Was ist der Unterschied zwischen ,,Rettungssanitäter" und ,,Notfallsanitäter"?

6 Antworten

Hi,

Hauptunterschiede sind Ausbildungsdauer, die rechtliche Grundlage und die damit verbundenen Kompetenzen.

Der Rettungssanitäter ist ein 520-Stunden-Lehrgang auf Grundlage eines Beschlusses des Bund-Länder-Ausschusses "Rettungswesen" von 1977 (in der aktuellen Version siehe hier).

Die Ausbildung gliedert sich in 160 Stunden theoretischem Fachlehrgang, 160 Stunden Klinikpraktika, 160 Stunden Rettungswachenpraktikum sowie einer 40-stündigen Abschlusswoche mit schriftlicher, praktischer und mündlicher Prüfung.

Der Rettungssanitäter wird i.d.R. als Verantwortlicher im qualifizierten Krankentransport - d.h. alles, was nicht akut lebensbedrohlich ist - sowie als Fahrer (und "Assistent") in der Notfallrettung zusammen mit höher qualifiziertem Personal eingesetzt.

Invasive Maßnahmen, wie z.B. die Medikamentengabe oder das Legen eines venösen Zugangs, sind dem Rettungssanitäter bis auf sehr wenige Ausnahmen (rechtfertigender Notstand, § 34 StGB) nicht gestattet.

Der Notfallsanitäter ist eine dreijährige Berufsausbildung, die mit dem schriftlichen, praktischen und mündlichen Staatsexamen abschließt.

Die Ausbildung umfasst 1920 Stunden Unterricht an einer Berufsfachschule, 720 Stunden klinische Ausbildung sowie 1960 Stunden praktische Ausbildung auf einer Lehrrettungswache.

Der Notfallsanitäter wird als Verantwortlicher in der Notfallrettung eingesetzt und dahingehend ausgebildet (vgl. § 4 NotSanG) - die weitestgehend eigenständige, kompetente Versorgung von Notfallpatienten ist eine Schlüsselqualifikation.

Dazu wird der Notfallsanitäter auch in zahlreichen invasiven Maßnahmen (vgl. Pyramidenprozess) ausgebildet und geprüft. Was er später anwenden darf, obliegt allerdings der Entscheidung des zuständigen Ärztlichen Leiter Rettungsdienst und den lokal gültigen Algorithmen.

Was kommt für dich also infrage?

Wenn man langfristig hauptberuflich im Rettungsdienst arbeiten will, sollte der Notfallsanitäter auf jeden Fall das Ziel sein.

Wie Rollerfreake jedoch schon gesagt hat, werden bei der Bewerbung zur Ausbildung allerdings praktisch flächendeckend Bewerber mit Rettungsdiensterfahrung - sprich Rettungssanitäter mit Einsatzerfahrung - bevorzugt.

Heißt: es ist sinnvoll, erst einmal den Rettungssanitäter zu machen und so den Einstieg in den Rettungsdienst zu finden - das geht über FSJ/BFD, über das Ehrenamt, als Selbstzahler, über das Jobcenter und z.T. auch durch die Arbeitgeber selbst.

Nach ein bis zwei Jahren im Dienst hat man dann gute Chancen, als NFS-Azubi eine der begehrten Stellen zu bekommen. Konkurrenz gibt es jede Menge - zehn Bewerbungen pro Ausbildungsplatz sind die Regel, nicht die Ausnahme.

LG

Woher ich das weiß:Beruf – Ausbildung und hauptamtliche Tätigkeit als NFS

Der Rettungssanitäter durchläuft einen mindestens 520 stündigen Lehrgang nach den Grundsätzen des Bund- Länder Ausschusses Rettungswesen, der sich aus mindestens 160 Stunden Lehegang mit Prüfung zum Rettungehelfer, 160 Stunden Praktikum im Krankenhaus, 160 Stunden Prakrikum im Rettungsdienst an einer anerkannten Lehrrettungswache und mindestens 40 Abschlusslehrgang mit schriftlicher, mündlicher und praktischer Abschlussprüfung zusammensetzt. Rettungssanitäter werden in der Notfallrettung als Fahrer des Rettungswagens (hierzu mittlerweile fast überall notwendig ist ein "kleiner" LKW Führerschein der Klasse C1) und als Assistent des höherqualifizierten Notfallsanitäters oder aktuell noch Rettungsassistenten eingesetzt. Im qualifizierten Krankentransport sind Rettungssanitäter für die Betreuung von Patienten zuständig, die keine akuten Notfallpatienten sind, aus gesundheitlicher Sicht jedoch einer Betreuung und/oder der Ausstattung eines Krankentransportwagens bedürfen, der Schwerpunkt liegt also im Vergleich zur Notfallrettung auf dem Transport unter fachlicher Betreuung und weniger in einer medizinischen Notfallversorgung. Sofern kein höherqualifiziertes Personal anwesend ist, leiten Rettungssanitäter auch lebensrettende Maßnahmen als erste ein.

Der Notfallsanitäter ist ein neues Berufsbild, das erst 2014 durch das Notfallsanitätergesetz (NotSanG) in Deutschland eingeführt worden ist und damit das Berufsbild "Rettungsassistent/in" als bisher höchste nichtärztliche Qualifikation im Rettungsdienst abgelöst hat. Der Rettungsassistent hatte eine Ausbildungsdauer von zwei Jahren, wobei bei Vorbildung Verkürzung möglich gewesen ist, die Ausbildung des Notfallsanitäters dauert jetzt drei Jahre, wobei sich der schulische Anteil mehr als verdoppelt hat. Im einzelnen umfasst die Ausbildung 1920 Stunden an einer staatlich anerkannten Schule, 720 Stunden in einem geeigneten Krankenhaus besonders in Bereichen, wo man für die Notfallmedizin viel lernen kann (Anästhesie, Notaufnahme, Intensivstation) und 1960 Stunden praktische Ausbildung im Rettungsdienst an einer anerkannten Lehrrettungswache. Der Notfallsanitäter kommt als Transportführer eines Rettungswagens zum Einsatz und versorgt eigenständig Notfallpatienten, bei denen bis zur Ankunft im Krankenhaus nicht die Anwesenheit eines Arztes notwendig ist. Bei lebensbedrohlichen Notfällen übernimmt er bis zum Eintreffen des Notarztes die lebensrettenden Maßnahmen und wendet dabei, das ist ein wesentlicher Unterschied zum Rettungsassistenten, nach Maßgabe des ärztlichen Leiters Rettungsdienst oder im rechtfertigenden Notstand auch während der Ausbildung erlernte und beherrschte invasive medizinische Maßnahmen wie die Gabe bestimmter Medikamente an. Desweiteren, kommen Notfallsanitäter als Fahrer und Assistent des Notarztes auf Notarzteinsatzfahrzeugen (damit wird bei Bedarf der Notarzt zum Notfallort gebracht) zum Einsatz. Auch ein Einsatz auf "besonderen Rettungsmitteln" wie einem Rettungshubschrauber oder einem Intensivtransportwagen ist möglich, wobei es hierzu noch speziellen Fortbildungen bedarf, da beispielsweise in der Luftrettung noch die Unterstützung des Piloten zu den Aufgaben des Notfallsanitäters gehört oder ein Intensivpatient nochmal etwas anderes ist als der "normale" Notfallpatient.

Es sei gleich gesagt, auch wenn das offiziell nicht so gefordert ist, sind die meisten erfolgreichen Bewerber auf eine Ausbildungsstelle zum Notfallsanitäter bereits Rettungssanitäter mit einer gewissen Berufserfahrung. Die Bewerberzahlen übersteigen bei weitem die zur verfügung stehenden Ausbikdungsplätze und in der Praxis kann man am besten seine Eignung zeigen. Leider gibt es zum Erwerb der Rettungssanitäter Qualifikation nur zwei Möglichkeiten, Selbstzahler, dann ist mit etwa 1500 Euro zu rechnen oder ein freiwilliges soziales Jahr im Rettungsdienst, dann ist die Qualifikation zum Rettungssanitäter kostenlos, dafür ist man dann aber für 12 Monate eine Vollzeitkraft die circa 300 Euro Taschengeld im Monat erhält.

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