was ist bei den heutigen Kantenfiltern in der digitalen Fernsehtechnik anders geworden?

1 Antwort

Kammfilter (die in der Frage geschrieben und nach Beschreibung wohl auch gemeint sind) dienen zur Trennung von Chrominanz und Luminanz bei Composite-Signalen, Kantenfilter (wie im Betreff) erhöhen die Kantenschärfe.

Überall wo noch Analogeingänge vorhanden sind, sind auch noch Kammfilter vorhanden. Das ist halt so, weil Composite das voraussetzt. Composite heißt, dass bis zu einer gewissen Frequenz (von DC bis ca. 4-5MHz) Helligkeit übertragen wird, die S/W-Fernseher einfach so darstellen und darüber ein moduliertes Farbsignal liegt, das durch die Differenzen zum Helligkeitssignal auf einzelnen Rot und Blau Farbe ins Bild bringt. Der Kammfilter trennt diese beiden Bereiche.

Alte Geräte haben ggf. analog getrennt. Da bei zu steilen Flanken der Tiefpass (nur Luminanz, also Helligkeit) und Hochpass (nur moduliertes Chrominanzsignal) Störungen wie Chross-Luma (Übersprechen hochfrequenter Helligkeitswechsel in die Farbe und somit Farb-Moirés an schnellen Helligkeitswechseln) und Cross-Color (Schachbretter weil das Chrominanzsignal als Helligkeitswechsel dargestellt wird) auftreten können, haben alte Geräte recht großzügig gefiltert, was das Bild hat unscharf werden lassen.

Neue Geräte trennen digital und können daher schärfer trennen (mit steileren Flanken und Trennfrequenz näher an den Signalgrenzen). Dadurch wird das Bild schärfer, aber je nach Ausgangssignal die Gefahr von Cross-Color und Cross-Luma größer. Daher wird über Zeit gefiltert (nach Linien pro Zeile und Zeilen ist Zeit die dritte Dimension, daher nennen sich diese Schaltkreise auch 3D-Kammfilter oder 3D-Y/C-Trennung). 3D-Trennung ist bei PAL eher unerheblich und verbessern das Bild nur leicht, aber bei NTSC wichtig zur Vermeidung der berüchtigten Phasenverschiebung in der Farbe (Never The Same Color)

Die Schaltkreise werden zwar vermutlich nicht mehr weiterentwickelt, aber waren vor Jahren schon gut ausgereift und sind in der Herstellung auch billiger, als aufwendige analoge Tiefpass-Hochpass-Schaltungen. Daher werden in modernen Geräten Chips mit 3D-Kammfilter verbaut. Das Bild wird einmal eingangsseitig digitalisiert, dann vom digitalen Kammfilter getrennt (je nachdem sogar ein einziger Chip der das macht) und dann an die Schaltkreise weitergegeben, die auch von DVB-Tunersignalen oder HDMI durchlaufen werden (da kommt dann ggf. Kantenschärfung ins Spiel, aber auch Farbe, Helligkeit..., was man im Menü so einstellen kann). Wird der 3D-Filter aber falsch parametrisiert (man kann sie in Trennschärfe, Filterung... einstellen, dabei gibt man sich evtl. nicht mehr so viel Mühe), kann es zu leichten Schachbrettmustern oder Farb-Moirés kommen.

Was möchtest Du wissen?