rom. Das ist nicht unter seinen Kaisern groß geworden, sondern als Republik.

Dennoch sind das antike Strukturen - erste Versuche, die sogar recht gut funktionierten, aber eine Garantie gibt es nicht.

Auf die heutige Welt bezogen, mit umfangreicher Allgemeinbildung der Bevölkerung, kann eine Diktatur auf Dauer nicht mehr funktionieren, weil die Menschen dann in großer Zahl zu meutern beginnen.

Diktaturen können aber vorübergehend auch heute noch funktionieren, wie z.B. in der UdSSR, die bei ihrer Gründung ein bettelarmes Land mit völlig ungebildeter Landbevölkerung (die Mehrheit) war. Sofern die Diktatur die Mißstände in den Griff bekommt hat sie sogar Unterstützung - vorerst, denn auf längere Sicht setzt der bereits aus der Antike bekannte Prozeß ein: eine gebildete Bevölkerung in relativem Wohlstand verlangt immer mehr Rechte und wenn ihr die verweigert werden erzeugt das Unzufriedenheit und schließlich eine Revolte. In der UdSSR ist Gorbatschow einer sich abzeichnenden Revolte zuvor gekommen. Gorbatschow wollte übrigens nicht den Sozialismus abschaffen und die UdSSR gleich mit, sondern einen demokratisch reformierten Sozialismus in der gesamten UdSSR.

China hat einen ähnlichen Weg eingeschlagen. Mao hatte anfangs Erfolg, hat den dann aber mit seiner Kulturrevolution konterkariert. Erst Deng hat das Land wieder auf einen erfolgreichen Kurs geführt, allerdings unter Beibehaltung der Diktatur. China ist andererseits riesig - nur etwa 1/5 der Bevölkerung partizipieren von den ökonomischen Erfolgen. Das wird dem Land noch gewaltige Probleme bereiten, wobei Revolten wie auf dem "Platz des Himmlischen Friedens" oder jetzt in Hong Kong nur Kleinkram sind.

Diktaturen funktionieren auch in "Failed States", in denen es unmöglich ist, Demokratien direkt aufzubauen. Eine Diktatur wäre es dort auch, wenn z.B. die UNO das Land mit Truppen besetzt und eine neue politische Struktur von oben installiert. Das bleibt so lange eine Diktatur (Besatzungsstatus), bis die UNO wieder abzieht.

Demokratien sind letztlich die einzige, bekannte Regierungsform, die das Freiheitsstreben einer Bevölkerung unterstützt, die also ohne Anwendung von Gewalt, die Bevölkerung maximal in den Staat einbinden kann.

Was deine obigen Beispiele betrifft - hältst du die USA für eine Demokratie?

Okay, sie nennen sich so, aber z.B. die DDR nannte sich auch so.

Die USA ist eine Mischform zwischen Demokratie und Oligarchie - quasi ein Demokratieversuch. Und GB ist auch keine Demokratie, sondern eine aristokratisch-demokratische Mischform. Nicht wg. der Queen, sondern wegen der übrigen Adelsstruktur, das mit dem Oberhaus sogar ein eigenes Parlament hat.

Und nebenbei - eine Demokratie kann scheitern (wie Athen i.d. Antike, oder Rom). Garantien gibt es nicht. Aber die Demokratie ist die einzige bekannte Staatsform, die das Potential auf sehr lange Dauer besitzt.

Schönen Gruß

Stell dir vor du würdest in einer imaginären Diktatur leben die jeden deiner Schritte überwacht. Du dürftest noch nicht einmal auf die Straße spucken ohne dass es bemerkt und auch bewertet wird. Du könntest deine Meinung nicht mehr sagen, weil du fürchten müsstest sofort verhaftet zu werden. Du könntest dich nicht mehr vor Gericht gegen Ungerechtigkeiten des Staates wehren, weil du sofort vom Kläger zum Angeklagten würdest. Du könntest deinen Wohnort und auch deine Arbeit nicht mehr frei wählen. An eine politische Wahl wäre überhaupt nicht mehr zu denken. Diese Wahl hättest du nicht mehr und du könntest deine Wut über die politischen Verhältnisse nicht mehr zum Ausdruck bringen. Es gebe kein einziges Ventil mehr, über das du Dampf ablassen kannst. Jeder Post im Internet könnte dich ins Gefängnis bringen. Wäre das wirklich besser als ein Leben in einer Demokratie? Wäre es dann noch wichtig wie "erfolgreich" diese Diktatur ist, wenn es keine Freiheit mehr gibt?

Mir persönlich kommt da gerade der Gedanke: Warum wird eine Diktatur immer negativ dargestellt und warum sind Diktaturen bislang immer schlecht verlaufen?

Warum kann eine Diktatur nicht zum Wohle des Volkes existieren? Ähnlich einer Monarchie liegt die Macht bei einem Oberhaupt, das mit einem selbst gestellten Kabinett regieren kann (eben zur Ausübung der Regierungsangelegenheiten).

Keine Überwachung und Zensur, einfach nur das uneingeschränkt mögliche Handeln einer Regierung zum Wohle des Volkes, um Probleme schnellstmöglich und effektiv zu lösen.

Eine Diktatur definiert sich doch einfach in sofern, dass die Macht bei einer Partei oder einer Person liegt und das Volk direkt keine Mitbestimmung ausübt hat.
Das schreibt aber nicht vor, dass Diktaturen menschenrechtsverletzend sein müssen.

Ich würde einfach mal gerne erklärt haben.

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@Shadoukoa

Hast du schon einmal mit drei weiteren Personen an einem Tisch gesessen, die alle drei, in allen Themen die gleiche Meinung hatten wie du selbst? Ich glaube nicht! Denn so etwas gibt es nicht. Menschen haben immer unterschiedliche Meinungen weil sie unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben.

Jede Diktatur stellt sich selbst so dar als würde sie zum Wohle des Volkes handeln, als wäre ihre Handlungsweise vollkommen uneigennützig. Dabei geht es der Diktatur niemals um das Volk, sondern nur um eine Erweiterung der eigenen Macht, sei es militärisch oder wirtschaftlich. Dafür wird das Volk als Werkzeug benutzt, entweder als Kanonenfutter oder als Arbeitssklaven.

Wer damit nicht einverstanden ist, der wird diffamiert, weil er das Land angeblich nicht liebt, weil er angeblich ein Feind des Volkes ist. So kann man jeden mundtot machen, ihn weg sperren und eliminieren.

Dafür braucht man aber einen Überwachungsstaat. Denn eine Diktatur in der jeder seine Meinung frei sagen kann, in der jeder machen kann was er will, in der jeder sich politisch betätigen kann, sich zur Wahl stellen kann oder selbst wählen darf, ist keine Diktatur mehr sondern eine Demokratie. Die entscheidenden Merkmale der Diktatur sind die Unfreiheit und die Überwachung.

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@Shadoukoa
Warum kann eine Diktatur nicht zum Wohle des Volkes existieren?

Darüber haben sich schon die griechischen Philosophen ihre Gedanken gemacht und festgestellt, daß es geht...

Aber nur mit einem idealen Diktator/König, der ausschließlich am Wohl seiner Bevölkerung orientiert ist.

Ich wage zu bezweifeln, daß sich so ein Mensch finden läßt, aber nur mal angenommen, es gäbe ihn:

Er ist aber nicht unsterblich, nicht wahr.

Was also ist mit seinen Nachfolgern?

Daran krankte übrigens jede einzelne Monarchie. Es gab tatsächlich einige, die in ihrer Gründungszeit das hatten, was man einen guten König nennen könnte. Bereits deren Erben hatten nicht mehr diese Qualitäten und über Generationen findet man dann auch Totalversager (wie in Deutschland Willy II).

Ein interessantes Beispiel ist die Römische Republik. Im Falle existentieller Staatskrisen konnte der Senat einen Einzelnen für 1/2 Jahr zum Diktator ernennen. Das hat sogar recht gut funktioniert, bis erstmals Sulla sich zum Diktator ernennen ließ und erst nach 3 Jahren wieder zurücktrat - immerhin trat er freiwillig zurück. Cäsar hingegen hat sich zum Diktator auf Lebenszeit ernennen lassen - das dauerte dann zwar nicht mehr lange, aber er hat damit der Republik den Todesstoß versetzt, denn seine Nachfolger setzten sämtlich auf das Prinzipat (Kaiser).

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Arbeit nicht mehr frei waehlen? Gibt es dazu Beispiele?

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@zetra

Wie willst du denn deine Arbeit frei wählen, wenn du deinen Wohnort nicht frei wählen darfst?

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@Fuchssprung

Ich frage deshalb, weil du mit einiger Sicherheit von der DDR sprichst, wenn ich das richtig sehe?

Selber bin ich in drei verschiedene Orte umgezogen, in Berlin noch einmal dreimal.

Somit fragte ich nach, oder hattest du persoenliche Auflagen des Staates?

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@zetra

Die DDR hatte ich überhaupt nicht im Sinn. Ich habe eher an das Beispiel China gedacht. Aber in einer imaginären Diktatur ist das Beispiel eigentlich egal.

Ich selbst hatte keine Auflagen in der DDR, aber ich hatte 2 Freunde die Berlin Verbot hatten und es gab mehrere Leute in meiner Umgebung mit einem PM12. Die mussten sich ständig bei der Polizei melden und jede Menge Auflagen erfüllen.

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@Fuchssprung

Ok, dann gilt das nicht allgemein, sonder personenbezogen.

Es koennte sonst bei manchen Usern ein falscher Eindruck entstehen, somit ist das geklaert. Danke.

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Dein Verständnis von Demokratie ist absolut ungenügend, zumindest anhand der Themen die du damit in Verbindung bringst.

Übrigens ist der Brexit (um das Beispiel aufzugreifen), ein gutes Beispiel für Demokratie, denn die britische Bevölkerung war sich alles andere als Einig in ihrer Entscheidung, die EU zu verlassen (nur ca. 51% dafür). Die Abgeordneten im britischen Parlament vertreten die Stimmen ihrer Wahlkreise. Wenn also 50% dafür und 50% dagegen sind, dann wird es eben kompliziert...

Es gibt Kriterien, die eine Demokratie haben muss, um ihren Namen gerecht zu werden.

Wie du selber festgestellt hast, steht da nicht alles zum besten, die wirtschaftliche Situation gehoert dazu schon einmal nicht.

Griechenland ist schon lange Pleite, es wird mit Milliarden ueber Wasser gehalten, damit das Gefuege EU keine Risse bekommt z.B.

Sozialistische Staaten werden als feindlich angesehen, da wird dann umgekehrt mit verfahren, an den verschiedenen Beispielen, wie Venezuela, oder Kuba, das schon ueber 50 Jahre mit Sanktionen belegt wird, mit der Absicht diese Staaten in die Knie zu zwingen.

Damit ist auch gesagt, das eine Demokratie keine Kulanz zulaesst und wenn es hart auf hart kommt wird eben ein Krieg gefuehrt,

Die groesste Demokratie ist ja die USA, sie fuehrt sich wie die Axt im Walde auf und denkt noch, das alle Laender ihre Handlungen fuer gut befinden?

Es ist ein Glueck fuer die Erde, das es im Moment ein Gleichgewicht der Staerke gibt, somit koennen/muessen diese kriegerische Aktionen nicht mehr garantiert zum Erfolg fuehren, wie solange es praktiziert wurde.

Solange die Marktwirtschaft grosse Teile ihrer Bevoelkerung nur die blanke Existenz gewaert, solange ist da etwas faul am System und somit verbesserungswuerdig.

Der Begriff Diktatur wird oft missbraucht, wenn es der Demokratie nicht in den Kram passt, somit ist das Maienstreamdenken, welches staendig hinterfragt werden muss, denn Interessen der Administrationen muessen ja dem Volk schmackhaft gemacht werden, obwohl es teilweise Massnahmen sind, die damit schon bestehende Rechte des Volkes, eingeschraenkt werden sollen.

Nicht alles ist Gold was glaenzt, somit muss auch in einer Demokratie verdammt aufgepasst werden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Freiheitliche_demokratische_Grundordnung

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Letztenendes werden die meisten von uns hier alleine keinen Einfluss auf die Politik haben. Egal welche Regierungsform man nun hat, es kann immer jemand Mist bauen, was zu Problemen führen kann. Bei einer Demokratie ist immerhin das Volk zufrieden, weil es ein Gefühl von mitspracherecht hat (was zwar stimmt, und ich bin zwar auch der Meinung, dass man wählen gehen sollte, aber wenn man ehrlich ist, juckt die eigene Stimme eben doch nicht.)

"Bei einer Demokratie ist immerhin das Volk zufrieden"?

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@Gearloose

Zufrieden in Bezug auf das theoretische politische Mitspracherecht.

Dass die Politiker*innen die uns vertreren teilweise ziemlichen scheiß in der Praxis veranstalten ist natürlich klar

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"juckt die eigene Stimme eben doch nicht"

Dann wäre es auch keine Demokratie, denn in der Demokratie "jucken" viele Stimmen.

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@HansImGlueck178

Das mag zwar in gewisser Art und Weise stimmen, jedoch würde es bei Wahlen, bei der Menge an Wahlberechtigen und tatsächlichen Wählern, am Endergebnis überhaupt nichts ändern, ob ich nun eine Stimme abgegeben hätte oder nicht.

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@hawk0987

Durchaus, es würde eben das Ergebnis um eine Stimme verändern. Aber wie gesagt, in der Demokratie geht es auch nicht um deine Stimme, sondern um alle Stimmen.

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