Was ist für euch ein bedeutender Philosoph und wieso (+Lieblingszitat)?

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2 Antworten

Mein Lieblingsphilosoph der Antike ist Epikur. Wenn Du "berkersheim" - "Epikur" hier googelst findest Du eine Menge Beiträge von mir dazu. Allerdings sind meine Ansichten zu Epikur und die Interpretation seiner Philosophie oft sehr verschieden zu dem, was sich in deutschsprachiger Literatur findet. Diese ist mir zu idealismuslastig einseitig, ich spreche gern von der "platonischen Brille". Hin und wieder bezeichne ich mich auch als modernen Epikureer, weil man meiner Meinung nach heute noch im Licht epikureischer Ideen sein Leben gestalten und die Welt verstehen kann. Epikurs Philosophie war ja, wie die aller antiker Philosophen, im Kern immer Lebensphilosophie, die sich mit der Frage auseinander setzte, wie man zu einem gelingenden Leben kommen kann (die oft benutzte Übersetzung "Glück" oder "Glückseligkeit" greift da zu kurz). 

Damals ging es um die Frage, wie man sein aktuelles Leben gut in den Griff bekommt, welchen Sinn man ihm unterlegen kann, denn damals waren die Menschen in viel höherem Maße für das eigene Leben verantwortlich als heute. Das hat sich dann mit dem Christentum geändert, durch deren Umorientierung das aktuelle Leben nur noch eine Art "Vor- oder Bewährungsleben" war für ein spekulativ versprochenes ewiges Leben. Türsteher zu dieser ewigen Seligkeit war natürlich die Kirche und da gab es nichts umsonst. Wie man in der Apologie des Origenes (um 200 n.Chr.) gegen Celsus (den Origenes für einen Epikureer hielt) nachlesen kann, wurde schon damals von "heidenphilosophischer" Seite dem Christentum vorgeworfen, seine Theologie aus der antiken idealistischen Philosophie vor allem des Platonismus zu stehlen und ohne Scheu diesen im christlichen Sinne umzubiegen und zu missbrauchen. Erst in der Hochscholastik wurden von Albertus Magnus und Thomas von Aquin aus dem arabischen! übersetzte Aristotelestexte entdeckt und in die theologielastige Philosophie einbezogen. 

Davon, dass die Philosophie über Jahrhunderte lediglich Wasserträgerin der Theologie war (weshalb manche Historiker bestreiten, dass es in dieser Zeit der Scholastik überhaupt eine echte Philosophie gab) und die Glaubenskongregation (Inquisition) bestimmt hat, was gelehrt und geforscht werden durfte, hat sich die abendländische Philosophie nie so richtig erholt, ausgenommen im angelsächsischen Raum. Von Descartes bis zu Kant gab es keine freie, von kirchlichen und staatlichen Stellen nicht dransalierte  und behinderte philosophische. Diskussion. Bis Nietzsche im 19. JH hatte keine nicht der Kirche höriger Philosoph eine Chance auf einen philosophischen Lehrstuhl. Auf den staatlich dotierten Lehrstühlen saßen nur dem philosophischen Idealistismus und kirchentreue Philosophen.Man sollte bedenken, dass selbst zu Goethes Zeiten die Werke Spinozas nur unter der Hand weitergegeben werden konnten, weil es keine offizielle Druckerlaubnis gab. Kants Werke waren auf dem Index! In so einer geistigen Tradition hatte Epikur, der den Kern der kirchlichen Macht, ein Leben nach dem Tod, bestritten hat, keine Chance. Er war der personifizierte Erzfeind der Kirche und der ihr dienenden Philosophen. Erst in der Renaissance hat sich das langsam geändert. 

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rudolf steiner

das gewahrwerden der idee in der wirklichkeit

ist die wahre kommunion des menschen

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