Was ist nur mit dem deutschen Bildungssystem los?

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10 Antworten

Dass im Abitur die Rechtschreibung keinen sehr großen Wert hat, kann ich nicht unbedingt bestätigen. Ich schildere dir mal, wie es bei uns abläuft. Ob die Abiturbedingungen auch so sind, weiß ich nicht, da ich erst nächstes Jahr mein Abitur absolviere.

Bei uns in Deutsch zählt z.B. der sprachliche Teil ~1/3 der Gesamtpunktzahl, kann also gut und gerne mal ein paar Notenstufen kosten. Theoretisch gesehen könnte man aber auch alles falsch schreiben, solange es jedoch verständlich und richtig ist, erhält man inhaltlich volle Punktzahl und demnach keine 0 Notenpunkte, jedoch auch keine 14 oder 15. Ob der Lehrer sich dann nicht doch entscheidet, 0 Punkte zu geben (und ob er das darf/muss) weiß ich nicht - kam noch nie vor.

In anderen Fächern wie z.B. der Mathematik werden wir bei erheblichen sprachlichen Mängeln (nicht nur fachsprachlich, sondern allgemein) bis zu zwei Notenpunkte abgewertet. Hier sind es also nicht so große Abstufungen, aber trotzdem natürlich ärgerlich, wenn es passiert.

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Kommentar von tommy40629
29.04.2016, 19:37

So kenne ich es auch vom Abitur.

Aber das ist ja von den Bundesländern aus verschieden.

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Ich habe drei Kinder, die 2006, 2008 und 2014 in die gleiche Grundschule eingeschult wurden. Alle drei haben auf verschiedene Art Lesen und Schreiben gelernt. Man sollte meinen, dass die Kulturtechnik Schrift, die ja immerhin schon 7000 Jahre alt ist, inzwischen mit bewährten Methoden unterrichtet werden kann. Tatsächlich wird alle paar Jahre etwas Neues ausprobiert. Der älteste hat auch die von dir oben beschriebene "frühe Verschriftlichung" genossen. Die Rechtschreibfehler, die er sich damals angewöhnt hat, macht er teilweise heute noch (Abi für 2018 geplant). Inzwischen ist man zumindest an dieser Grundschule klüger geworden. Ob das landesweit (NRW) so ist, weiß ich nicht.

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Kommentar von tommy40629
29.04.2016, 19:47

Das scheint schon von Schule zu Schule verschieden zu sein.

Bei uns waren zwischen den Lehrern schon extreme Unterschiede.

Unser Mathe LK hat weniger gemacht als der Mathe GK.

In Englisch hat der eine GK die Noten geschenkt bekommen wir haben das ganze Wochenende dagehockt und Englisch HA gemacht.

Ein zentral organisiertes Schulsystem wäre gut. 

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Deine Dozentin hat gnadenlos pauschalisiert und verallgemeinert, zumindest was den Grundschulbereich angeht.
Den Bereich Abiturprüfung kann ich nur bedingt beurteilen, weiß aber, dass in Hessen falsche Rechtschreibung und Zeichensetzung auch in naturwissenschaftlichen Fächern in die Benotung eingehen.

Ich kenne einige hessische Lehrer verschiedener Sekundarstufen und Schulformen, und sie alle berücksichtigen Rechtschreibung, Zeichensetzung und auch Stil bei der Benotung von Facharbeiten nicht nur beiläufig.
Es gibt dazu einen Erlass des hessischen Kultusministeriums; die sehr mathematische Berechnung wurde mir zwar erklärt, aber ich habe sie nicht verstanden.

Zur Grundschulbildung:
Die Verschriftlichung nach Gehör findet nicht als Ministerialerlass Anwendung, zumindest nicht in Hessen.
Richtig ist, dass an manchen Grundschulen nach diesem Konzept unterrichtet wird, aber nicht ausschließlich. Es wird unterschieden zwischen der Vermittlung von Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung einerseits und dem so genannten freien Schreiben andererseits. Während bei den Schreibübungen der normative Spracherwerb im Vordergrund steht, dreht sich beim freien Schreiben alles um Sprachstandsentwicklung, um Sprachgefühl und die Freude am kreativen Umgang mit Sprache: Hier werden etwa selbst erdachte Geschichten verschriftlicht; nicht die Fehlerfreiheit steht also im Vordergrund, sondern die Entwicklung von Ausdrucksmöglichkeiten. Deswegen sollen die Grundschüler ihre Fehler beim freien Schreiben nicht korrigieren (ob Fehler bei Schreibübungen zuhause korrigiert oder in der Schule besprochen werden, ist schul- und lehrerabhängig).
Es handelt sich also um zwei grundverschiedene Zugänge zur Schriftsprache.

Sämtliche Klassenarbeiten im Grundschulfach Deutsch behandeln Fragen der Rechtschreibung und Zeichensetzung, und die Benotung empfinde ich als äußerst hart.

Allerdings habe ich auch von Schulen gehört, in denen Rechtschreibung erst ab der dritten Klasse vermittelt wird, was ich ebenfalls als äußerst zweifelhaft ansehe: Wenn sich Fehler erst einmal manifestiert haben, wird eine nachträgliche Korrektur sehr mühsam für alle Beteiligten.

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Für Mathematik kann ich zur Klärung beitragen. Es werden immer früher Taschenrechner eingesetzt. Vergessen wird dabei, dass erst Routine kommen muss und man sich dann die Arbeit erleichtern kann. In der Oberstufe ist es das Gleiche: Graphische Taschenrechner werden benutzt, ehe das Grundverständnis gefestigt ist. In NRW hat man das inzwischen tatsächlich auch gemerkt: Ein Teil der Abituraufgaben 2017 wird hilfsmittelfrei bearbeitet werden müssen.

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Kommentar von tommy40629
29.04.2016, 19:40

Wir hatten nur den normalen TR. War aber in der Uni dann dumm für die Klausuren erst mal Bruchrechnen ohne TR zu üben.

Wir haben in der 4. Klasse in Mathe ausgerechnet, wie groß der Druck ist, denn eine Nadelspitze ausübt.

Das macht denke ich heute keiner in der 4. Klasse.

Da wird in der 6. Klasse der bestimmte und unbestimmte Artikel durchgenommen.

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Schwer zu sagen, bin zwar kein Deutscher sondern aus Österreich, aber Ich kann verstehen was du meinst (bei uns ist es auch z. T. so.) Ich glaube eher das liegt daran, dass eine solch hohe Toleranz eingebaut wurde was "Noten" betrifft.

Man will die Kinder nurmehr mündlich bewerten und erst in der 4en Klasse gibt es sowas wie "Noten" und nicht früher. Jetzt kommt der Haken an der ganzen Sache, da die Kinder nicht darauf ausgerichtet werden auf etwas hinzuarbeiten, wird das sich auch dementsprechend in der Arbeitswelt auswirken.

Aber was soll man machen? Die Kinder herschlagen? Wenn sie nicht mal wirklich was dafür können?

LG Dhalwim

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Kommentar von tommy40629
29.04.2016, 20:00

Da können nur die Eltern die Kinder von den Schulen nehmen und sie ins Internat oder auf Privatschulen schicken, aber das können ja nicht alle Eltern machen.

Für die Kinder hat das System nicht wirklich Vorteile, Schule macht halt nicht immer Spaß, so ist das halt im ganzen Leben.

Essen macht Spaß, den Kram dann wieder sauber machen nicht.

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Kommentar von Pudelcolada
04.06.2016, 21:10

Das Benotungssystem hat mit erfolgreichem Bildungserwerb aber mal so gar nichts zu tun.

Pädagogisch gesehen wirkt sich eine Benotung im Grundschulbereich sogar hemmend auf die Entwicklung vieler Kompetenzen aus: In diesem Alter sollte nicht der Erweb von Fachwissen im Vordergrund stehen, sondern die Entwicklung der kognitiven Kompetenz ("Lernen lernen"), der sozialen Kompetenz (Ko-Konstruktion, Kooperation) und auch die Entwicklung von Freude am Lernen.
Eine zu frühe Benotung wirkt sich negativ auf die kindliche Neugier aus, zumal das Kind ja sowieso mit der gesamten Schulsituation des fremdbestimmten Lernens zurechtkommen muss. Und daran müssen viele ihr ganzes späteres Leben lang beißen.

Schule im deutschen Schulsystem wird von den allermeisten Kindern (und auch Eltern) als eine sehr zwanghafte und fremdbestimmte Erfahrung erlebt.
Ich halte sie für pädagogisch mindestens wertlos, wenn nicht sogar entwicklungshemmend, weil sie zum einen defizitorientiert und nicht ressourcenorientiert arbeitet und zum anderen durch das Benotungssystem von den Kindern als angstbesetzt erlebt wird.

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Ich lese gerade den Roman "Junges Licht" von Ralf Rothmann (kommt jetzt in die Kinos !). Dort schreiben Hauptschüler aus Oberhausen-Sterkrade auf ein Schild an ihrem Baumhaus: "Wer hier reinget ist Tod" (S. 20).

Ganz so krass ist es hier im Thread dann doch nicht, aber viele habe enorme Defizite bei der Zeichensetzung, oft leider auch Gymnasiasten.

Kommaregeln kann man hier üben (ich bin leider auch noch nicht ganz perfekt!):

http://orthografietrainer.net/hilfe/kurzueberblick.php

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Kommentar von tommy40629
29.04.2016, 20:14

Danke für den Link!

Jurastudenten sind ein super Beispiel dafür, dass vor allem die Grammatik zu kurz kommt.

Viele haben Probleme bei einem längeren Satz die Satzteile zu bestimmen.

Und dann lernen sie wie sie Wahnsinnigen Auswendig, obwohl sie das gar nicht brauchten, wenn sie die Gesetze richtig zerlegen könnten, denn die Bücher dürfen sie in der Klausur benutzen.

Aber wenn man das lange Gesetz nicht in die elementaren Bestandteile zerlegen kann, dann muss man viel auswendig lernen.

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Hallo,

wie heißt es bei Hamlet:

Ist dies schon Wahnsinn, so hat es doch Methode.

Ein ungebildetes Volk läßt sich einfacher regieren. Für ein Kreuzchen auf dem Wahlzettel wird es allemal reichen.

Wir trampeln durchs Gemüse, wir trampeln durch die Saat -
hurra! wir verblöden - für uns bezahlt der Staat.

Herzliche Grüße,

Willy

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Kommentar von Pudelcolada
04.06.2016, 21:29

Ich würde Dir ja so gerne widersprechen können...
:o(

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Man will den Kindern den Spaß am Lernen nicht durch ständige Misserfolge nehmen. So ähnlich ist jedenfalls die Begründung dieser hirnrissigen Vorgehensweise.

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Kommentar von tommy40629
29.04.2016, 19:41

Dann werden die ja bei den großen Firmen, die überall nur 1,0 haben wollen, kenne ich aus der Uni, super ankommen.

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Kommentar von knox21
29.04.2016, 19:44

Zum Glück geben viele Eltern inzwischen viel Geld aus, damit Nachhilfelehrer diesen Schwachsinn wieder ausbügeln können. Wie frustrierend das für die Kinder ist, fragt ja keiner von den Vollpfosten, die sich den Käse ausgedacht haben.

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Kommentar von knox21
29.04.2016, 19:59

Richtig - es macht keinen Sinn, wenn man etwas jahrelang falsch einübt. Umso schwerer gewöhnt man sich an die richtige Schreibweise. Das sagen auch schon fast alle Experten. Trotzdem rückt man von dem Unsinn nicht ab. Und wer genug Geld für gute Nachhilfe hat, verhilft auch dem dümmsten Spross zu einem Abschluss. Geld spielt also doch eine große Rolle, wenn die Bildung nicht mehr ausreichend in der Schule vermittelt wird.

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Mit der Frage bist du in diesem Forum genau richtig. Es wimmelt hier förmlich von Exerten in Sachen Orthographie, Interpunktion und Grammatik.

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Kommentar von tommy40629
29.04.2016, 19:34

Da will ich mich nicht ausschließen.

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Kommentar von Schachpapa
29.04.2016, 19:46

Wobei auch Exerten sich nicht allzuweit aus dem Fenster lehnen sollten ;-)

Aber es stimmt schon, die meisten können es vermutlich nicht besser. Man kann es nicht immer auf die ausgeleierte Tastatur schieben.

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im gymnasium wird analytisches denken gefördert ... nicht auswendig lernen.  für deutsch heisst das:  themen erörtern, nicht rechtschreibung.  für mathe = beweise führen, nicht multiplizieren

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Kommentar von tommy40629
29.04.2016, 19:43

Ihr macht in Mathe Beweise! Das ist ein Fortschritt, oder Ihr habt Glück mit dem Lehrer.  Wir hatten genau 2 Beweise in Mathe LK:

Summenregel und Produktregel beim Ableiten.

An der Uni kam dann der große Hammer für ca. 90% und das alle halbe Jahre wieder.

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Kommentar von Wechselfreund
29.04.2016, 20:02

Ich unterrichte seit mehr als 30 Jahren Mathematik. Das Beweisen hat im Vergleich zu früher deutlich an Raum eingebüßt... Statt analytischem Denken müssen die Schüler lernen, welche Tastenfolgen den GTR zum gewünschten Ergebnis führen...

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