was ist ein freund? (philosophisch)

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Christian Morgenstern hat das meiner Meinung nach sehr treffend ausgedrückt:

Ich lobe mir den Freund,

der wachsen macht;

vor trocknen Seelen

nimm dich, Herz, in acht."

Tausend Dank für die Auszeichnung!

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Aristoteles hat in seiner Nikomachischen Ethik ein ganzes Kapitel über die Freundschaft geschrieben. Was er dort notiert hat, kann man auch heute noch als verbindlich ansehen. Er schreibt hier auch viel darüber, in welcher Hinsicht Menschen ähnlich sein sollten, damit eine Freundschaft möglich ist. So sind z.B. extreme Bildungsunterschiede oder große Unterschiede in der Vermögenslage eher hinderlich. Ein sehr wichtiges Kriterium ist der Wunsch, dass es dem Freund gut geht, dass man möchte, dass er ein gutes Leben führen kann. Sicher sollen diese Dinge wechselseitig sein, doch jeder muss primär darauf achten, dass er dem anderen das Leben bereichert. Aristoteles bringt auch viele Hinweise auf Dinge, die eine Freundschaft belasten oder zerstören, was auch heute noch überaus beherzigenswert ist. Ich habe im Philosophieseminar eine Hausarbeit über die Freundschaft bei Aristoteles geschrieben. Falls Du sie haben möchtest, so schreib mir eine mail (rolfmengert@web.de).

Der französische Philosoph Michel de Montaigne (1533-1592) geht in seinen Essays unter dem Titel "Von der Freundschaft" den Tugenden und Schwächen der Menschen nach. Er definiert Freundschaft und Zuneigung als Ergebnisse des freien Willens des Menschen, der diese beiden "Schönheiten" im Leben als Aufgabe erhält, um sie zu lösen/ an ihnen zu wachsen und sich seine Menschlichkeit zu beweisen. Seine Denkweise ist naturgemäß geprägt durch den Geist der Renaissance. Cicero erörtert in seinem Dialog 'Laelius' , was eine rechte Freundschaft ausmacht ("Gespräche über Freundschaft"). Er betont die Kostbarkeit einer Freundschaft gegenüber einer Verwandtschaft - sie kann fruchtbarer sein, tiefer gehen, da sie das Gegenüber "aussucht", gewollt hat.

Die Liste lässt sich beliebig fortführen - (wenn Du sie wirklich verstehen willst, musst Du sie aber fühlen/erleben und nicht darüber lesen). Dennoch: Gib einfach mal "Essays" und "Über Freundschaft" in einer Suchmaschine ein. Kaum ein Philosoph hat sich diesem wichtigen Thema nicht angenommen. Neben Liebe und Tod gilt die Freundschaft als eines der universellen Themen, denen sich auch Aristoteles eingehend widmete. Aristoteles Ideal der Freundschaft verwischt sich allerdings mit der Definition der Liebe - er fordert für die Freundschaft eine "gemeinsame Seele" in zwei Körpern - heute noch bekannt ist diese Überlegung im Ausdruck der "Seelenverwandtschaft". Sehr wenige Menschen haben das große Glück in ihrem Leben einen Seelenverwandten zu finden - aber man sollte doch nicht aufhören davon zu träumen, einen solchen Menschen zu finden.

Wollte man in wenigen Sätzen den Kern beschreiben, den alle Denker in ihren Essays nennen könnte man sagen: Ein Freund ist jemand, der Dich kennt und versteht und Dich (dennoch) oder gerade auch Deiner Fehler willen annimmt und verteidigt - auch dann, wenn alle anderen Dich verlassen. Wie auch in der Liebe könnte man sie "messen" an der Bereitschaft des gegenseitigen Verzeihens - eine "gute" Freundschaft zerbricht nicht. Wichtig jedoch ist auch der gegenseitige Respekt und eine Art Bewunderung - und diese aufrechtzuerhalten, auch wenn man die Fehler des Freundes kennt.

Noch ein Zitat der Autorin Marie von Ebner-Eschenbach: "Dauernde Freundschaft kann nur zwischen Menschen mit gleichem Wert bestehen."

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