Was ist eigentlich politisch Links?

...komplette Frage anzeigen

7 Antworten

Dass die Ereignisse von Hamburg von der politischen Rechten benutzt werden, um erstens die Linke zu diskreditieren und zweitens den Protest von Zehntausenden, alleine 76.000 protestierten am Samstag friedlich, weitestgehend totzuschweigen, sollte eigentlich klar sein.

Und wenn rechte Saubratzen von linker Saubande reden, von mehr Polizei mit mehr Befugnissen (Einschränkungen bürgerlicher Freiheiten) und mehr und martialischerer Ausrüstung dann weiß man, wem diese Krawalle zumindest gelegen kommen.

Politisch links sind alle emanzipatorischen Bewegungen und Positionen, wobei der Lackmustest immer die soziale Positionierung ist und die Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft samt ihrer Produktionsweise und ihrer systemimmanenten Ungerechtigkeit. Daraus resultiert auch die Forderung nach Systemänderung.

Linke, die sich an systemkompatiblen Emanzipationsbestrebungen abarbeiten, ohne das System grundsätzlich infrage zu stellen, sind eher Reformisten, die auf ihrem historischen Marsch von links nach rechts im kapitalistisch-bürgerlichen Konsens angekommen sind und die soziale Frage für nicht mehr relevant halten.

Das freut natürlich die Rechten, die sich selbst als Mitte bezeichnen und alles als linksextrem, was die soziale Frage noch auf der Agenda hat.

Die Randalierer von Hamburg sind politisch irrelevant und keine Bedrohung für den bürgerlichen Verfassungsstaat. In ihrem dummen Gewaltaktionismus betreiben sie eher das Geschäft ihrer politischen Gegner. Inwiefern ein Teil von denen überhaupt politisch motiviert waren, ist nicht klar. So haben Bewohner des Schanzenviertels die Plünderer des Drogeriemarktes als "wie Fußballhooligans aussehend" beschrieben und es soll sogar ein Hitlergruß gesehen worden sein. Dass hier auch erlebnis- und gewaltorientierte Trittbrettfahrer am Werk waren, kann schwerlich bestritten werden.

Was speziell die Ereignisse von Hamburg betrifft, so muss man natürlich auch sagen, dass eine polizeiliche Deeskalationsstrategie hilfreich gewesen wäre und die bewusste Eskalation und Provokation der Polizei im Vorfeld und während der Ereignisse ihren Teil dazu beitrugen. Dass das seitens der Polizei kein Fehler war, sondern bewusst kalkuliertes Verhalten, liegt auf der Hand.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von PeVau
14.07.2017, 10:13

Danke für den Stern!

0

Die Bezeichnungen links und rechts kommen zwar aus der Sitzordnung in Parlamenten, aber der zugrundeliegende Gegensatz ist viel älter oder sogar zeitlos.

Vor etwa 2500 Jahren schon schrieb der chinesische Philosoph Laotse :

"Des Himmels Weg, wie gleicht er dem Bogenspannen!
Was hoch ist, wird niedergedrückt;
Was tief ist, nach oben gezogen;
Was zu viel ist, wird vermindert;
Was unzureichend,wird aufgewogen. 

So auch des Himmels Weg:
Er mindert das, was zu viel, und
wiegt auf, was unzureichend ist.

Doch der Menschen Weg ist anders:
Sie mindern die, bei denen es nicht reicht,
um es darzubringen denen, die zu viel haben."

(Tao-te-King Kapitel 77)

Links ist "des Himmels Weg", der Ausgleich zwischen zu viel und zu wenig, rechts ist "der Menschen Weg" , das Anhäufen und Sichern von Macht, Reichtum und Privilegien.

Aus Sicht der Kybernetik ist "links" der Regelkreis, der durch negative Rückkopplung geprägt ist. "Rechts" ist die positive Rückkopplung (Wer hat, der kriegt) mit exponentieller Entwicklung gegen Unendlich oder Null. Das wird auch Teufelskreis genannt.

Linke betonen die Gleichwertigkeit von Menschen, Rechte die Rangunterschiede. Linke Motivation kommt aus Verbundenheit und Mitgefühl, rechte aus konkurrierendem Vergleich mit Anderen.

"Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan" sagte vor etwa 2000 Jahren ein linker jüdischer Wanderprediger. Dennoch entwickelten sich aus seiner Anhängerschar im Laufe von Jahrhunderten eher rechte Organisationen, denen die Erhaltung ihrer Macht das wichtigste Anliegen war.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Treueste
11.07.2017, 13:52

Es sollte auch Sterne von anderen Usern geben dürfen.

Hier sind einmal einige:  **************  :-)

6

Das hast du schon richtig erkannt. Viele werden links eingestuft, die aber eigentlich das Gegenteil sind.
Beispielsweise die Liberalen werden häufig zu den linken geworfen, da sie auch gegen eine Herrschaft sind.
Da sie aber mehr wert auf Freiheit als auf Gerechtigkeit legen, sind Sie eigentlich sogar rechts.
Nur eben nicht rechts konservativ, wie NPD, AfD oder (in schwacher Form ) CSU
Sondern eher rechts fortschrittlich, wie zum Beispiel dir FDP.

Diese "Linksextremisten" sind meistens auch eher Liberale, die mit der Existenz einer Herrschaft ein Problem haben und nich die "Linken" die mit den Taten der Herrschaft unzufrieden sind.

Also Links zu sein heißt für soziale Gerechtigkeit zu stehen.
Das Ultimatum in diese Richtung wäre die absolute Gleichheit.

Viele Linke orientieren sich aber auch an Karl Marx.
Dieser war jedoch nicht nur links (Klassenlose Gesellschaft)
sondern auch rechts (Herrschaftsfreie Gesellschaft)

Marx Lehre ist also das Ultimative Zentrum.

Das wissen nur viele nicht und verwechseln den Kommunismus mit dem Sozialismus, was die Ultimative Linke wäre.

Deshalb gibt es dort begrifflich so viele Unstimmigkeiten.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Links bist du immer dann, wenn du mehr wert darauf legst, dass alle Menschen möglichst gleich viel haben, als dass jeder einzelne für die seine Leistung belohnt wird. Links opfert dadurch einen Teil der Wirtschaftsleistung zugunsten der Gerechtigkeit. 

Extrem wird es dann, wenn jemand aus der aktuellen Differenz seiner Vorstellungen zur Realität, zu dem Schluss kommt, dass er das System, den Staat und unsere Ordnung nicht mehr anerkennt und mit Mitteln gegen diese vorgehen möchte, die sich mit unserer Ordnung nicht vereinbaren lassen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Das in Hamburg waren keine linken denn links steht für Freiheit Demokratie und dafür das alle Lebewesen gleich viel Wert sind. Links bedeutet aber nicht "ich lauf mit meinen Minieiern durch Hamburg und latsch alles kaputt. Das sind für mich keine linken sondern bekloppte.

Und selbst wenn die gegen die Politik in Deutschland sind bin ich persönlich auch was ändert es denn wenn man "u u" brüllt und den Fußweg kaputt macht (ja das ist wirklich auf einigen Aufnahmen) oder irgendwelche Autos kaputt machen oder Läden plündern

Die haben eigentlich nur ein was erreicht nämlich das sich keiner mehr für die interessiert die friedlich demonstriert haben und die praktich in der versenkung verschwinden.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

sozialdemokraten haben rein garnichts mit links, mit den Linken zu tun, das wäre eine grobe Beleidigung. Links ist, wer Gegner des Kapitalismus, Gegner der bürgerlichen Gesellschaft ist. All das wollen Linke abschaffen. sozialdemokraten wollen all das hingegen konservieren, vielmehr den Arbeitern Sand in die Augen streuen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

der Audruck entstammt, historisch, der Zeit der französischen Revolution, und zwar der Sitzverteilung in der Nationalversammlung: links sassen die Jacobiner, die Revolutionäre, Aufklärer, Antiklerikalen. Rechts sassen die Konservativen, die Monarchisten, die Kirchenvertreter und die Vertreter des grundbesitzenden Landadels.

In der späteren Traditition bezeichnete man dann Sozialisten, Sozialdemokraten und Kommunisten als Linke, und etwa in Weimar, das katholische Zentrum, die Deutschnationalen, und all die bürgerlichen Parteien und Vertreter der Junker, der Monarchisten, die Reichswehrlobby, alle staatstragenden als Rechte. Interessanterweise verstanden sich die National-Sozialisten ebenfalls als Linke:
„Der Idee der NSDAP entsprechend sind wir
die deutsche Linke (…). Nichts ist uns verhasster als der
rechtsstehende, nationale Besitzbürgerblock.“ Joseph Goebbels, 1931, in:
„Der Angriff“, Gauzeitung der Berliner NSDAP.

In der Gegenwart, im System Merkel, findet allerdings eine nahezu babylonische Sprachverwirrung statt. Hier geben die Regierungsparteien Parolen aus wie "Kampf gegen Rechts", womit sie nicht nur völlig absurde Feindbilder konstruieren, sondern vor allem suggerieren wollen, sie selbst seien links und somit "die Guten".

Wären diese "Kämpfer gegen Rechts"" wirklich Linke, müssten sie doch gegen ihr eigenes System, gegen ihre eigene Herrschaft Steine werfen und danach trachten, dieses System Merkel mit der Abrissbirne zu zertrümmern.

Aber sie tun ja gerade das Gegenteil: zum Zweck des eigenen Machterhalts instrumentalisieren sie sogar Linksautonome und Antifa, überlassen ihnen die schmutzige Arbeit im Kampf gegen die einzige relevante Opposition gegen das System Merkel (siehe Ralf Steger SPD auf facebook:" Man muß das Personal deer Rechten persönlich atackieren". Auf Kommunalebene werden ebenfalls, da wo bunt regiert wird, linksautonome und Antifa "Projekte" aus Steuermitteln gesponsert, sofern sie individuellen Terror, Demos, Sitzblockaden, Verhinderungen von AfD-Veranstaltungen zum Ziel haben etc

In der Gegenwart werden viele ehedem linke oder liberale Positionen und Forderungen längst von der AfD besetzt, während sogenannte Linke sich inzwischen zu staatstragenden, systemerhaltenden Jubelbürgern gemausert haben mit keinerlei Berührungsängsten vor pogromartigen Maßnahmen gegen sogenannte Staatfeinde und Denkabweichler.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von lifefree
10.07.2017, 18:05

Hallo, m.E. vergißt Du die Mitte, zu der zumindest die großen Parteien gehören wollen.Der Kampf gegen Rechts meint i.d.R. gegen Rechtsextrem, ebenso gilt ein Kampf gegen Links als Kampf gegen Linksextrem.Mit zunehmenden Alter und Besitz und etwas Weisheit, wollen die Meisten nicht mehr politisch Extrem sein, da dies meist das Privileg  der Jugend ist ,spätpubertär,mit idealistischen Vorstellungen, bei der Suche nach sich selber ,mit theoretischen Feindbildern.Denn wer von den älteren (ehemaligen)Linken möchte sich von politischen jungen  Wirrköpfen sein Auto , sein Haus zerstören lassen?Da heißt es Kante zeigen , notfalls mit berechtigter Rechts-Gewalt.Und für Notwehr in diesen Fällen hätte ich vollstes Verständnis.

0

Was möchtest Du wissen?