Was ist eine Frau und was ist ein Mann?

8 Antworten

Die biologisch-medizinschen Merkmale (im Englischen "sex") sind relativ klar, wobei sich neben den beiden Typen "Mann" und "Frau" auch in der Biologie (Hormonhaushalt, Ausprägung von Geschlechtsorganen etc.) nicht-eindeutige Ausprägungen finden lassen.

In sozialer Hinsicht (im Englischen "gender") scheinen zwar die meisten Menschen dem biologisch-medizinischen Befund zu entsprechen, doch zeigen Beobachtungen aus den unterschiedlichsten Quellen (Völkerkunde, Sexualwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Psychologie), dass dies bei weitem nicht immer so ist bzw. nicht automatisch so sein muss.

Geschlechterrollen haben sich vor allem in den sogenannten westlichen Gesellschaften in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert. Als Beispiel will ich da nur die neue Rolle der Väter nennen: Vor allem die jüngeren gehen heute ganz anders mit ihren Kindern um, als das noch bis in die 1980er üblich und vorstellbar war.

Moderne ökonomische und soziale Verhältnisse erlauben es Menschen jeglicher biologischer Ausprägung, sich jenseits der Gender-Stereotypen zu entfalten. Das führt bei vielen Menschen einfach zu einer Ausweitung von Selbstverständnis und Handlungsmöglichkeiten, bei einigen aber auch zu der Erkenntnis, eigentlich in keiner der beiden klassischen Rollen zuhause zu sein - eine Gruppe, die mit dem Namen "non-binär" nicht sehr elegant bezeichnet wird (eine Negation ist nie eine gute Basis zur Selbstfindung).

 naturwissenschaftlicher (biologischer),

Begriffe (bzw Wörter) sind keine Naturkonstanten. Was man unter "biologisches Geschlecht" versteht, entscheiden Menschen und nicht Wissenschaft.

Sich in Politik und Gesellschaft auf ein "biologisches Geschlecht" und Wissenschaft zu berufen, ist Missbrauch der Wissenschaft:

The misuses of “biological sex”
Debates about sex are often framed falsely as scientific versus cultural arguments, whereby the former by virtue of being grounded in biology are seen as tied to nature and thus truth, whereas the latter are seen as hectoring from a postmodern gender La La Land.

https://www.researchgate.net/publication/337438023_The_Misuses_of_Biological_Sex

Konsens in der Wissenschaft: Sex (Geschlecht) ist ein Spektrum bzw eine Bandbreite. Mit männlich und weiblich an den Rändern:

Yet the broad scientific consensus now looks different: Sex is a spectrum. If you want to stick with the picture, man and woman are at opposite ends, but there's a lot going on in between.

https://www.dw.com/en/why-sex-and-gender-arent-binary-issues/a-57062033

Die Fachzeitschrift nature meint: Sex (Geschlecht) ist komplexer als nur männlich und weiblich. Und Gender ist ein Spektrum:

The research and medical community now sees sex as more complex than male and female, and gender as a spectrum that includes transgender people and those who identify as neither male nor female.

https://www.nature.com/articles/d41586-018-07238-8

Gender und Sex sind nicht völlig getrennt, da Biologie (zB Hormone) die Gender-Identität beeinflussen:

How Early Hormones Shape Gender Development

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4681519/

Zur nature:

Nature war im Jahr 2014 die weltweit am meisten zitierte interdisziplinäre Fachzeitschrift entsprechend den Journal Citation Reports sowie die Zeitschrift mit dem höchsten Impact Factor in ihrer Kategorie.[3] Sie ist neben der US-amerikanischen Science die weltweit angesehenste Zeitschrift für Naturwissenschaften.

https://de.wikipedia.org/wiki/Nature

Und mit Gender ist auch Gender Expression (Geschlechterrollen) verbunden: diese sind abhängig von der jeweiligen Zeit und Kultur.

Eine scharfe und eindeutige Trennung bzw Definition ist nicht möglich.

Nur weil jemand " naturwissenschaftlicher Konsens" schreibt, ist das nicht unbedingt der naturwissenschaftliche Konsens. Nach biologischer Definition ist das Geschlecht die Unterscheidung der Organismen nach Art der Gameten die man zur Fortpflanzung produziert. Zur Fortpflanzung kannst du Eizellen oder Spermien produzieren. Das sind Exakt 2. Gerne kannst du eine weitere Art der Gameten aus dem "Spektrum" nennen, aber soweit ich weiss, gibt es gibt keine 3/4 Spermie und 1/4 Eizellen und was auch immer dieses "Spektrum" sein soll.

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@StanDard1
Nur weil jemand

dieser jemand zählt zu den wichtigsten wissenschaftlichen Fachzeitschriften.

nature habe ich bereits verlinkt. Hier The Lancet:

The Lancet (zu Deutsch „Die Lanzette“) ist eine der ältesten und renommiertesten medizinischen Fachzeitschriften der Welt, die ein Peer-Review einsetzen

https://de.wikipedia.org/wiki/The_Lancet

Yet the broad scientific consensus now looks different: Sex is a spectrum. If you want to stick with the picture, man and woman are at opposite ends, but there's a lot going on in between.

https://www.dw.com/en/why-sex-and-gender-arent-binary-issues/a-57062033

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@StanDard1
 Zur Fortpflanzung

Aber darauf (human reproduction) wird Sex (Geschlecht) nicht reduziert:

Furthermore, despite the binary that is suggested by human reproduction, both sex and gender are fluid.
Variations in chromosomes, hormone levels, and reproductive organs result in more than 2 sexes, reflecting complex processes of sex development across multiple levels, and suggesting that sex itself is culturally constructed.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3786754/

Consequently, the binary division in male and female sex has been called into question and a more fluid understanding of sex has been proposed.
Some of the major textbooks teach anatomy, particularly of the urogenital system, as a male-female binary.
Anatomical sciences curricula need to adopt a more current approach to sex including the introduction of the category of "intersex"/"differences in sexual development" and present sex as a continuum rather than two sharply divided sets of characteristics.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32735387/

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Es gibt 2 Geschlechter, die durch die Geschlechtschromosomen und ausgebildete Geschlechtsorgane definiert sind. Dazwischen gibt es Menschen, bei denen erblich oder in der Entwicklung etwas nicht nach Plan lief, die z.B. 3 Geschlechtschromosomen haben oder Geschlechtsorgane beider Geschlechter oder unvollständige Geschlechtsorgane besitzen. Medizinisch betrachtet sind das Krankheitsbilder. Im täglichen Leben müssen sie nicht nachteilig sein.

Alles andere sollte als das behandelt werden, was es ist: Eine sexuelle Orientierung und eine Orientierung hin zu einem Lebensstil. Beides sind fest verankerte Persönlichkeitsmerkmale, die frei ausgelebt werden müssen. Zwangsweise Einschränkungen sind kontinuierliche Folter und menschenrechtswidrig. Das ändert aber nichts am Geschlecht.

Statt einfach frei zu leben und zu lieben und sich zu kleiden und sich zu verhalten wie man will, werden mal wieder Schubladen gebaut, um Menschen hineinzustecken. Der Regenbogen ist nicht mehr bunt, man jede Farbe in ihre eigene Schublade steckt. Das ist genauso grober Unfug wie die alten Schubladen der klassischen Geschlechterrollen. Statt immer neue Schubladen zu bauen, sollte man sie alle abschaffen. Das Geschlecht steht im Personalausweis, dafür reichen 2 Geschlechter. Die Lebensführung sollte davon aber nicht vorbestimmt werden und niemand sollte wegen seiner Lebensführung benachteiligt werden.

Wer baut schubladen und hält andere davon ab, sich so zu kleiden und zu verhalten wie derjenige möchte?

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Wer biologisch männlich oder weiblich ist, darüber gibt es nichts zu diskutieren.

Für uns Menschen ist Geschlecht aber deutlich mehr als nur das biologische. Es ist ein fester Bestandteil unserer Identität, unserem Verhalten und zwischenmenschlicher Interaktion. Daran, dass Transsexuelle Menschen erfolgreich mit dem Geschlecht leben können, mit dem sie sich identifizieren, indem sie ganz sie selbst sind, erkennt man deutlich: biologisches Geschlecht und Geschlechtsidentität müssen einander nicht entsprechen.

Womit man sich identifiziert, das ist nichts was man sich aussuchen oder ändern kann. Es ist genau so wie eine sexuelle Orientierung ein eindeutiges Gefühl, dass von außen nicht nachzuweisen ist (außer indem man misst wann jemand sich wohl fühlt oder erregt ist).
Nur weil Personen, die nicht trans sind, es sich nicht vorstellen können, heißt es nicht, dass diese eindeutige, nicht änderbare Identität nicht existieren würde.

Genetische Sicht:

Frau: XX

Mann: XY

Es gibt ein paar vereinzelte Anomalien bei den Gonosomen, diese bilden jedoch nicht die Regel.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Biologie Selbststudium (2018- )

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