Was ist damit bei Borderline gemeint - Neben sich stehen?

6 Antworten

Interessant ist es, ein Blick in das Diagnosewerk DSM-V der APA zu werfen. Meines errachtens das beste Diagnosewerk bezüglich Borderline. So lässt sich die Krankheit besser verstehen.

Gemäss dem DSM-V müssen mind. 5 der folgenden 9 Merkmale erfüllt werden, damit es zur Diagnose "Borderline-Persönlichkeitsstörung" kommt.

  • Hektisches Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden.
  • Ein Muster instabiler und intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist.
  • Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung.
  • Impulsivität in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden Bereichen (z. B. Geldausgaben, Sexualität, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren, "Essanfälle").
  • Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten (SVV).
  • Affektive (emotionale) Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung (z. B. hochgradige episodische Dysphorie, Reizbarkeit oder Angst, wobei diese Verstimmungen gewöhnlich einige Stunden und nur selten mehr als einige Tage andauern).
  • Chronische Gefühle von Leere.
  • Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren (z. B. häufige Wutausbrüche, andauernde Wut, wiederholte körperliche Auseinandersetzungen).
  • Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.

Das "neben sich stehen" ist ein dissoziatives Symptom, welches im letzten Punkt beschrieben wird (mehr zu Dissoziation hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Dissoziation_(Psychologie). Im unterschied zu einer Psychose, bei welchen die Betroffenen tatsächlich das Gefühl haben jemand anders zu sein, ist bei den dissoziativen Symptomen die Realitätsprüfung in Takt. Die Person weiss also, was Realtiät und was ihre Gefühle sind.

Bekannte dissoziative Symptome sind z.B. Depersonalisation und Derealisation (https://de.wikipedia.org/wiki/Depersonalisation und https://de.wikipedia.org/wiki/Derealisation). Dabei haben bei der Depersonalisation die Betroffenen das Gefühl, dass ihre Körperteile fremd sind. Bei der Derealisation haben sie das Gefühl, dass die Umwelt fremd ist. Vielfach wird dies auch als ein "neben sich stehen" beschrieben. Wie bereits erwähnt ist jedoch die Realitätsprüfung (anders als bei Psychosen oder Schizophrenie) völlig intakt. Die betroffene Person weiss also, dass sie Krank ist und dass dies keine normalen Gefühle sind.

Dissoziative Symptome können isoliert (sehr selten) oder bei anderen psychischen Krankheiten wie Depressionen, Angstzustände oder auch Persönlichkeitsstörungen (z.B. Borderline) auftreten.

Was Deine Bekannte meint, ist ein Entfremdungsgefühl. Das fühlt sich so an, als ob man irgendwie sich selbst aus dem Inneren beobachtet und das Gefühl hat, dass dieser Körper eigentlich gar nicht mehr der Eigene ist. Man meint, irgendwie fremdgesteuert oder wie ein Roboter zu funktionieren. So wie im Film aus der Sicht eines Protagonisten. Du weißt, dass es Dein Körper ist und Du steuerst eigentlich auch alles ganz normal, aber es fühlt sich einfach fremd an.

Allerdings ist dies nur ein Teil der Borderline-Störung. Der Begriff Borderline wurde eingeführt, weil man diese Art der Störung weder eindeutig dem neurotischen noch dem psychotischen Spektrum der psychischen Erkrankungen einordnen konnte.

Ein symptomatische Verhalten bei Borderline ist auch die Unbeherrschtheit und mangelnde Selbstsicherheit. Die Patienten fühlen sich selbst oft wertlos und suchen immer wieder die Schuld bei sich selbst. Sie können auch ganz schlecht mit Komplimenten umgehen, da sie davon überzeugt sind, dass sie kein Lob verdienen.

Hinzu kommen dann auch noch Selbstverletzungen in jeder erdenklichen Form. Das kann ganz offen zu Tage treten, z.B. durch Ritzen, oder auch unterschwellig, indem Patienten sich selbst andauernd boykottieren, indem z.B. wichtige Freunde verprellt werden, wodurch deren Enttäuschung und Unverständnis wieder auf den Patienten zurück fällt. So findet der Patient dann wieder die Bestätigung, nichts wert zu sein.

Diese Art der Verprellung kann dann auch in emotionalen Ausbrüchen (Wut) auftreten und dann fliegen auch schon mal die Teller. Auch das endet dann wieder in Selbstvorwürfen, weil man es gar nicht so gemeint hat und sich auch wieder nicht beherrschen konnte. Also: "Ich bin nichts wert."

Bei der aktiven Selbstverletzung (Ritzen o.ä.) kommt noch eine weitere Wahrnehmungsstörung hinzu: die innere Leere. Man fühlt nichts mehr und man ist irgendwie wie hohl, ausgehöhlt. Diese Leere wird dann versucht mit Schmerz zu füllen. Aber da definieren sich die Meisten das dann auch wieder individuell verschieden.

Eine weitere Form der Selbst-Zerstörung sind auch Süchte (Essstörungen, Drogen, etc.). Ich glaube es waren ca. 80% der Betroffenen, die auch Sucht-Probleme haben, wodurch dann auch wieder eine Therapie verzögert wird.

Was nun normal gesunde Menschen betrifft, wie Dich, die können diese innere Welt nicht verstehen, denn Du weißt, wenn Du etwas machen musst, dann tust Du das einfach und vielleicht fragst Du Dich auch mal warum, aber Dir würde im Traum nicht einfallen, dass Du etwas, was Du auch machen willst, nicht machen kannst, weil irgend etwas im Inneren Dich hindert. So sieht das bei Borderlinern aus. Entweder hindert sie ein Zwang daran etwas zu tun, was sie eigentlich wollen, oder ein Zwang treibt sie dazu Dinge zu tun, die sie gar nicht wollen. Aus diesem Gefühl der Selbst-Unbestimmtheit heraus ist dann auch diese Entfremdungs-Wahrnehmung verständlich. Wenn ich nicht mehr steuern kann, was ich will, wer steuert mich dann?

Es ist jedenfalls eines der schwierigsten Themen der Psychiatrie und erst seit Kurzem zeichnen sich Therapie-Erfolge ab. Leider ist es auch so, dass von einer Heilung erst nach Jahrzehnten geträumt werden kann.

Ich hoffe, das war grob verständlich. Viel Text, aber zu wenig, um dieses Thema umfassend begreiflich zu machen ;)

Borderline ist eher, dass man sich selbst nicht so spürt. Am besten kann das nur ein Borderliner erklären. Außenstehende wissen nicht annähernd was in denen vorgeht. Schau mal im Internet, da findest du die richtige Definition dazu.

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