Was ist in der entwicklung mit der technik usw besser Deutschland oder Japan?

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6 Antworten

Ich erinner mich noch an die Zeiten, in denen in Deutschland diese ollen Nokia-Handys total angesagt waren, mit ihrem winzig kleinen Monochrom-LCD und ihren Piepstönen.

Zu dieser Zeit war ich das erste mal in Japan und habe gesehen, wie dort alle mit Internetfähigen Klapphandys rumgerannt sind. Farbdisplay und Kamera waren bereits standard, genauso wie Stadtplan und Kartendienste.

Wie gesagt, das war zu einer Zeit, als es in Deutschland noch nicht mal W@p gab.

Zwei Jahre später gab es in Japan überall diese Netbooks zu kaufen. Kleine Leistungsstarke Laptops ... das war so 2001. Ich bin mir jetzt nicht sicher, aber in Deutschland habe ich die ersten so 2006 bis 2007 gesehen.

Dann einfach mal der Vergleich, wenn etwas in Japan kaputt geht, und in Deutschland. Zum Beispiel eine Ampelanlage, ein Fahrstuhl, eine Rolltreppe, eine Schiebetür, etc.

In Japan kann man relativ sicher sein, dass es binnen 30 Minuten repariert ist und die Techniker oft schon 10 Minuten nach Störungsmeldung vor Ort sind. In Deutschland dauert es i. d. R. Tage, Wochen oder gar Monate, und fällt nach der Reparatur kurze Zeit später wieder aus.

In der Gegend, in der ich in Berlin wohne ist eine Ampelanlage seit fast 3 Jahren ausgefallen. In Worten: DREI Jahre! Die Kreuzung ist seitdem für Fußgänger gesperrt, und man muss umständliche Umwege nehmen, um über die Straße zu kommen. Der Grund für die Verzögerung ist offensichtlich, dass man für die - vor 15 Jahren errichtete Ampelanlage - keine Ersatzteile mehr auftreiben kann.

Wie peinlich ist das denn???

Ich lebe ca. die Hälfte des Jahres in Japan und die andere in Deutschland, und ganz objektiv betrachtet fühlt sich Deutschland an, als wäre es technologisch Ende der 80er Stecken geblieben.

Zugegeben, in Japan geht auch einiges schief. Seien es die zu spät kommenden Züge, die dafür berühmt sind, niemals zu spät zu kommen, das merkwürdig "analog" anmutende Homebanking-System, oder ... ja ... mehr fällt mir da jetzt ehrlich gesagt gar nicht ein! Aber es gibt bestimmt noch mehr.

Auf jeden Fall hinkt Deutschland in mehr Punkten hinterher, als Japan. Ganz krass merkt man das bei der Planung von Großprojekten. Ich denke, das liegt zum größten Teil an der Korruption. Diese gibt es natürlich weltweit; auch in Japan. Aber nur weil die Korruption in Deutschland nicht so schlimm ist, wie in Afrikanischen Staaten, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht existiert.

Und auch wenn man oft von Yakuza-Verbindungen hört, oder von "Uragane" die Rede ist, kommt Japan damit noch laaaaange nicht an Deutschland ran. Deutschland hat zwar keine eigentliche Mafia, aber dafür genügend Unternehmer mit einer ähnlich gepolten kriminellen Energie. Verglichen damit verblasst jede Yakuza-Organisation. :)

Allerdings gibt es in beiden Ländern auch extrem Vorbildliche Ingenieursbetriebe. Ich habe beruflich größtenteils mit Software, aber auch teilweise mit Hardware und Robotik zu tun, und es gibt in beiden Ländern Hersteller von Anlagen, die zu Recht verdammt stolz auf ihre Arbeit sein können.

Man wird für beide Seiten (fast) unendlich viele Pluspunkte finden können, aber rein aus meiner persönlichen Erfahrung muss ich leider sagen: Japan liegt ganz ganz gaaaaanz weit VOR Deutschland, zumindest bei der Arbeitsplanung und der Umsetzung. Technologisch kommt es vermutlich auf das Fachgebiet an, aber auch hier wird Japan nicht hinter Deutschland liegen.

Außerdem ist die Arbeitseinstellung in Japan eine andere ... aber das ist jetzt wieder ein anderes Thema. :)

Schönen Abend noch! :)

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Kommentar von TeeTier
04.06.2016, 23:18

PS: Noch eine Anmerkung zu Internetzugängen ...

In Deutschland gibt es immer noch viele Menschen, die mit Modem ins Netz müssen. In großen Teilen von Berlins Mitte gibt es noch nicht mal DSL! Die Leute dort sind auf Modem angewiesen! Krass, oder?

In Japan gab es DSL bis Mitte der 90er, seitdem flächendeckend Glasfaser. Wenn ich einem technisch versierten Japaner erzähle, dass in Deutschland die meisten Leute Kabel oder DSL benutzen, gucken sie immer ungläubig und fragen sinngemäß: "Wie bitte? Das gibt es noch?".

DSL und Kabel ist für die irgendwie total "retro", so wie C64-Computer für uns hier. :)

Außerdem gibt es dort seit Jahren überall kostenlose WLAN-Hotspots, wohlgemerkt ohne jedwede Form von Anmeldung. Das kann man in Deutschland z. B. total vergessen. :)

PPS: Und während man in deutschland von WLAN oder WiFi redet, wird in Japan WiMax langsam zum Standard. Habe seit letztem Jahr fast nur noch WiMax benutzt ... das kennt man hier in Deutschland noch nicht mal. Dauert vielleicht noch 5 Jahre. :)

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Kann man absolut nicht sagen. Was in dem einen Land besser zu laufen scheint (oder tatsächlich besser läuft), wird durch eine andere Sache wieder wettgemacht. Man kann aber sagen, dass es in Japan mehr Großstädte mit Wolkenkratzern gibt. Allerdings würde ich nicht behaupten, dass dies etwas über eine "bessere/höhere" technische Entwicklung Japans im Gegensatz zu Deutschland aussagt.

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Detschland gilt als eines der besten Länder was Technik, also Maschinen angeht. Im Bereich Elektronik sind uns aber Asiaten häufig voraus

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Kommentar von LLL97
04.06.2016, 15:21

Aber auch "nur" in der Unterhaltungselektronik.

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Kommentar von LLL97
04.06.2016, 19:13

Interessanter Artikel. Da sieht man, bei solchen Mammutprojekten muss einfach auf internationaler Ebene Hand in Hand gearbeitet werden. Und schön zu lesen, dass Deutschland einen würdigen Beitrag zu diesem Projekt beitragen konnte.

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Kommentar von TeeTier
04.06.2016, 23:02

Ich wollte mir letztens ein Elektronenrastermikroskop kaufen, und bin auf eines von Hitachi gestoßen. Es hat die Größe einer Mikrowelle, wobei Vakuumpumpe und sämtlicher Schnickschnack schon integriert sind. Man muss bloß noch einen PC anschließen.

Produkte in ähnlicher Ausstattung von deutschen Herstellern kosten mindestens 3 mal so viel und nehmen den Platz eines größeren Bücherregals ein.

Wenn man sich mal ansieht was japanische Firmen so treiben, und das dann mal mit Siemens vergleicht ... naja ... da bleibe ich lieber bei Hitachi, wenn ich will, dass es am Ende auch funktioniert.

Großprojekte von der Telekom, Siemens, Hochtief & Co sind ja inzwischen zu einem Running-Gag verkommen. Wer nimmt die denn noch ernst? :)

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Japan war bis vor wenigen Jahren in der technologischen Ausstattung seiner Bürger weltweit führend, seit seit der Marktführerschaft von nicht-japanischen Firmen wie Samsung und Apple besteht dieser Vorsprung aber nicht mehr. Ein deutscher Haushalt ist im Jahr 2016 mit technischen Konsumgütern ebenso gut ausgestattet wie ein japanischer.

Die Elektro- und Maschinenbauindustrie ist in beiden Ländern fortschrittlich, wobei es in Japan mehr größere Firmen in der Branche gibt (Mitsubishi, Toshiba, Sony, Panasonic, NEC, Fujitsu, Hitachi, Canon, Sharp u. v. a.), die aber derzeit mit großen wirtschaftlichen Problemen und zunehmender Konkurrenz aus dem Ausland zu kämpfen haben.

Viel Geld wird derzeit in die Entwicklung humanoider Roboter investiert, wobei unklar ist, ob diese Technologie tatsächlich zukunftsweisend ist.

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Deutschland hat bereits den Atomausstieg geschafft - zumindest eingeleitet - und setzt auf alternative Energieformen. Davon ist Japan noch meilenweit entfernt!

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Deutschland,

aber Japan holt neuerdings immer mehr auf, ich weiß aber nicht ob sie Deutschland noch einholen können da ,,Made In Germany'' bereits die marke für Top Qualität darstellt. 

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Kommentar von TeeTier
04.06.2016, 22:37

Ehrlich gesagt meide ich bewusst Produkte, die mit "Made in Germany" werben, oder gar eine deutsche Flagge auf dem Karton tragen.

Und zwar haben es solche Produkte einfach allzu nötig, da die Qualität zu schlecht ist!

Mir fällt in den letzten 10 Jahren kein einziges deutsches Produkt mit obigem Aufdruck ein, dessen Kauf ich ich Nachhinein NICHT bereut habe.

Momentan ist es so: Wenn irgendwo dick und fett "Made in Germany" drauf steht, dann wähle ich ganz sicher eine Alternative aus.

Ein wirklich gutes Produkt hat es einfach nicht nötig, auf so einem Niveau werben zu müssen.

"Made in Germany" erinnert an "bekannt aus der TV-Werbung". Seriöse Firmen werden sich hüten, damit zu werben!

Das war wohlgemerkt früher mal völlig anders, aber leider ändern sich die Zeiten! Heutzutage benutzen diesen Slogan einfach zu viele Schmarotzer, als dann man sich dabei auf gute Qualität verlassen kann.

Die wenigen Ausnahmen bestätigen diese Regel. (Und darunter leiden natürlich auch die wirklich guten deutschen Werkzeugmacher und Ingenieursbetriebe, deren Image darunter leidet. "Made in Germany" ist nun mal leider nicht mehr das, was es mal war.)

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