Was ist freier Wille und was ist vorherbestimmt und ist der freie Wille tatsächlich frei?

22 Antworten

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Unser ewige Schöpfer wollte, dass Seine KInder (1.Mose 1,26) freien Willen haben und schritt nicht ein, als Eva ihren eigenen Willen durchführte (1.Mose 3,6).

Nach diesem falschen Schritt musste Gott sie vom "Baum des Lebens" fernhalten, weil dieser ihr ewiges Leben in Sünde gegeben hätte (1.Mose 3,23-24).

Dem Volk Israel gab unser Vater eine weitere Chance zur Entscheidung (5.Mose 30,19), welche auch dieses Volk flasch nutzte.

Auch heute können wir freiwillig zu Gott finden durch Seinen Sohn, der unsereSchuld getragen hat (Röm.6,23).

Nur wenige nehmen diese Chance wahr (Joh.12,40; Offb.20,4), aber alle anderen werden auch noch zu ihrer (letzte) Chance kommen (Offb.20,5; 13-15).
Unser Gott will nicht, dass auch nur ein Mensch verloren gehe (Mt.18,14).

Ergänzend möchte ich hinzufügen, das es letztendlich vom Menschen abhängt, ob er gerettet wird. Eine "Zwangsrettung" durch Gott gibt es nicht.

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Hallo moonchild1972,

die Vorstellung, dass alles "im Ratschluss des HERRN" liege oder mit anderen Worten Gott alles bestimmt habe, ist nicht biblisch. Es stimmt, Gott hat schon oft künftige Entwicklungen vorausgesagt, das heißt aber nicht, dass er sie bestimmt hat. Denke dabei einmal an einen Meteorologen; auch wenn seine Wetterprognose zutrifft, bedeutet das natürlich nicht, dass er das Wetter so beeinflussen konnte, dass seine Vorhersage eintrifft. In ähnlicher Weise hat Gott manchmal Dinge lange im Voraus bekanntgegeben, deren Eintreffen er jedoch nicht bestimmt hat. Andererseits hat Gott in bestimmten Situationen sehr wohl in das Weltgeschehen eingegriffen und sogar den Lauf der Geschichte beeinflusst. Das hat er jedoch meistens nur dann getan, wenn es um sein eigenes Vorhaben ging, nicht um eine einzelne Person. In der Bibel gibt es jedoch keinen Anhaltspunkt dafür, dass Gott das Leben jedes einzelnen Menschen vorherbestimmt.

Wäre es jedoch zutreffend, dass Gott der Lenker des Schicksals jedes Menschen wäre, dann müsste man sich fragen, welch ein grausamer und ungerechter Gott wohl dahinter steht. Denn die einen wachsen in großem Wohlstand auf, während viele andere in eine Welt voller Armut hineingeboren werden. Die einen führen ein Leben in relativer Sorglosigkeit, während die anderen von der einen in die nächste Katastrophe geraten. Die einen werden steinalt, ohne jemals ernsthaft krank zu sein, während viele Kinder bereits sterben, bevor sie das Erwachsenenalter erreichen. Wie ungerecht und grausam müsste Gott sein, wenn er die unterschiedlichen Geschicke der Menschen bestimmen würde!

Du siehst also, der Glaube an ein Schicksal lässt sich wohl kaum mit einem liebevollen und gerechten Gott in Einklang bringen. Über Gott heißt es jedoch in der Bibel: "Der FELS, vollkommen ist sein Tun, Denn Gerechtigkeit sind alle seine Wege. Ein Gott der Treue, bei dem es kein Unrecht gibt; Gerecht und gerade ist er" (5. Mose 32:4). Warum aber passieren dann so viele schlimme Dinge?

Wenn jemand in einen schweren Unfall verwickelt wird oder eine lebensbedrohliche Krankheit bekommt, mag er denken: "Warum gerade ich?" Manche Dinge geschehen einfach, weil sich jemand zur falschen Zeit am falschen Ort befindet oder weil gewisse Umstände zu bestimmten Ereignissen führen. Die Bibel sagt: "Denn Zeit und unvorhergesehenes Geschehen trifft sie alle" (Prediger 9:11). Wenn jemand schwer krank wird, dann kann das teilweise auf seinen eigenen Lebensstil, bestimmte Umwelteinflüsse oder genetische Veranlagungen zurückzuführen sein. Und ein großer Teil des Leides der Menschheit geht auf die Böswilligkeit und Ungerechtigkeit derer zurück, die Macht und Einfluss haben.

Was die von Dir sinngemäß wiedergegebenen Schrifttexte betrifft, so wird in der Bibel manchmal etwas, was Gott nur zulässt, so wiedergegeben, als ob es Gott so gewollt hätte. So heißt es in einer Übersetzung in Bezug auf den verstockten Pharao: "Was mich betrifft, ich werde sein Herz verstockt werden lassen; und er wird das Volk nicht wegsenden" (2. Mose 4:21, NWÜ). Das bedeutet also, dass Gott es lediglich geschehen ließ, dass Pharao ein verstocktes Herz entwickelte. Somit bestimmte Gott nicht, wie sich Pharao in Bezug auf sein Volk verhielt. Er duldete Pharaos schlechtes Verhalten eine Zeitlang und zwar aus folgendem Grund, den Gott Pharao selbst erklärte: "Aber, in der Tat, deswegen habe ich dich bestehen lassen, um dir meine Macht zu zeigen und damit man meinen Namen verkündet auf der ganzen Erde" (2. Mose 9:16).

Der andere Text, auf den Du Bezug nimmst, lautet wie folgt: "Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, der Vater, der mich gesandt hat, ziehe ihn" (Johannes 6:44). Dieser Text bedeutet nicht, dass Gott jemanden u.U. gegen seinen Willen zieht, damit er ein Jünger Jesu Christi wird. Gott zwingt niemand, sondern er achtet darauf, wie jemand zu ihm und seinem Sohn Jesus Christus eingestellt ist und dann hilft er ihm durch seine Diener und seinen heiligen Geist, ein Jünger zu werden. Demgemäß heißt es in dem Bericht der Apostelgeschichte über die Missionsarbeit der ersten Christen, dass "alle, die zum ewigen Leben richtig eingestellt waren" gläubig wurden (Apostelgeschichte 13:48). Somit kann also gesagt werden, dass Gott niemandes Schicksal vorherbestimmt hat, sondern ihm gewährt, gemäß seinem freien Willen zu handeln und zu entscheiden.

LG Philipp

Hallo Philipp,

Deine zitierte letzte Stelle aus Apostelgeschichte verwirrt mich doch ziemlich. Die Konstellation 'richtig eingestellt' kommt im griechischen Urtext nicht vor.

Dort wird vielmehr das Wort tetagmenoi benutzt. In deutschen Übersetzungen wird das mit 'dazu bestimmt' wiedergeben.

Zwischen 'richtig eingestellt' und 'dazu bestimmt' besteht aber ein riesiger Unterschied.

Schau dir bitte mal diesen Link an und sieh dir mal auf der rechten Seite die neun Stellen im NT an, in den das griechische Wort vorkommt.

Vergleiche das dann mal mit deiner Bibelübersetzung. Du wirst feststellen, das die NWÜ an allen anderen Stellen korrekt wiedergibt - nur nicht in Apostelgeschichte 13,48.

Irgendeine Idee warum?

 

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@telemann2000

Telemann, bei näherer Betrachtung kann der Interessierte leicht feststellen, dass die Schreiber der Bibel das Geschehen in der Welt auf den Gott als Ursache zurückführen, um es verstehen zu können.

Die WTG versucht den Gott zu verstehen, um das Geschehen in der Welt bestimmen zu können.

Daraus erklärt sich die unterschiedliche Grenze beider Autoritäten: Die Bibel steht vor dem Problem der Theodicee. Die WTG aber vor dem Problem der Konkurrenz mit der Autorität der Schrift.

Dabei enthält die Stelle Apg. 13, 48, die Du untersucht hast,  ganz andere Informationen: Abgesehen davon, dass sie die Tätigkeit des Paulus vor den Judenchristen rechtfertigt, teilt sie auch so unauffällig wie möglich mit, dass Paulus weder bei den Juden, noch bei den Heiden besonders erfolgreich war. (Das war dann halt vorherbestimmt.)

Was fällt der Heiligen Schrift ein? ... ;-)

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@Wurzelstock

"Die WTG aber vor dem Problem der Konkurrenz mit der Autorität der Schrift."

Das hast du vortrefflich ausgedrückt.... 

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@telemann2000

Danke, ich kann dir aber leider kein "Like" geben, sonst würde ich mich ja selbst loben ;-)))

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@telemann2000

Hallo telemann,

warum das griechische Wort tetagmenoi in der NWÜ mit "richtig eingestellt" übersetzt wird, vermag ich Dir nicht zu sagen. Die meisten mir bekannten Übersetzungen geben dieses Wort, wie Du schreibst, mit "dazu bestimmt" wieder. Die "Elberfelder Übersetzung" gebraucht an dieser Stelle jedoch die Wörter "dazu verordnet".

Auch wenn hier die NWÜ von den meisten anderen Übersetzungen abweicht, heißt dass nicht, dass die Übersetzung mit "richtig eingestellt" als falsch anzusehen ist. Wenn sich das Übersetzungskomitee der NWÜ an dieser Stelle für diese Übersetzung entschieden hat, so gibt es dafür sicher einen guten Grund, der sich ganz gewiss durch die zur Verfügung stehenden Textvorlagen rechtfertigen lässt.

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@Philipp59

Selbstverständlich gibt es diesen guten Grund, Philipp: Das Übersetzungskomitee weiß es besser als die Bibel.

Es gibt vereinzelt Zeugen Jehovas mit Griechischkenntnissen.  Die formulieren das so: "Es ist nie ganz zu vermeiden, dass die eigene Glaubensüberzeugung in die Arbeit eines Übersetzers mit einfließt. Das gibt es auch in anderen Übersetzungen."

Mit dem letzten Satz haben sie Recht: Das gibt es auch anderweitig. Es ist aber dort wie hier keine Rechtfertigung. Vor allem dann nicht, wenn zu dieser Glaubensüberzeugung die Verbalinspiration gehört. Der Wachturm lehrt nämlich, dass Jehova Gott den Text der Schriften so eingegeben habe, wie ein Geschäftsmann seiner Sektetärin einen Brief in die Maschine diktiert.

Wenn solche Stellen dann zum Nachweis dienen, dass eine andere, nicht inspirierte Schrift den rechten Glauben lehrt, nennt man das eine "immunisierte Ideologie".

Ich weiß, dass dich das vor ein Problem stellt. Du glaubst nämlich nicht nur an Jehova Gott, sondern in gleichem Maße an den "Treuen und verständigen Sklaven". Das kann niemand einfach ablegen. Die Vorstellung, dass diese Organisation die eigenen Mitglieder systematisch belügt, ist selbst dann unerträglich, wenn man es vor Augen geführt bekommt.

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@Wurzelstock

Du schreibst so, als wenn Du ein Zeuge Jehovas gewesen wärst! Ist es so?

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@Philipp59

Nein, das habe ich garnicht erst geschafft. Das, was mir im sogenannten Bibelstudium vorgelegt wurde, habe ich zu gründlich auseinander genommen. Nicht etwa, um etwas zu widerlegen! Vielmehr musste ich doch von dem, was ich glauben sollte, auch überzeugt sein. Das war unmöglich. Die Lehre der WTG, die sie "Die Wahrheit" nennt, war an allen Ecken und Enden so inkonsistent, dass sich nur dies als die einzig feststellbare Wahrheit ekennen ließ. Sie gerät immer wieder in Widerspruch zu sich selbst. Das aber sollte beharrlich übersehen werden. Auch die "Speise zur rechten Zeit" verfolgt nur dieses einzige Ziel.

Gestatte mir eine Gegenfrage:

Ich weiß, dass ein Zeuge Jehova immer nur die Literatur der WTG zitiert, wenn er argumentiert, und das wörtlich. In deiner letzten Entgegnung an Telemann erkenne ich aber eine authentische Äußerung, die von dir stammt. Warum antwortest Du ihm denn nicht einfach: "Ich weiß es nicht?"

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@Wurzelstock

Hallo Wurzelstock,

das, was Du bzgl. unserer Lehre schreibst, ist Dein persönliches Empfinden. Das ist Dein gutes Recht; ich habe dazu eben eine ganz andere Auffassung.

Du schreibst, dass ein Zeuge Jehovas beim Argumentieren immer nur die WTG-Literatur zitieren würde. Das stimmt so nicht! Ich lese auch andere Literatur oder auf anderen Webseiten und gebrauche an passender Stelle auch Zitate daraus. Und wenn ich unsere Literatur zu Rate ziehe, dann schreibe ich nicht einfach daraus ab. Wenn ich aus unserer Literatur zitiere, dann kennzeichne ich auch entsprechende Zitate und gebe die Quelle an.

Warum sollte ich denn als Antwort auf die letzte Entgegnung von Telemann einfach nur "Ich weiß es nicht?" schreiben? Ich halte die NWÜ persönlich für eine sehr gute Übersetzung und deswegen habe ich meine eigene, authentische Auffassung dazu wiedergegeben.

Du glaubst, wir Zeugen seien von der WTG indoktriniert? Das sind wir ganz gewiss nicht. Wir sind durchaus in der Lage, eigenständig zu denken. Wenn wir voll und ganz hinter unseren Glaubensüberzeugungen stehen, so sind wir nicht etwa fremdgesteuert (was uns von einigen unterstellt wird). Die Bibel fordert uns ja sogar dazu auf, unser "Denkvermögen" zu gebrauchen (2.Petrus 3:1). Unser Denken soll also keineswegs ausgeschaltet werden, ganz im Gegenteil!

LG Philipp

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@Philipp59

Philipp, sowohl Telemann als auch ich - wir haben beide unsere Sachkunde bezüglich der Übersetzung aus dem Griechischen nachgewiesen. So, wie es dir Telemann vorgelegt hat, kannst Du  auch nachvollziehen, dass sie vorhanden ist.

Du selbst hast diese Sachkunde eingestandenermaßen nicht. Obwohl Du dies weißt, setzt Du beides nicht einmal gleich!

Denn Du hast eine Auffassung, so schreibst Du. Meine Griechischkenntnisse dagegen sind ein "persönliches Empfinden"?

Zur Erlangung der Reifeprüfung hatte ich nach sechs Jahren vierstündigen Unterrichts pro Woche einen Griechischtext ohne jedes Hilfsmittel anzufertigen, für dessen Umfang wir sechs Stunden benötigten. Willst Du dem tatsächlich dein Dafürhalten entgegensetzen?

Nehmen wir einmal an, der Vers aus dem Petrusbrief, den Du anführst, wäre eine Aufforderung an das Denkvermögen, was er nicht ist.

Meinst Du denn wirklich, Du hättest mit dem Hinweis auf eine solche Aufforderung zugleich dein eigenes Denkvermögen nachgewiesen?

Ich sehe dein Bemühen! Ich sehe, wie es missbraucht wird! Denn Du folgst unbeirrbar denen, die dir allein für diese Folgsamkeit gewissermaßen auf die Schulter klopfen. Das kann ich nicht.

In eurer "Wahrheit" spielen die eschatologischen Schlachten eine bedeutsame Rolle. Weißt Du, was das besondere daran ist? - Keiner weiß, wo die richtige Seite ist!

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@Philipp59

Du glaubst, wir Zeugen seien von der WTG indoktriniert? Das sind wir ganz gewiss nicht. Wir sind durchaus in der Lage, eigenständig zu denken. 

Moin Philipp. 

Der Mensch sollte sich eigentlich durch eigenständiges Denken auszeichnen.

Wenn es allerdings um den Glauben geht, wird von der Führung der Zeugen Jehovas verlangt, dass die Mitglieder Änderungen in den Ansichten promt übernehmen. Der Großteil der Zeugen Jehovas tut das tatsächlich ohne das auch nur ein einziges Mal zu hinterfragen.

Hier stellt sich allerdings dann die Frage: Haben solche Personen wirklich von ihrer Selbstständigkeit im Denken Gebrauch gemacht?

Was ist das das für ein Glaube der auf Veränderungen wie auf Knopfdruck reagiert, nur weil die Führung das so erwartet?

Kann man hier wirklich von einem eigenen Glauben sprechen oder sollte man nicht lieber den Begriff 'ausgeliehener Glaube' verwenden?


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Der freie Wille des Menschen ist so frei, dass die Welt seit dem Sündenfall nicht mehr heil ist, sondern auf Grund dieser Freiheit auch Leid in vielfältiger Form möglich ist, was Menschen einander zufügen. Durch die Freiheit der Menschen musste sogar Jesus Christus sterben, die ewige Vorsehung hat sie nicht aufgehoben.

Du verwechselst den Willen, die Vorsehung Gottes mit Seinem Wissen. Es geschieht nicht etwas, weil Er es weiß, sondern weil etwas geschieht, weiß Er es.

Gott kennt alles und führt die Geschichte. Er hat auch einen guten Plan mit uns, der unser ewiges Heil betrifft.  Trotzdem hat er alles so angelegt,
 dass darin Freiheit Platz hat und dass wir Menschen sozusagen
abweichen können von dem, was er mit uns vorhatte. Die Vorstellung, dass wir als einzelne gar nichts mehr machen könnten, ist sicher nicht unserem Glauben gemäß, denn dann wären auch Gebete sinnlos. Gott hat Freiheit geschaffen und lässt sich auch seine Pläne durcheinanderbringen. Er tut das in einer Weise, dass er daraus dann doch wieder etwas Neues erschafft und für die ganze Menschheit das Böse letztlich doch zum Guten führen kann.

Durch die Heilsgeschichte sehen wir immer wieder, wie Gott
einerseits die Freiheit voll akzeptiert und dann doch in Seiner Größe die
Möglichkeit hat, aus dem Versagen und dem Zerstören heraus einen neuen Anfang zu machen, der sich noch größer und besser darstellt. Irgendwo endet da unsere Möglichkeit im Verstehen,da wir eben nicht Gott sind und unser Horizont doch sehr begrenzt ist.

Unser christlicher Glaube lehnt die sog. Prädestination (Vorherbestimmung) ab. Gott hat alle Menschen zum ewigen Leben mit Ihm berufen. Niemand geht ohne eigene Schuld verloren. Das "Gezogenwerden" meint die Gnade, ohne die ein Mensch nicht zu Gott finden kann. Und wer ohne eigene Schuld die Wahrheit nicht erkennt, kann deshalb auch gerettet werden.

Wenn Gott einen Menschen einmal, zweimal und auch dreimal warnt, und er zeigt keine Buße/Umkehr, dann verschließt Gott sein Herz. So war
es mit dem Pharao. Da Gott sogar fünfmal zu ihm schickte und es keinen Eindruck auf ihn machte, sagte Gott: "Du hast dich hartnäckig gezeigt und dein Herz verhärtet, nun werde ich auch mein Herz verschließen und selber zufügen zu deiner Schuld". Diese Auslegung erkennt bereits richtig, dass die
Herzensverhärtung kein unverdientes Verhängnis ist, sondern der Pharao selbst hat Gott herausgefordert, ja erzwungen, dass Gott seine Überlegenheit unter Beweis stellt. Und das gilt auch in heutiger Zeit für Menschen, die die wiederholte Gnade Gottes ablehnen und damit ihre Entscheidung gegen ihn getroffen haben.

Du scheinst ja regelmäßig mit deinem Gott Konferenzen abzuhalten. Dann weißt Du natürlich einigermaßen, was er will, tut, und akzeptiert.

Mein Gott dagegen redet nicht mit mir. Zwar kommen immer wieder Leute, die behaupten, er würde mich ein, zwei, und auch dreimal warnen, aber ich glaube ihnen nicht. Mein Gott schweigt sich auch in solchen Fällen beharrlich aus. Er schweigt immer. Deshalb drängt sich mir der Verdacht auf, dass es ihn garnicht nicht gibt. Selbst das scheint ihm egal zu sein. Warum also soll ich zu ihm beten?

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Das Thema Prädestination versus 'freier Willer' ist schon sehr oft diskutiert worden.

Man kann beides denke ich aber recht gut unter einen Hut bringen.

Die Heilige Schrift spricht an keiner Stelle von einer universellen Prädestination, so als ob alles bis ins kleinste Detail vorherbestimmt wäre.

Andererseits spricht sie aber sehr wohl von Vorherbestimmung. Ich würde das mal als eine 'parziale Prädestination' bezeichnen wollen.

Ein gutes Beispiel ist das des Apostels Paulus. Er schreibt im Galaterbrief über sich selbst: "Doch Gott hat mich in seiner Gnade schon vor meiner Geburt auserwählt und berufen"

Solche Beispiele gibt es auch im AT des Öfteren.

Das zeigt sehr wohl, dass Gott Menschen trotz ihres freien Willens für eine bestimmte Tätigkeit auswählt, beruft oder prädestiniert.

Das zeigt auch eine andere Erfahrung des Apostels Paulus:

"Während unseres mehrtägigen Aufenthalts traf ein Prophet mit Namen Agabus aus Judäa ein.

Als er uns besuchte, nahm er den Gürtel des Paulus und fesselte sich damit an Händen und Füßen. Dann sagte er: »Der Heilige Geist erklärt: `So wird der Besitzer dieses Gürtels von den führenden Männern der jüdischen Gemeinde in Jerusalem gefesselt und den fremden Völkern ausgeliefert werden.´« Als wir, die wir mit ihm reisten, und die Gläubigen am Ort das hörten, baten wir Paulus inständig, nicht nach Jerusalem zu gehen. Doch er sagte: »Was soll das Weinen? Ihr zerreißt mir das Herz! Ich bin nicht nur bereit, mich in Jerusalem verhaften zu lassen, sondern auch für Jesus, den Herrn, zu sterben.« Als uns klar war, dass wir ihn nicht überreden konnten, gaben wir nach und sagten: »Der Wille des Herrn geschehe.«  (Apostelgeschichte 21,10-14)

Auch hier hätte Paulus seinen freien Willen gebrauchen können. Er unterwarf sich aber vielmehr dem Willen des Herrn. Jesus Christus wusste, wie Paulus entscheiden würde, deshalb konnte der Prophet Agabus das genau so vorhersagen.


 

Telemann, es gibt nichts, was ein guter Theologe nicht "unter einen Hut bringen" kann, denn er verfügt über eine Wildcard, die nicht hinterfragbar ist.

(Im Vertrauen: Manche tun es trotzdem; denn diese Feststellung stammt nicht von mir, sondern ebenfalls von einem Theologen. Von welchem, weiß ich allerdings nicht mehr.)

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@Wurzelstock

"denn er verfügt über eine Wildcard, die nicht hinterfragbar ist."

Ich tue es trotzdem. Ich habe keinen Theologen oder Kirche oder Organisation oder was auch immer, die mir meinen persönlichen Glauben diktiert. 

Ich habe mir über diese Thema meine Meinung gebildet, nachdem ich mich mit verschiedenen Ansichten darüber auseinander gesetzt habe.... 

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@telemann2000

Mein großer Vorteil? Mein Glaube gehört mir. 

Wenn andere das glauben, was ihnen vorgekaut wird, ist das kein persönlicher Glaube mehr, sondern man hat seinen Glauben lediglich 'ausgeliehen'. 

Wenn diese Personen dann noch entsprechend genug Macht haben, können sie mit solchen 'Gläubigen' machen, was sie wollen.... 

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@telemann2000

Telemann, Du kannst immer nur glauben, was Du für glaubhaft hältst. Das ist unabhängig von der Methode. Es bleibt egal, ob vorgekaut oder angelesen und ausgewählt. Das betrifft nicht nur den religiösen Glauben. Glaube ist sogar weitgehend unabhängig von den objektiven Realitäten. Deshalb könnte ich nicht sagen, dass mein Glaube mir gehöre. Mit gehört nur der Umgang damit.

Ich kann ihn ängstlich verstecken, damit er bloß keinen Schaden nimmt. Das tun Fundamentalisten aller Art.

Ich kann ihn aber auch vor mich halten, wie den Plexiglasschild des Polizisten bei Demonstrationen. Hält er alle Pflastersteine aus, ist er ok. Geht er kaputt, hat er nichts getaugt.

In der WTG-Literatur wird der Glaubenszweifel verglichen mit dem schwankenden Schilfrohr im Wind. Sie warnt davor, und empfiehlt stattdessen "Festigkeit im Glauben". Das Schwanken ist aber ein Zeichen von der Widerstandskraft des Rohres. Die vermeintliche Festigkeit dagegen traut dem eigenen Glauben nichts zu.

Ich behaupte deshalb, dass der Zweifel der Vater der Rechtgläubigkeit ist - egal wie die am Ende aussieht. Dagegen sind auch Demagogen auf Dauer machtlos.

Doch das sind nur Betrachtungen am Rande. Ich glaube weder an den Gott, noch an einen freien Willen des Menschen. Letzteres machte mir nie etwas aus. Ersteres ist schade; denn es steckte für mich ein jederzeit verfügbarer Trost darin.

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@Wurzelstock

Die vermeintliche Festigkeit dagegen traut dem eigenen Glauben nichts zu.

Haben deshalb Jehovas Zeugen soviel Angst davor, sich mit anderen Strömungen auseinanderzusetzen? Trauen sie ihrem eigenen Glauben nicht?

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@telemann2000

Ich denke, man muss unterscheiden zwischen der Wachturmorganisation und dem einzelnen Zeugen Jehova. Die Organisation suggeriert jedem einzelnen, dass er ein Fachmann sei. Das glauben auch alle, denn der Aufwand der Indoktrinierung ist ja immens für jeden. Wie leicht das für einen Außenstehenden zu kicken ist, hast Du ja selbst weiter oben vorgeführt. Es folgt dann nur noch schockiertes Schweigen.

Die WTG wirkt dem entgegen, indem sie rigoros alles und jeden diffamiert, der nicht zu ihr gehört, und was nicht aus ihrer Feder stammt. Übrigens auch das staatliche Schulwesen. (Der Staat ist für sie ohnehin ein Werkzeug des Teufels. Deshalb hat sie Römer 13,1 gefälscht. Da steht nämlich das Gegenteil.)

Ich erwarte, dass sie auch auf die Entwicklung in diesem Netzwerk reagieren wird. Um nicht regelmäßig blamiert zu werden, wird sie über kurz oder lang in allen Gemeinden vor einer Beteiligung mündlich warnen mit dem Hinweis, dass Zeugen Jehovas nicht diskutieren.

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Diese Frage wurde in unterschiedlichsten Varianten schon zig mal gestellt.

Hier einmal eine hoffentlich vom Durchschnitt abweichende Betrachtung:

Zunächst macht es Sinn, den Begriff "HERR" um einiges vielseitiger zu betrachten, denn "Herr" ist, wer herrscht und letztlich die Entscheidungshoheit hat, und das völlig unabhängig von einer Gottesdefinition.

Fakt ist, daß Menschen von ihrer charakterlichen Konstellation und von ihren Begehrlichkeiten beherrscht werden, daneben auch auch sehr stark von ihren stets im Hintergrund lauernden Spitzfindigkeiten, die je nach Bedarf das Werkzeug "Intelligenz" oft auch maximal auslasten.

Dies hat in weiten Bereichen und allgemein zunehmend zur Folge, daß ethische Aspekte, humanitäre Bemühungen, juristische Dinge usw. zu von  Spitzfindigkeiten geformten Regelwerken verkommen, welche menschliche Denkweisen so modifizieren, daß selbst grottenschlechte Dinge noch als gut empfunden werden oder daß selbst maximal dummes Verhalten noch als vernunftorientierte intelligente Lösung empfunden wird.

Wie angebracht ist es wohl angesichts solcher Fakten, solche Deformierungen des menschlichen Geistes mit dem Wirken Gottes in Verbindung zu bringen (der Herr kann die Herzen verstocken)?

Und wie angebracht ist es, angesichts solcher Fakten überhaupt noch von einem Freien Willen zu sprechen? Wessen "freier Wille" offenbart sich bei Menschen, die Sklaven der in ihnen schlummernden Begehrlichkeiten werden und deren Charakter von diesen Begehrlichkeiten modifiziert wurde?

Am Ende der Geschicht bleibt noch übrig, daß wir insoweit einen freien Willen haben könnten, als daß wir entscheiden, ob wir eine Sache für gut oder für böse bzw. richtig oder falsch halten.

Doch auch die Unterscheidung zwischen gut und böse oder richtig und falsch hinkt, weil es nichts Gutes oder vermeintlich Richtiges gibt, daß an anderer Stelle in irgendwelchen Punkten total böse oder falsch ist, und umgekehrt, und daß es stets eine Sache der inneren Kostellation ist, wer die selbe Sache als gut oder richtig oder als böse oder falsch empfindet.

Im Kern treffen wir alle Entscheidungen dadurch, daß wir ein Problem bewußt wahrnehmen, welches dann quasi in "Pixelabschnitte" aufgeteilt mit den in unserem Unterbewußtsein vorhandenn Erfahrungsdatenbanken abgeglichen wird und uns als Ergebnis eine mehr oder weniger komplexe Kette von Ja-Nein-Antworten ins Bewußtsein zurück liefert, die ihrerseits wieder mit Angenehm-Unangenehm-Empfindungen verknüpft sind.

Unsere vermeintlich aus freiem Willen erfolgende Entscheidung ist dann lediglich eine bereits vorbestimmte Saldo-Entscheidung daraus, bei welcher zur Verfügung stehender Möglichkeit die Angenehm-Empfindung überwiegt.

So kann man die Ganze Sache im Groben ausdrücken.

Wesentlich kürzer, wenn auch mit der Notwendigkeit, dann über die Details selbst nachzudenken, läßt  sich auch sagen, daß das Dasein etwas Gesamtes ist, in welchem alle Details mit allen anderen vernetzt sind, wodurch stets nach dem Ursache-Wirkung-Prinzip jedwedes Geschehen vorgegeben ist, u. a. auch das, daß wir vieles verkennen oder nicht verstehen und uns dadurch einbilden, einen freien Willen zu haben.

Man kann es noch kürzer sagen:

"Das Verhalten des Menschen ist eine Funktion aus Person und Umfeld."

Das ist der Ansatz der Sozialpsychologie. Er wird gewöhnlich analog einer mathematischen Formel dargestellt, was ich hier nicht kann.(Der Operand ist unbekannt.)

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