Was ist das Geheimnis des Turmbauens?

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Ein Turm ist ein Zeichen von Macht. Dir wird vieleicht auch aufgefallen sein das nur männliche Knirpse Türme bauen, gerade bei Jungen ist der spielerische Turmbau eine Ausdrucksmöglichkeit, sie demonstrieren sich und der Umwelt damit ihr Macht einen hohen Turm bauen zu können, beziehungsweise den höchsten. Auf Ästhetik achten sie dabei nicht, es geht nur um die reine Höhe.

Es gibt viele mögliche Erklärungen warum das nun so ist, zum einen ist die bloße Größe des Menschen eben ein Zeichen für Überlegenheit und Stärke. Der Mensch kennt sich selbst am besten und sieht sich selbst in der Architektur, ein höheres Gebäude wirkt deshalb imposanter als das niedrigere. Manchmal liest man auch sachen wie "Phallus-Symbolik", ich bin aber eigentlich kein Anhänger solcher Abstrakten psychologischen Theorien bezogen auf Architektur.

In der Architektur weis man aber, das ein Hochhaus ab etwa 30 Stockwerken unwirtschaftlich ist, selbst die höchsten Mietpreise relativieren den logistischen Aufwand nicht mehr und alles was darüber hinausgeht wird nur aus prestige-Zwecken gebaut.

Das momentan imposanteste Beispiel, der Burdsch Chalifa hat alle zwanzig Stockwerke eine reine Logistiketage und der Aufwand den Turm zu betreiben ist absurd. Trozdem besitzt Dubai nun den höchsten Turm und hat ihn Medienwirksam bei der Eröffnung in "Chalifa" umbenannt, ihm also den Namen des Herrschers gegeben. Dubais Herrscher ist damit symbolisch der mächtigste Mann der Welt. Vom Aussehen des Rumes aber redet niemand, er ist relativ schlicht und funktional gehalten. Im Moment ist dieser Turm der höchste, er steht dabei am Ende eines Wettlaufs, der seit Jahrhunderten statt findet.

Der Bursch Chalifa ist traditionellen mesopetamischen Zikkuraten nachempfunden, die erste bekannte wirkliche Architektur überhaupt.

Das bekannteste Zikkurat ist der Turm von Babel, jeder weis wie die Geschichte ausgegangen ist, das aber nun Dubai dieses Thema so direkt aufgreift soll uns zeigen, das sie in der Lage sind den Turm zu Babel der in den Himmer reicht zu bauen - und zwar ohne Konsequenzen. Gewissermaßen verhöhnen sie die westliche, christlich geprägte Welt damit. Wie das ganze ausgeht wird sich zeigen.

Aus geschichtlicher Sicht ist das Zikkurat der Urtypus des wirklichen architektonischen Turmes, belegt ist diese Bauform das erste mal beim Architekten von König Djoser von Ägypten namens Imhotep, beim Grabmal des Djoser hat dieser erstmals die sonst rein kubische Grabform einfach durch einen weiteren, kleineren darauf aufgesetzten Kubus ergänzt und fertig war der erste wirkliche Turm. Aus dieser Idee entwickelten sich zum einen in massiver Ausprägung die ägyptischen Pyramiden, zum anderen die Zikkurate.

Bei allen Hierachisch aufgebauten Hochkulturen spielten nun Turmbauten eine große Rolle, bekanntlich zeigten ägyptische Pharaonen mit riesigen Pyramidenbauten ihre Macht, das Zikkurat fand besonders im Königreich Ur und Babylonien Bedeutung.

In der Stadt Babel nun stand dann auch der warscheinlich bekannteste Tumrbau, das Zikkurat von Etemenanki, heute bekannt als der Turm von Babel. Die biblische Geschichte beschreibt, dass das babylonische Volk seine lange Reise durch die Wüste beendet hatte, nachdem sie das fruchtbare Land zwischen den zwei Ströhmen Eufrat und Tigris, genannt Mesopetamien gefunden hatten und die Stadt Babylon gründeten. Von übereiferndem neuen Selbstbewusstsein geprägt wollten sie einen Turm bauen "dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder", sie wollten also einmal mehr ihre Macht durch einen Turmbau fundamentieren. Gott wollte das aber nicht mitansehen, da er befürchtete das ihnen "nun nichts mehr verwehrt werden wird(...) von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun" und so schickte er ihnen die berühmte Sprachverwirrung und "zerstreute sie (...) von dort in alle Länder, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen".

Das Gleichnis hat dabei durchaus einen realen Hintergrund, die überreste des Turmes sind archeologisch belegt, er hatte eine Fläche von 90x90 Metern und war etwa 90 Meter hoch. Die Geschichte wurde vermutlich von jüdischen Exilanten verbreitet, nachdem Babylon Jerusalem erobert hatte wurde das erste Babylonische Exil angeordnet und die Juden über großteile der Welt zerstreut, viele vornehmlich elitäre Juden wurden auch in Babylon angesiedelt, wo gerade der Turm gebaut wurde. Die Sprachverwirrung fußt dabei wohl auf dem Fakt, das die Juden seit Jahrhunderten ausschließlich hebräisch sprachen, während Babylon ein Vielvölkerstaat mit mehreren Amtssprachen war. Der Turm wurde jedoch vollendet, die Juden, die später nach Judäe oder Israel zurückkehren konnten verbreiteten aber trozdem die Geschichte vom sündhaften Babel das von Gott gestraft wurde weil es versucht hatte ihn zu erreichen. Real wurde Babel durch die Asyrer eingenommen, die den Turm zerstörten, im endeffekt kann man sagen dass das Gleichnis mit Wahheit behaftet ist. Babel fühlte sich Mächtig, baute ihrem Stadtgott das imposanteste Bauwek der damaligen Zeit und bewies den anderen, an welcher Stelle in der Macht-Hierachie es sich sieht, was sich die wirklich mächtigeren aber nicht gefallen lassen wollten und so wurde Babylonien eingenommen und der Turm zerstört. Nur der jeweils Mächtigste, aus jüdischer Sicht Gott, aus Asyrischer Sicht diese selbst darf und kann den höchsten Turm bauen und besitzen. Um Konflikten aus dem Weg zu gehen sollte man die anderen nicht provozieren, das ist das ganze Geheimnis hinter dem Gleichnisses.

Als Alexander der Große das längst gefallene Babel in sein Reich eingliederte, griff er die Geschichte ein weiteres mal auf und wollte den Turm zu Babel neu errichtet sehen und dort seinen Herrschersitz einrichten, symbolträchtiger kann man seinen Machtanspruch fast nicht ausdrücken. Am Ende waren 10.000 Soldaten beschäftigt, die Arbeiten wurden aber vorzeitig beendet, weil Alexander verstarb.

Da in den folgenden Jahrhunderten zwei Parteien die westliche Welt beherrschten, gibt es auch zwei unterschiedliche Turmformen: Die weltlichen und die sakralen. Städte kämpften im Mittelalter um den höchsten Sakralbau, die höchsten Glockentürme oder Minarette und es gibt in vielen Kleinstädten immernoch das Kirchturmrecht, nachdem man nicht höher als die Kirchturmspitze bauen darf. Karl der Große erbaute sich seine Pfalzkapelle, daraufhin bekriegten sich die Städte regelrecht mit dem höchstem Kirchturm. Der Kölner Dom beendete diesen Krieg zeitweise und war sehr lange das weltweit höchste Gebäude, später der Ulmer Dom, man hatte aber bereits eine grenzenlose Absurdität erreicht, ein Gebäude das mehrere Jahrhunderte Bauzeit benötigt und ununterbrochen restauriert werden muss ist aus vielen Hinsichten einfach nur noch Wahnsinn. Die weltlich Mächtigen bauten sich Türme an ihre Häuser, Burgen und Schlößer. Da mit den Sakralbauten aber bereits an die Grenzen des baulichen gestoßen war und man einen Ulmer Dom einfach nicht übertrumpfen konnte, wurde als neues Machtsymbol die Kuppel verwendet.

Bei den Römern war die Kuppel schon immer das ausdrucksmittel der Macht und mit dem Ende der Gotik besonn man sich darauf zurück. Als beispielsweise der Reichstag gebaut wurde, musste der Architekt die Kuppelhöhe verändern, da sie nicht höher sein durfte als der Kaiserpalast. Der Entwurf des NS- Architekten Albert Speer von der gigantischen "Halle des Volkes" sollte der Welt die Grenze im Kuppelbaus zeigen, wurde aber zum Glück nicht verwirklicht, manche Experten gehen davon aus das sich in der Kuppel mit seinem Durchmesser von 500 Metern Wolken gebildet hätten.

Gefördert durch das Bauhaus fanden Anfang des 20. Jahrhunderts neue zuvor nur in der Industrie verwendete Materialen Einzug in die Architektur, die Metalle. Damit war es plötzlich wieder möglich, wirtschaftlich Türme zu bauen und die Hochhäuser waren gebohren, der Turmkrieg ging weiter. Lange Zeit konnte Amerika das Monopol darauf halten und der Welt beweisen, das sie die Macht auf ihrer Seite haben. Neben Weltraum- und Rüstungswettlauf verblasste der Turmkrieg etwas in der Öffentlichkeit, die Sowjets bauten aber durchaus impossante Bauten in ihrem eigens kreirtem stalinistischen "Zuckerbäckerstil", die Univeristät Moskau mit ihren 240 Metern oder der Kulturpalast Warschau seien hier beispielsweise zu nennen. In Nordkorea findet sich mit dem Ryugyŏng Hot'el auch ein imposantes Beispiel, der pyramidische Turmbau hätte mit 330 Metern das höchste Hotel der Welt werden sollen, ist aber seit 1984 aufgrund von Geldmangel im Rohbau und ein weit sichtbares Symbol für das Scheitern Nordkoreas.

Der 11. September war ein Anschlag in das Symbolische Herz der westlichen Welt, einer der Türme des World Trade Centers war kurze Zeit das höchste Gebäude der Welt, gleichzeitig nannte man es "Welthandelszentrum" und setzte damit bewusst ein starkes Machtzeichen. Für manche war das World Trade Center der Turm von Babel und die Zerstörung die Konsequenz auf die Provokation.

Der nächsthöhere Turm wird übrigends vorraussichtlich wieder in Dubai stehen, falls es die Finanzkrise zulässt.

Es ist ein Jahrhunderte altes Spiel und dabei verhalten sich alle wie die Kindergarten Kinder, die versuchen einen höheren Turm als die anderen zu bauen, nur das man dabei Milliarden verschwendet.

Vielen Dank für deine ausführliche und aufschlussreiche Antwort - ich bin beeindruckt! :-)

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@roma2701

tolle antwort mit vielschichtigem bezug auf verschiedene aktuelle und historische begebenheiten und bauten! viele-viele-viele-viele däumchen hoch :)

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wirklich beeindruckend, aber auch arg rudemitäreririert an manananchen stellen :) ICH habe bei meinen türmchen immer die ästethik mit hineingezogen in das volumen der zu er- und berrechnenden aspekte der turmbau architektur! deswegen auch meine lazessive aversion wider capitals. umso mehr war es von immenser bedeutung für mein bescheidenes ego-ego ego zu emphasieren. uhhm. ja. my point is: nice answer, buddy!

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das nur männliche Knirpse Türme bauen,

ich glaube nicht, dass ich die einzige ausnahme war.

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man kann von einem turm einfach dinge sehen, die man von unten nicht sieht - man bekommt sozusagen einen anderen horizont, ist dem himmel etwas näher ... das kann schon glücklich machen --- und dann sowas bauen ist komliziert, wackelig (mit den bausteinen der kleinen) und es geschafft zu haben, ist einfach ein erfolg, der bekanntlich auch mal glücklich machen kann ... :-)

Danke für deine Antwort!

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Türme sind die Voraussetzung und daher auch der Inbegriff von Macht. Wer einen Turm errichtet hat und darauf thront, überschaut alles und jeden, der darunter steht. Allerdings geht es bei Kindern vielleicht auch eher darum, etwas gemeinsam zu erschaffen. Sei es ein Turm, ein Baumhaus, oder Lego City. Der Clou ist einfach, dass man aus allem möglichen einen Turm bauen kann. Vielleicht ziehen Kinder deswegen Turmbau vor Baumhausbau vor.

Vielen Dank!

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