Was ist das Bild vom Heil im Hinduismus?

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1 Antwort

Kannst du genauer schreiben, was du mit Heil meinst? 

Fragst du nach etwas wie dem christlichen Glauben an die Erlösung durch Christus?

Es gibt auch in der indischen Tradition so etwas wie Erlösung. Allerdings ist es da viel komplexer. Die am leichtesten zu erklärende Komponente wäre Karma (EIN Aspekt von Yoga). Karma heisst Handlung. Jede Handlung hat eine Auswirkung. Im Hinduismus (wie auch im Buddhismus) glaubt man, dass man immer in Umstände hinein geboren wird, die den "Verdiensten" (in positiven und im negativen Sinne) der voran gegangenen Leben entsprechen. Das Ziel wäre, so zu leben, dass altes Karma abgebaut und kein neues mehr aufgebaut wird. Dann wäre man zumindest karmisch frei und wird nicht mehr von den Zwängen der karmischen Gesetze hin und her geworfen. 

Es heisst allerdings nicht, dass man dann in den Himmel kommt, sondern man kann durchaus immer noch wiedergeboren werden. Das Konzept eines Himmels wie in Christentum gibt es im Hinduismus nicht wirklich (kommt ein bisschen auf die Glaubensströmung innerhalb der hinduistischen Glaubenswelt an). Manche glauben an eine Art persönlichem Gott (Krishna), andere glauben, dass die grosse Schöpferkraft formlos ist. 

Die Erlösung/Befreiung, die man sucht, ist das Ende der Wiedergeburten und je nach Glauben auch das Ende des individuellen Bewusstseins (was die Christen als Seele bezeichnen würden) indem es mit dem unendlichen göttlichen Sein verschmilzt. 

Diese Befreiung ist allerdings nicht allein durch Freiheit von Karma zu erlangen. Es werden verschiedene Wege dorthin beschrieben. Einer davon ist Hingabe (Bhakti), ein anderer Erkenntnis (Jnana)... Und dann gibt es möglicherweise noch göttliche Gnade. 

Der Hinduismus ist von aussen betrachtet keine homogene Religion. Er hat viele Unterströmungen und verschiedene Vorstellungen von Erlösung, was genau das ist und wie man es erlangt. In der Tiefe gehen diese Traditionen aber alle auf altes Wissen von Yogis und Sehern zurück, das in den Veden niedergeschrieben ist. Die Essenz ist letztendlich gleich, wenn man an den Ursprung zurück geht und Befreiung spielt eine zentrale Rolle.

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Kommentar von Yogamag
04.12.2015, 18:59

Der Yoga (ein wichtiger Bestandteil im Hinduismus) ist ein Weg um zu dieser "Erlösung" zu kommen- schon zur Lebenszeit. Wie du bereits erwähnt hast, sind in den Veden die Wege beschrieben, um sich vom "Karma" , dem Leiden im Leben  zu befreien. Im Yoga gibt es verschiedene Richtungen, die du teils angesprochen hast:

  • Karma-Yoga: der Weg des Handelns- wie verhalte ich mich, was tue ich Gutes oder Schlechtes... ethisches Handeln und dadurch das Karma auflösen (also zukunftsorientiert um nach dem Tod keinen "beschisseneren" Posten in der Lebenswelt zu bekommen ;-).
  • Jnana-Yoga: der Yoga, der durch intellektuelle Erkenntnis die Lösung findet... Unterscheidungsschau durch Versenkung, Meditation
  • Bhakti-Yoga: Denken, meditieren über eine Gottheit, mit der man sich identifiziert, sie verehrt, hingibt und mit ihr Eins werden will... da gibt es viele wunderbare Gottheiten im Hinduismus ;-)
  • Raja-Yoga: der als "höchste" Stufe bezeichnete Weg des Yoga. Er wird mit den Yoga-Sutren von Patanjali definiert - Ashtanga-Yoga, der achtgliedrige Pfad. Dazu gehört auch der Hatha-Yoga.

Der Unterschied zur Christlichen Erlösung, die erst nach dem Tod eintritt,  ist der Aspekt, dass ein Yogi bereits im Leben, den Zustand der "Erleuchtung" erlangen kann.

Das finde ich ausschlaggebend.

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