Was ist nur los mit mir, hab ich Autismus oder so?

... komplette Frage anzeigen

5 Antworten

Hallo Liliana,

ich melde mich auch Mal als Autistin zum Thema.

Ich fange Mal hinten an - bei der Idee, was du jetzt tun könntest. Du könntest dir einen Termin beim Psychiater geben lassen, um eine Diagnose zu bekommen, dann weißt du was Sache ist. Selbstdiagnosen sind nämlich keine so gute Idee, egal ob es um Autismus oder irgendetwas anderes geht.
Mit der Diagnose könntst du dann eventuell auch Hilfe bekommen - z.B. solche Sachen wie Sozialkompetenztraining.
Ich bin ebenfalls sehr schlecht darin, selbst zu erkennen, was andere Menschen vielleicht verletzen könnte, aber das kann man zumindest zu einem Teil durchaus lernen.

Die Frage, ob du Autismus hast, oder nicht, kann dir niemand einfach so im Internet beantworten, dafür braucht es schon einen Fachmann und ein ordentliches Diagnosegespräch - wenn du ein Grenzfall bist, oder schon "zu erwachsen" für die normalen Tests, dann kann es auch mehr als nur ein Gespräch werden.

Einerseits erkenne ich mich in einigen Dingen, die du schreibst durchaus selbst wieder, aber andererseits berichtest du zum Beispiel nichts darüber, dass du ein Problem bei der Filterung von Reizen hast - damit meine ich solche Sachen wie, dass man Leuten nicht richtig zuhören kann, wenn gleichzeitig Musik läuft oder das Gefühl von der Kleidung auf der Haut die ganze Zeit wahrnimmt, und es nicht ausblenden kann... Für mich ist das eigentlich der Teilaspekt des Autismus, den ich im Alltag am meisten bemerke. Denn dass ich sozial inkompetent bin, das merken ja meine Mitmenschen, ich aber eher weniger.

Liebe Grüße
Pramidenzelle

Wärst du denn gerne Autistin? Ich frage deshalb, weil Menschen mit dieser Wunschdiagnose oft dazu tendieren, sich in den Autismus hineinzusteigern und sich manche Symptome quasi einzubilden oder mehr zu überspitzen, als es in Wirklichkeit der Fall ist.

Du wirst mir in meiner Annahme jetzt wahrscheinlich wiedersprechen und das ist auch in Ordnung. Ich wollte dir damit nur ein bisschen Stoff zum Nachdenken geben. Horch einmal ganz tief in dich hinein. Sind die Dinge, die du beschreibst, wirklich ein Teil deiner Persönlichkeit oder verhälst du dich (eventuell unbewusst) extra so, um als autistisch angesehen zu werden?

Egal zu welchem Ergebnis du gelangst, ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute für deinen weiteren Lebensweg, ob mit oder ohne Autismus. Und ich betone noch einmal: Ich halte dich nicht für eine Lügnerin oder Aufschneiderin. Diese Phänomen ist nur menschlich und kann im Grunde jeden (be-)treffen.

Kommentar von Aleqasina
04.04.2016, 13:47

Widerspruch!

Autismus ist keine "Wunschdiagnose", die man sich, einer Mode folgend, gerne zu legt.

Es ist umgekehrt. Viele Autisten sind nicht diagnostiziert und wissen deshalb nicht, was mit ihnen los ist. Manche suchen die Ursache des Nicht-Zurechtkommens unter neurotypischen Menschen bei sich und haben deshalb Schuldgefühle und Versagensängste.

Wenn Autismus diagnostiziert wird, können gezielte Verhaltensstrategien ("Überlebenstechniken") erlernt werden, die zwar nichts am Autismus selbst ändern, aber das Zurechtkommen im Alltag für den Autisten erleichtern.

1
Kommentar von halbsowichtig
04.04.2016, 15:04

Wer auf dieser Welt will bitte Autist sein? Die Mehrheit aller diagnostizierten Autisten ist arbeitslos. Niemand will arbeitslos sein.

0

Mach doch mal einen Online-Selbsttest. Der ersetzt zwar keine fachliche Diagnose, aber wenn das Ergebnis eine Tendez in Richtung Asperger-Syndrom bzw. Autismus ergibt, dann solltest du eine professionelle Diagnose durchführen lassen.

https://www.psychotherapiepraxis.at/surveys/test_asperger.phtml

Wenn herauskommt, dass du Autistin bist, dann weißt du zumindest, warum du so anders bist. Du weißt dann mehr über dich selbst und du kannst dich darauf einstellen.

Und wenn nicht, dann kann gezielt nach einer anderen Ursache gesucht werden.

Aber alles, was du oben erzählt hast, deutet auf Asperger-Autismus hin.

Im Prinzip passt das alles zum Asperger-Syndrom. Aber genauso gut kann es davon kommen, dass dir Sozialkontakte auf Augenhöhe fehlen. Bei deinem Verstand und deinen Interessen verstehen dich Gleichaltrige ja nicht. Dadurch fehlt dir die tägliche Erfahrung, du bleibst also entsprechend unsicher.

Vielleicht bist du auch einfach schlau genug, um den Unsinn und die Irrationalität um dich herum wahrzunehmen. Deshalb suchst du unbewusst nach starren Regeln, die die in dem ganzen Chaos einen Halt geben.

Was würde eine Asperger-Diagnose an deinem Leben ändern? Du könntest Nachteilsausgleiche in der Schule bekommen. Brauchst du die? Dann lohnt sich eine Untersuchung. Sonst eher nicht.

Also ich kann keine diagnose stellen, bin allerdings selbst autist, weshalb ich dir vielleicht helfen könnte.

Du klingst mir ehrlich gesagt ziemlich ähnlich. Ich erkenne mich in vielen Dingen die du beschreibst wieder. Die geregelten abläufe, die eigene Welt, die faszination für Zahlen anstatt für Menschen, die Fremdwörter. Du klingst für mich wie ein Autist.

Sarkasmus zu verstehen zu können bzw. ihn zu benutzen ist keine seltenheit bei Autisten. Meistens verstehe ich ihn auch und benutze ihn auch desöfteren.

An Autismus ist absolut nichts schlimm. Ich sehe keinen Grund, dass du Angst haben solltest, deine vermutung mit deinen Eltern zu teilen. Autismus ist auch vererblich, also ist es möglich (aber nicht zwingend der Fall), dass du es vererbt bekommen hast. Mein Vater hat seine Diagnose jetzt (kurz nach mir) mit 62 bekommen.

Die Frage ist natürlich ob du in die Diagnose gehen willst. Wenn nicht, brauchst du es im Prinzip nichtmal deinen Eltern sagen. Die Frage die du dir stellen solltest ist: Was erhoffst du dir von der Diagnose?

Brauchst/Willst du hilfe von außen? Brauchst du die Gewissheit? Willst du es deinem Umfeld (Feunde, Familie) etc. sagen?

Wie bereits gesagt, klingst du für mich wie ein Autist, aber ich kann mich genauso gut irren. Du musst dir überlegen ob du es wissen willst. Wenn ja dann geh zu deinen Eltern und mach mit denen einen Termin bei einem Psychiater und lass eine Diagnose machen. Und wenn nicht, kannst du dir immernoch überlegen ob du es deinen Eltern sagen willst. Ich habe da allerdings keine Bedenken

Ich wünsch dir in jedem Fall viel Glück :)

Was möchtest Du wissen?