Was ist freier Wille und was ist vorherbestimmt und ist der freie Wille tatsächlich frei?

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Unser ewige Schöpfer wollte, dass Seine KInder (1.Mose 1,26) freien Willen haben und schritt nicht ein, als Eva ihren eigenen Willen durchführte (1.Mose 3,6).

Nach diesem falschen Schritt musste Gott sie vom "Baum des Lebens" fernhalten, weil dieser ihr ewiges Leben in Sünde gegeben hätte (1.Mose 3,23-24).

Dem Volk Israel gab unser Vater eine weitere Chance zur Entscheidung (5.Mose 30,19), welche auch dieses Volk flasch nutzte.

Auch heute können wir freiwillig zu Gott finden durch Seinen Sohn, der unsereSchuld getragen hat (Röm.6,23).

Nur wenige nehmen diese Chance wahr (Joh.12,40; Offb.20,4), aber alle anderen werden auch noch zu ihrer (letzte) Chance kommen (Offb.20,5; 13-15).
Unser Gott will nicht, dass auch nur ein Mensch verloren gehe (Mt.18,14).

Ergänzend möchte ich hinzufügen, das es letztendlich vom Menschen abhängt, ob er gerettet wird. Eine "Zwangsrettung" durch Gott gibt es nicht.

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Was genau freier Wille ist, ist kontrovers. Man kann verschiedene Meinungen knapp in zwei Parteien unterteilen:

Kompatibilisten nehmen an, dass ein determinierter Wille frei sein kann.

Inkompatibilisten nehmen an, dass ein determinierter Wille nicht frei sein kann.

Das macht eine genaue Analyse, ob unser Wille in einer solchen Situation, wie du sie beschreibst, frei sei, nicht leicht. Kompatibilismus hätte den Vorteil, dass irgendetwas, was unser Handeln determiniert, noch kein Grund dagegen ist. Manche moderne Kompatibilisten argumentieren, dass es nicht nötig ist, sich anders entscheiden zu können, als man tut, um freien Willen zu haben. Aber das alleine bedeutet noch nicht, dass wir auch frei sind, wenn wir von irgendjemanden vollständig kontrolliert werden. Vielleicht ist dieses zusätzliche Detail wichtig, vielleicht nicht.

Am ehesten kommt mir vor, dass wir nach Strawsons Kompatibilismus in deinen Situationen freien Willen hätten. Falls dieser ein akzeptables Modell ist.

http://plato.stanford.edu/entries/compatibilism/#StrCom

Einige Theisten akzeptieren Kompatibilismus übrigens nicht. Unter Anderem würde er das Argument zerstören, Gott sei nicht an unseren falschen Entscheidungen schuld (na weil sie von Gott vorherbestimmt sind!).

Sie sind eben nicht durch Gott vorherbestimmt, sondern höchstens die Grundbedingungen sind von Gott bestimmt.

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Als der sächsische Mönch Gottschalk von Orbais zur Erkenntnis kam, dass das Seelheil der Menschen entweder für die ewige Seligkeit oder für die ewige Verdammnis vorherbestimmt sei, wurde er für den Rest seines Lebens eingekerkert. (Es war noch sehr lang.)

Es gab einen Riesenkrach. Unter anderem wurde auch Johannes Scotus Eruigena, ein gelehrter Mönch am Hofe Karls des Großen um seine Meinung gefragt. Der kam zu einem eigenwilligen Schluss: Ja. Das Schicksal des Menschen sei vorherbestimmt. Aber nur zur Ewigen Seligkeit.

Das scheint sich mit meiner persönlichen Beobachtung zu decken, soweit es die Freiheit des Willen betrifft. Die Entscheidungen, die wir ununterbrochen fällen, dienen grundsätzlich der Verbesserung unseres Befindens von Augenblick zu Augenblick. Wenn aber die Richtung unserer Entscheidung festgelegt ist, ist unser Wille nicht frei.

Wenn die Realität der Verbesserung nicht erzielt werden kann, gibt es zwei Gründe:

1.: Der Irrtum. (Die meisten Menschen können nicht hellsehen.)

2.: Das intrinsische und das extrinsische Verbesserungsziel. Intrinsisch bedeutet: Verbesserung für die Gegenwart. Extrinsisch bedeutet: Verbesserung für die Zukunft unter Zurückstellung der Gegenwartsverbesserung.

Also ich kenne das so, dass Gott dem Menschen den komplett freien Willen gegeben hat. Das heißt, dass er eben nicht Herzen verstockt und es in unserer Entscheidung liegt, ob wir an eine Organisation spenden, die Kindern in Afrika hilft, oder ob wir dem IS beitreten und einen Anschlag ausüben.

Meiner Meinung nach ist Gott der liebende Gott (ich bin wirklich nicht strenggläubig, auch wenn's so klingt xD) und deswegen gibt er den Menschen den Freien Willen, sich für oder gegen ihn zu entscheiden. Also er belässt es einem selbst, ob man an ihn glaubt oder nicht, hat einen aber trotzdem lieb.

Ich bin wirklich niemand, der immer alles als die heile Welt ansieht und jeden Menschen toll findet und jedem ne 5. und 6. und 7. Chance gibt, ich bin auch oft unbegründet wütend auf jemanden oder hab Vorurteile, trotzdem glaube ich, dass sogar diese bescheuerten Leute, die sich in Paris in die Luft sprengen oder in einem Einkaufszentrum durch die Gegend schießen, ich glaube, wenn man diese Leute gut kennt, dann sind auch die irgendwie liebenswert. Und das denke ich, ist was Gott zum "Liebenden Herrn" macht.

Also, ich glaube schon, dass Gott einem den echten, freien Willen gegeben hat und ganz ehrlich -

Wäre ich Gott, würde ich das genauso machen, sonst wäre eine Welt mit 7 Milliarden Menschen doch viel zu langweilig ;)

Das Thema Prädestination versus 'freier Willer' ist schon sehr oft diskutiert worden.

Man kann beides denke ich aber recht gut unter einen Hut bringen.

Die Heilige Schrift spricht an keiner Stelle von einer universellen Prädestination, so als ob alles bis ins kleinste Detail vorherbestimmt wäre.

Andererseits spricht sie aber sehr wohl von Vorherbestimmung. Ich würde das mal als eine 'parziale Prädestination' bezeichnen wollen.

Ein gutes Beispiel ist das des Apostels Paulus. Er schreibt im Galaterbrief über sich selbst: "Doch Gott hat mich in seiner Gnade schon vor meiner Geburt auserwählt und berufen"

Solche Beispiele gibt es auch im AT des Öfteren.

Das zeigt sehr wohl, dass Gott Menschen trotz ihres freien Willens für eine bestimmte Tätigkeit auswählt, beruft oder prädestiniert.

Das zeigt auch eine andere Erfahrung des Apostels Paulus:

"Während unseres mehrtägigen Aufenthalts traf ein Prophet mit Namen Agabus aus Judäa ein.

Als er uns besuchte, nahm er den Gürtel des Paulus und fesselte sich damit an Händen und Füßen. Dann sagte er: »Der Heilige Geist erklärt: `So wird der Besitzer dieses Gürtels von den führenden Männern der jüdischen Gemeinde in Jerusalem gefesselt und den fremden Völkern ausgeliefert werden.´« Als wir, die wir mit ihm reisten, und die Gläubigen am Ort das hörten, baten wir Paulus inständig, nicht nach Jerusalem zu gehen. Doch er sagte: »Was soll das Weinen? Ihr zerreißt mir das Herz! Ich bin nicht nur bereit, mich in Jerusalem verhaften zu lassen, sondern auch für Jesus, den Herrn, zu sterben.« Als uns klar war, dass wir ihn nicht überreden konnten, gaben wir nach und sagten: »Der Wille des Herrn geschehe.«  (Apostelgeschichte 21,10-14)

Auch hier hätte Paulus seinen freien Willen gebrauchen können. Er unterwarf sich aber vielmehr dem Willen des Herrn. Jesus Christus wusste, wie Paulus entscheiden würde, deshalb konnte der Prophet Agabus das genau so vorhersagen.


 

Telemann, es gibt nichts, was ein guter Theologe nicht "unter einen Hut bringen" kann, denn er verfügt über eine Wildcard, die nicht hinterfragbar ist.

(Im Vertrauen: Manche tun es trotzdem; denn diese Feststellung stammt nicht von mir, sondern ebenfalls von einem Theologen. Von welchem, weiß ich allerdings nicht mehr.)

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@Wurzelstock

"denn er verfügt über eine Wildcard, die nicht hinterfragbar ist."

Ich tue es trotzdem. Ich habe keinen Theologen oder Kirche oder Organisation oder was auch immer, die mir meinen persönlichen Glauben diktiert. 

Ich habe mir über diese Thema meine Meinung gebildet, nachdem ich mich mit verschiedenen Ansichten darüber auseinander gesetzt habe.... 

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@telemann2000

Mein großer Vorteil? Mein Glaube gehört mir. 

Wenn andere das glauben, was ihnen vorgekaut wird, ist das kein persönlicher Glaube mehr, sondern man hat seinen Glauben lediglich 'ausgeliehen'. 

Wenn diese Personen dann noch entsprechend genug Macht haben, können sie mit solchen 'Gläubigen' machen, was sie wollen.... 

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@telemann2000

Telemann, Du kannst immer nur glauben, was Du für glaubhaft hältst. Das ist unabhängig von der Methode. Es bleibt egal, ob vorgekaut oder angelesen und ausgewählt. Das betrifft nicht nur den religiösen Glauben. Glaube ist sogar weitgehend unabhängig von den objektiven Realitäten. Deshalb könnte ich nicht sagen, dass mein Glaube mir gehöre. Mit gehört nur der Umgang damit.

Ich kann ihn ängstlich verstecken, damit er bloß keinen Schaden nimmt. Das tun Fundamentalisten aller Art.

Ich kann ihn aber auch vor mich halten, wie den Plexiglasschild des Polizisten bei Demonstrationen. Hält er alle Pflastersteine aus, ist er ok. Geht er kaputt, hat er nichts getaugt.

In der WTG-Literatur wird der Glaubenszweifel verglichen mit dem schwankenden Schilfrohr im Wind. Sie warnt davor, und empfiehlt stattdessen "Festigkeit im Glauben". Das Schwanken ist aber ein Zeichen von der Widerstandskraft des Rohres. Die vermeintliche Festigkeit dagegen traut dem eigenen Glauben nichts zu.

Ich behaupte deshalb, dass der Zweifel der Vater der Rechtgläubigkeit ist - egal wie die am Ende aussieht. Dagegen sind auch Demagogen auf Dauer machtlos.

Doch das sind nur Betrachtungen am Rande. Ich glaube weder an den Gott, noch an einen freien Willen des Menschen. Letzteres machte mir nie etwas aus. Ersteres ist schade; denn es steckte für mich ein jederzeit verfügbarer Trost darin.

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@Wurzelstock

Die vermeintliche Festigkeit dagegen traut dem eigenen Glauben nichts zu.

Haben deshalb Jehovas Zeugen soviel Angst davor, sich mit anderen Strömungen auseinanderzusetzen? Trauen sie ihrem eigenen Glauben nicht?

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@telemann2000

Ich denke, man muss unterscheiden zwischen der Wachturmorganisation und dem einzelnen Zeugen Jehova. Die Organisation suggeriert jedem einzelnen, dass er ein Fachmann sei. Das glauben auch alle, denn der Aufwand der Indoktrinierung ist ja immens für jeden. Wie leicht das für einen Außenstehenden zu kicken ist, hast Du ja selbst weiter oben vorgeführt. Es folgt dann nur noch schockiertes Schweigen.

Die WTG wirkt dem entgegen, indem sie rigoros alles und jeden diffamiert, der nicht zu ihr gehört, und was nicht aus ihrer Feder stammt. Übrigens auch das staatliche Schulwesen. (Der Staat ist für sie ohnehin ein Werkzeug des Teufels. Deshalb hat sie Römer 13,1 gefälscht. Da steht nämlich das Gegenteil.)

Ich erwarte, dass sie auch auf die Entwicklung in diesem Netzwerk reagieren wird. Um nicht regelmäßig blamiert zu werden, wird sie über kurz oder lang in allen Gemeinden vor einer Beteiligung mündlich warnen mit dem Hinweis, dass Zeugen Jehovas nicht diskutieren.

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