Was ist mit diesem Zitat von Georg Lichtenberg gemeint?

4 Antworten

Georg Christoph Lichtenberg war Naturwissenschaftler und Zeitgenosse der Aufklärung, als man noch davon ausging, dass es überhaupt eine allgemeingültige Wahrheit gibt. Der Satz ist sozusagen eine Negativfassung zu Kants einführenden Sätzen in "Was ist Aufklärung". Da war noch die Hoffnung, dass irgendwann alle Menschen so von Vernunft durchdrungen sind, dass allein das vernünftige Argument zählt. Das hat im Kontrast zu Kant bereits Friedrich Schiller bezweifelt, der wie David Hume der Meinung war, dass der Mensch nicht nur vernunftgesteuert ist. Im Gegensatz zu Frankreich und England war die deutsche Aufklärung sehr "kopflastig". David Hume hätte über diesen Ausspruch weise gelächelt und evtl. gesagt: Tja, es menschelt hat überall, wo Menschen sind. Das nicht mal in böser Absicht, denn es gibt kein menschliches Urteil ohne einen speziellen Standpunkt und eine eigene Perspektive. Und jeder hält seinen Standpunkt für den Ausbund der Wahrheit. Und wird nicht hin und wieder beklagt, ein Politiker, eine Führungspersönlichkeit habe kein klares Profil, Aktuell sieht sich Frau Merkel mit diesem Vorwurf konfrontiert. Die Kritiker meinen natürlich, dass nur ihr Standpunkt der richtige sei, speziell die politischen Kabarettisten erweisen sich als Ausbund der Besserwisserei, Einseitigkeit und Verdrehung. Schlimm wird es, wenn sie einen Politiker zum Pappkameraden (kontruierte Abschussgestalt) herrichten und ein Großteil der dummen Lacher hinterher Kabarett und Wirklichkeit nicht mehr auseinanderhalten kann.

Betrug hat eine gewisse Erfolgsgarantie in Regierungen, ohne geht es in der heutigen Gesellschaft nicht. Wohlmöglich kann man das Volk auf gut deutsch gesagt auch ruhig mal verars.chen in einer Demokratie, was dann ein Vorteil für die Politiker bringt.

Das kennen wir doch aus unserem politischen und praktischen Alltag: Wenn du den Menschen oder Wählern alles sagst, was du denkst, kannst du mißverstanden werden. Es kommt also darauf an, wie du es sagst. Dafür kann es mehrere Gründe geben, die auch jeweils für bestimmte Wählergruppen zutreffen können bzw. in den einzelnen Menschen auch zugleich zutreffen: Einerseits wollen viele Menschen gar nicht unbedingt die Wahrheit hören und lieber betrogen werden, andererseits verfügen sie nicht immer und in jeder Weise über alle nötigen Informationen, um die Sache richtig zu verstehen, und man muß ihnen alles auf einen möglichst einfachen Nenner bringen, des Weiteren aber muß man berücksichtigen, daß die meisten Menschen gar keine Selberdenker sind, sondern lediglich die Gedanken der anderen für ihre eigenen halten usw. Das scheint zu verlangen, daß man immer mit den Wölfen heulen muß, um politischen Erfolg zu haben. Lichtenberg hat das alles eben sehr drastisch gesagt.

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