Was ist der Feudalismus des Geldes?

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3 Antworten

"Feudalismus" ist die Gesellschaftsform des Mittelalters (mal ganz grob), in der eine Kriegerkaste (Ritter) vom Landesherren (Adliger) Verfügungsgewalt über Ländereien und die auf diesen Ländereien lebenden und arbeitenden Menschen (damals vor allem Bauern) erhälte. Die Bauern sind ihrem sogenannten Lehnsherren "leibeigen" oder auch "hörig". Sie sind also persönlich abhängig und "unfrei".

Als Feudalismus des Geldes kann man die Praxis in unserer kapitalistischen Gesellschsaft interpretieren, in der große Teile der Bevölkerung zwar formal "frei" sind, aber dennoch ständig damit beschäftigt sind - egal ob als Arbeiter, Angestellter, Mieter oder Konsument - den Reichen (Kapitalbesitzern) noch mehr Geld zuzuarbeiten; woran sich auch nichts ändert, da diese Reichen das politische System weitgehend korrumpiert haben und die die gesamte Politik auf die weitere Akkumulation (Anhäufung) von Vermögen bei den Kapitalbesitzern ausgerichtet haben.

Man spricht ja auch von "Geldadel" - also ohne blaues Blut aber mit viel Geld, dass fleißig weiter vererbt wird und so auch politische Macht bedeutet.

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Der Philosoph Peter Sloterdijk hat von einem neuen Feudalismus der Eliten gesprochen, die sich in Seilschaften verknüpfen um die Massen der konsumverhafteten Menschen zu lenken und abzuzocken. In der Diskussion über die EURO-Rettung und die Griechenlandpolitik kamen einige Autoren mit der Vorstellung, dass die Zentraldiktatur in Brüssel und die EZB mit Zustimmung nationaler Eliten ungefragt das Vermögen der Menschen hin und herschieben und nannten das neuen Feudalismus. Auch Paul Kirchhof, Finanzexperte und Professor für öffentliches Recht, der mal die vereinfachte Steuerreform ausgearbeitet hat, sieht in seinem Buch "Deuschland im Schuldensog" diese Tendenz und zeigt sich erstaunt, in welchem Maße sich die Eliten über selbstverfügte Gesetze hinwegsetzen. Hier zu erläutern, welche Einzelschritte im Laufe der EURO-Rettung den einzelnen Bürger entmündigt und der ungefragten Verfügungsmacht der Eliten preisgegeben haben, ist zu viel verlangt. Dahinein gehört die komplette Veränderung der Zentralbankpolitik im Wechsel von Deutscher Bundesbank zur EZB: Da wird uns als Demokratie verkauft, dass Deutschland, das die höchsten Finanzrisiken trägt und Hauptfinanzier ist nur noch ab und zu mit einer Stimme im Zentralbankrat vertreten ist, uns andere Länder nach Gusto in die Tasche greifen können. Portugal, Spanien, Frankreich, Italien und Irland retten ihre Banken mit unseren Steuergeldern - von Griechenland gar nicht zu reden. Das deutsche Sparkassenmodell, Garant eines blühenden Mittelstands und wenigstens kleiner Vermögensbildung ist von der EZB platt gemacht worden. Alle Geldanlagen sind jetzt dem internationalen Großrisiko ausgesetzt, d.h. den Großfinanzmanipulationen ausgeliefert. Die EZB kauft wie verrückt wertlose Schuldenpapiere und zahlt mit unserem Steuergeld, denn wir haften für die dafür eingetauschten EUROs. So schlau sind unsere Eliten natürlich auch nicht, denn sie stolpern von einer Krisenbewältigung zur nächsten selbstgemachten Krise. Irgendwann ist ja auch der alte Feudalismus an sich selbst krepiert.

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Schade, daß Google mal wieder nicht geht.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Feudalismus

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Kommentar von morleking
21.11.2015, 21:43

Aber wie wird das in unsere heutige Zeit übertragen im Zusammenhang mit dem Geld das verstehe ich nicht wirklich

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