was ist mit ritterlichen Herrscherschicht gemeint?

2 Antworten

Ursprünglich waren es bewaffnete Reiter, die vom niederem Adel waren. Bauern konnten schon deshalb keine Ritter sein, weil sie die teuren Waffen und die Rüstung gar nicht bezahlen konnten. Dem König gegenüber waren sie zur Treue verpflichtet und mussten mit ihm in den Krieg gegen andere Könige ziehen.

Im 11. Jahrhundert konnten die Ritter selbst Ländereien erweben und im 12. Jahrhundert gründeten sie sogenannte Ritterorden, die weniger einem König dienten, sondern ganz ihrem Gott.

In der Blütezeit der mykenischen Kultur entstand auch eine sozial bedingte Uneinheitlichkeit der griechischen Religion: Die Götter wurden dem Charakter der ritterlichen Herrenschicht angepasst, während die Landbevölkerung weiter ihre alte Naturreligion pflegte.

Der neue Aufschwung Griechenlands, der im 8. Jahrhundert einsetzte und der als „Griechische Renaissance des 8. Jahrhunderts“ bezeichnet wird, nahm seinen Ausgang von eben diesem Kolonialgebiet des Ostens. Dem Adel – teilweise direkte Nachfahren aus der mykenischen Kultur - wird eine Schlüsselrolle beim Wiedererstarken Griechenlands zugeschrieben. Die Adelsschicht nahm Schlüsselpositionen ein und wurde wieder die führende Kraft.

http://www.idsteiner-mittwochsgesellschaft.de/dokumente/2006/20060419.pdf

Mit der „ritterlichen Herrenschicht“ sind die Adligen gemeint. Diese waren die gesellschaftliche Oberschicht.

Ein Herr ist ein sozial Höhergestellter, jemand von höherem Rang, ein Gebieter und Anführer.

Wenn die Herrenschicht ritterlich genannt wird, ist dies eine Übertragung aus dem europäischen Mittelalter. In diesem gab es die Ritter, berittene vollbewaffnete (gepanzerte) Krieger, die zu ihrem Beruf erzogen und ausgebildet wurden. Bei dem hergestellten Bezug zwischen der Herrenschicht und den Rittern des Mittelalters ist wohl an die Tätigkeit als Krieger, die hohe Bedeutung von Waffen und Kampf, Ähnlichkeiten im sozialen Status, Werten, kulturellen Bräuchen gedacht und es wird eine Rolle von Heldendichtung angenommen (Heldendichtung der mykenischen Kultur ist nicht erhalten; wenn ihre Existenz angenommen wird, ist dies aufgrund der Mythologie, insbesondere Götter- und Heldensagen der nachfolgenden Zeit, beginnend mit den homerischen Epen, zugrundegelegt).

In der mykenischen Zeit kämpfte noch keine Reiterei (zugleich reiten und kämpfen ist technisch nicht einfach, vor allem ohne Steigbügel). Die Reiterei als Waffengattung ist bei den Griechen erst im Verlauf des 9./8. Jahrhunderts v. Chr. entstanden. Sie war in den meisten Gegenden Griechenlands nicht zahlreich.

In mykenischer Zeit gab es Pferde und Reiter haben wohl als Kuriere und Späher/Kundschafter gedient. Im Kampf wurden von Pferdegespannen gezogene Streitwagen eingesetzt. Pferde waren teuer und nur Adlige konnten sich gewöhnlich damals ihren Unterhalt leisten.

Der Adel der griechischen Frühzeit (der sich selbst z. B. als οἱ ἀγαθοί [„die Guten“], οἱ ἄϱιστοι („die Besten“] oder οἱ ἐσθλοί („die Guten/Wackeren/Tüchtigen/Trefflichen/Edlen“] bezeichnete), hatte folgende Statusmerkmale:

  • Wohlstand/Reichtum

  • Bewährung in Krieg und in athletischen Wettkämpfen

  • beanspruchte Klugheit

  • Redegewandtheit

  • Schönheit und elegante Erscheinung

  • Bildung und Kultur, verfeinerter Lebensstil

Es gab in mykenischer Zeit in verschiedene Gebieten einen wa-na-ka (ϝάναξ; daraus entwickelte sich das homerische ἄναξ [anax] = Herrscher, König, Herr) genannten Herrscher (auch mit kultischen Funktionen/Aufgaben eines Priesters), einen ra-wa-keta (gedeutet als Lawagetas, Anführer des Kriegsvolkes) und Gefolgsleute. Ansätze zu einer zentralen Verwaltung der Güter sind entstanden. Es gab Burgen/Palast-Anlagen als zentrale Herrschaftssitze z. B. in Mykene, Tiryns, Pylos, Midea, Theben, Orchomenos. Sie wurden für Wohnen, Repräsentation, zentrale, Verteilung und Lagerung von Waren genutzt.

Wissen über die Religion der mykenischen Zeit beruht auf archäologischen Funden und Rückschlüssen.

Bei Gegenständen sind vor allem Gräber und darin enthaltenen Beigaben wichtig. Texte auf Tontäfelchen in Linear-B-Schrift enthalten Informationen zu Religion in Zusammenhang mit Verwaltungsangelegenheiten.

Bei einer Aussage über eine weiter ihre alte Naturreligion pflegende Landbevölkerung kann gefragt werden, was tatsächlich an Informationen aus Quellen dahintersteht.

Unter den aus den Texten bekannten Gottheiten ist (mit etwas anderen Namensformen) eine Reihe von Gottheiten, die zu den olympischen Göttern in spätere Zeit gehören.

Mit einer Anpassung der Götter an den Charakter der ritterlichen Herrenschicht ist gemeint, daß die Vorstellung über die Götter entsprechend den Lebensverhältnissen, der Denkweise und den Werten einer adligen Oberschicht gestaltet wurde. Eine patriarchalische Familienordnung kann sich bemerkbar machen, die Götter Ähnlichkeiten mit einer Familie und einem Staat haben, Ehrung und Rang wichtig sein, der Himmels- und Wettergott Oberster Gott/eine Art König der Götter sein, die Erhaltung einer gesellschaftlichen Ordnung eine Rolle spielen (z. B. Schutz von Ehe, Eiden und Gastfreundschaft), eine Palastgöttin sich zur wehrhaften Stadtgöttin entwickeln, Gottheiten als im Kampf Schutz/Beistand gebend vorgestellt werden.

Informationen zum Fragethema enthalten z. B.:

Josef Fischer, Griechische Frühgeschichte bis 500 v. Chr. Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2010, S. 22 - 42

Gerhard Hiesel, Mykenische Kultur und Archäologie. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Band 6: Mer – Op. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2000, Spalte 577 – 587

Robert Muth, Einführung in die griechische und römische Religion. 2., durchgesehene und erweiterte Auflage. Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1998, S. 24 – 52

Louise Schofield, Mykene : Geschichte und Mythos. Aus dem Englischen von Dieter Prankel. Mainz am Rhein : von Zabern, 2009. ISBN 978-3-8053-3943-8

Karl-Wilhelm Welwei, Die griechische Frühzeit : 2000 bis 500 v. Chr. Originalausgabe. 2., durchgesehene und aktualisierte Auflage. München : Beck, 2007 (Beck'sche Reihe : C.-H.-Beck-Wissen ; 2185), S. 7 – 28

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