Was ist bei Kant der Unterschied zwischen Provisorischer und Peremtorischer Besitz?

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Eine Klärung der Bedeutung der Fremdwörter ist ein wesentlicher Schritt zum Begreifen.

Provisorisch“ bedeutet „vorläufig“, „behelfsmäßig“. Das Wort ist von dem lateinischen Verb „providere“ („voraussehen“ „Vorsorge treffen“) abgeleitet.

Peremp(t)orisch“ bedeutet „dauerhaft“, „endgültig“, „abschließend“. Das Wort ist von dem lateinischen Adjektv „peremptorius“ („tödlich“, „verderblich“; „gleichsam einen Streit abschneidend“; „zwingend“, „unbedingt“, „endgültig“) abgeleitet /das verb „perimere“ bedeutet „wegnehmen“; töten“).

Personen können Rechtsanprüche auf einen bestimmten Gegenstand erhaben. In einem gesellschaftlichen Naturzustand gibt es aber keine gegenseitige Anerkennung des Mein und Dein mit Rechtssicherheit. Personen können zwar Rechtsansprüche auf einen äußeren Gegenstand geltend machen. Ein bloß subjektiver Wille kann aber andere nicht allgemeinverbindlich verpflichten, den Anspruch auf einen durch eine einseitige Handlung in Gesitz gebrachten Gegenstand anzuerkennen und die Freiheit einzuschränken.

Beim provisorischen Mein gibt es einen Besitzwillen auf einen Gegenstand, der auf einen Zustand mit Rechtssicherheit zielt, er ist aber nicht erreicht und es fehlt eine Grundlage. Der empirische Besitz könnte angetastet werden und gewaltsam den Besitzer wechseln.

Beim perem(t)orische Besitz ist Rechtssicherheit verwirklicht. Der Besitzwille unterliegt der Anforderung, als in einem allgemeinen Willen enthalten gedacht werden zu könnnen, um rechtlich begründet zu sein. Das Recht auf einen äußeren Gegenstand schließt das Recht auf Bedingungen ein, die eine Sicherung des Besitzes ermöglichen.

Personen haben eine Befugnis, andere darauf verpflichten zu können, den Gegenstand nicht gegen ihren Willen zu gebrauchen, und sie in einen Zustand zu bringen, in dem der Besitz durch einen allgemeinen gesetzgebenden Willen bestimmt wird. Personen können also andere verpflichten, mit ihnen in einen Zustand des Gesellschaftsvertrages einzutreten. Ein Rechtsstat mit verbindlichen Entscheidungen und einer Zwangsgewalt zur Durchsetzung von Rechstansprüchen entsteht als Garant.

Ein provisorischer Besitz ist ein Besitzstück, das jemand hat (z. B. einen Tisch) und dafür einen gesicherten Rechtsanspruch anstrebt (auf den Zustand der Sicherstellung des Rechts voraussehend, nach Kant „in Erwartung und Vorbereitung“), aber sich noch nicht in einem rechtsstaatlichen Zustand befindet. Streitigkeiten darum werden bloß in privaten Auseinandersetzungen ausgetragen, nicht in Gerichtsprozessen.

Beim peremp(t)orischen Besitz ist der Übergang zu einem endgültigen und abschließenden Rechtsverhältnis vollzogen, mit der Grundlage eines vereinigten Wille, bei dem die Freiheit aller nach einem allgemeinen Gesetz übereinstimmen kann.

Danke Albrecht, guter Denkansatz, die Begriffe vorerst zu übersetzen. Ich verstehe es so wie Du...

Woher kommt dein Verständnis für Kant?

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Die Unterscheidung von provisorischem und peremtorischen Besitz macht Kant in seiner Rechtslehre dann, wenn er die Möglichkeiten der idealen (im Sinn des freien Willen postulierten) Erwerbung erörtert. Bei der Möglichkeit der Ersitzung (usucapio) ist es ihm wichtig, festzustellen, dass der Erwerb eines Besitzes durch Verjährung nur dann gesichert, also peremtorisch und damit rechtlich zu verteidigen ist, wenn ein langjähriger Besitzakt bewiesen werden kann. Sonst gäbe es nirgendwo gesicherten Besitz, und jedes Besitzverhältnis wäre nur einstweilig (provisorisch).

sorry weiß hierauf zwar keine antwort habe aber diesen google link gefunden

bitte lies selbst und schau ob das ausreicht :-)

http://tinyurl.com/2ve2gpc

ja vielen Dank, ich hatte diesen Link selbst entdeckt aber dannh verloren und dank Dir nun wiedergefunden :o) es ist ein sehr schöner Aufsatz dazu!

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