Was ist Euer persönlicher Antrieb Dinge zu verändern?

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Die Frage wurde im Rahmen der Aktion „Wahl-Special“ von einem ausgewählten Politiker an die gutefrage-Community gerichtet. Ab Montag, den 13. September 2021, bis Freitag, den 17. September, stellen Spitzenpolitiker und angehende Parlamentarier Fragen an ihre potentiellen Wähler auf gutefrage.

Weitere Informationen zur Aktion findest Du hier: https://www.gutefrage.net/aktionen/wahlspecial/

32 Antworten

Was ist Euer persönlicher Antrieb, Dinge zu verändern?

Psychologisch gesehen wohl bei allen dasselbe: Es soll besser werden.

Die Frage ist eher, für wen es besser wird und was man als besser empfindet. Da gehen die Meinungen dann schon stark auseinander.

Ich bin ehrlich: Ich möchte, dass meine Lebensqualität steigt. ich möchte mein Leben mehr genießen. Ich bin aktiv, um mehr Freude zu haben, um das Leben lebenswerter zu gestalten.

Ich liebe auch die Natur und genieße sie sehr oft. Wandern und Klettern, Berge und Nordseeküste gleichermaßen. Ich bin einfach gerne an frischer Luft, genieße schöne Wälder, die Heide, Moore und so weiter. Natur ist schützenswert!

Ich sehe aber schon das Problem, dass die neumodische Bambi-Mentalität von Stadtkindern uns nicht wirklich weiterhilft. Wer nicht begreift, warum Jagd wichtig ist; dass Wälder auch mal aufgeforstet werden müssen; dieser blinde Glaube an den Status Quo ohne Bereitschaft zu Wandel -- das kann nicht gut gehen, denn es ist von der Realität zu weit entfernt.

Wenn mir vor 25 Jahren jemand erzählt hätte, dass Grüne nicht für das Aufwachsen von Kindern auf großen Grundstücken, mit Bäumen und Blumen sind, im Vorort, mit Naturkontakt -- sondern für immer mehr Verdichtung der Städte und gegen Neubauten plädieren, ich hätte es nicht geglaubt. Wie konnte es so weit kommen? So tief bergab gehen? Natur macht das Leben lebenswert, aber dazu muss man auch mit ihr leben und sie nicht nur "da drüben jenseits vom Zaun" kennen. Ich liebe Wald und Heide, weil ich als Kind schon darin gespielt habe, Salamander bewundert, Frösche beobachtet, Blindschleichen fotografiert. Heutzutage wird immer mehr abgesperrt und verboten und Kinder wachsen in "verdichteten" Städten auf. Wie sollen sie da Natur kennen und lieben?

Sehr geehrter Herr MdB Hofreiter,

danke, dass Sie sich hier den Fragen stellen. Gern schildere ich Ihnen meine Situation bzw. Motivation.

Ich (31 Jahre, verheiratet seit 2021 und noch kinderlos; aufgewachsen als nicht immer gern gesehenes "Ausländerkind" in einer typischen, in den 50ern/60ern erbauten Neue-Heimat-Mehrfamilienhaussiedlung; Mittlere Reife 2007, gelernter Industriekaufmann, mittlerweile in einem verwandten Beruf tätig - heute im Corona-HomeOffice) war selbst einige Jahre Gemeinderat - allerdings nicht bei den Grünen, sondern zugegeben für die CDU - und ehrenamtlich im Bereich diverser Vereine, in der Nachfolge meines Großonkels auch des Altenwerks und in Gruppierungen der katholischen Kirche tätig. Dazu gekommen bin ich über das Jugendhaus, das in meiner Heimatstadt damals selbstverwaltet war und dessen Leitungsteam von Jugendlichen ich angehört hatte. Ich wurde eines Tages angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, als Gemeinderat zu kandidieren; mir wurde gesagt, man suche junge Leute, die recht bekannt sind und weithin als seriös gelten, daher reelle Wahlchancen haben und dazu beitragen können, die Gremien zu verjüngen.

Ich wurde gewählt und hatte stets die Motivation, für die Leute da zu sein. Und ich fuhr als Gemeinderat eine klare Linie: Wir sind keine Vertreter von Eigeninteressen, sondern Orts-/Stadtvertreter. Und Entscheidungen werden nicht fraktionslastig getroffen und auch nicht um das zu sagen, was Altgediente hören wollen, sondern nach Sachverstand und Brisanz. Gefiel nicht jedem.

Es muss ansonsten nicht alles verändert werden, weil es im Trend ist, Dinge zu verändern - wenn es passt, passt es und kann so bleiben. Man kann Prozesse aller Art auch in der Politik zwar durchaus optimieren, aber nur, wenn es Sinn macht und nicht über die Köpfe derer hinweg, die es betrifft, während es einen selbst sowieso nicht tangiert.

Ob es mir persönlich gelungen ist, Dinge zu verbessern, weiß ich nicht. Das sollen andere entscheiden. Ich war nie ein Weltverbesserer, sondern einer, der es ehrlich gemeint hat. Aufgehört bzw. nicht mehr kandidiert habe ich, weil die Kommunalpolitik in meinen Augen zu weiten Teilen eine Art Spielplatz für Geltungsbedürftige ist und ich mich nicht mit denen auf einer Stufe sehe. Auch kam ich nicht mehr damit zurecht, dass meine Freundin/Frau und ich sogar in der Freizeit auf nicht selten doch recht taktlose Weise von Bürgern - zu denen man aber auch nett zu sein hatte - angesprochen wurden und wir im Grunde keinerlei Privatsphäre mehr hatten. Ich habe dann in den Vereinen weiter gemacht, bis meine damalige Freundin/heutige Frau und ich meine Heimatstadt 2019 verlassen habe und im Ehrenamt konnte ich laut anderen manches bewerkstelligen; es klang ehrlich. Am liebsten war mit das Altenwerk - die alten Leute waren dankbar, herzlich und froh um jede Geste, und sie freuten sich, dass "ein Junger" das macht und niemand, der genauso alt ist wie die meisten Besucher :-)

Abschließend noch ein Hinweis am Rande: Gerade in ländlichen Räumen fühlen sich immer mehr Leute von den "Volksparteien" im Stich gelassen und in Baden-Württemberg sind auch die Grünen, obwohl ich Herrn Kretschmann mag und heuer auch gewählt habe, mancherorts nicht unumstritten und gelten mehr oder weniger als Partei für Besserverdiener, die sich einen grünen Lifestyle leisten können und im urbanen Umfeld jede Möglichkeit dafür haben. Ich habe meine Briefwahlstimme daher auch den Grünen - so ehrlich bin ich - nicht gegeben, weil ich eine massive Verteuerung der Lebenshaltungskosten befürchte und wir uns das als bürgerlicher Haushalt mit zwei Personen, Kinderwunsch, einem Auto, das täglich zur Arbeit bewegt wird (sofern kein Corona-HomeOffice) und zugegeben durchaus guten Verdiensten vielleicht nicht leisten könnten. Das kann ich offen zugeben; eine solche Partei kann ich unmöglich wählen. Meine Frau und ich wählten beide übereinstimmend CDU mit beiden Stimmen. Unser Antrieb dahinter war, dass Politik sozialverträglich bleibt und nicht alles Hals über Kopf geändert wird, sondern mit Augenmaß; wir halten Armin Laschet, wenngleich wir nicht seine größten Fans sind, für fähig genug, das zu tun.

Unser kleines Deutschland allein kann die Welt definitiv nicht retten und auch den Klimawandel nicht aufhalten, wenn Schwellen- und Entwicklungsländer weiterhin auf die Umwelt pfeifen. Es bringt auch nichts, den Verbraucher zu bestrafen - für mich sind die Grünen wirklich eine Partei für Besserverdiener im urbanen Milieu, auch Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin ist für mich unwählbar. Wenn sie bereits Sonderzahlungen mit der Ausflucht es "vergessen" zu haben (hätte sie sie denn gemeldet, wenn sie nicht Kanzlerkandidatin gewesen wäre?) nicht angibt, fühlt man sich als potenzieller Wähler und Normalverdiener einfach nur parodiert, wenn jemand solche Summen einfach "vergisst".

Die aktuelle Politikverdrossenheit - es gibt sie, wenngleich sie oft geleugnet wird - ist mehrheitlich auf das Versagen der großen Parteien zurückzuführen. Vor der Presse wird gern vom "ländlichen Raum" und seiner Wichtigkeit/Wertigkeit gepredigt, weil es gut klingt und die Leute das wohl hören wollen, aber nach der gewonnenen Wahl will kaum ein MdB oder MdL mehr was davon wissen - so zumindest meine Erfahrung. Das ist aus meiner Sicht dringend zu ändern.

Mit freundlichen Grüßen!

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Hallo,

ich bin persönlich nicht so weit, selbst aufs Rednerpult zu steigen. Ich bin nicht so gemacht dafür, kein so guter Zuhörer.

Aber es muss sich definitiv was ändern. Durch die Klimakrise sind alle betroffen, insbesondere ich als junger Mensch. Ich denke, es geht hier um Leben und Tod. Man muss konsequent handeln, nicht noch immer sagen, dass man das Thema auch ohne Einschränkung erledigen kann, wie es aus liberalkonservativen Kreisen zu hören ist.

Es geht um die Zukunft eines jeden. Und da braucht es konsequente Veränderungen.

LG

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Ich hege großes Interesse an Gesellschaftspolitik

Hallo Herr Hofreiter,

ich bin von Beruf Berater - und auch hobby-mäßig hier auf Gute Frage besonders zu gesellschaftlichen Themen.

In der Beratung möchte ich Menschen helfen - und jetzt sage ich das etwas abstrakter - Ihnen Freiheitsgrade eröffnen: wie sie was sehen, fühlen, denken und tun können.

Das kann Dinge verändern - und es ist meine Attitude, dies dann anzustoßen und zu eröffnen.

Mit vielen lieben Grüßen
EarthCitizen

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung
Was ist Euer persönlicher Antrieb, Dinge zu verändern?

"Dinge zu verändern" kann kein Selbstzweck sein! Es gibt nämlich "Dinge", die "früher" gut waren und auch heute noch gut sind - oder es zumindest wären, wenn man sie in Ruhe gelassen hätte!

Es bedarf daher sorgfältiger Überlegungen und Prüfungen, welche "Dinge" schlecht sind und auf welche Weise man sie "verändern" kann. Allerdings muss dabei beachtet werden, dass "verändern" ohne Verbesserung sinnlos ist! Und wenn es "Dinge" gibt, die schlecht sind und nicht verbessert werden können, dann muss man sie abschaffen/austauschen.

Auch sollten sich Veränderungen in der Regel an den Realitäten orientieren, was nicht ausschließt, gelegentlich einer ideologischen oder gar utopischen Betrachtungsweise Raum zu geben.

In jedem Fall ist immer der Einzelfall zu betrachten und zu beachten. Auch sollten mögliche Folgen, soweit absehbar, einkalkuliert werden.

Mein "persönlicher Antrieb" ist also der Wunsch nach Verbesserung!

Bleibt gesund!

Arnold

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

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