Was ist der Grund das Christen momentan eher keinen Gottesstaat wollen, aber im Islam oft das Gegenteil der Fall ist,was steht hierzu in der Bibel und im Koran?

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21 Antworten

Naja, wir haben hierzulande die Trennung von Staat und Religion. Religion darf ausgeübt werden, aber die Staatsgewalt ist nicht religiös legitimiert.

Auch im Islam gibt es nicht nur Gottesstaaten (theokratische Republiken), sondern auch andere Staatsformen: Marokko, Jordanien und Saudi-Arabien sind Monarchien. Indonesien (übrigens über 237 Millionen Einwohner!) ist eine präsidentielle Demokratie. Malaysia ist eine parlamentarische Wahlmonarchie.

Insofern war es schon korrekt, von "oft" zu sprechen.

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Kommentar von KatzenMarkus
13.11.2016, 14:05

Danke sehr interessant.

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Kommentar von voayager
13.11.2016, 15:08

Eine vollständige Trennung von Kirche und Staat haben wir hier in Deutschland nicht, du bist da im Irrtum.

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Die Bibel berichtet im 1. Buch Samuel Kap. 8, daß die Einsetzung eines Königs in Israel, und das heißt: die Gründung eines Staates, gegen Gottes Rat erfolgte. Gott warnt hier die Israeliten ausdrücklich vor den Folgen, die dies haben mußte: Entstehung einer anspruchsvollen und kostspieligen herrschenden Elite, insbesondere durch den Aufbau eines Militärapparats.

So wie die Israeliten um 1000 v. Chr. haben auch die Christen ab dem 4. Jahrhundert sich auf die Vermischung von Staat und Religion eingelassen, und ihre Gründe waren gar nicht unähnlich. Die Israeliten hatten es getan, weil sie sich von der damals modernsten menschlichen Organisationsform militärische Stärke und Selbstbewußtsein auf Augenhöhe mit den benachbarten Großmächten erhofften. Die Christen des Römischen Reiches taten es, um Unterdrückung und Verfolgung gegen Sicherheit und einen Platz am Tisch der ohnehin herrschenden Elite einzutauschen.

Auch unter den Christen heute gibt es nicht wenige, die den Anspruch erheben, in einem "christlichen Land" zu leben und es paradoxerweise den über sie herrschenden Politikern gerade so sehr leicht machen, sie als Wähler und Unterstützer für jede noch so schmutzige Politik zu gewinnen.

http://www.wort-und-wissen.de/bibel/bibel.php?b=9&c=8&vr=slr

http://www.zondervan.com/the-myth-of-a-christian-nation

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Es kommt weniger auf den Koran und die Bibel als schriftlich fixierte Handlungsanweisung an als auf das Modell, das Jesus und Mohammed als
quasi historische Personen liefern - im Islam die Sunna..

Jesus hatte keine weltliche Macht. Sein Ende ist bekannt.

Mohammed war gleichzeitig Religionsstifter, - führer und Diktator über ein Herrschaftsgebiet.
Da Mohammed über alle islamischen Strömungen hinweg als Vorbild gilt,
berufen sich Fundamentalisten  in der Logik dieser Religion mit einigem Recht auf seine erste Herrschaft in Yatrib/ Medina als Modell.
Heutzutage kommt Saudi-Arabien dem wohl ziemlich nahe. 

Der Begriff "Gottesstaat" hat im Christentum seine eigene Geschichte.
Das auszuführen, würde hier zu weit gehen.

Lies dich am besten in Wikipedia unter den Begriffen "Augustinus - De civitate Dei", "Theokratie" und vielleicht noch "Cäsaropapismus" in diesen Themenkomplex ein.
 



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Kommentar von KatzenMarkus
13.11.2016, 13:48

Mohammed war als schon zu seiner Lebzeit in Medina ein Diktator und deshalb gilt er auch für manch anderen Diktator als Vorbild. 

Das ist natürlich möglich.

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Es gibt irgendwas im Islam, wonach ein Land als muslimisch gilt, wenn der Staat und die Mehrheit der Bewohner islamisch sind. Und ich glaub, Muslime sind dazu aufgerufen, die Länder für Gott islamisch zu machen, eben auch falls nötig mit Heiligem Krieg. Leider kenne ich den Koran nicht gut, und es gibt ja noch so ergänzende Schriften, je nach muslimischer Strömung.

Die einzelnen Individuen des muslimischen Landes sind nicht so wichtig, die Frauen schon gar nicht. Es dürfen ja auch nicht-muslimische Frauen geheiratet werden, denn die hat der Mann ja im Griff, das spielt keine Rolle. (Bei einer muslimischen Hochzeit gibt es nicht das nötige "Ja" der Ehefrau.) Für eine echte christliche Eheschließung müssen beide Partner Christen sein und zustimmen. Nicht, dass die Frau gleichgestellt wäre, aber an diesem Punkt schon.

Das Christentum ist in seinem Kern aber auch radikal, also wenn die Christen in der Mehrheit wären, würden christliche Regeln auch über andere Gesetze gestellt werden. Das Christentum ist auch als Rechtfertigung hergenommen worden, über Sklaven oder kolonisierte Länder zu herrschen. Aber die Bibel kennt Liebe deinen Feind und Halte die rechte Wange hin und sowas, vielleicht mildert das das Ganze ab.

Wobei es im Christentum immer Machtkämpfe zwischen dem Pabst und den weltlichen Regierenden gegeben hat.

Laut Bibel vergehen die Herrschertümer dieser Welt alle und mit dem Weltuntergang kommt das Reich Gottes. Vielleicht überlassen Christen die Welteroberung lieber Gott. In den westlichen Gesellschaften sind Gewalt und Eroberungen halt auch grade eher out.

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Ein Grund: In einer Reihe von europäischen Ländern gibt es eine Spaltung der Christen in verschiedene Konfessionen. Der Herrscher versuchte entweder, sein Land einheitlich zu machen, oder aber er versuchte, einen Ausgleich zwischen den Konfessionen zu fördern. Die Katholische Kirche stellt sich betont eigenständig auf, auch das hat die Trennung von Staat und Kirche gefördert. Die Trennung ist ja nicht nur ein Schutz des Staates vor der Kirche, sondern auch umgekehrt.

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Aus den Christetum könnte man auch einen Gottesstaat ableiten, so wie es schon öfters geschehen ist, aber dank der westlichen Entwicklung liegt der Plan zurzeit weit unten in der Schublade. Noch unter einem Nazi-Staat, würde ich sagen (wenn es sich um einen echten Gottesstaat handeln soll, jedenfalls)

Er lässt sich mit der Bibel aber uch schlechter begründen, was daran liegt, dass die Bibel noch viel mehr Widersprüche enthält als der Koran, denn der wurde von einer Person geschrieben (Allah) während die Bibel mehrere Autoren hatte.

Außerdem wird von Christen gern das Zitat Jesus angeführt: Gebt Gott was Gottes ist und dem Kaiser was des Kaisers ist. Das kann man wunderbar dafür benutzen eine sekuläre Gesellschaft zu unterstützen und auf die ungeschlagene Modernität des Glaubens zu verweisen, denn schon Jesus...
(das mit Allah war ein Scherz)

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Kommentar von KatzenMarkus
13.11.2016, 02:13

Ja ich glaube hier ist die Bibel generell etwas milder in ihren Aussagen, ich weiß gar nicht ob auch von einem heiligen Krieg in der Bibel die Rede ist, zum Beispiel für die Kreuzzüge um 1100 nach Christus rum.

Hitler wollte glaube den christlichen Glauben komplett abschaffen, deshalb glaube ich nicht, dass er sich auf irgendwelche Passagen in der Bibel berufen hat.

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 Was ist der Grund das Christen momentan eher keinen Gottesstaat wollen

Es gab schon genug Erfahrungen damit. Warum sollte man Dummheit wiederholen?

Schreibt die Bibel eine Trennung von Staat und Religion vor, oder äußert sie sich dazu gar nicht ?

Es gab seit der Sesshaftwerdung der Stämme Israels immer eine Trennung zwischen weltlicher und religiöser Macht.

Was ist hier der Unterschied zum Koran ?

Im Koran wird so etwas nicht groß behandelt, da es prinzipiell vorausgesetzt wird. Mohammed war weltlicher und geistlicher Herrscher zugleich.

Nach seinem Tod am 8. Juni 632 spaltete sich die Umma, wobei man sagen muss, dass sie schon von inneren Spannungen geprägt war. Die Frage, wer der rechtmäßige Nachfolger Mohammeds als Kalif sein, führte immer wieder zu Kriegen und der heutige 'Islamische Staat' ist nur die Spitze des Eisberges. Etwa 80% der Muslime in Österreich befürworten ein solches Kalifat und viele unterstützen den IS bzw. andere Terrororganisationen.

Ist die Bibel hier liberaler ?

Was verstehst du darunter? Sie verpflichtet einen weltlichen Herrscher eindeutig, das Gesetz Gottes zu befolgen. Das wurde aber schon bald so umgedeutet, dass er die Gesetze einer bestimmten Denomination befolgen muss. Und damit begann die Katastrophe von Neuem.

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Die Bibel basiert auf jüdischen Traditionen und die sehen sehr wohl so etwas wie einen Gottesstaat vor, da zuerst Richter, später Könige das Volk regiert haben, die sich in ihrer Herrschaft auf Gott bezogen (David, Salomon) und die von Gott geschaffenen 10 Gebote zur Grundlage ihrer Gesetzgebung hatten. Immer, wenn ein biblischer König vom rechten Weg abkam, schickte Gott Propheten,  die den König warnen sollten und auf den rechten Weg zurückführen sollten.

Christus legte jedoch auf diese Tradition keinen Wert mehr, da es ihm nicht um irdische Belange ging. Er kündigte das Reich Gottes an, dass nicht von dieser Welt sei. Eine Staatsgründung im irdischen Sinn, war nicht gewollt und auch gar nicht möglich, da Jesus als Pazifist Gewalt - selbst zur Verteidigung ablehnte (er forderte Petrus bei seiner Verhaftung auf, das Schwert wegzulegen). Gleichzeitig akzeptiert er jedoch die Notwendigkeit staatlicher Gewalt, die er selbst nicht ausüben wollte. Ein solcher Gottesstaat wäre damals wie heute zum Scheitern verurteilt, weil seine Nachbarn ihn überrennen würden.

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Kommentar von KatzenMarkus
13.11.2016, 02:54

Danke.Und mit Jesus kam dann das neue Testament, was quasi seinen Willen beinhaltet ? Im alten könnte er sich ja nicht äußern.

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Naja es liegt auch an den Büchern selbst. Die Bibel ist halt eher passiv, der Koran eher aktiv.

Die Bibel vordert nicht auf zu kämpfen und einen Gottesstaat zu errichten, da müsste man schon sehr hart herum interpretieren und große Teile der Bibel ignorieren um sowas heraus lesen zu können.

Beim Koran aber ist es anders, da sind viele Passagen sehr Schwammig vormuliert, da kann man wesentlich besser etwas hinein interpretieren. So ist ja z.B das Töten erlaubt, wenn man sich im Djihad befindet. Wenn das eigene Land angegriffen wird. Nunja, die Amys fliegen Angrife im nahen Osten, also greift der Westen den Islam an, also sind Terroranschläge erlaubt. Andere interpretieren den Angriff aber auch schon als Beleidigung oder Kritik des Korans. Man sieht also: es ist beim Koran wesentlich schwammiger, was einige eben ausnutzen.

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Kommentar von KatzenMarkus
13.11.2016, 02:07

Ah, super, genau in die Richtung habe ich auch gedacht. Dass der Koran sich zu Gewalt mehr und genauer äußert. Ich glaube Mohammed hat den Koran deutlich kriegerischer geprägt, weil er ja aus Mekka nach Medina geflohen war und sich mit seinen Anhängern praktisch im Krieg gegen die Herrscher in Mekka befand.

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Evangelium des Markus 12,17:

“Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.”

Das war die Meinung von Jesus zur Trennung von Staat und Kirche.

Im Islam war der höchste Herrscher jeweils auch der politische, wie der religiöse Führer. Mustafa Kemal (Atatürk) war nach meiner Kenntnis der Erste, der die Trennung von Staat und Religion in einem Muslimischen Staat nachhaltig eingeführt hat.

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Kommentar von Maxieu
13.11.2016, 10:02

"...Trennung von Staat und Religion in einem Muslimischen Staat nachhaltig eingeführt hat."

M. E. eine mehr als missverständliche Formulierung.

Er hat die Religion an die Kandare genommen, hat den Islam als faktische privilegierte Nationalreligion unter staatliche Aufsicht gestellt.

Das ist etwas ganz anderes als die Trennung von Staat und Kirche in der frz. Konzeption des Laizismus.

 

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ne Hauptlehre im Evangelium war die Jesuspredigt "Sehet, das Königreich Gottes ist nahe". Der historische Jesus verstand unter Königreich Gottes in erster Linie was negatives, eine Antithese zum bestehenden Äon:

Also Befreiung von den römischen Sklavenhaltern, zusätzlich mit sozialrevolutionären Gedanken - die Reichen und die Prasser und Leuteunterdücker, die Ungerechten werden nicht eingehen ins Königreich Gottes. Jesus verstand damit eine irdische, diesseitige Gesellschaft. Mit ner stark verinnerlichten, spirituellen Religionsauffassung.

Nach der Kreuzigung des Messias und der Zerstörung Jerusalems, als das nahe Königreich Gottes immer ferner rückte, kam die Kirche auf den Gedanken, das Königreich Gottes, das Pariadies, vo der Erde in den Nachtodes-Himmel zu verschieben.

Die Kirchen in der Neuzeit sind realistisch genug von theokratischen Zielen zu lassen, sie arrangieren sich mit der jeweils herrschenden Klasse eines Landes und begnügen sich, wie die evangelischen Kirchen, mit einer "Wächterfunktion", oder, wie die katholische Kirche, mit einem ethischen Mandat.

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Islam hat damit nichts zutun. Es iste ein rein politische Geschichte, wie immer.

Ausserdem ist die christliche Welt mittlerweile auf andere Werte und Wordngs gepolt. "iPhone lo vult!" könnte durchaus funktionieren.

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Kommentar von KatzenMarkus
13.11.2016, 13:51

Nix hat mit nix zu tun.

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Wenn du mich fragst, hängt das weniger vom Unterschied zwischen  Bibel und Koran, sondern eher von der Aufklärung ab.

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Kommentar von Rotrunner2
13.11.2016, 02:02

Genau so sehe ich das auch.

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Es gibt auch christliche Terrororganisationen, in Afrika gibt es sogar eine, die sowas ähnliches wie ein Gottesstaat möchte. 

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Manche Fragen sind dermaßen gruselig , dass ich mich frage , in welchem Jahrhundert ich lebe !

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Kommentar von KatzenMarkus
13.11.2016, 01:50

Ja muss das für Religion lernen ;)

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Kommentar von Pleague91
13.11.2016, 01:59

Was soll denn bitteschön gruselig an der Frage sein?

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Weil das Christentum keinen Gottesstaat will, sondern Staat und Kirche trennt: "Gebt Gott, was Gottes ist und dem Staat, was des Staates ist". Ein "Kalifat" kann es also im Christentum nicht geben. 

Mohammed hingegen war Machthaber, Kriegsherr und Prophet in einer Person. Jesus als Politiker und Heerführer ist unvorstellbar. 

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Es ist unmaßgeblich, was dazu in der Bibel steht. Die westliche Welt hat sich längst emanzipiert und im Laufe der Geschichte aus Vernunftgründen getrennte Wege gegangen. Der Islam ist einfach nur in der Hinsicht zurückgeblieben.

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Das Christentum trennte immer zwischen Staat und Religion. Jesus sagte: "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist."

Kaiser und Papst waren nie identisch. Sie arbeiteten oft zusammen, aber immer auf der Grundlage der Unterschiedlichkeit.

Der Kalif jedoch ist wie Mohammed weltliches Oberhaupt (auch Kriegsherr) und religiöses Oberhaupt.

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Nach der Bibel sollen Christen keinen Gottesstaat gründen, sondern sich der regierenden Obrigkeit unterordnen und ein stilles Leben führen. Sie sollen darauf warten, dass Jesus wiederkommt und sein Friedensreich aufrichtet. Dieses Reich wird aber Jesus selbst errichten und nicht die Christen.

 "Jedermann ordne sich den Obrigkeiten unter, die über ihn gesetzt sind" (Römer 13,1).

"Erinnere sie, dass sie sich den Regierenden und Obrigkeiten unterordnen und gehorsam sind, zu jedem guten Werk bereit" (Titus 3,1).

In Offenbarung 20 steht etwas über das Friedensreich des Messias, über das schon die Propheten des Alten Testaments verkündigt haben, z. B. Jesaja: "http://www.de.bibleserver.com/text/SLT/Jesaja2%2C4

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Die Menschen lehnten die Regierung Gottes ab (1.Sam.8,7) und müssen nun selbst (Offb.17,1-6) das Volk regieren (Offb.12,9).

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