Was ist eine geschlossene Psychiatrie?

6 Antworten

Hallo plmbm,

die Frage wann man dort eingeliefert wird, ist nicht ganz trivial
zu beantworten, da es viele verschiedene Gründe gibt, dass eine Einweisung in
die geschlossene Psychiatrie angeordnet wird. Ich versuche aber mal etwas
weiter auszuholen und etwas Licht ins Dunkle zu bringen. Vor einigen Jahren hatte ich mal einen guten Freund, der leider wegen einer psychischen Erkrankung mit akuter Selbstgefährdung in eine geschlossene Klinik eingewiesen werden musste. Das aber war für ihn eine ziemlich harte Zeit, da er dort mehr oder weniger Zwangseingewiesen werden musste und er erst entlassen wurde, als er deutliche Zeichen der Besserung aufwies.

Aber nun erst mal dazu, was eine geschlossene Psychiatrie
ist.

Eine solche geschlossene Einrichtung, früher auch
geschlossene Anstalt genannt,  ist  eine Einrichtung, in welcher die Patienten nicht ohne weiteres die Stationen, bzw. das Haus verlassen können und dürfen. Neben verschiedenen Therapien geht es natürlich darum die Patienten weitestgehend von der Außenwelt zu trennen, da ggf. eine akute Gefährdung für die Patienten selbst besteht oder auch konkret von ihnen ausgeht. In den meisten Fällen sind alle Möglichkeiten für den Patienten nach außen zu gelangen versperrt oder zumindest gesichert, sodass immer eine Kontrolle darüber besteht wer wann wo rein- oder rausgeht. Es gibt teilweise Einrichtungen die sehr an
einen Hochsicherheitstrakt erinnern, da die hier eingewiesenen Patienten eine massive Gefährdung für die Allgemeinheit darstellen und daher besonders gesichert sein müssen. Es gibt eine Einrichtung im westfälischen Lippstadt-Benninghausen.
Wenn man dort am Gelände vorbeifährt, sieht man sehr hohe Plexiglasmauern, die an der oberen Kante nach innen gebogen sind. Solche Hochsicherheitseinrichtungen sind aber mehr oder weniger die Ausnahme, da sie für wirklich schwere Fälle/Patienten gebaut wurden. Im Normalfall sind die jeweiligen Zugangsbereiche sowie Fenster gesichert, sodass die Patienten nicht ohne weiteres das Gebäude verlassen können.

Noch ein paar Worte wie dort behandelt wird..

Die Behandlungen innerhalb einer geschlossenen Psychiatrie
sind sehr unterschiedlich, da sie von Verhaltenstherapien über Kunsttherapien bis hin zur medikamentösen Behandlung reichen und somit für verschiedenste Therapieformen ausgelegt sind. Die Art und Weise der Therapie richtet sich dann natürlich nach der Erkrankung, die behandelt werden muss. Bei schwerwiegenden Fällen, können diese Einrichtungen aber auch zur Sicherungsverwahrung nach einer abgesessenen Haftstrafe dienen. Wie es bei schwiegenden Sexualstraftätern der Fall ist. Dabei leben solche Patienten dann für eine sehr sehr lange Zeit
in geschlossenen Einrichtung, da sie eine ganz massive Bedrohung für die
Allgemeinheit bedeuten und nicht ohne Risiko in freie Welt entlassen werden können. Die Dauer einer Behandlung oder besser einer Unterbringung in einer geschlossenen Psychiatrie richtet sich meistens nach dem Zustand des Patienten, bzw. dem Befund nach

Ich habe auch schon im Bekanntenkreis erlebt, dass
geschlossene Psychiatrien ebenfalls für Menschen mit Suchtproblemen verwendet werden, z.B. um einen kalten Entzug bei Heroin o.Ä. durchzuführen. Dabei können Täter dann per  Gerichtsbeschluss in eine
geschlossene Einrichtung eingewiesen werden. Zumindest dann, wenn dies Bedingung einer Strafmilderung ist. Nicht selten dann, wenn in Verbindung  mit einer Straftat Drogen missbraucht worden sind, oder der Beschuldigte unter schwerwiegenden Suchtproblemen leidet und dadurch kriminell geworden ist oder kriminelle Tätigkeiten ausgeübt hat. Wie z.B. gerade bei Beschaffungskriminalitätsdelikten.

Patienten einweisen können in der Regel nur Ärzte, ggf. mit der Zustimmung einer Erziehungsberechtigten Person. Der gesetzliche Vormund muss dann im Endeffekt darüber entscheiden, ob die Einweisung durch einen Arzt in
eine geschlossene Psychiatrie durchgeführt wird oder nicht. Anders sieht es
allerdings bei gefährdeten oder gefährlichen Personen aus. Hier kann durchaus eine Zwangseinweisung durchgeführt werden. In besonderen Fällen kann auch die Polizei Personen zwangseinweisen, wenn sie von einer akuten Bedrohung ausgeht.
Allerdings wird hierbei von der Polizei meist eine fachliche Meinung
hinzugezogen. In den meisten Fällen aber entscheidet ein Arzt über die
Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung.

Ach ja, bevor ich es vergesse: Wenn du deinen Kumpel gern
besuchen möchtest, kannst du das sicherlich tun, da das in den meisten Fällen erlaubt ist. Auch hier ist bei eher schwerwiegenden Fällen das Besuchsrecht eingeschränkt. Da kannst du dir dann auch direkt vor Ort ein Bild davon machen wie es dort aussieht und zugeht.

Du findest online sicherlich noch weitere Informationen über
die geschlossene Psychiatrie. Bei Wikipedia z.B. gibt es hierzu auch weitere
Informationen, genau wie auf einschlägigen Foren die sich mit diesem Thema
beschäftigen.

Ich hoffe ich konnte dir weiterhelfen

Hallo! 

In die geschlossene Psychiatrie kommen Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen psychisch so stark belastet sind, dass sie (vorübergehend oder dauerhaft) eine Gefahr für sich selbst oder andere darstellen. Das ist z.B. der Fall, wenn jemand einen Suizid versucht, oder auch besonders stark alkoholisiert und dadurch unberechenbar ist, genau wie im Fall einer psychischen Erkrankung, die mit beispielsweise Realitätsverlust einhergeht. 

Wenn dein Freund eine Einweisung bekommen hat, aber nicht sofort hin musste, kann es schonmal nicht allzu schlimm sein, denn dann kannst du davon ausgehen, dass er sich auch helfen lassen WILL, das ist die aller wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie!

Die meisten Patienten bekommen am Anfang Medikamente zur Beruhigung und Angstlösung, damit sie erstmal zur Ruhe kommen können. Ob dazu auch spezielle Psychopharmaka eingesetzt werden, entscheiden die Ärzte nach allen erforderlichen Untersuchungen, die bereits in den ersten wenigen Tagen stattfinden. 

Je nach individueller Problematik und Möglichkeit des Patienten werden Beschäftigungstherapien angeboten, z.B. Handarbeiten. Alle Patienten nehmen an einem geregelten Tagesablauf teil, dazu gehören gemeinsame Mahlzeiten genau wie Gruppengespräche. 

Bis der Patient bei allen Untersuchungen war und seine Medikation und Therapieplan feststehen darf er die Station nicht verlassen. Danach liegt es im Ermessen der Ärzte, ob es vertretbar ist, ihm bestimmte Ausgangszeiten zu gewähren. Das könnte zum Beispiel so aussehen: erste Woche ohne Ausgang, zweite Woche (durch Patienten, die bereits Vertrauenswürdigkeit bewiesen haben) begleiteter, täglicher Ausgang für eine Stunde auf dem Gelände, dritte Woche selbständiger Ausgang auf dem Gelände, vierte Woche begleiteter Ausgang außerhalb des Geländes. Besucher müssen sich anmelden und bekommen feste Zeiten. In die Station an sich darf kein Besucher, es gibt dafür Aufenthaltsräume, z.T. überwacht. 

Wer die Station verlassen darf bekommt auch sein Handy, das wieder abgegeben werden muss bei Ankunft. Auch andere persönliche Dinge werden vom Personal verwahrt, und nur bei Bedarf herausgegeben, wie z.B. Rasierer oder Deospray, um Unfälle zu vermeiden.

Die berühmte Gummizelle habe ich jetzt nicht entdecken können. Vielleicht gibt es die in Amerika, oder wer weiß was... Aber es gibt Patienten, die festgeschnallt werden, wenn sie auch innerhalb der Station nicht zu halten und wirklich gefährlich sind, was jedoch eher die Ausnahme darstellt, da vorher versucht wird, sie mit Medikamenten zu beruhigen.

Nach meist 6 Wochen (manchmal früher, manchmal später) sind die Patienten so weit, dass sie in eine offene Klinik überwiesen werden können. Dort werden vielfältige intensive Therapien angeboten, außerdem sind Türen nicht abgeschlossen sondern man kann die Station jederzeit verlassen. Auch Besuche sind dann einfacher und müssen nicht mit dem Personal angesprochen sein. Man hat außerdem seine persönlichen Sachen wieder bei sich. Wie lange der Aufenthalt dort dauert, wird im Vorfeld besprochen und eventuell später nach Bedarf angepasst.

Ich wünsche deinem Freund alles Gute, und dass ihm dort wirklich geholfen wird! Auch dir ganz viel Kraft, denn du stehst das ja scheinbar mit ihm gemeinsam durch.

PS

Wenn du noch Fragen hast, kannst du mir eine Freundschaftsanfrage schicken. Da ich selbst einen Aufenthalt in einer "Geschlossenen" hatte, habe ich vom Innenleben mehr mitbekommen als mir lieb ist 😉

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Üblicherweise haben Psychiatrische Krankenhäuser auch eine oder mehrere "geschlossene" Abteilungen, komplett geschlossene Psychiatrien sind wahrscheinlich die Ausnahme. Umgangssprachlich wird da aber häufig nicht differenziert, sondern pauschal von der Einweisung in die "geschlossene Psychiatrie" gesprochen.

Bei diesen Krankenhäusern handelt es sich vom Aufbau erst mal um ganz "normale" Krankenhäuser mit Stationen, Pflegepersonal, Ärzten, Einzel- und Doppelzimmern und allem drum und dran. Bei den geschlossenen Stationen sind allerdings bauliche Sicherungen installiert, die auf den ersten Blick gar nicht immer so auffällig sein müssen: Stationstüren sind zum Beispiel standardmäßig abgeschlossen, Fenster wenn überhaupt nicht mehr als einen Spalt breit zu öffnen, in den Stationen gibt es Schleusentüren an Durchgängen, die bei Bedarf automatisch zufallen. Zudem ist das Pflegepersonal speziell geschult, um körperlichen Übergriffen besser Herr zu werden. Regelmäßig wird mindestens ein männlicher Pfleger anwesend sein müssen.

Dazu gibt es je nach Auslegung der Klinik mehrere Intensivüberwachungszimmer oder auch die sogenannten Gummizellen. Die kommen aber genau wie die Fixierung (Fesselung) von Patienten bei weitem nicht so oft zur Anwendung, wie gemeinhin angenommen wird, weil die Patienten normalerweise sehr schnell mit allen möglichen Sedativa ruhiggestellt werden.

Die Behandlung läuft wie in jedem Krankenhaus sehr krankheitsspezifisch ab. Üblicherweise wird aber jedem Patienten ein Zimmer zugewiesen und man versucht ihn durch einen festen Tagesablauf mit Mahlzeiten, Arztvisite, Therapieangeboten (z.B. Gesprächs- und Verhaltenstherapien) und Freizeitaktivitäten zu stabilisieren. Parallel dazu wird in den meisten Fällen eine Medikation eingestellt, deren Wirkung durch das ärztliche und Pflegepersonal im Stationsalltag beobachtet wird. Sobald das stabil ist, kann er entweder wieder entlassen oder zumindest in eine offene Station verlegt werden. Je nachdem, inwieweit der Patient eine Selbst- oder Fremdgefährdung darstellt, kann ein Patient nicht nur Besuch empfangen, sondern auch selber Ausgang bekommen (Spaziergänge, Einkäufe oder auch mal übers Wochenende).

Wenn dein Freund jetzt noch "normal" im Alltag lebt, scheint er im Rahmen dessen, was in psychiatrischen Krankenhäusern behandelt wird, eher ein leichterer Fall zu sein. Ein Aufenthalt in der Gummizelle dürfte dann ziemlich unwahrscheinlich sein, die Besuchs- und Ausgangsregelungen eher locker sein.

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