Was ist das Qualia Problem, wer kann in das mit paar einfachen Worten kurz erklären?

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3 Antworten

In wenigen Worten könnte man das so beschreiben.

Jeder von uns nimmt gewisse Qualitäten wahr, z.B. eine Farbe. Diese Wahrnehmung ist aber absolut sunbjektiv und individuell. Du kannst niemanden "erzählen", was blau ist und niemand weiß, ob dein Empfinden von "blau" identisch ist, wie andere "blau" empfinden.

Qualia sind also Wahrnehmungen bzw. Interpretationen, die ausschließlich dem wahrnehmenden Subjekt zugänglich sind. Daher wird die Existenz von Qualia teils bestritten.

Die Diskussion entzündet sich auch daran, wie Qualia zustande kommen können. Innerhalb des Materialismus, der auf der klassischen deteministischen Physik beruht, sind Qualia praktisch nicht beschreibbar bzw. es dürfte sie überhaupt nicht geben.

In der modernen Hirnforschung wird jedoch das Gehirn als eine dissipative Struktur betrachtet und innerhalb dieser Erklärung zur Selbstorganisation können Qualia problemlos aus der Hirntätigkeit emergieren, genauso wie Geist insgesamt als Emergenz der Hirntätigkeit betrachtet wird.

Es ist mir nicht wirklich gelungen, das Problem »kurz« zu formulieren, aber ich hoffe, es anschaulich und verständlich formuliert zu haben. Falls Fragen offen sind, bitte unbedingt auch formulieren.

Das wahrnehmende ›Ich‹ und die Außenwelt

Das Problem hat eine Menge mit dem subjektiv wahrnehmenden Ich zu tun. Dass dieses Ich unleugbar existiert, hat René Descartes' Satz in seinem berühmten Satz

»Ich denke, also bin ich«*)

zum Ausdruck gebracht: Dass ›ich‹ ›mich‹ mit der Frage, ob ›ich‹ existiere, überhaupt befassen kann, räumt jeden begründeten Zweifel an ›meiner‹ Existenz aus.

›Ich‹ existiere also, und das ist auch das Einzige, was ›ich‹ sicher weiß. Das Wort ›ich‹ habe ich in einfache Anführungsstriche gesetzt, um es von mir, einem Mann namens Philip, so um die Mondlandung herum in Deutschland geboren etc. etc. zu unterscheiden, denn das sind alles wahrnehmbare Merkmale, die zur Außenwelt zählen.

Diese (einschließlich meiner Mitmenschen) könnte rein theoretisch Illusion sein; eher jedenfalls ist sie Illusion als ausgerechnet ›mein‹ Bewusstsein.

Nach der Vorrede ist wohl folgende Formulierung nicht mehr überraschend: Ich glaube nicht, dass Qualiaeliminativismus (https://de.wikipedia.org/wiki/Qualia#Qualiaeliminativismus) Unfug ist - ich weiß es.

Erste Axiome

Ich bin kein Solipsist und glaube folgendes:

  • Die von mir wahrgenommene Außenwelt ist real.
  • ›Ich‹ ist identisch mit mir, diesem Philip aus Deutschland mit den Eigenschaften, die dieser nun einmal hat.
  • Meine Mitmenschen sind real, und zwar nicht nur als »Gegenstände«, sondern ebenfalls als ›ich‹s**) mit subjektiver Wahrnehmung.

Dass ich sie Axiome nenne, hat einen simplen Grund: Ich habe nicht den geringsten unwiderlegbaren Beweis dafür. Andererseits leuchten mir die Annahmen ein, und ich bin ziemlich überzeugt davon. 

Qualia und ihre Nicht-Objektivierbarkeit

Qualia sind radikal subjektive Wahrnehmungen des ›Ich‹. »Radikal subjektiv« heißt, dass sie in dieser Form ausschließlich diesem ›Ich‹ selbst zugänglich und nicht objektivierbar sind, auch nicht durch Sprache. Sie widersetzen sich eigentlich sogar jedem intersubjektiven Diskurs, und dafür will ich ein Beispiel anführen:

Als Beispiel dient häufig die Farbwahrnehmung, da sie gemeinhin als gutes Beispiel für Qualia gilt, die man vom objektiven Farbreiz säuberlich zu unterscheiden hat.

Mein »Blau«, Dein »Blau«

Ich füge das Bild einer Landschaft an. In der oberen Bildhälfte sieht diese Landschaft jede(r) so, wie er es zumindest von Fotos gewohnt ist. So sie oder er des Farbsehens mächtig ist, wird sie oder er beispielsweise den Himmel als »blau« bezeichnen und mir dies so mitteilen. Wir kommen überein, dass der Himmel auf dem Bild »blau« ist.

Nehmen wir aber an, dass z.B. Du Dich gewissermaßen science-fiction-mäßig bzw. telepathisch in meine subjektive Wahrnehmung »einloggen« könntest, dann ist nicht auszuschließen, dass Du das anders sähest, etwa wie das in der unteren Bildhälfte dargestellte Bild, d.h. mein »blau« sähe für Dich vielleicht grünlich aus.

Damit meine ich keinesfalls, dass zum Beispiel Deine Zapfen etwas anders verteilt oder »verschaltet« seien als meine, das könnte man ja objektiv feststellen.

Solange Du Dich nicht in meine Wahrnehmung einloggen kannst, wirst Du dies allerdings nie erfahren, denn unsere Begriffe, die eigentlich Qualia bezeichnen sollen, bezeichnen in Wahrheit etwas anderes, ich nenne es mal das objektivierbare Korrelat davon.

Dass mein »Blau« auch Deines ist und umgekehrt, sofern alle objektiv feststellbaren Voraussetzungen identisch sind, lässt sich als Axiom formulieren.

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Was die eigentlichen Qualia mit ihrem objektivierbaren Korrelat zu tun haben, ist meines Erachtens der Kern des Qualia-Problems.

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*) Es gibt Ergänzungsvorschläge wie »Ich empfinde, also bin ich«, die meines Erachtens aber auf einem wesentlichen Missverständnis des Satzes beruhen, nämlich dem, er feiere das (abstrakte) Denken als Grund einer Art »wahren Seins«. So habe ich ihn auch mal verstanden, aber er lässt sich auch als Rückschluss auffassen.

**) Im Rahmen der ersten Axiome sage ich nichts darüber aus, ob diese ›ich‹s von ›mir‹ wirklich verschieden sind und dies auch immer bleiben werden. Es könnte ebenso gut sein, dass alle ›ich‹ letztlich eines sind und es nur vergisst, wie es war, ich zu sein, wenn es gerade z.B. Du ist. Es könnte auch verschiedene ›ich‹ geben, die aber nicht immer getrennt bleiben werden.

Das Bewusstsein wurde in der Philosophie auch Qualia genannt, und das sich aus dem Bewusstsein ergebende Problem als Qualiaproblem, da viele Philosophen der Meinung sind, daß sich die Qualia nicht aus Physischem, wie unserem Gehirn ableiten lässt.


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