Was ist der materialistische Monismus?

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Monismus heisst, dass er glaubt, es gäbe nur einen Teil. Das Gegenteil wäre der Dualismus, bei dem man davon ausgeht, dass der Mensch aus zwei Komponenten besteht (meist Körper und Seele/Geist). Für einen Monisten gibt es nur eins von beiden. Materialistisch heisst, dass er die Materie als Grundlage nahm. Er geht also davon aus, dass der Mensch nur aus Körper/Materie besteht und es so etwas wie eine Seele nicht gibt. Also, wie du schreibst, eine Art "Maschine".

Wikipedia: "Der Monismus ist die philosophische oder metaphysische Position, wonach sich alle Vorgänge und Phänomene der Welt auf ein einziges Grundprinzip zurückführen lassen." Wichtig ist das "zurückführen lassen", was sich in Aussagen manifestiert wie "Unsere Gedanken sind ja nur ...".

Kein materialistischer Monismus ist, wenn man Geist und Geistiges als eine Entwicklungsstufe eines evolutionären Prozesses einer materiellen Welt sieht. So unterscheidet z.B. Popper unsere Realität heute als Interaktion dreier Welten, einer physikalischen, einer erlebnisbewussten und einer unabhängigen geistigen Welt. Obwohl sie aufeinander aufbauen, sich evolutionär herausgebildet haben, interagieren sie heute selbstständig und die Welt ist eben nicht mehr nur noch als dies oder das zu erklären, weil Geistiges und seine Wirkung eben nicht auf die physikalische Ebene zurückgeführt werden kann.

unabhängigen geistigen Welt

Wie kann diese geistige Welt unabhängig sein, wenn sie Resultat physikalischer oder sagen wir genauer chemischer Prozesse ist. Und wenn sie unabhängig ist, zu welchem Zeitpunkt soll sie sich bitte von der Materiellen Ebene "losgerissen" haben?

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@NinetiesResult

Gute Rückfrage weil sie deutlich macht, wie wichtig die Perspektive ist. Die Rückfrage unterstellt nämlich genau das, was ich oben betont habe, nämlich die Möglichkeit der lückenlosen Rückführung einer höheren Ebene auf die je niederen. Schon bei Marx wird das Thema unter der Überschrift "Umschlagen von Quantität in Qualität" vorgestellt, d.h. wenn Menschen in Welt 2, der Welt der erlebnisbewussten Qualität das Bewusstsein in eine rein abstrakte Form überführen, d.h. in Sprache, die nicht mehr an das Objekt gebunden ist, dann entstehen Theorien die ohne direkten Bezug auf das Objekt geistiges Erkennen repräsentieren. Sie gehen von der Physik und Chemie und Biologie aus, sind als reine Theorie aber nicht mehr daran gebunden. In einem Vortrag, einem Buch oder anderen Medium kann man diese Theorie z.B. über Kathedralen verstehen, ohne die Kathedrale begehen zu müssen. Theorien über politische und wirtschaftliche Zusammenhänge können (siehe Marxismus) eine Kraft auf den Willen vieler Menschen ausüben, ohne dass diese Menschen Marx oder seine Realsituation Mitte - Ende des 19. JH erleben. Die Kraft dieser Theorie ist nicht mehr auf Physik rückführbar.

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@berkersheim

Ich denke ich verstehe, es ist im Grunde die gleiche Kritik wie sie hier beschrieben ist zum Reduktionismus.

"Nach Fodors These lassen sich Einzelwissenschaften wie die Psychologie oder Ökonomie prinzipiell nicht auf die Mikrophysik reduzieren, da die Gesetze und Eigenschaften, die von den Einzelwissenschaften beschrieben werden, sich nicht durch die Gesetze und Eigenschaften der Physik wiedergeben lassen.

Fodor argumentiert, dass etwa ganz verschiedene Objekte die Eigenschaft haben, ein Zahlungsmittel zu sein - Gold, Dollars, Muscheln etc. Auch wenn diese Objekte also eine ökonomische Eigenschaft gemeinsam haben, die sie von allen anderen Objekten unterscheidet, sei es doch unwahrscheinlich, dass Gold, Dollar und Muscheln eine physikalische Eigenschaft haben, die sie von allen anderen Objekten abgrenzt. (...)"

http://de.wikipedia.org/wiki/Reduktionismus

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@NinetiesResult

Das passt. Man kann es auch mit einer Person erklären, die auf einem Baum sitzt und aus der Krone zum Stamm schaut. Dann kann sie die verschiedenen Verästelungen beschreiben und sie glaubt so, den ganzen Baum "im Griff" zu haben. Aber es ist in Wirklichkeit nur eine Nachinterpretation etwas Geschehenen. Wenn man aber diese Person an einen jungen Stamm stellt und sagt, so jetzt mal mir mal auf, wie in 80 Jahren der Baum aussieht, dessen Potential jetzt vor der Entfaltung steht, dann wäre die Person überfordert. Die Position des Reduktionismus oder Monismus ist, dass es sich auf den diversen Stufen nur um rückführbare Zusammensetzungen handelt, dass keine neue Qualität entsteht, die ihrerseits eine eigene Kommunikation mit der Umwelt eingeht und nicht mehr auf ihre Ausgangsstränge reduziert werden kann. Sehr ausführlich ist es in folgender PDF beschrieben - allerdings sehr kompliziert:

http://www.zeww.uni-hannover.de/014_Hoyningen_Red_Biologie.pdf

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Monismus ist die Ansicht, dass sich Bewusstsein und alle daraus resultierenden Phänomene auf Physikalisches zurückführen lässt. Der Glaube an eine Seele heißt Dualismus.

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