Was ist Historismus in der Geschichte?

3 Antworten

Der Begriff Historismus ist schillernd und wird mit unterschiedlichen Bedeutungen verwendet. Historismus bezeichnet eine Denkweise und den grundsätzlichen Ansatz einer Geschichtswissenschaft.

Knappe Defintion: Historismus besteht darin, alles als geschichtlich geworden und sich entwickelnd zu betrachten und geschichtliche Erkenntnise als Verstehen zeitlicher Zusammenhänge durch Einsicht in handlungsleitende Absichten von Individualitäten aufzufassen.

Individualitäten sind nicht nur Individuen (einzelne Personen, sondern auch einzelne Gruppen, Gesellschaften, Nationen (zum Teil jeweils als ein „Volksgeist“ verstanden) und Kulturen. Es geht darum, die geistigen Triebkräfte (Ideen) zu erfassen. Eine Aussage wie „Männer machen Geschichte“ (bzw. in einer Erweiterung Personen, um Frauen oder Kinder nicht auszuschließen) ist eine verkürzende Vergröberung. Das Einfühlen in Textquellen, in denen Personen ihreAbsichten mitteilen, kann zu einer Neigung führen, ihrer Handlungen und die geschichtliche Entwicklung ganz als Verwirklichung ihrer Absichten zu verstehen. Kurze Defintionen und Erklärungen sind einfach, aber wenig genau und nicht gründlich. Bei längeren Darstellungen geht viel von der Einfachheit verloren. Zwar wird deutlicher, um was es inhaltlich geht, aber die Sache wird damit auch verwickelt.

Duden, Bedeutungswörterbuch:

Historismus, der

1) (ohne Plural): eine Geschichtsbetrachtung, die alle Erscheinungen aus ihren geschichtlichen Bedingungen heraus zu verstehen und zu erklären sucht

2) Überbewertung des Geschichtlichen

Das große Lexikon der Weltgeschichte. [Neubearbeitungvon Fritz Siefert]. Lizenzausgabe. Hamburg : Xenos, 1992, S. 300:

Historismus

vieldeutiger Begriff, schillerndes Schlagwort, zunächst eine im wissenschaftsgläubigen 19. Jahrhundert entwickelte Richtung der Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung um ihrer selbst willen unter Verzicht auf Werturteile oder praktische Nutzanwendung: beruht auf der in der Romatik entwickelten genetischen Geschichtsbetrachtung, in der Überzeugung, daß alles geschichliche Leben als Entwicklung und Wandel in kausalen Zusammenhängen begriffen und erklärt werden kann; mündet schließlich in die philosophische Lehre von der ausschließlich geschichtlichen Bedingtheit der religiösen, geistigen und sozialen Erscheinungen und verleitet damit durch die Negierung außer-oder übergeschichtcliher Wertsysteme zu ethischem Realtivismus

Erich Bayer/Frank Wende, Wörterbuch zur Geschichte : Begriffe und Fachausdrücke. 5., neugestaltete und erweiterte Auflage. Stuttgart : Kröner, 1995 (Kröners Taschenausgabe ; 289), S. 241 – 242:

Historismus

schillernder, umstrittener Begriff Als wissenschaftsgeschichtlicher Epochenbegriff beschreibt Historismus jene Zeitspanne zwischen Französsicher Revolution und Erstem Weltkrieg, die durch Entstehung und Aufstieg der modernen Geschichtswissenschaft gekennzeichnet ist.

Als Methode systematisiert der Historismus die seit dem Humanismus entwickelten kritischen Techniken gemäß der transzendentalen Erkenntnistheorie Immanuel Kants. Der Historiker „macht“ nicht mehr die „Wahrheit“, die eine Überlieferung „enthält“, sondern er faßt diese als „Quelle“ auf, deren „Geschichtlichkeit“ sich im Prozeß des „forschenden Verstehens“ (Johann Gustav Droysen) überhaupt erst herstellt. Dieses kann aber nur gelingen, wenn er sich von allen Vorurteilen befreit, um durch „Kritik“ zur objektiven Anschauung der im historischen Geschehen „wurzelnden und schaffenden Kräfte“ (Wilhelm von Humboldt) zu gelangen. Weil diese „Kräfte“ die objektiv-allgemeinen Ausprägungen der in jedem Individuum wirksamen „Triebe“ sind, ist das letzte Ziel historischer Forschung praktische Selbsterkenntnis.

Als Geschichtsphilosophie entspricht der Historismus der Überzeugung, „daß das Leben und die Wirklichkeit Geschichte sind und nichts anderes als Geschichte“ (Benedetto Croce). Wie die gleichzeitig entstehende idealistische Naturphilosophie Friedrich Wilhelm Schellings hebt der Historismus den christlich-aufgeklärten Dualismus von geschichtlicher (profaner, unvernünftiger, partikularer) und übergeschichtlicher (göttlicher, vernünftiger, allgemeiner) Sphäre zugunsten einer dialektischen Auffassung der Welt als eines organisch-lebendigen Ganzen auf. Gegen das lineare Fortschritts-Modell setzt er die „Kontinuität der Entwicklung“ gemäß immanenter „Ideen“ („Menschheit“, „Natur“, „Zeitgeist“, „Volksgeist“), bei der je einzigartig „individuelle“/gleichwertige Epochen mit innerer Notwendigkeit auseinander hervorgehen.

Vorsichtiger Versuch zum geschichtlichen Historismus (auf Grundlage des WIKI-Artikels dazu ) Nach dem Historismus, geschichtlich gesehen sind die Ereignisse in der Geschichte nicht Dinge die durch rationale (denkende) Aktivitäten der Menschen entstanden, sondern alle Ereignisse sind im Lauf der Zeit organisch (körperlich) herangewachsen, ja fast gereift. Aus dem Ansatz wird abgeleitet, daß jede Epoche, jede Zeit sein mußte, ihre eigene Bedeutung und Eigenart hatte und daß nur daraus in einem lebendigen Kreislauf/Prozeß die nächste entstehen konnte. Die Einstellung, daß neues durch philosophieren, durch Nachdenken und Hinterfragen der Abläufe verändert wird, weil aus den Abläufen Schlussfolgerungn gezogen werden, wird abgelehnt.

Ich kenne Historismus jetzt nur aus der Designgeschichte, aber das dürfte sich wohl übertragen lassen. In der Designgeschichte ist Historismus eine Epoche, in der das Design älterer Epochen wiederaufgegriffen und beliebt wurde. Des einzige Unterschied war eben die Herrstellung der Gegenstände. In der original Epoche wurde per Hand gefertigt und im Historismus maschinell. >>>>also allg Historismus wird sich auch auf alte Werte beziehen (politisch sozial etc) nur dass diese evtl etwas der Zeit angepasst werden. Ist aber nur ne Vermutung von mir ;)

danke^^. aber irgwie nich. also es soll anscheinend irgwas mit "männer machen geschichte" zu tun haben. also das entweder nur eine persönlichkeit in der geschichte erwähnt wird oder doch ganze gruppen. ich weiß es einfach nich... und darauf baut sich leider der ganze arbeitsauftrag auf :(

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@Smoerfistin

also zu "männer machen geschichte" fällt mir ein, dass in der Vergangenheit viele geschichtliche Ereignisse verfälscht oder ausgelassen wurden von Geschichtsschreibern, weil eben nur Männer an der Geschichte teil hatten. Frauen waren unbedeutend und spielten keine Rolle auch wenn Sie doch einmal zu einem Ereigniss beigetragen haben. Und das bezieht sich eben auf die alte soziale Ordnung. Mann ist alles Frau ist nix. Kann es sein dass eine Epoche gemeint ist in der die Rolle der Frau wieder unbedeutender wurde?

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