Was ist das Kastensystem im Hinduismus?

3 Antworten

Das indische Kastensystem ist leider ziemlich rigoros und Menschen, die in die unterste Kaste herein geboren werden, werden häufig stigmatisiert. Es gibt die sogenannten "Unberührbaren", die z.B. Leichenwäscher sind und die von den Menschen aus höheren Kasten geschnitten, schlecht behandelt werden.

Allerdings scheint es sich etwas zu lockern, ich habe neulich einen Bericht über einen jungen Mann gesehen, der eine Ausbildung hatte und dadurch aus seiner Kaste ausbrechen konnte und einen ganz normalen Beruf ausübte. Es sagte aber im Interview, wenn seine Kollegen seine Herkunft kennen würden, würden sie ihn völlig anders behandeln.

In der Regel ist es so, dass Kasten untereinander nicht heiraten, nicht aus dem selben Geschirr essen, sich zum Teil nicht einmal berühren dürfen. Die unterste Kaste, die "Unberührbaren" wurden jahrhundertelang wie die "Leibeigenen" im christlichen Mittelalter gehalten, sie verrichten die niedrigsten Arbeiten in Indien bis heute. Im christlichen Mittelalter stand übrigens auch der "Pristerstand" an oberster Stelle in der Pyramide, so wie die Brahmanen in Indien. Mahatma Gandhi war ein berühmter Brahmane, der die Kastengrenzen bewußt übertreten hat, und zum Beispiel Toiletten putzte, was ansonsten nur die Unberührbaren tun. Es war ein Riesenskandal in Indien. Ghandi wollte das Kastenwesen ganz aufheben, doch obwohl es offiziell heute nicht mehr als Gesetz gilt, habe ich es in Indien noch überall erlebt. Von anderen Ländern weiß ich nichts

Gemäß der hinduistischen Mythologie hat es ursprünglich vier große Kasten gegeben, die aus den Körperteilen des Puruscha, des Urvaters der Menschheit, entstanden sind. In einer Hymne des Rigweda heißt es: „In wie viel Teile ward er umgewandelt, Als sie zerstückelten den Puruscha? Was ward sein Mund, was wurden seine Arme, Was seine Schenkel, seine Füße da? Zum Brahmanen [oberste Kaste] ist da sein Mund geworden, Die Arme zum Râjanya [oder Kschatrija] (Krieger) sind gemacht,

Der Vaishya [Waischja] (Handwerker) aus den Schenkeln, aus den Füßen Der Shûdra [Schudra] (Diener) damals ward hervorgebracht“ (L. Renou, Die großen Religionen der Welt, S. 73).

Die Brahmanen, die Priesterkaste, sollen also aus dem Mund Puruschas, dem obersten seiner Körperteile, entstanden sein. Die Krieger oder Regenten (Kschatrija oder Radschanja) entstammten seinen Armen. Die Handwerker- und Händlerkaste, die Waischjas, wurden aus seinen Schenkeln. Eine niedrigere Kaste, die Schudras oder Diener, wurden aus den untersten Körperteilen, den Füßen, hervorgebracht. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden noch niedrigere Kasten, z. B. die Parias oder Unberührbaren oder, wie Mahatma Gandhi sie liebevoll nannte, die Harijans (Personen des Gottes Wischnu). Obschon die Diskriminierung der Unberührbaren in Indien seit dem Jahre 1948 verboten ist, haben sie doch noch immer ein schweres Los. Im Laufe der Zeit mehrten sich die Kasten, so daß fast jeder Beruf in der indischen Gesellschaft eine Kaste bildete. Das alte Kastenwesen, das jeden an seinem gesellschaftlichen Platz festhält, ist in Wirklichkeit auch rassisch gegliedert und „umfaßt bestimmte Rassentypen, angefangen von den [hellhäutigen] a.r.i.s.c.h.e.n bis hin zu den [dunkelhäutigen] vorwedischen Völkern“. Warna (Kaste) bedeutet „Farbe“. „Die ersten drei Kasten waren A.r.i.e.r, die hellhäutigsten Menschen; die vierte Kaste, die die dunkelhäutige Urbevölkerung umfaßte, waren Nichtarische“ (Donald A. Mackenzie, Myths and Legends Series—India). Das Kastenwesen, verstärkt durch die religiöse Karma-Lehre, hat bewirkt, daß in Indien Millionen Menschen ihr Leben lang arm und benachteiligt waren.

Interessanterweise wird in diesem Zusammenhang über Mahatma Gandhi, berühmt wegen der Gewaltlosigkeit, mit der er für Indiens Unabhängigkeit von Großbritannien (1947 gewährt) kämpfte und sich damit auch für die Verbesserung des Loses von Millionen Hindus einsetzte, vom indischen Professor M. P. Rege folgendes gesagt: „Er verkündete die Ahimsa (Gewaltlosigkeit) als höchsten sittlichen Wert und interpretierte sie als Sorge um die Würde und das Wohl jedes einzelnen Menschen. Die Autorität der hinduistischen Schriften lehnte er ab, wenn ihre Lehren der Ahimsa widersprachen; er kämpfte mutig für die Abschaffung der Unberührbarkeit und des hierarchischen Kastenwesens und förderte die Gleichberechtigung der Frau in allen Lebensbereichen.“ Wie Gandhi über das Los der Unberührbaren dachte, zeigt sich in einem Brief an Jawaharlal Nehru vom 2. Mai 1933: „Die Größe der Harijan-Bewegung erfordert mehr als nur intellektuelle Anstrengungen. Es gibt in der Welt nichts Schlechteres. Und doch kann ich mich von der Religion, also dem Hinduismus, nicht abwenden. Mein Leben wäre für mich eine Last, wenn der Hinduismus mich enttäuschte. Durch den Hinduismus liebe ich das Christentum, den Islam und viele weitere Religionen. Aber seine Unberührbarkeit kann ich nicht dulden“ (The Essential Gandhi).

Zu den niederen Kasten des Hinduismus zählen unter anderem die Chēruman oder Pulayan, wohingegen die Brahmanen Angehörige der obersten Kaste des Hinduismus sind, ursprünglich ausschließlich Priester.

Interessante Infos. DH!

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