Was ist eigentlich ein Psychopath?

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1 Antwort

Der Begriff "Psychopath" wird in der Alltagssprache sehr grosszügig gebraucht.

In der Diskussion über "Psychopathie" ist es notwendig, jeweils zu
klären, ob damit der Krankheitsbegriff gemeint ist, wie ihn die Medizin
verwendet (z.B. entsprechend ICD 10) oder ein breiter gefasster Begriff, wo es
um "das Böse in der Gesellschaft" (Ponerologie; damit v.a. verbunden
der polnische Psychiater Andrzej M. Lobaczewski) geht. Sonst redet man
aneinander vorbei.

Das für unser Gesundheitssystem verwendete Klassifizierungssystem ICD-10 spricht von einer "dissozialen Persönlichkeitsstörung".

F60.2 Dissoziale Persönlichkeitsstörung

Zitat: 
Eine Persönlichkeitsstörung, die durch eine Missachtung sozialer 
Verpflichtungen und herzloses Unbeteiligtsein an Gefühlen für andere 
gekennzeichnet ist. Zwischen dem Verhalten und den herrschenden sozialen
Normen besteht eine erhebliche Diskrepanz. Das Verhalten erscheint 
durch nachteilige Erlebnisse, einschließlich Bestrafung, nicht 
änderungsfähig. Es besteht eine geringe Frustrationstoleranz und eine 
niedrige Schwelle für aggressives, auch gewalttätiges Verhalten, eine 
Neigung, andere zu beschuldigen oder vordergründige Rationalisierungen 
für das Verhalten anzubieten, durch das der betreffende Patient in einen
Konflikt mit der Gesellschaft geraten ist.  (Zitat Ende)

Für die Diagnose ist aber noch zu prüfen, ob nicht z.B. andere Störungen vorliegen (z.B. emotional-instabile Persönlichkeitsstörung, Substanzabhängigkeiten), die durch ihre Symptomatik fälschlich den Eindruck einer dissoziale Störung machen können. Dazu bedarf es fachlicher Kompetenz und Befugnis.

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