was ist der unterschied zwischen marat & danton?

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1 Antwort

Marat und Danton hatten manche politischen Einstellungen gemeinsam. Sie waren Anhänger der Französischen Revolution und aktiv an ihr beteiligt. Sie empfanden sich als Patrioten. Beide traten gegen das Königtum und für eine Republik ein. Sie waren Jakobiner und Montagnards (gehörten zur „Bergpartei“), gehörten auch als Mitbegründer zu einem weiteren Klub, der „Société des droits de l'homme et du citoyen" („Gesellschaft der Menschenrechte und der Bürger"), genannt „Cordeliers" (wörtlich: „Strickträger" nach einem Kleidungsstück von Mönchen; Tagungsort war ein aufgelöstes Franziskanerkloster).

Ihr Aussehen konnte eine erschreckende Wirkung haben, auf unterschiedliche Weise. Marat war hager, gelblich, trug fast immer Pistolen um den Leib, einen Turban gegen Migräne um den Kopf und war schwer hautkrank. Danton war ein häßlicher Koloß, mit Bulldoggenstirn, stechenden kleinen Augen und einem von Pockennarben zerrissenen Gesicht, aber eindrucksvoll.

Jean Paul Marat (1743 – 1793) war Mediziner, Schriftsteller und beschäftigte sich mit Naturwissenschaften. Nach Ausbruch der französischen Revolution wurde er Journalist, gab die radikale populäre Zeitung „L'ami du peuple“ (“Der Volksfreund“) heraus und schrieb die Beiträge dazu. Zeitweise übte er diese Tätigkeit im Untergrund aus. Als einer von wenigen Politikern trat er gegen das Gesetz Le Chapelier von 1791 ein, das ein Koalitions- und Streikverbot für Arbeiter enthielt.

Nach einer kurzzeitigen Emigration wurde er 1792 Abgeordneter von Paris im Nationalkonvent. Seine Zeitung zielte eher auf die unteren Bevölkerungsschichten (wobei er für diese einen starken, ehrbaren Anführer für erforderlich hielt). Er hielt es für eine wesentliche Aufgabe des Journalismus, die Politiker zu überwachen und Verfehlungen (Versäumnisse, Versagen, Verrat) anzuprangern. Er verstand sich als „Auge des Volkes“, wachsam und aufmerksam vorausschauend.

Marat nahm leidenschaftlich für die „Passivbürger“ Partei (wegen zu wenig Besitz mit weniger politischen Rechten).

Er beteiligte sich an einer Massendemonstration gegen den König am 2. Juni 1792 in den Tulierien und war einer der Initiatoren des Aufstandes mit einem Sturm auf die Tuilerien am 10. August 1792.

Marat begrüßte die Septembermassaker 1792 (in einer Massenhysterie wurden in den Pariser Gefängnissen viele Gefangene getötet).

Er stieg am 2. Juni 1793 auf den Rathausturm und läutete die Sturmglocke, um die Volksmassen gegen die Girondisten aufzubringen.

Marat war hypernervös, wohl an der Grenze zum Verfolgungswahn, und hatte ein überstarkes Geltungsbedürfnis, das er zunächst durch naturwissenschaftliche „Entdeckungen“ zu befriedigen gesucht hatte und das dann in tiefem Haß auf die etablierten Wissenschaften umgeschlagen war. Gefühle des Unrechts durch Herrschende und Reiche konnten ihn zur Raserei bringen und zu hemmungslosen Äußerungen treiben. Mitleid, nicht Furcht machte ihn grausam bzw. er war der vielleicht einzige, der den Mut hatte, alles zu sagen, was er dachte. In seiner Zeitung schrieb er schon im Juli 1790: „500 oder 600 abgeschlagene Köpfe würden Ruhe, Freiheit und Glück verbürgen. Eine falsche Humanität hat euren Arm gehemmt. Das wird Millionen eurer Brüder das Leben kosten.“

Georges Jacques Danton (1759 - 1794) war von Beruf Rechtsanwalt. Als Organisator der Petitionsbewegung zur Abdankung des Königs wurde er im Juli 1791 verfolgt und floh nach England. Nach seiner Rückkehr wurde er Mitarbeiter des Bürgermeisters Jérôme Pétion (de Villeneuve) und des Verwaltungschefs Louis Pierre Manuel in der Pariser Kommune. Im August 1792 war er führend am Sturz der Monarchie beteiligt.

Vom 10. August 1792 bis zum 9. Oktober 1792 war Danton Justizminister. Während der Septembermassaker verhielt er sich passiv und verhinderte sie nicht.

Nach seiner Wahl in den Nationalkonvent als Pariser Abgeordneter trat er als Justizminister zurück. Danton bemühte sich zunächst lange um eine Versöhnung mit den Girondisten (während zwischen Marat und den Girondisten scharfe Gegnerschaft bestand). Ihm lag an einer breiten Einigung. Letztlich unterstützte er aber Robespierre und die Montagnards.

Danton beantragte die Errichtung des Revolutionstribunals am 10. März 1793 und war stark an der Bildung des Wohlfahrtsauschusses (Comité de salut public) beteiligt. Vom 6. April bis zum 10. Juli war ein führendes Mitglied. Am 10. Juli wurde er nicht im Amt bestätigt. Er war eher zögerlich und apathisch gewesen, wenn zähe kleine, sachliche Politik gefragt war.

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Kommentar von Albrecht
23.06.2011, 05:34

Sein Verhalten ist etwas rätselhaft. Möglicherweise war ein Grund, vorrangig Einigung und Zusammenschließen aller Anhänger der Revolution herbeiführen zu wollen und nicht die Gräben zu vertiefen. Vielleicht war er nicht der Mann für eine längere ausdauernde Politik. Vielleicht hat auch sein Privatleben hineingespielt. Seit Februar 1793 verwitwet heiratete Danton im Juni 1793 ein 16-jähriges Mädchen (Sébastienne-Louise Gély) und willigte auf ihren Wunsch in eine kirchliche Trauung bei einem eidverweigernden (hatte keinen Eid auf die Verfassung geleistet) Priester ein. Danach erklärte Danton, Flitterwochen seien schöner als alle Politik.

Im August spielte er eine führende Rolle im Nationalkonvent, anschließend war er in seinem Heimatort Arcis-sur-Aube. Ende 1793 kehrte Danton nach Paris zurück. Zusammen mit Camille Desmoulins trat er für Mäßigung ein, eine von ihm geführte Gruppe spaltete sich von den Corderliers ab. Sie wurden Dantonisten oder Indulgenten (französisch „indulgents" = „die Nachsichtigen") genannt. Ihre Ziele waren eine Beendigung des Schreckens („Terreur"), Frieden im Koalitionskrieg und innenpolitisch eine Versöhnung mit kompromißbereiten Girondisten.

Danton war ein Genießer, führte ein unordentliches, ausschweifendes Leben, hatte hohe Schulden, Er war ein kühner Realpolitiker, der kurzfristige Volksheld für kritische Tage, ein mitreißender Redner. Danton mißtraute im Grunde Weltanschauungen/Ideologien. Er war populär, bemühte sich aber nicht bewußt um Volkstümlichkeit.

Er bevorzugte eine weitgespannte patriotische Einigung aller Revolutionsanhänger und vertrat in den letzen Monaten eine auf Mäßigung zielende politische Richtung.

Bücher über die Französische Revolution enthalten Darstellungen (ein Personenregister hilft bei der Ermittlung der Seiten), z. B.:

Ernst Schulin, Die Französische Revolution. 4., überarbeitete Auflage. München : Beck, 2004 (Beck's historische Bibliothek), S. 202 - 204

Wolfgang Kruse, Die Französische Revolution. Paderborn ; München ; Wien ; Zürich : Schöningh, 2005 (UTB : Uni-Taschenbücher : Geschichte ; 2639), S. 201 – 202 und S. 211

Für mehr Einzelheiten könne biographische Darstellungen herangezogen werden, z. B.:

Jean Paul Marat, Ich bin das Auge des Volkes : ein Porträt in Reden und Schriften. Herausgegeben von Aglaia I. Hartig, Originalausgabe. Berlin : Wagenbach, 1987 (Wagenbachs Taschenbücherei ; 148). ISBN 3-8031-2148-5

Frédéric Bluche, Danton. [Aus dem Französischen übersetzt von Inge Baxmann]. Stuttgart : Klett-Cotta, 1988 (Biographien zur Französischen Revolution). ISBN 3-608-93105-8; 3-608-93146-5

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