Was ist der wahre Sinn von Religionen aus politischer Sicht?

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11 Antworten

Belies Dich mal über das "Gottesgnadentum". Das ist der aus der Religion abgeleitete, angeblich gottgewollte "Herrschaftsanspruch".

Röm 13, 1-7: „Jeder leiste den Trägern der staatlichen Gewalt den schuldigen Gehorsam. Denn es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott stammt; jede ist von Gott eingesetzt. Wer sich daher der staatlichen Gewalt widersetzt, stellt sich gegen die Ordnung Gottes, und wer sich ihm entgegenstellt, wird dem Gericht verfallen.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Gottesgnadentum

Das ist der Dreh- und Angelpunkt der Religionsfunktion aus politischer Sicht.

Es ist kein Zufall, daß die Eroberungen unter Karl dem Großen und anschließende Einführung des Lehenswesens mit Zwangschristianisierung einhergingen. Es ist kein Zufall, daß dieses Konzept auch bei der späteren feudalen Ostexpansion fortgeführt wurde. Es ist kein Zufall, daß weltliche und geistliche Fürsten regelmäßig aus denselben Familien stammten und eng zusammenarbeiteten. Und es ist kein Zufall, daß die beiden Großkirchen heute jährlich 19 Milliarden € zusätzlich zur Kirchensteuer aus Steuergeldern erhalten.

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Kommentar von Hegemon
30.10.2015, 14:49

Danke. :-)

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In manchen Situationen ist es definitiv Opium für das Volk gewesen.

Heutzutage sind viel weniger menschen praktizierende Gläubige - zumindest in der westlichen Welt.

Religion wurde sehr oft auch dafür benutz um das Volk klein zu halten. Alle Könige haben ihre Macht mit Gott legitimiert indem sie sagten. "Dieses Amt wurde mir von Gott gegeben und nur er kann es mir wieder nehmen".

Damit hat man natürlich viele klein halten können und das Volk außen vor gelassen das sozusagen nichts zu melden hatte und den König nicht absetzten konnte - zumindest gewaltfrei.

Seit dem Zeitalter der Aufklärung wird uns gelehrt unseren Verstand zu benutzen. Wer das tut dem steht es offen was er glaubt oder auch nicht. Er kann die Dogmen brechen und hinter die Kulissen schauen was wirklich los ist. Diese Haltung brachte uns die französische Revolution (aus wenn sie brutal war und letztlich gescheitert ist) und die Menschenrechte als höchstes Errungenschaft unserer Verstandes. 

Man darf Religion aber auch nicht außen vor lassen. Allen voran hat Religion Jahrhunderte lang unsere Kultur geprägt und geschaffen und zwar in allen Belangen. Außerdem gibt es viele Werte die sich in allen Religionen wiederfinden, die sehr ehrbar und wichtig sind und die wir durch unsere rationale Denkweise vergessen haben.

Das Schlimmste was mit der Mensch geschaffen hat mit seinem Verstand ist der Holocaust und die damit verbunden systematische Vernichtung von Menschenleben (Dies konnte nur mit Hilfe des Verstandes geschaffen werden). Werte die die Religion vermittelt, egal welche es ist ob der Islam das Christentum oder der Buddhismus hätten dies in nicht zugelassen.

Also kannst du dir hier die Frage stellen ob wir uns in manchen Situationen nicht mehr der Religion und ihren Werten zuwenden sollen und weniger unserem Verstand? Wie viel von was ist genug? Ist der Traum von absoluter Vernunft nicht viellicht unser Ende? Nur an das was einem von "oben" befohlen wird und an was man bedingungslos glauben soll ist sicher nicht richtig, wie uns unsere Vergangenheit gezeigt hat - aber ob genau das Gegenteil - also absolute Vernunft auch das richtige ist wage ich ebenfalls zu bezweifeln - und auch hierfür gibt es zahlreiche Beispiel in der Menschheitsgeschichte.

Wenn dich das Thema sehr beschäftigt - mich übrigens auch (Ich finde es sehr interessant und es gibt viele verschiedene Meinungen dazu) dann schau dir mal im Internet die Grafik von dem spanischen Künstler Goya mit dem Namen Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer an und die dazugehörige Interpretation/Erklärung zu dem Werk. Sehr interessant wie ich finde und es behandelt genau dieses Thema.

Viele Grüße!

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Kommentar von IDC16
29.10.2015, 01:31

Der bisher beste beitrag hierzu, auch wenn fehlt, weshalb man früher mit religionen menschen klein halten konnte: einfach, weil es als die realität akzeptiert wurde. aber wirklich sehr gut, ergänzt sich auch irgendwie mit meinem.

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Hallo James342,

Ich glaube nicht, sehe aber auch die Religionen nicht als Medium zur kontrolle der Bürger an.

Für mich stellen diverse Religionen nur eine veraltete Sicht auf das Leben, die Welt, und eine Erklärung für all das, was die Menschen nicht wissen, bzw. früher nicht wussten, dar.
Diese entstand bei anderen Völkern stets unter anderen bedingungen, weshalb sie sich auch unterschiedlich entwickelte (gott als strafender richter, gott als liebender gott, polotheismus und Monotheismus... usw.)

So war früher in naturvölkern der glaube an naturgötter verbreitet.

Zudem erfüllt die Religion auch noch den aspekt der hoffnung, für mich auch der einzige grund, weshalb sich die religion auch heute noch hält und ein viel zu alter, weltfremder mann im vatikan immer noch so viel zu sagen hat.

Außerdem gibt es immer noch vieles, was die Menschheit nicht weiß, oder aber dinge, die sie schon weiß, stellen sich als etwas ganz anderes heraus.
Die Menschen werden niemals alles wissen, weshalb religion in ihrem leben wohl auch immer eine Rolle spielen wird.

Und für den eigenen glauben braucht niemand mehr eine eigene religion gründen, sondern nur einer bereits bestehenden beitreten und diese mit nach eigenen vorstellungen verändern.

Des weiteren glauben die menschen, die sich als nicht gläubig bezeichnen, so wie ich selber, selbst, da sie alles, was sie zu wissen meinen, eigentlich nicht wirklich wissen.

So lautet zumindest meine Meinung.

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Hey,

hier wurden einige erhellende Antworten gepostet. Habe nicht alle gelesen, denke aber nicht, dass mein Punkt bereits, zumindest in der Betonung, erwähnt wurde.

Kirchen, oder eher Gott, waren lange Zeit als Instanz zur Durchsetzung bzw. Aufrechterhaltung von moralischen Traditionen nützlich. Das heißt, dass die Menschen durch den Glauben an eine Institution, die ihr Leben richtet und sie je nach der Güte ihres Betragens in den Himmel oder in die Hölle steckt, zu einem der Gesellschaft zuträglichem Verhalten verleitet wurden. Somit waren die Kirchen und der allmächtige Gott die essentielle Voraussetzung für ein gesellschaftliches Zusammenleben und die Erhaltung der (moralischen) Traditionen. Wer sehr erhellend darüber schrieb war F.A. Hayek, ich empfehle sein Werk The Fatal Conceit, wo er auch dieses Thema anschneidet. 

Es ist also so, dass die Gottesgläubigkeit essentiell für die Entwicklung der Zivilisation war. Ob das auch im Sinne der damaligen Herrscher lag, mag bezweifelt werden. Diese hatten kurzfristigere Ziele.

P.S.: Das heißt übrigens nicht, dass die Werte der Kirchen "gut" waren/sind und noch weniger, dass unsere westliche Zivilisation ihre heutigen Werte durch die christliche Kirche entwickelte. Das ist eine große Verfälschung der historischen Begebenheiten: die Aufklärung, der Liberalismus - all das wurde gegen die Institution Gott erkämpft. (Ist sicher keine Kritik an Jesus Christus, der - soweit historische Quellen uns ein Urteil erlauben - sicher ein bewundernswerter Mensch war. Seine Kirche war es nicht, aber hat uns trotzdem einen wichtigen Dienst in der Entwicklung unserer Gesellschaft erwiesen.)

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Religionen sind je nach Situation entweder Konkurrenz der Politik um Macht und Einfluss auf das Denken, Fühlen und Handeln der Menschen, oder Hilfsmittel dafür.

Für die Kommunisten war das Christentum ganz klar eine Konkurrenz.

Für viele kapitalistische Diktatoren war (und ist teilwiese noch) das Christentum ein Hilfsmittel zum Machterhalt, weil man es nutzt, um die Menschen zu beruhigen, indem man sie auf später (=nach dem Tod) vertröstet (daher kommt auch der Begriff "Opium für das Volk").

Für einen weltlichen demokratischen Staat (wie Deutschland) ist der Islam mit seinem weltlichen Machtanspruch eine politische Herausforderung.

Für Leute, die sich als besonders treue islamische Gläubige verstehen, ist der Islam ein Machtmittel, eine Waffe, ein Terrorinstrument (IS, Boko Haram, Salafisten).

Der wahre Sinn von Religionen ist nicht politischer Natur, sondern sie sind Antwortgeber auf Sinnfragen, die niemand sonst beantworten kann (weder Politik noch Naturwissenschaft): z.B. warum gibt es die Welt, warum gibt es mich, was soll ich hier, warum muss ich leiden, was kommt für mich nach meinem Tod, usw.

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Religion hat für manche Menschen die verzweifelt sind schon einen Wert das sie Trost spendet. Dann die Politik : Sie nutzt Religion aus , hat immer schon gemeinsam mit der Kirche das Volk dummverkauft. Das betrifft die Zeit vor der Aufklärungsepoche in Europa insbesondere,von den heute südlichen Staaten etc. möchte ich erst nicht anfangen das sehen wir ja was zur Zeit los ist.

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Da Prophezeihungen aus der Bibel wahr wurden und Menschen von ihrer Begegnung mit Jesus berichten, selbst Sachen erlebt habe, die mich glauben lassen und noch weiteren Gründen glaube ich an Gott. Folglich glaube ich nicht, dass es einfach Opium des Folkes ist.
Ich glaube auch nicht, dass Religion enstanden ist, weil Menschen andere unterdrücken wollten, oder ihr Geld haben wollten. Jesus zum Beispiel hat nie Geld verlangt. Warum sollte er Menschen unterdrücken, was wäre darin der Sinn?
Von Religion ging/geht Macht aus, keine Frage. Aber die Religion wurde deswegen nicht gegründet.

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Es macht durchaus Sinn wenn die Menschen nichts anderes als Referenz haben.

Deine Sicht der Sache entspricht dessen einen moderne Mensch.

Damals und Heute in bestimmte Länder glauben Menschen so stark dass es für sie kein andere Wahrheit gibt. Besonders in Länder wo Bildung nicht selbstverständlich ist, wo Armut das Leben dominiert, ist Religion der einzige Mittel  um Leute zu bewegen. Um Dinge zu tun dass kein Mensch freiwillig tun würde. Zum Beispiel sein Leben opfern.

Kreuzzüge, heilige Kriege sind alle auf ganz bestimmte weltliche Gründe geführt worden und werden.

Religionen werden von bestimmte Parteien benutzt indem sie sich angeblich damit identifizieren. Glaubige Menschen wählen dann diese Parteien.

Politik ist ein Geschäft. Ein sehr schmutzige sogar. Da sind ALLE Mitteln recht.

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vom politischen aspekt  her hast du recht

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Staat und Religion sollte getrennt sein. Welcher Religion man angehören will oder an was man glauben will, kann jeder frei für sich entscheiden. Niemand wird gezwungen an Gott zu glauben, also nein. 

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Kommentar von Modem1
29.10.2015, 01:19

Bei uns nicht aber .........

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Religion ist Trostpflaster, für all Jene, die sich mit dem irdischen Jammertal, hervorgerufen durch Klassengesellschaft, Krankheit, Alter, Tod nicht abfinden wollen bzw. nicht können.

Religion ist auch ein Instrument der Herrschenden, um so die Masse im Dunklen herumtappen zu lassen.

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