was ist der Vorteil von einer Treibjagd?

3 Antworten

Erst einmal: Was ist eine "Treibjagd"? (Ich erkläre das, weil ich das Gefühl habe, dass Du es mit einer "Drückjagd" verwechselst.)

  • Eine Treibjagd ist die Jagd auf kleines Wild wie Hasen und auf Flugwild wie Fasane. Dabei gehen die Jäger und die Treiber in einer Reihe über die Felder um das kleine Wild aufzuscheuchen bzw. "hochzumachen" wie der Jäger sagt. Fasane fliegen dann zum Beispiel hoch, wenn ihnen die Menschen zu nahe kommen und Hasen erheben sich aus ihrer "Sasse" (Kuhle) und rennen weg. Dann werden diese Tiere aus kurzer Distanz (üblicherweise 20-30 m) mit der Schrotflinte erlegt.
  • Eine Drückjagd ist eine Jagdart bei der üblicherweise die Treiber (ggf. unterstützt von einigen "Durchgehschützen", erfahrenen Jägern die sicherheitshalber mit Waffe zusammen mit den Treibern durchgehen um notfalls vor Ort zu sein) durch den Wald oder über Felder und "drücken" so das größere Wild (Schwarzwild, also Wildschweine aber z.B. auch Hirsche oder Rehwild) in dem betreffenden Gebiet in eine bestimmte Richtung. Denn die Tiere hören natürlich die Menschen näher kommen und gehen dann in die andere Richtung, um den Menschen auszuweichen. Dort sind dann üblicherweise die Jäger auf Hochsitzen oder extra dafür aufgestellten "Drückjagdböcken" (also so etwas wie kleinere, transportable Hochsitze, auf denen sie stehen) platziert. Diese erlegen dann das Wild gemäß den Angaben, was dort gejagt werden soll.

Grund für beide Jagdarten ist, das die betreffenden Wildarten so gezielter bejagt werden können und oftmals nur so eine entsprechende Reduzierung um die von der Jagdbehörde vorgegebene Menge mit einem vergleichsweise vertretbaren Aufwand möglich ist.

Wenn Du z.B. alleine nachts auf dem Hochsitz hockst oder durch das Revier pirscht, dann kann es teilweise Wochen dauern, bis Du das Schwarzwild in Deinem Revier überhaupt zu Gesicht bekommst. Ganz zu schweigen davon, das Du vielleicht eines, mit Glück zwei davon erlegst bevor die Rotte aufgrund der Schüsse flüchtet und Du sie dann erst einmal ewig nicht wiedersiehst, weil die ja auch nicht dumm sind. Also sitzt Du da wochenlang die Nächte auf dem Hochsitz für vielleicht ein oder zwei Stücke Schwarzwild.

Das ist nicht nur sehr viel Aufwand mit sehr wenig Nutzen, das führt auch dazu, das Du am Ende des Jahres (wenn Du es nur so machen würdest) nicht annähernd die Menge an Wild erlegt hättest, die Dir von der Jagdbehörde im Abschussplan vorgeschrieben wurde. Denn das Wild (speziell das Schwarzwild) vermehrt sich rasend schnell aufgrund der für sie guten Situation (Umweltbedingungen wie mildere Winter, riesige Felder in denen sie sich gut verstecken können und gleichzeitig "rund um sich zu fressen können").

Da sind ein oder zwei Drückjagden im Jahr oft die einzige Möglichkeit um die vorgeschriebene Menge an Wild überhaupt zu erlegen, so dass Du damit die Population auf einem mengenmäßig (auch für die Tiere selber) gesunden Stand hältst.

Denn wenn dort zu viele Tiere sind, dann ist das

  • einerseits ein immenser wirtschaftlicher Schaden. Denn die zerstören den Bauern große Teile der Ernte wenn man sie einfach lassen würde und Du als Jäger bist dann finanziell im Normalfall für diese Schäden mit haftbar weil Du Deiner Aufgabe nicht gut genug nachkommst. - Mit anderen Worten Du darfst dem Bauern dann den Wildschaden ersetzen und da reden wir von tausenden(!) von Euro. Gleiches gilt im Forst, wo zu viel Hirsche die ganzen Bäume anfressen und so einen großen Schaden für den Forst bedeuten, weil die Bäume dann entweder absterben oder "krumm und schief" wachsen, wenn die oberen Triebe abgebissen werden. Und mit krummen und schiefen Brettern kann niemand etwas anfangen.
  • und andererseits auch für die Tiere selber ein echtes Problem. Denn wenn dort zu viele Tiere zu dicht aufeinander leben, dann verbreiten sich Parasiten und Wildkrankheiten deutlich schneller und besser zwischen ihnen so das die Menge an kranken und leidenden Tieren deutlich zunimmt, der Populationsdruck führt zu Stress bei den Tieren, die Zahl der verletzten Tiere nimmt durch Revierkämpfe um die immer dichter besiedelten Reviere untereinander deutlich zu, die Tiere drängen (mangels Platz) dichter in die Wohngebiete der Menschen und auf die Strassen was dann auch wieder zu mehr Wildunfällen (und damit zu Leid bei den angefahrenen Tieren) führt etc.

Da ist so eine ein- oder zweimal im Jahr in einem Revier durchgeführte Drückjagd die deutlich bessere und effektivere Methode sowohl die Schäden als auch die Probleme für das Wild selber zu vermeiden.

Und, nochmal zurück zur Treibjagd - wenn der Jäger auf dem Hochsitz ansitzt, dann wird er in der Regel kaum einen Fasan vor den Lauf bekommen bzw. wenn dort mal ein Hase oder Fasan vor dem Hochsitz auftaucht, dann müsste er ja auch die dafür geeignete Waffe dabei haben, und das ist ja nicht unbedingt der Fall. Denn wenn ich auf dem Hochsitz ansitze, dann ja üblicherweise auf größeres Wild, also auch mit einer Büchse die entsprechende (größere) Kugeln verschiesst. - Da kann ich ja aus Sicherheitsgründen nicht in die Luft auf Flugwild schiessen, denn so eine Kugel fliegt kilometerweit durch die Luft. Und was nützt mir ein Hase, den ich mit einer .308 oder 30-06 beschiesse? Der ist dann "zerfetzt", da bleibt nichts mehr übrig, was man noch sinnvoll verwerten könnte.

Aber - und das mal als Ergänzung - Treibjagden finden heute (im Vergleich zu früher) nur noch sehr selten und in manchen Regionen jahrelang überhaupt nicht mehr statt, da die betreffenden Wildarten (Hase, Fasan etc.) in einigen Teilen Deutschlands vom Bestand her so gering sind, das man die freiwillig als Jäger nicht mehr jagt, da es ohnehin nicht mehr zu viele von ihnen gibt. Und der Jäger hat ja auch zur Aufgabe einen artenreichen Wildbestand zu erhalten, nicht sie auszurotten.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Ich bin Jäger

Nennt sich Drückjagd, weil/wo das Wild durch langsames Durchgehen veranlasst wird, seine Einstände zu verlassen und sich zu verkrümeln, bzw. Stöberjagd, wenn das Hunde machen.

Das hat also nix mit Hetzjagd etc. zu tun.

Das Wild soll ja eben auch gerade nicht panisch davonspratzen sondern langsam von der Störung wegziehen, am besten immer wieder stehen bleiben um sich umzuschauen, ob/wo da noch jemand ist... Peng...

Vorteil ist - wenn richtig gemacht - ein wesentlich effektiveres Jagen als tage- und wochenlanges Warten in der Ansitzjagd ob da endlich mal was vorbeikommt....

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

Bei der Treibjagt wird das Tier durch die Anstrengung der Flucht zusätzlich geschwächt.

Außerdem werden durch die Treibjagt überhaupt erst manche Tiere aufgeschreckt, die dir auf dem Hochsitz gar nicht erst vor die Flinte laufen würden

Im 1. Absatz meinst du Hetzjagd - das ist deshalb ja auch verboten...

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