Was ist ein struktureller Begriff (Soziologie)?

...komplette Frage anzeigen

1 Antwort

N´Abend. Deine Notlage kann ich gut verstehen, denn ein Kennzeichen des, ich möchte es mal "modernen" soziologisch-psychologisch-pädagogischen Komplex nennen,- also dieser "Industrie zur Entwicklung humanpolitischer Steuerungsmodelle" entwächst zunehmend ein absurdes "Wortgeklingel" mit dem sie die Kontrollphantasien und -wünsche einer ökonomisierten Welt und
"Drehbuch-Eliten" bedienen, als ein System, dass nicht an Ursachenbeseitigungen durch Analyse von Zusammenhängen (außer in Außenseitertheorien) sondern an Steuerung und Kontrolle interessiert ist.

Damit aber verar .... en sie nicht nur die Menschen über die sie reden und die sie vorgeben zu ihrem Nutzen verstehen zu wollen sondern auch letztlich ihre Auftraggeber - ähnlich wie die "Flipchart-Wirtschaftsberater" mit ihren Windows-Clipart-Grafik-Posing - Seminaren.

Jetzt will ich dich aber nicht mit dieser scharfen Kritik "im Regen stehen" lassen.

Was ich damit sagen will: Traue dir selber logisch-analytisches Denken zu. Gehe nicht vor jedem angeblichen Wissenschaftbegriff von angeblich wissenschaftlicher Herkunft in die Knie. - Kritisiere als erstes in der Prüfung diesen Begriff als unscharf. Setze deine Analyse darauf - aber tu was für deine Analyse - suche dir klare systematische Beschreibungen zu diesem Begriff. -

Grundsätzlich gilt, dass eine "Lebenslage" ein individuell-situativ verdichtetes Konglomerat oder Aggregat von Wechselwirkungen als Funktionen zwischen mikro- wie makrosozialen, ökonomischen, individual- wie sozialpsychologischen und auch gesellschaftspolitischer Gesamtverfassung über handlungsleitende Motivsetzungen ist bezogen auf individuelle Wahrnehmungsstrukturen und deren individuelle Verarbeitungsmuster.

Die Frage ist letztlich also, ob eine Kongruenz zwischen "offizieller" und individueller Beschreibung als qualitative Definition der "Lebenslage" im Sinne eines Nachweises zu einer Wechselwirkung der o. g. Faktoren im Sinne einer mathematischen Funktion überhaupt dargestellt werden kann - der Mensch also z.B. immer zwangsläufig auf dieselbe Art mit Armut umgeht oder ob nicht auch die Begrenzung der Verhaltensmöglichkeiten (die Größe des Käfigs) hier nicht auch eine Rolle spielt - soll heißen: Entfaltungsmöglichkeiten als Anzahl der Ausweich- oder Gestaltungsmöglichkeiten unabhängig von der "situativen Lebenslage". Damit wäre z. B. der Begriff "Lebenslage" als operativer Begriff einer Sozialwissenschaft im Sinne einer objektiven Messung funktionaler Zusammenhännge der o. g. Parameter / Kriterien völlig unbrauchbar.

Was also soll dann dieser Begriff wenn man über diesen letztlich ohnehin wieder in einer politisch-ethischen Frage der Gerechtigkeit als Chancengleichheit landet?! Aber da beißt sich die Katze in den Schwanz denn bei Chancengleichheit bräuchte man nicht mehr über "Lebenslagen" sprechen und bei chancengleichen Lebenslagen maximal nur noch über individualpsychologische Merkmale und ihre Auswirkungen  aber nicht über Soziologie.

Bereits einer der größten Vertreter der Soziologie - Niklas Luhmann - war eher Philosoph (mit soziologischem Schwerpunkt) und hatte zunehmend große Zweifel an der Soziologie als eine eigenständige Wissenschaft. Wer in der Soziologie nach (grundlegenden) Antworten sucht landet sowieso zu guter letzt in der Philosophie.

"Lebenslage" ist also wissenschaftlich gesehen überhaupt kein operationabler Begriff - außer man geht von "maschinellen" Funktionszusammenhängen aus. Spannender ist die Frage der "Freiheitsgrade eines Systems", Entscheidungen über (Selbst-) Entwicklungen treffen zu können. Das bestimmt auch über psychopathologische Entwicklungen - nicht die "Lebenslage" an sich.

Gruß

Grautvornix16 14.02.2017, 19:52

PS: Ein >Struktureller Begriff< ist ein Begriff, der systemrelevant in dem Sinne ist als das er seine Funktion im Rahmen von Funktionszusammenhängen eines Systems eindeutig beschreiben kann - im Sinne von >Strukturbildend / -beeinflussend<. Das ist der Begriff "Lebenslage" nicht. Der ist ein soziopolitisches "Konstrukt", sonst nix.

Ein Gegenbeispiel für einen tatsächlich >strukturellen Begriff< in diesem Sinne wäre z. B. >Gerechtigkeit< oder >Menschenwürde< oder >Solidarität< oder >Emanzipation< oder >Partizipation< u. v. a. - oder aber auch ein Meta-Begriff für die interpretative Umsetzung dieser Begriffe in einer Gesellschaft wie z. B. >Menschenwürde< oder >Grundgesetz<. ;-)

0

Was möchtest Du wissen?