Was ist jetzt die Wahrheit über die Evolutionstheorie?

19 Antworten

Hallo Torka4Life,

Was ist jetzt die wahrheit, die einen sagen die Evoltuionstheorie ist so gut wie bewiesen und die anderen sagen sie ist widerlegt,

Ganz wichtig ist es hier, sich erst mal kurz den wissenschaftlichen Sprachgebrauch anzusehen:

Evolution = ein in der Natur ablaufender Prozess: durch Anpassung an ihre jeweiligen, sich über große Zeiträume verändernden Umweltbedingungen verändern sich auch die Merkmale der Lebewesen; auf diese Weise entstehen neue Spezies

Evolutionstheorie = wissenschaftliches Erklärungsmodell, das die Mechanismen beschreibt, die den Prozess der Evolution antreiben; das sind vor allem die zufällige Variabilität der Merkmale (Genetik) und der gerichtete Selektionsdruck der Umwelt

Ein allgemeines Erklärungsmodell kann in dem Sinne nicht "bewiesen" werden, weil man nie weiß, ob zukünftige Beobachtungen an der Natur eine Erweiterung oder Veränderung des Modells notwendig machen werden. Das ist aber kein Problem der Evolutionsbiologie, sondern ganz allgemein so.

Die Naturwissenschaft reagiert darauf, dass sie ihre Erklärungsmodelle nie "bewiesen" nennt - was leider beim naturwissenschaftlichen Laien eben manchmal für Verwirrung sorgt:

Du fragst, ob die Evolutionstheorie "bewiesen" ist, aber Naturwissenschaft beweist eben keine ihrer Erklärungsmodelle, sondern überprüft nur in Beobachtungen, ob die Modelle die Natur gut beschreiben. Und das ist bei der Evolutionstheorie der Fall: Wir haben seit 150 Jahren eine unglaubliche Fülle an Daten gesammelt, die mit den Vorhersagen der Evolutionstheorie übereinstimmen - und keinen einzigen Befund, der ihr widerspricht oder von ihr nicht erklärt werden kann.

Im Alltag oder vor Gericht würde man bei einer derartigen Datenlage längst von "Beweis" reden, aber in der Naturwissenschaft sind wir eben genauer und sprechen nur von einem sehr gut bestätigtem Modell. Der Prozess der Evolution in der Natur ist bestens nachgewiesen, wir können ihn im Kleinen an vielen Beobachtungsdaten festmachen.

Es gibt innerwissenschaftlich keinerlei rational begründbaren Zweifel an der Evolution und die Evolutionstheorie ist die beste Beschreibung dieses Prozesses, gegen die keinerlei Beobachtungsdaten sprechen.

beide seiten haben argumente.

Nein, das ist leider der Eindruck, den die Gegner der Evolution erzeugen wollen. Das ist aber nicht so.

Evolution wird von einigen Menschen aus rein ideologischen Gründen abgelehnt. Diese Menschen wollen - meist aus religiösen Gründen - nicht akzeptieren, dass der Mensch ein letztlich zufällig zustande gekommenes Produkt eines rein natürlichen Entwicklungsprozesses ist. Sie bevorzugen die Mythen ihrer jeweiligen heiligen Schriften, nach denen der Mensch bewusst als Krone der Schöpfung geschaffen wird und damit sowohl gezielt von Gott gewollt ist als auch eine Sonderstellung in der Natur innehat. Die Unterstellung, der Mensch wäre eine zufällig und natürlich entstandene Art, die genauso auch wieder verschwinden kann, empfinden sie als persönliche Kränkung oder als Blasphemie gegen ihre bevorzugte religiöse Sicht der Welt. Manche befürchten auch, dass viele Gläubige vom Glauben abfallen, wenn die wörtliche Auslegung des jeweiligen Schöpfungsmythos naturwissenschaftlich als unhaltbar feststeht.

Aus diesem Grund darf also für diese Menschen die Evolution nicht wahr sein - alle Erkenntnisse und Befunde, die sie bestätigen werden als unwichtig, fehlerhaft oder zweifelhaft dargestellt ... und zwar ganz unabhängig davon, dass das evolutionsbiologisch ganz anders aussieht.

Weil sich auch diese fundamentalistisch religiösen Gruppierungen gerne den Anschein einer rational begründbaren Position geben, werden Einwände gegen die Evolution und die Evolutionstheorie vorgetragen, die auf den Laien ebenso wissenschaftlich WIRKEN, wie die Aussagen der echten Biologen.

Tatsächlich stimmt das nicht: Sämtliche Einwände dieser Kreationisten sind vorgeschoben und aus wissenschaftlicher Sicht geklärt.

Bei einigen dieser Fragen muss man sich aber ein wenig ausführlicher mit dem Thema Evolution beschäftigen, um die Antwort der Biologie zu verstehen... Aus diesem Grund gelingt es den Kreationisten leider immer wieder unter Laien mit Scheinargumenten Zweifel an den wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Evolution zu verbreiten.

kann mir jemand Quellen geben wo seriöse Wissenschaftler schreiben?

Im Web findest Du wissenschaftliche Darstellungen

auf Deutsch bei der AG Evolutionsbiologie:

http://www.ag-evolutionsbiologie.de/

oder bei Martin Neukamm http://www.martin-neukamm.de/

Martin Neukamm hat auch eines der besten Bücher zu den ideologischen Angriffen gegen die ET herausgegeben:

Evolution im Fadenkreuz des Kreationismus:

https://www.amazon.de/Evolution-Fadenkreuz-Kreationismus-religi%C3%B6se-Argumentation/dp/3525569416/ref=sr_1_2?s=books&ie=UTF8&qid=1532290062&sr=1-2

Das Buch ist leider wegen seines Umfangs nicht ganz billig und für Laien auch nicht überall leicht zu verstehen. Wenn Du vorab hineinlesen möchtest, ob es was für Dich ist: Es gibt einige Kapitel online, etwa hier

http://www.evolution-im-fadenkreuz.info/KapVII.pdf

http://www.evolution-im-fadenkreuz.info/Kap_VIII.pdf

http://www.evolution-im-fadenkreuz.info/KapIX_3.pdf

http://www.evolution-im-fadenkreuz.info/KapX.pdf

Einfacher zu lesende Bücher von Evolutionsbiologen zur Evolution wären etwa Neil Shubins "Der Fisch in uns" ( https://www.amazon.de/Fisch-uns-Milliarden-Geschichte-unseres/dp/3596174422 ) oder das Lehrbuch "Evolutionsbiologie" von Kutschera - letzteres ist allerdings als echtes Lehrbuch auch entsprechend "trocken". ( http://www.ag-evolutionsbiologie.net/html/2015/rez-kutschera-evobio.html )

Speziell für die Entwicklungsgeschichte des Menschen ist diese Seite zu empfehlen: https://www.evolution-mensch.de/

Auf Englisch sind die Seiten des National Center of Science Education empfehlenswert: https://ncse.com/node/16774

Und speziell mit den scheinwissenschaftlichen Einwänden gegen die Evolution befasst sich die Webseite Talkorigins: http://www.talkorigins.org/indexcc/index.html

Das wären so in etwa die besten wissenschaftlichen Texte hierzu im Web und auch die besten Bücher zum Thema, die auch laiengeeignet sind.

Grüße

P.S.: Meide die Webseiten der religiösen Fanatiker, weil dort die ET und ihre Aussagen durchgängig falsch bzw. verzerrt dargestellt werden... um dann eben gegen das falsch Dargestellte argumentieren zu können. Dazu gehören vor allem die Schriften der Zeugen Jehovas, die Webseiten jw. org, genesisnet, answersingenesis und alle Schriften der kreationistischen Vereinigung Wort und Wissen.

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@Torka4Life

Zu der Seite kann man nur sagen:Der reinste Müll.

Warum? Mal ein Beispiel:

Im Bereich "irreduzible Komplexität" wird der Flagellenmotor angesprochen, mit Behauptungen, die längst widerlegt sind, eine Erklärung dazu findest du u.a. auch auf der angesprochenen Talkorigins Seite (http://www.talkorigins.org/indexcc/CB/CB200_1.html) oder auf deutsch hier:

http://www.ag-evolutionsbiologie.net/pdf/2013/Die-Evolution-bakterieller-Flagellen.pdf

Oder das Argument mit dem Auge (taucht ja trotz völlig gegenläufiger Datenlage immer wieder auf)... Auch hier wird einfach alles unter den Tisch fallen gelassen, was die Wissenschaft an Informationen hat und versucht den Leser mit Zahlenspielchen zu fangen... Lies auch hier mal wieder z.B:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3143066/

Wo genau das Auge z.B. irreduzibel komplex sein soll, bleibt völlig offen, zumal es mal wieder so dargestellt wird, als wäre das Resultat ein vorher feststehendes Ziel gewesen (Evolution arbeitet nicht mit definierten Zielen, das ergibt sich schon logisch aus der natürlichen Selektion). Dass ein visuelles System nicht sehr komplex sein muss, zeigt sich auch an "Augenflecken" z.B. in Algen (https://www.organische-chemie.ch/chemie/2008jan/sehen.shtm)

Oder bei dem Artikel über "Resistenzentwicklung" bleibt z.B. die Frage offen wieso der Erwerb ganzer genetischer Sequenzen nun mikroevolutiv sein, wenn doch für "Makroevolution" der Erwerb neuer genetischer Fähigkeiten ausschlaggebend sein soll, oder wieso die Autoren nur selektiv Beispiele aufgreifen und dabei den für sie unangenehmen Rest unter den Tisch fallen lassen. Lies doch mal den folgenden Artikel und frage dich, wieso solche Informationen nirgendwo auf ET-Kritischen Seiten auftauchen:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2937522/

Im Prinzip könnte man jetzt tagelang so weiter machen und jeden einzelnen Punk widerlegen, der dort als "Argument" angebracht wird.

Ute hat das ja schon angesprochen, es wird selektiert und verfälscht was das Zeug hält, um das eigene Weltbild nicht anzukratzen...

Also, geh lieber in eine Bibliothek und such dir bei wirklichem Interesse wissenschaftliche Fachbücher, allerdings ist halt das Grundproblem dabei, dass das Thema ab einer gewissen Tiefe anspruchsvoll wird und auch zumindest fundiertes Grundlagenwissen v.a. in Biologie verlangt. Von der Tatsache, dass viele Kreationisten das eben nicht haben und/oder auch nicht haben wollen lebt ja die ganze Bewegung und für viele dieser "Autoren" ist das eine echt Gelddruckmaschine... Keine Peer-Review, keine Forschung aber millionen-Gewinne... der völlig unkritischen Kundschaft sei es gedankt... von solchen Spielchen wie gekauften "Doktortiteln" als "Autoritätsbeihilfen" fange ich erst gar nicht an (Hovindt, Zillmer etc.)

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Beide Seiten haben deshalb Argumente, weil es so einfach ist, Argumente zu haben. Es gibt sogar Argumente, die so absurd sind, dass nicht einmal die Autoren an ihre Richtigkeit glauben; zum Beispiel sind manche Argumente Parodien, um die Schwächen anderer Argumente darzulegen.

Wenn das Vorhandensein von Argumenten also trivial ist, was hilft dann, um die Wahrheit herauszufinden. Mir fallen da drei Dinge ein:

1) Die Argumente auf Schlüssigkeit prüfen. Da es so viele gibt muss man sich wohl mit einer Stichprobe der besten Argumente dafür und dagegen zufriedengeben, oder mit anderen Leuten zusammenarbeiten, die unterschiedliche Argumente prüfen.

2) Die Belege checken.

3) Einen Blick auf die Psychologie der Verfechter werfen. Eine irrationale Zuneigung zu einer Position, wie Wunschdenken, kann erklären, warum viele Leute auf einem Standpunkt beharren und Argumente dafür bringen, selbst wenn dieser Standpunkt unvernünftig ist.

Und eine einfache Daumenregel ist: Die Wissenschaftliche Community ist eher gegen Fehlschlüsse und Verzerrungen gefeit und gleichzeitig besser informiert, als die Wissenschaftsleugner, welche oft aus religiösen oder ideologischen Gründen handeln. Sei es der Klimawandel, AIDS, Thermodynamik oder eben Evolution. Die Wissenschaft entwickelte sich im Laufe der Jahrtausende nämlich dazu, möglichst glaubwürdig zu sein.

Eine gute Webseite ist diese: http://www.talkorigins.org/

Woher ich das weiß:
eigene Erfahrung

Weil ich gerade in den Kommentaren schmökerte: Außerdem solltest du Definitionen verstehen. Manchmal ist mit Evolution nur die Veränderung vererbarer Merkmale innerhalb einer Population über Generationen gemeint. Manchmal die Entwicklung des Lebens auf der Erde (was Abiogenese selbst nicht betreffen muss).

Und Evolution und Schöpfung sind keine Alternativen zueinander, wie dir schon viele aufgeklärte Theisten versichern können. Theoretisch könnte Evolution eine Art sein, wie der Schöpfer arbeitet, um sein Ziel zu erreichen. Wenn du Evolution durch Schöpfung ersetzt, dann ersetzt du ein Mittel zur Schöpfung durch gar nichts.

3

Wir bilden Modelle über die Wirklichkeit.

Diese Modelle werden verworfen oder angepasst, wenn Experimente und/oder Beobachtungen ihnen widersprechen oder ein anderes Modell bessere Vorhersagen über die Realität macht. Damit verbessern wir die Modelle Schritt für Schritt.

Fakt ist: Die Evolutionstheorie ...

... wurde bisher nur ergänzt

... wurde nie widerlegt

... wurde bestätigt in allen bisherigen Experimenten

... und macht bessere Vorhersagen als alle anderen Modelle, die mit ihr konkurrieren wollen.

Dagegen: ALLE bisherigen Argumente der Gegner der Evolutionstheorie ...

... wurden widerlegt, weil es sich um logische Fehlschlüsse handelt

... oder sind experimentell nicht überprüfbare Behauptungen

... unternehmen auch keine Anstrengungen ihr Behauptungen experimentell zu untermauern

Man kann die Evolutionstheorie sicherlich ablehnen. Die rationale Antwort wäre dann bei der Frage nach einer Alternative: "Weiss ich nicht." Alle anderen Antworten wären irrational.

Wenn man sich überlegt, dass die Evolutionstheorie falsch sein sollte, müsste man so gut wie alle anderen Wissenschaftszweige auch in Zweifel ziehen. Die Evolutionstheorie ist eingebettet in ein Netz wissenschaftlicher Theorien mit starken Interdependenzen. D.h. eine Theorie kann meistens ohne eine andere nicht "leben". Und gerade dort haben die Gegner der Evolutionstheorie eine schwere Bürde zu tragen: Sie müssten nämlich mindestens genauso gute Antworten auf die anderen Theorien haben. Und das haben sie nicht. Denn die meisten sind Kreationisten und betreiben keinerlei experimentell wissenschaftliche Forschung.

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Danke

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