Was ist der Unterschied zwischen Sunniten und Schiiten?

3 Antworten

Im praktischen (habe das schon Mal gefragt)  werden die Hände beim Beten  gehoben oder nicht. Bei wem nicht weiß ich nicht mehr. Sonst ist das Land entscheidend (Iran ist schiitisch). Das mit Mohammet ist mir zu kompliziert.

Schiiten lassen beim Gebet die Arme deutlich hängen. Dasselbe tun auch die Malikiten, eine der 4 sunnitischen Schulen. Der Grund ist, dass die Malikiten der Tradition der Gemeinde von Medina folgen, der ältesten. Und wenn man berücksichtigt, dass der "Gründer" der Malikiyya (Malik bin Anas) wie auch die der Hanafiya (Abu Hanifa) und der Schafiiya (asch-Schafii), 2 weitere sunnitische Schulen, Schüler von Jaafar as-Sadiq waren, dem Begründer der Jaafariya-Schule (12er-Schiiten), dann ist sicher klar, warum Schiiten so beten.
Das Verschränken der Arme wird von den hanafiten, schafiiten und hanbaliten geübt. Eingeführt wurde es wahrscheinlich von Kalif Umar.

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Dennoch kann man das Thema nicht verstehen, wenn man nicht  Muhammad und seine Nachfolge in der Führung der Gemeinschaft beleuchtet. Nicht einfach aber notwendig.

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Die Sunniten mit den richtigen unveränderten Glauben, glauben, dass der Prophet Muhammad sas der letzte Gesandte ist.

Die Shiiten glauben, dass der Gefährte und Neffe des Gesandten Muhammad sas namens Ali nach dem Tode des Propheten Muhammad sas ein weiterer Prophet war. Eine sehr schlimme Behauptung, weil es ja Verse im Qur'an gibt, die wiederlegen, dass der Prophet Muhammad sas der letzte Prophet ist.

Das ist Unsinn! Kein Schiit sagt das! Wo steht, dass Schiiten Ali als Propheten sehen würden?

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Haben nur die Sunniten den unveränderten ursprünglichen Glauben? Die anderen sind also demnach Abweichler? Schiiten (Jaafariten, Ismailiten, Zaiditen ...) oder Sufis sind demnach nicht rechtgläubig, keine Muslime?

Es gibt immerhin heute noch 4 verschiedene Schulen bei den Sunniten, von denen es mal zwischen 30 und 70 gab.

Ist dir bekannt, dass die eine oder andere Änderung etwa zum Gebet stattgefunden hat? Diese Änderungen geschahen in der Zeit von Kalif Umar. Z.B. das übereinanderlegen der Arme beim Gebet oder die Einführung des Tarawih als Gemeinschaftsgebet oder der Zusatz "as-salatu khayrun min an-naum!" bei Gebetstuch am frühen Morgen.

Lies auch mal Prof.Dr. Yaşar Nuri Öztürks Bücher "400 Fragen zum Islam, 400 Antworten. Ein Handbuch, Grupello Vetrag, Düsseldorf 2003" und derselbe "Der verfälschte Islam, Grupello Verlag, Düsseldorf 2007".
Das ist ein türkischer sunnitischer Theologe.

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Doch wir sind alle Muslime, weil alle Gruppen

لا إله إِلَّا الله مُحَمَّدٍ الرَّسُول الله

Es gibt keine Gott außer Allah und Muhammad ist der Gesandte Allahs

sagen.

Sie fügen halt noch Dinge hinzu und machen بدعة Bid'a. Dennoch sind wir alle Muslime.

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Es ist gut, dass du auch andere Muslime, die man nicht Sunniten nennt (irreführender Begriff, da auch Schiiten natürlich der Sunna des Propheten folgen).
Aber mit dem Begriff bid'a sollte man achtsam umgehen. Und man muss unterscheiden, ob jemand etwas bei Gottesdienst oder ob er etwas außerhalb des Gottesdienstes tut.

Darf ich fragen, welche bid'a konkret gemeint sind und von wem diese eingeführt worden seien?

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ZB habe ich mal gesehen, dass Muslime (keine Ahnung welche Gruppe) in der Moschee nach dem Gebet in der Gemeinschaft Allah Allah Allah Allah die ganze Zeit laut sagen und dabei ihre Köpfe heftig schütteln bis sie fast durchdrehen dabei. Sieht voll gruselig aus. Das steht in keiner Sunna. Ich kenne Muslime, die wirklich sehr viel Wissen besitzen und die sagen auch, dass es keine Sunna des Propheten sas ist und somit Bid'a.

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Das hört sich nach einer Sufi-Tariqa an. Ich nehme an, dass sie damit eine Art Trance versuchen zu erreichen, was durch heftiges Atmen eintritt. Ich hörte mal von der ägyptischen Ahmadiyya-Tariqa (nicht zu verwechseln mit der ursprünglich indischen Ahmadiyya, auch Qadiani genannt), die im Stehen in der Reihe unter Hin- und Herneigen des Körpers und langsam heftigeren atmen unter Nennung des Namens Allāhs sich in Trance versetzten. Sie hoffen, damit mental Allah näher zu kommen.

Dennoch ist das kein eigentlicher Gottesdienst. Es gibt viele Muslime, die neben dem allen gemeinsamen Gottesdienst noch eigene Traditionen entwickelt haben. Und bid'a ist kein einfacher Begriff. Wenn's danach ginge, was es zu Zeiten des Propheten nicht gab, dann müsste man selbst die Teppiche in den Moscheen als bid'a bezeichnen. Eine echte bid'a ist z.B. auch die Einführung des Tarawih als Gemeinschaftsgebet. Es ist ja bekannt, dass dieses auf eine Äußerung des Kalifen Umar zurückgeht (siehe Sahih al-Buchari, Kapitel zum Tarawih), welcher danach sogar von einer "guten bid'a" sprach. ... Tarawih ist ein Gottesdienst. Und es ist je nach sunnitischer Rechtsschule zwischen 8 und 20 rak'at. Es sollen sogar noch mehr rak'at geben. Ich glaube bei den Malikiten. ... Aber immer als Gemeinschaftsgebet und nicht als Nafila-Gebet, welches religionsrechtlich aber ein Individualgebet ist und besser daheim zu beten wäre. Der Prophet hat dies auch so gesehen und nicht zum Gemeinschaftsgebet gemacht. Und das ist der Grund, warum z.B. Schiiten kein Tarawih in der Moschee gemeinschaftlich beten sondern als ursprüngliches "Stehen bei Nacht" (qiyam al-lail), im Grunde Tahajjud in der Zeit von Ramadan zu Hause verrichten. Wer Tarawih in der Moschee betet und in Gemeinschaft, folgt hierin eigentlich der Sunna Umars ("ni'matul bid'a" نعمة البدعة war die lobende Bezeichnung Umars), wer aber das spezielle Gebet  zum Ramadan zu Hause als Nafila-Gebet und individuell verrichtet, folgt hierin der Sunna des Propheten.

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Übrigens: Es gibt eine ursprünglich aus Indien stammende Gemeinschaft, die sich Ahmadiyya Muslim Jamaat nennt. Ihre Gegner nennen sie oft Qadianis, weil der Gründer Mirza Ghulam Ahmad in Qadian geboren ist, das heute in Pakistan liegt.
Dieser Mann behauptete, ein weiterer (untergeordneter, Schatten-) Prophet zu sein sowie der wiedergekehrte Messias und Mahdi sowie Krishna und Buddha - alles in einer Person. Ihr Oberhaupt trägt heute den Titel Khalifatul Masîh. Hauptsitz ist eigentlich Rabwah in Pakistan, aber wegen Verfolgung residiert er in England. Sie wurden von der pakistanischen Regierung als Nichtmuslime eingestuft. Und nach Mekka dürfen sie auch nicht pilgern.
Der Gründer war ein Gelehrter der hanafitischen Schule und ist vermutlich durch die Briten für Aktivitäten geworben worden, einem muslimischen Aufstand in British India zu begegnen, also von innen heraus. Daher erklärte er besonders den Jihad als ausschließlich gewaltlosen Kampf bzw. wies die Notwendigkeit bewaffneten Kampfes generell zurück.

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Von der Ahmadiyya hatte sich noch eine Gruppe um Muhammad Ali abgewandt (nicht der Boxer), welche ihren Sitz in Lahore haben (daher Lahoris genannt werden und sich Ahmadiyya Anjuman-i Ishaat-i Islam nennt), auch in Berlin eine Moschee haben, und sagen, dass Mirza Ghulam Ahmad kein Prophet aber der Mujaddid (Erneuerer des Islam) ist. ... Die sagen sich nicht, dass jeder, der Mirza Ghulam Ahmad als Prophet nicht anerkennt, ein Kafir sei (wie die Ahmadiyya Muslim Jamaat sagt), aber da sie denselben Mirza Ghulam Ahmad als ihren geistigen Vater nehmen, muss man berücksichtigen, dass dieser nun einmal viel darüber sprach, Offenbarungen bekommen zu haben, was ihn am Ende doch zur zumindest indirekten Behauptung führte, ein Prophet zu sein und eben Masîh und Messias und Krishna und Buddha in einer Person. ...

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Danke für die Lehrstunde. Ist wirklich sehr interessant. Darf ich fragen welcher Rechtsschule du folgst bzw. welcher Gruppierung?

Zum Tarawih:

'Aischa (ALLAHs Wohlgefallen mit ihr), die Ehefrau des Gesandten Muhammad (ALLAHs Segen und Frieden mit ihm), berichtete:
„Der Gesandte Allahs verrichtete das Tarauih-Gebet in der Moschee und einige Muslime folgten ihm darin. Dann verrichtete er es am nächsten Tag, und die Muslime, die ihm folgten, waren mehr. Am dritten und vierten Tag versammelten sich die Muslime in der Moschee, der Prophet (ALLAHs Segen und Frieden mit ihm) aber blieb zu Hause. Am nächsten Tag sagte er: 'Ich sah euch, und nur die Befürchtung, dass dieses Gebet für euch zur Pflicht werden würde, hinderte mich daran, zu euch zu kommen.‘"
(Buchari und Muslim)

Das sagt doch aus, dass Tarawih in der Gemeinschaft keine Bid'a ist. Es ist aber auch keine Pflicht, deshalb blieb der Prophet sas zu Hause.

Da du dich so gut auskennst über die vielen Gruppierungen des Islam, kannst du mir etwas über die Salafiyun berichten? Ich bin schon lange auf der Suche nach ner Antwort, die neutral über die Salafiyun berichtet. Folgen sie einem Gelehrten namens Salaf, oder wer ist das? Wenn sie alle Muslime, die die Lehre der Salafiyun ablehnen, für Ungläubige halten, warum beten sie dann mit uns zusammen und sagen السلام عليكم ?

جزاك الله خيرًا يا أخي

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Das interessante ist, dass der Prophet (s) den Begriff Tarawih nie benutzt hatte. Das Wort ist erst viel später eingeführt worden.

Der Hadith besagt vor allem, dass der Prophet (s) befürchtet(!), dass man es als Gemeinschaftsgebet und zur Pflicht macht. Er wollte durch sein Handeln den Leuten klar machen, dass es das nicht sein soll.

Vielleicht nochmal folgendes:

Es ist eine allgemein anerkannte Tatsache, dass das Tarawih als ein Gemeinschaftsgebet welches in Nächten des Ramadans praktiziert wird, seine Existenz dem Befehl des zweiten Kalifen, ‘Umar bin al-Khattab verdankt.

 - Abu Hurayra überlieferte: Der Gesandte Allahs hat gesagt: “Wer immer den ganzen Monat Ramadan über in wahrem Glauben und in Hoffnung auf die Belohnung Allahs in der Nacht Gebete verrichtet hat, dem werden all seine vorangegangenen Sünden vergeben sein.”

Ibn Schihab (ein Weiter-Überlieferer) sagte, “Nachdem der Gesandte Allahs gestorben war, haben die Menschen das (nämlich Nafila-Gebete individuell zu verrichten, nicht aber in Gemeinschaft) weiterhin befolgt, und auch noch zu Zeiten des Kalifates Abu Bakrs und den frühen Tagen des Kalifates ´Umars.” ‘Abdur Rahman bin ‘Abdul Qari sagte: “Ich ging in Gesellschaft ‘Umar bin Al-Khattab eine Nacht im Ramadan zur Moschee und sah dort die Menschen in verschiedenen Gruppen beten. Ein Mann betete alleine und ein anderer mit einer kleinen Gruppe hinter sich. Daraufhin sagte ‘Umar, ‘Meiner Meinung nach ware es besser, diese Leute unter der Führung eines Qaris (Rezitator) zu versammeln [sie also in Gemeinschaft beten zu lassen!]'. So folgte er seiner Meinung und versammelte sie hinter Ubayy bin Ka’b. Dann, in einer anderen Nacht ging ich abermals in seiner Gesellschaft und da beteten die Leute hinter ihrem Rezitator. Daraufhin bemerkte ‘Umar, 'Was für eine exzellente BID'A (NEUERUNG in der Religion) das doch ist; Aber das Gebet, welches sie nicht praktizieren und stattdessen schlafen, ist besser als jenes, welches sie anbieten.' Er meinte das Gebet im letzten Abschnitt der Nacht." [Sahih al-Bukhari, Band 3, Kapitel 32, Nummer 227]

Folgender Kommentar bezieht sich darauf:

 - “Es wurde BID’A genannt, weil der Prophet (s) es nicht in Gemeinschaft verrichtete. Es wurde weder in der Zeit al-Siddiqs (gemeint ist der erste Kalif) so verrichtet, noch in einem solch frühen Abschnitt der Nacht oder mit solch einer Anzahl von Einheiten.”
[Al-Qatallani, Irschad al-Sari Scharh Sahih al-Bukhari, Band 5, Seite 4]
[An-Nawawi, Scharh Sahih Muslim, Band 6, Seite287]

 _ “‘Umar war der erste, der das Beispiel der Nachgebete im Ramadan, des Tarawih vorführte und versammelte die Menschen zu diesem Zweck und wies die verschiedenen Regionen an, es dem gleich zu tun. Das geschah im Monat Ramadan im Jahre 14 (n.d. Hidschra). Er wählte Rezitatoren für die Menschen aus, die das Tarawih Gebet für Männer und Frauen anführen sollten..”
[Ibn Sa’d, Kitab al-Tabaqat, Band 3, Seite 281]
[Al-Suyuti, Tarikh al-Khulafa', Seite137]
[Al-‘Ayni, ‘Umdat al-Qari fi Scharh Sahih al-Bukhari, Band 6, Seite 125]

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Die freiwilligen Gebete individuell in den eigenen vier Wänden und außerhalb von Versammlungen in Moscheen zu praktizieren ist eine durch den Propheten (s) hoch empfohlene Praxis, da dadurch dem eigenen Heim und der Familie Segen zu Teil wird und ist außerdem gut für die islamische Erziehung der Kinder eines Haushaltes.

 - Der Prophet (s) hat gesagt: “Oh Ihr Menschen! Vollzieht eure Gebete in euren Häusern, da das beste Gebet eines Gläubigen jenes ist, welches er in seinem Heim verrichtet, ausgenommen die (gemeinschaftlichen) Pflichtegebete.“
[Sahih al-Bukhari, Band 9, Kapitel 92, Nummer393]
[An-Nasa’i, Sunan, Band 3, S.. 161, S. 198]

 - Einst fragte ‘Abdullah bin Mas’ud den Propheten (s): “Was ist besser; In meinem Hause zu beten oder in der Moschee?“ Der Prophet (s) antwortete: “Siehst du nicht wie nah mein Haus der Moschee ist? In meinem Haus zu beten ist mir lieber, als in der Moschee zu beten, ausgenommen die Pflichtgebete.”
[Ibn Madjah, Sunan, Band 1, Seite 439, Nummer 1378]

 - Zayd bin Thabit hat überliefert: Allahs Gesandter (s) errichtete einen kleinen Raum (mit einer Palmenfasernmatte). Er (s) kam heraus (aus seinem Haus) und betete darin. Einige Männer kamen und nahmen an seinem Gebet teil. Danach in der darauf folgenden Nacht erschienen sie wieder zu dem Gebet, aber der Prophet (s) verspätete sich und kam nicht zu ihnen heraus. Daraufhin sprachen sie mit erhöhter Stimme und warfen kleine Steinchen an seine Tür (um sich bemerkbar zu machen). Sodann kam er (s) verärgert(!) heraus und sagte: “Ihr harrt immer noch aus (auf euer Urteil), so dass ich fürchte, dass dieses Gebet euch zur Pflicht werden könnte. So sage ich euch: O Ihr Leute! Vollzieht dieses Gebet in euren Häusern, da das beste Gebet einer Person jenes ist, welches er in seinem Heim vollzieht, ausgenommen die (gemeinschaftlichen) Pflichtgebete.”
[Sahih al-Bukhari, Band 8, Kapitel 73, Nummer 134]

Hat man gar versucht, den Propheten zu zwingen?... Mit Steinchen gegen seine Tür! Und seine Reaktion? Verärgerung! Dem Propheten verärgern? ... Das geht gar nicht!

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Über die Salafiyya weiß ich nicht viel. Der Name rührt von "as-Salaf as-Salih", etwa "die frommen Altvorderen", d.h. man sagt, man richte sich nach dem Handel und Wandel der frühen Muslime. Diese junge Strömung, welche eng mit der saudisch basierten Wahhabiyya zusammenhängt, ist der Überzeugung, die einzig wahren Muslime zu sein, was schon an sich problematisch ist. Man beruft sich sehr auf Ibn Taimiya und seinen Umkreis, einen Gelehrten des 14. Jh. der hanbalitischen Schule. Er war damals sehr umstritten.

Warum aus dem Bereich der Salafiyya die allermeisten Extremistengruppen bzw. Terroristen kommen, weiß ich nicht. Aber nahezu alle islamisch motivierten Attentäter haben damit zu tun, kommen aus dieser "Ecke". Das muss Gründe haben.

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Wenn jemand, der andere derart ablehnt, mit diesen aber dennoch betet, dann ist das wohl eher eine Frage der Taktik. Im Grunde erfüllt das Gebet dieser Leute nicht den Zweck, außer als Mittel zur Annäherung, und damit ist es bei Allah wertlos. Wer nicht allein zu ehren Allāhs betet sondern mit Hintergedanken dieses tut, begeht eine Sünde.

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Und was deine Frage zu meiner Ausrichtung angeht, so bin ich seit ca. 2004 Muslim der Jaafariya-Schule (12er-Schiiten), nachdem ich seit Oktober 1990 sunnitischer Ausrichtung ohne spezielle Rechtsschule war, auch wenn ich mich mehr im Bereich der schafiitischen Schule bewegte, da ich Umgang mit indonesischen Brüdern hatte, welche größtenteils Schafiiten sind. ... Ich kenne also ziemlich gut die sunnitischen wie die schiitischen Geschwister im Islam. ... Ich selber frage übrigens nie nach der Rechtsschule von Geschwistern, da jede Frage dieser Art mindestens unbewusst eine gewisse Verdächtigung beinhaltet, dass der gefragte womöglich der falschen Gruppe angehört. Oder anders: Takfir ist mir zutiefst zuwider. Ich halt's da lieber mit der Fatwa des früheren Azhar-Oberhauptes Sheikh und Grossmufti Mahmûd Shaltut, der 1959 in einer Fatwa festgestellte, dass a) es jedem freigestellt ist, seine Rechtsschule zu wechseln (war bis dahin nicht selbstverständlich), und b) dass es nicht nur 4 Rechtsschulen gibt sondern auch die der Schiiten, welche gleich den anderen Schulen sind und rechtgläubig. Es besteht also kein Grund, Fragen zu stellen nach der Rechtsschule, wenn man mit einem Muslim spricht. Alle Muslime sind Geschwister - und alle Nichtmuslime sind uns in der Schöpfung gleich. Ich wünschte nur, dass das auch andere so sehen könnten. ...

السلام عليكم ورحمة الله وبركاته

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@mulan

Zur Salafiyya gibt es einen interessanten Text von Muhammad Sameer Murtaza, der aber recht ausführlich ist für schnelle Information (das Thema ist aber auch nicht mal eben so nebenbei abhandelbar, inkl. zum Begriff Bid'a):

http://islam.de/files/pdf/u/Was%20ist%20die%20Salafiyya.pdf

Ansonsten findet man auch bei Wikipedia einen durchaus informativen Report unter dem Stichwort Salafismus.

Ansonsten will ich nochmal soviel zum Thema Salaf sagen:

Salaf bzw. as-Salaf as-Salih ist ein Begriff unter Muslimen, der nie genau definiert wurde und angeblich die Generationen der ersten Muslime beschreiben soll.

Der Begriff Salaf (Vorgänger, Frühere) wird als eine Art Sammelbegriff der Gefährten des Propheten Muhammad (s.), Gefährtennachfolger [tabiun] und zuweilen auch einer dritten Generation [at-tabi at-tabiin] verwendet. Das wären wohl Hunderttausende. Dabei wird ein Idealbild der damaligen Muslime vorgespielt, welches von der Realität jedoch abweicht. Sämtliche Streitigkeiten der ersten Muslime bis hin zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit Schwerstverbrechen werden völlig ausgeklammert bzw. völlig verklärt wiedergegeben.

Der Begriff selbst hatte in der Geschichte des Islam bis in die Neuzeit keine oder kaum eine Bedeutung. In jüngerer Zeit wird er von Wahhabiten missbraucht, um als Salafisten den eigentlichen Ursprung ihrer Ideologie zu verbergen.

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@mulan

Und noch einmal zu Wahhabismus bzw. Salafismus:

Der Wahhabismus bzw. Salafismus ist im Grunde eine Sekte, die aus einer internen Veränderung der Lehren der Hanbaliten entstand. Gegründet im 18. Jh. n.Chr. von Muhammad ibn Abd al-Wahhab ist diese Bewegung von der Saud-Dynastie übernommen worden. Wer von den Stämmen im Hidjaz und in Najd nicht mitzog, wurde niedergemacht. Es fanden Massaker statt, indem Saud mit dem geistlichen Rüstzeug von Ibn Abd al-Wahhab zu Felde zog.

Nach der Gründung des Königreichs von Saudi-Arabien machte Ibn Saud daraus seine Staatsdoktrin. Das wahhabitische Selbstverständnis wird in der Staatsflagge Saudi-Arabiens deutlich, in der das Glaubensbekenntnis [schahada] des Islam mit einem Schwert kombiniert wird, was von allen anderen Richtungen des Islam abgelehnt wird.

Die Wahhabiten betrachten Ibn Abd al-Wahhab jedoch nicht als Gründergestalt, sondern als wichtige Autorität in der Auslegung der ursprünglichen Lehre des Islam. Die Anhänger Ibn Abd al-Wahhabs nehmen für sich in Anspruch, die islamische Lehre authentisch zu vertreten unter Ausschluss aller anderen. Die Wahhabiten erklären viele andere Muslime zu Abweichlern und Schiiten gar zu Nichtmuslimen. Gleichzeitig lehnt der Wahhabismus die Mystik (Sufis) ab. Die meisten Wahhabiten, die sich neuerdings Salafiten nennen, gibt es in Saudi-Arabien.

Laut wahhabitischer Lehre ist nicht nur alles verboten, was gemäß Heiligem Qur'an oder Überlieferung verboten ist, sondern auch jede Handlung oder Situation, die zu einer solchen verbotenen Tat führen könnte. Mit derartigen Verrenkungen des Islamischen Rechts [scharia] ist Saudi-Arabien das einzige Land der Welt, in dem Frauen kein Auto fahren dürfen. Lange Zeit waren uneingeschränkt Musik und Fernsehen verboten, da sie einen schlechten Einfluss darstellen könnten. Auch das Bilder- und Fotoverbot wurde lange Zeit sehr strikt gehandhabt, obwohl gleichzeitig das Passfoto pflicht war. Glaubensauffassungen, die mit dem Wahhabismus nicht vereinbar sind, erscheinen Wahhabiten schnell als unislamisch, was ihnen in der Gesamtheit der muslimischen Gemeinschaft den Ruf der Intoleranz und des Fanatismus eingebracht hat.

Eine der Eigenheiten des wahhabitischen Systems ist in Saudi-Arabien beobachtbar und mündet in eine Religionspolizei, die zu Gebetszeiten die Passanten zum Gebet zwingt, was von allen anderen Rechtsschulen als unislamisch abgelehnt wird.

Die Wahhabiten schließen unter anderem auch den Besuch der Gräber aus, weshalb sie zahllose Gräber von gesegneten Gefährten des Prophet Muhammad (s.) verfallen ließen oder gar selbst zerstörten (Die Störung der Totenruhe ist auch im Islam eigentlich ein Tabu bzw. absolut haram, wie u.a. auch Fatwa Nr. 514 von al-Azhar vom 23.10.2011 nach den Ereignissen in Timbuktu besagt - http://www.tombouctoumanuscripts.org/images/uploads/Fatwa_1.pdf).

Durch große finanzielle Aufwendungen wurden derartige Gedanken im 20 Jh. auch in die anderen Rechtsschulen hineingetragen. Das hält bis heute an.

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Kurz zusammengefasst:

Im Grunde genommen unterscheiden sich Sunniten und Schiiten in der Frage, wer die Nachfolge des Propheten Mohammed antreten sollte.

Sunniten glauben daran, dass Abo Bakr der rechtmäßige Nachfolger sein sollte (einer der ersten Anhänger Mohammeds), Schiiten glauben daran, dass es Ali sein Vetter sein soll.

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