Was ist der Unterschied zwischen Rechtsanwalt, Anzeige und Gerichtsverfahren?

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3 Antworten

Anzeige erstatten / anzeigen

kann jeder jeden. Das geht bei der Polizei, aber auch direkt bei der Staatsanwaltschaft oder einer anderen zur Entgegennahme von Anzeigen zuständigen Stelle. Die Folge einer Anzeige ist, dass der Staatsanwalt zunächst eine Art Vorprüfung vornimmt, in der er feststellt, ob der angezeigte Sachverhalt überhaupt eine Straftat beinhaltet. Ist dies so, dann gibt es ein Ermittlungsverfahren, in dem sowohl der Sachverhalt ermittlet wird (was ist wirklich geschehen) als auch dieser festgestellte Sachverhalt rechtlich bewertet wird (ist das Verhalten strafbar, wenn ja, inwiefern). In der Praxis übernimmt die Polizei die Ermittlungen. Der Staatsanwalt entscheidet aber darüber, ob und gegebenenfalls auch wie ermittelt wird.

Sollte der Staatsanwalt zu dem Ergebnis kommen, dass der Beschuldigte eine Straftat begangen hat, dann

erhebt er Anklage

. Das bedeutet dann, dass der Fall zu einem Gericht kommt. Dieses hat zunächst zu entscheiden, ob die Klage zugelassen wird. Wird die Klage zugelassen, dann kommt es zum Hauptverfahren. In diesem Hauptverfahren wird die "klassische" Gerichtsverhandlung durchgeführt, an deren Ende in der Regel ein Urteil steht.

Sieht der Staatsanwalt keine Straftat als gegeben an oder meint er, der Beschuldigte sei unschuldig, dann stellt er das Verfahren ein (§ 170 II StPO).

Daneben gibt es noch weitere Möglichkeiten, ein Strafverfahren zu beenden. Der Staatsanwalt kann die Sache beispielsweise wegen Geringfügigkeit einstellen (§ 153 StPO), er kann sie wegen bestimmter anderer Gründe und auch teilweise gegen Auflagen einstellen (§§ 153a ff. StPO). Außerdem gibt es die Möglichkeit, einen Strafbefehl beim Richter zu beantragen. Ein Strafbefehl steht, wenn ihm nicht widersprochen wird, einem rechtskräftigem Urteil gleich. Er ermöglicht sozusagen eine Verurteilung ohne eine (öffentliche) Hauptverhandlung.

Natürlich kann jeder Mensch auch einen

Rechtsanwalt

einschalten. Auch der Rechtsanwalt kann für jemanden

Anzeige erstatten

. Manchmal gehen Opfer einer Straftat zum Anwalt, damit dieser die Sache in die Hand nimmt. Er erstattet dann für das Opfer Anzeige und vertritt das Opfer eventuell noch als Nebenkläger.

Der

Rechtsanwalt

kann außerdem für jemanden eine andere Person

verklagen

. Das bedeutet, er

reicht Klage ein

und in dieser Klage wird etwas bestimmtes gefordert.

Es muss unterschieden werden zwischen Strafrecht und Zivilrecht. Im Strafrecht (oben beschrieben) geht es darum, dass der Staat einen Bürger für dessen Straftaten bestraft. Er setzt damit seinen hoheitlichen Strafanspruch durch. Die Gerichtsverhandlung sieht dabei klassischerweise so aus: Es gibt keine "Parteien", sondern auf der einen Seite steht der Staatsanwalt, der den Staat vertritt. Er ist zur Objektivität verpflichtet, d.h. er muss alle Argumente für und gegen den Angeklagten abwägen und berücksichtigen. Auf der anderen Seite ist der Angeklagte. Er kann einen Verteidiger dabei haben, der ihn vor Gericht vertritt. In manchen Strafprozessen gibt es noch Nebenkläger. Das sind solche, die durch die Straftat Schäden davongetragen haben. Um diese zu ersetzen, müssen sie nicht unbedingt selbst einen Zivilprozess anstreben, sondern können sich ihre Ansprüche auch direkt in dem Strafprozess feststellen lassen. Auch die Nebenkläger sind oft durch Rechtsanwälte vertreten.

Dann gibt es den Zivilprozess. Hier geht es darum, dass zwei Parteien über ein bestimmtes Thema streiten. Partei A will Geld von Partei B; C will, dass D die ständige laute Musik unterlässt; E will von F, dass er die Entlassung rückgängig macht etc. Kurz: Es streiten zwei Bürger / Zivile miteinander. Der Staat ist hier nur dafür da, dass alles geordnet verläuft und - wenn nötig - hinterher ein Urteil über die Sache gesprochen wird.

FAZIT:

Wenn du eine Anzeige erstattest, dann kann es dazu kommen, dass jemand angeklagt wird. Anklage erheben / anklagen kann (grds.) nur der Staatsanwalt.

Wenn du etwas von jemandem willst, dann kannst du ihn verklagen.

In beiden Fällen spielen Rechtsanwälte eine Rolle. Im Zivilrecht vertreten sie Kläger oder Beklagte; im Strafrecht vertreten sie als Verteidiger den Angeklagten (oder sie vertreten die Nebenkläger).

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Es gibt Strafverfahren,das wenn Du jemanden wegen einer Straftat anzeigst.Dann gibt es Zivilverfahren,zB wenn Dir jemand Geld schuldet kannst Du einen Rechtsanwalt beauftragen es einzuklagen.Nicht jede Anzeige führt zu einer Anklage vor Gericht,je nach Tat kann das Verfahren gegen Geldbuße eingestellt werden,oder es wird wegen Geringfügigkeit eingestellt.Bei Verbrechen kommt es immer zu einem Strafverfahren.

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Jupiter7468 11.07.2016, 21:28

Ist "Geringfügigkeit" von der Personalverfügbarkeit vor Gericht abhängig? Oder ob der Richter ein Auge zudrückt?
Oder ob ich jemand nur mit einem Messer bedroht habe, oder tatsächlich zugestochen?

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andie61 11.07.2016, 21:37
@Jupiter7468

Gerüngfügigkeit ist von der Tat abhängig,wenn ein Jugendlicher einen Lutscher klaut kann das Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt werden,das hängt nie mit der Personalverfügbarkeit der Gerichte ab.Wenn Du jemanden mit einem Messer bedrohst ist das schon eine Straftat da eine schwere Körperverletzung angedroht wird,das wird mit Freiheitsstrafe  bis zu einem Jahr oder Geldstrafe belangt.Wenn Du jemanden abstichst ist das ein schweres Verbrechen das als Mordversuch geahndet werden kann.

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Verklagen ist ein zivilprozessorischer Begriff. Du willst also meist einen zivilrechtlichen Anspruch feststellen lassen. Z.B. wenn du Schadensersatz haben möchtest, weil dir jemand das Auto beschädigt hat. Um jemanden zu verklagen benötigt man nicht immer einen Rechtsanwalt, außer es besteht Anwaltszwang.
Anzeige erstatten ist ein strafrechtlicher Begriff. Die Staatsanwalt prüft den angezeigten Sachverhalt und erhebt u.U. Anklage, weil eine Straftat begangen wurde. In diesem Verfahren geht es dann um die Bestrafung des Täters. Z.B. wegen Sachbeschädigung, sollte er dein Auto absichtlich beschädigt haben. Allein durch das Strafverfahren erhältst du aber kein Geld, weil das ein Verfahren Staat gegen Bürger ist. Wird der Angeklagte zu einer Geldstrafe verurteilt, muss er diese an die Staatskasse entrichten.
Falls du das immer noch nicht verstanden hast, dann such mal nach Artikeln, die den Unterschied zwischen Zivil- und Strafrecht herausarbeiten.

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