Was ist mit den anderen Evangelien?

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Wodurch unterscheiden sich die Evangelien der Bibel und die Apokryphen- Evangelien?

Darauf gibt es keine einheitlichen Antworten, da sie "anderen" Evangelien nicht einheitlich sind.

Wie du selber sagst: sie sind später entstanden. Und häufig kann mensch schon am Inhalt erkennen, dass sie weiter von Jesus weg sind als die vier "kanonischen" Evangelien.

Krasser Fall: Protoevangelium Jakobi. Da wird vor allem die Geburt und Kindheit Jesu erzählt, und wer das liest, der merkt schnell, dass der Verfasser von Leben in Judäa keine Ahnung hat. Etwa wenn Maria als Mädchen auf den Stufen des Altars sitzt ... dort durften nur Priester sein, denn der stand im "Vorhof der Priester", und in den kam Mensch nur über den "Vorhof der Männer"! Manche der apokryphen Evangelien sind schlicht Schrott.

Trotzdem haben die den christlichen Glauben beeinflusst, als dem oben genannten Evangelium stammt das Bild von Joseph als alten, impotenten Greis (der wurde angeblich von den Hohenpriestern ausgewählt, damit Maria weiter Jungfrau bleibt - schon bei dem Gedanken krallen sich wohl bei jedem Juden die Fußnägel hoch).

Anderes Beispiel: Thomasevangelium. Relativ als (2.Jh.), aber der Inhalt ist deutlich heidnisch-gnostisch beeinflusst (Jesus war Jude!). Das schließt nicht aus, das einige Sprüche darin (es enthält nur einzelne "Worte Jesu", keine Erzählung) dem entsprechen, was Jesus gesagt hat. Das ist, was den Wert betrifft, gewissermaßen das andere Ende des Spektrums, was die Glaubwürdigkeit angeht.

Ein allgemeiner Unterschied: die apokryphen Evangelien waren (schon in der Zeit der Christenverfolgung) weniger weit verbreitet als die kanonischen Evangelien. Typischerweise wurde so ein Evangelium von einer kleinen Gruppe lanciert, um ihre Sucht der Dinge durch eine "bisher geheime" Offenbarung Gottes/Jesu zu untermauern.

Viel mehr lässt sich kaum sagen, außer es wird auf einzelne apokryphen Evangelien eingegangen.

Korrekturen:

da die "anderen" Evangelien nicht einheitlich sind.

Thomasevangelium. Relativ alt (2.Jh.)

Viel mehr lässt sich kaum sagen, außer es wird auf einzelne apokryphen Evangelien eingegangen.

Bin ich (knapp) in einem Kommentar zu einer Antwort, die einige auflistete.

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Die besten Erklärer für die Textgeschichte sind übrigens Linguisten

Da muss ich dir widersprechen. Ich hab selber mal Linguistik studiert, und daher bin ich mir sicher, dass das mit "Textgeschichte" nichts zu tun hat. Die Erforschung der Textgeschichte gehört ins Feld der Textkritik. An sich hat Textkritik die Aufgabe, herauszufinden, was der wahrscheinlichste Urtext ist - aber beim NT haben wir so viele Textzeugen, dass eben auch erforscht werden kann, wie sich der Text verbreitete und wie ein Zweig der Überlieferung den anderen verdrängte ... aber gerade was die Textgeschichte angeht, gibt es da noch offene Fragen und nicht bearbeitete Forschungsfelder.

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Das Thomasevangelium ist das Original, die Synoptiker sind die Fälschung!

Diese Behauptung stellt J. Phatre in

Die gute Botschaft der Menschenfresser. 2014

auf. Das stellt alles auf den Kopf. Die Argumente sind aber alles andere als hergeholt. Wirklich lesenswert.

Als Beispiel zeigt er, dass Papias von Hierapolis um 110 n. Chr. das hebräische/aramäische Matthäusevangelium so darstelt, dass die Beschreibung hervorragend auf das Thomasevangelium passt. Er benutzt sogar ein Wort aus der Einleitung: HERMENEUSEN = interpretieren.

Die deuterokanonischen oder apokryphen Evangelien unterscheiden sich von den kanonischen Evangelien durch das, was sie über Jesus Christus lehren. Sie enthalten zu großen Teilen esoterische Lehren aus Schriften, die das Judentum bereits aussortiert hat aus ihren heiligen Schriften (z. B. Henoch). Sie enthalten Sonderlehren und Elemente aus dem mit dem jungen Christentum konkurrierenden Gnostizismus (das war auch ein Vorwurf, dem man dem Johannes-Evangelium machte) und "Offenbarungen", deren Herkunft sich nicht nachvollziehen ließ, wie z. B. die merkwürdigen Geschichten über das Jesuskind aus den Kindheitsevangelien.

Die Kirchenväter und Lehrer der frühen Kirche waren nicht dumm. Unter ihnen waren auch Personen von hoher Bildung. Paulus z. B. war - so würde man heute sagen - studierter Theologe. Einige Kirchenväter haben sich mit diesen Schriften beschäftigt, sie analysiert und geprüft und wiederholt bewertet und neu bewertet. Aus ihrem Urteil entstand schließlich die Festlegung des Kanon, dessen, was zum Neuen Testament gehört und was nicht. Von den Juden - den "Hütern der Schrift", wie es im AT heißt - übernahm man das, was sie selbst schließlich ihren heiligen Schriften zurechneten. Gruß, q.

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