Was ist eigentlich aus Glasnost geworden?

5 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Speziell über diese Übergangszeit unter Jelzin ist bei uns viel zu wenig bekannt. Der Mann ist ja eingentlich erst hochgekommen, als der Putschversuch gegen Gorbatschow misslang.

Die gutgemeinte Auflösung der Staatsbetriebe und deren geplante Streuung als Aktion unter die russische Bevölkerung, hat aber überhaupt nicht funktioniert, was aber absehbar war. Stattdessen hat sich eine Art Raubtierkapitalmus mit Oligarchentum in Russland entwickelt. Nur der alte Geheimdienst und das Militär sind geblieben und dienen dort heute den mafiosen Oligarchen unter Putin und Lukaschenko.

Glasnost hat der Sowjetdiktatur den Todesstoß versetzt. Vorher war es nicht erlaubt Mängel anzusprechen und so konnte man in der Prawda und allen anderen gleich geschalteten Blättern immer nur Lobhudeleien und Erfolge des Sozialismus lesen. Jeder wusste über diese Lügen bescheid und niemand regte sich darüber auf. Denn wer es wagte die Lügen beim Namen zu nennen, der verschwand für Jahre hinter Gittern. Mit Glasnost änderte sich plötzlich alles. Mit einem mal wurde massiv über die Missstände berichtet. Das ließ die aktuelle Kriese noch sehr viel größer erscheinen als sie war. Zudem verloren die Menschen die Angst. Plötzlich konnten sie alles ansprechen, ohne dass sie dafür weg gesperrt wurden. Diese kurze Zeit der Freiheit reichte aus, die Sowjetunion zu zerstören. Sie fiel auseinander und die Reste ließen sich nicht mehr zusammen fügen. Unter Putin und Lukaschenko wurde die Pressefreiheit dann sehr schnell wieder eingeschränkt. In Russland und Weißrussland gibt es heute keine freie Presse mehr. Sie ist nur noch frei wenn die das schreibt was die beiden Regierungen lesen wollen. Schreiben die Journalisten etwas anderes, dann werden die Räume ihrer Zeitungen "durchsucht". Dabei werden dann die Computer beschlagnahmt und mitgenommen. So werden die unbequemen Journalisten mundtot gemacht. Vielleicht können sie es sich ja leisten, neue Technik anzuschaffen, aber wenn die Räume immer wieder durchsucht werden und die Technik immer wieder beschlagnahmt wird, dann ist irgendwann kein Geld mehr da und dann haben die Leute nur noch die Wahl sich zu fügen oder aufzugeben.

Niemand sollte die Presse dort mit unserer freien Presse vergleichen. Denn unsere Presse ist keine Staatspropaganda.

Nichts wurde aus diesem Blütentraum.

Es reichte das Wort und der Ostblock ging unter.
Nur war das nicht der Vater des Gedankens.

Wollte Jelzin keine Offenheit. Wenn man z.b. an die Kursk 2001 oder Giftanschläge der früheren Vergangenheit.

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@mariusebeling78

Gleich was Jelzin dachte, oder Putin da wirken andere Einflüsse mit.

Es gab wohl die Story, als Jelzin mit Kohl zusammentraf, an einem Eisloch.
Jelzin sagte: "so sind wir Russen, wir baden auch im Winter".

Kohl soll wohl in das Loch gesprungen sein.
Jelzin meinte, "ooch nö, ist mir zu kalt".

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Russland heute, was immer noch vom Jelzin-Nachfolger Wladimir Putin regiert wird wirkt aber nicht so als ob es eine freie Presse gibt.

Darauf kommst du wie?

Bei der Presse speziell in Russland halte ich mich eher zurückhaltend, da es mir nicht zusteht, die Lage richtig beschreiben/analysieren zu können, da ich dort nicht wohne und zweitens die Informationen/Aussagen über die russische Presse meistens nur durch unsere Presse erfolgt. Viele sind jedoch in Bezug auf Russland negativ eingestellt, dies erschwert weiterhin eine objektive Beurteilung.

Was aber ein Gedankenaustoß wäre: Wäre es mit der russischen Presse wirklich so schlimm (unter der Gürtellinie), dann würde es ja auch keine Medien in privater Hand geben oder gar kritische Medien? Gibt man bestimmte Themen auf russisch ein, kann man auch Webseiten mit kritischen Themen zu Russland auf russisch finden. Diese vertreten eine andere Meinung, sind jedoch unterpräsentiert, vergleichbar wie in Deutschland.

Wieso soll es auf einmal keine freie Presse in Russland geben, ist sie doch privat, mithin auch nicht viel anders als die hiesige, wozu natürlich auch Lügen, Verzerrungen, Unterlassungen, Aufbauschungen usw. gehören. So funktioniert nun mal im Kapitalismus eine freie Presse, die in privater Verlegerhand sich befindet. Wat du wollen ?

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